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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-12-24 · Heft 52 (24.12.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 52 (24.12.1909)
Date
1909-12-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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73. Jahrgang. Nr. 52. (jBerlin- U- »e^mber 1909. Deilagr zur „Allgemeinen Leitung deS Iudentumß^. Korrelponden?m und Nachrichten. Veutschland. *** Berlin, 21i Dezember. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums veranstaltet wieder eine Reihe von Vorlesungen zum Besten ihres Stipendienfonds. Am 3. Januar spricht Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Hermann Cohen aus Marburg über: „Innere Beziehungen der Kantischen Philosophie zum Judentum", am 17. Januar Prof. Dr. Ludwig Stein über: „Das Rassenploblem und das Judentum", am 31. Januar Prof. Dr. George F. Moore von der Harvard-Uuiversity. Philadelphia (Mass) über: „Die Eigenart israelitischer Geschichtsschreibung im biblischen Zeitalter", am 14. Februar Rabbiner Dr. Hochfeld über: „Die Idee der Unsterblichkeit im Judentum", am 28. Februar Rabbiner Dr. L. Bäck aus Düsseldorf über: „Die Entstehung des Christentums", am 14. März Rabbiner Dr. A. Tänzer aus Göppingen über: „Tie Tiroler Juden und das Jahr 1809". — Die Vorlesungen finden in der Aula der Lehranstalt, Artilleriestraße 14, Montags, abends 8 Uhr statt. Einlaßkarten sind zu haben bei Hofjuwelier Eugen Marcus, Unter den Linden 31, beim Sekretariat der Lehranstalt und am Eingang in den Saal. */ Berlin, 20. Dezember. Auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee fand gestern mittag die Beerdigung der Frau Lina Morgenstern statt. Unter den zahlreichen Trauergästen bemerkte man Deputationen fast aller Berliner Frauenvereine. Prachtvolle Kranzspenden waren gewidmet vom Lette-Verein, vom Verein Frauenwohl, vom Zentralbureau des Vereins Berliner Volksküchen, vom Verein Frauenstreben, vom Personal lind den Schülerinnen der Kochschule des Berliner Hausfrauenvereins und vom Verein für Frauenstimmrecht. Die Trauer wurde eingeleitet durch den Quartettgesang: „Ich pilgerte auf Erden", worauf Rabbiner Tr Hochfeld die Gedächtnisrede hielt. In bewegten Worten zeichnete er ein Lebensbild der Heimgegangenen und gedachte der großen Erfolge, die Lina Morgenstern in der Wohlfahrt und der sozialen Hilfsarbeit zu verzeichnen gehabt hat. Ferner sprachen noch am Sarge Prediger Dr. Klemperer von der Jüdischen Reformgemeinde und Professor Dr. von Pannwitz, der der Verewigten im Namen des Vereins der Berliner Volksküchen von 1866 Worte der Anerkennung nachrief. Mit Quartettgesang: „Da unten ist Frieden," schloß der Trauerakt, worauf die Beisetzung erfolgte. *** Berlin, 21. Dezember. Von dem Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands erhalten wir einen Auszug aus dem Protokoll über seine zweite Vorstandssitzung, aus dem wir folgende Punkte mitteilen: Dem auf der Delegiertenversammlung vom 30. Mai d. I. mit 24 Vereinen begründeten Verbände haben sich inzwischen 19 weitere Vereine angeschlossen, so daß der Verband jetzt 43 zählt. Das Verhältnis des Verbandes zu den jüdischen Organisationen, wie Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B., Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, D. I. G. B.. ist das denkbar beste. Diese Organisationen haben die Verbandstätigkeit mit lebhaftem Interesse verfolgt und den Verband in dankenswerter Weise ideell und materiell gefördert. Auch aus anderen Ländern sind betreffs Gründungen von Jugendvereinen Anfragen an den Verband ergangen, wie aus der Bukowina, Rumänien, Palästina (Jerusalem) und Oberösterreich. Den Bemühungen der literarischen Kommission (Dr. Apfel, Dr. Rosenkranz) ist es gelungen, eine Anzahl bekannter Redner zur Abhaltung von Vorträgen in den Verbandsvereinen zu gewinnen; außerdem hat sie mit Hinzuziehung von Bibliothekaren einen Bücherkatalog zur Begründung von Jugendvereinsbibliotheken ausgearbeilet. Durch die in der letzten Vorstandssitzung gegebene Anregung zur Einführung hebräischer Sprachkurse mußte die Geschäftsstelle sich mit der Prüfung der Lehrmittel beschäftigen. Leiber konnte sie nur wenige Bücher empfehlen, da die in Rußland und Palästina verfaßten Lehrbücher für das schulpflichtige Kindesalter geschrieben sind. Für Westeuropa und insbesondere für Deutschland, müßte ein solches Buch erst verfaßt werden und zwar unter Berücksichtigung der reiferen Jugend und der Erwachsenen. Eine Bezirkstagung der südwestdeutschen und rheinischen Vereine wird am 26. Dezember d. I. mit reichhaltiger Tagesordnung in Frankfurt a. M. stattfinden. Zum Herbste 1910 läßt der Verband 'ein eigenes Organ für seine Zwecke erscheinen. Der Verband der deutschen Juden soll um Ueberlassung von 5000 Abzügen der Rede des Herrn Rabbiner Dr. Gutmann- Breslau über „Die Idee der Versöhnung im Judentum" für die Mitglieder der Verbandsvereine ersucht werden, damit die Jugend aus dieser vortrefflichen Rede lerne, wie sie das Judentum mannhaft zu verteidigen habe. Die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich in Berlin SW. Wilhelmstraße 118 III. Zuschriften sind zu richten an den Verband der Jüdischen.Jugendvereine Deutschlands zu Händen des Herrn Rabbiners Dr. E. Finkel. '' — Bosen, 19. Dezember. Am 15. d. M. fand die Einweihung des Judenstraße 15/18, auf dem Bauplatze der alten Synagoge errichteten stattlichen Neubaues des S. .H, Latzschen Alten- und Siechenheims statt. Hierzu hatten sich als Ehrengäste eingefunden: Regierungspräsident Krahmer, Polizeipräsident von Heyking, Oberbürgermeister Dr. Wilms, BürgermeisterKünzer. Geh. Kommerzienrat Herz, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Placzek, eine größere Anzahl von Siadträten und Stadtverordneten, sowie der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogengemeinde, ferner der Erbauer des Heims, Oberlehrer Grotte und verschiedene andere Gäste. Die Feier begann mit einem wirkungsvollen Wechselgesange des Kantors und des Chores. Dann hielt namens des Vorstandes des Heims der Vorsitzende Berthold Hamburger an die Festversammlung eine eindrucksvolle Ansprache. Nach einer Psalmrezitation des Kantors Leibowicz folgte die Weiherede des Gemeinderabbiners Dr. Feilchenfeld, in der er auf den reichen Segen hinwies, der von der unscheinbaren Stiftung im Laufe ihres 80 jährigen Bestehens auf Kranke und Sieche der jüdischen Gemeinde ausgeströmt ist. Mit Gebet für das Kaiserhaus, die Staats- und Stadtbehörden und einem solchen für die Anstalt, ihre Insassen, ihre Stifter und den Anstaltsarzt schloß die Feier. Es folgte ein Rundgang durch die praktich eingerichteten, mit Luft und Licht reichlich versehenen Räume, die ihrem Erbauer, dem Oberlehrer und Architekten Grotte, nngeteilte Anerkennung brachten. Erwähnt zu werden verdient noch, daß Herr Grotte das Projekt dem Heimvorstande ohne jeden persönlichen Vorteil überlassen hat, er mithin unter die Stifter für das Heim zu zählen ist. 8. Fraustadt, 19. Dezember. Die hiesige jüdische Schule wird demnächst aufgelöst. Die Kinder werden der evangelischen Stadtschule überwiesen. Nach de^ übereinstimmenden Beschlüssen der evangelischen und jüdischen Schulrepräsentanten soll an der evangelischen Schule so lange ein Lehrer jüdischer Konfession angestellt werden, als von der Shnagogengemeinde das Bedürfnis angenommen wird. Diese Schulauflösung ist von symptomatischer Bedeutung. Die Gemeinde Fraustadt gehörte ehemals zu den größeren Gemeinden Posens, sie zählte noch 1857 etwa 500 Seelen. Die jetzt der Auflösung verfallene Voksschule wurde um 1826 begründet, die noch 1886 von 27 Kindern besucht wurde. J. Breslau, 17. Dezember. Daß die Juden in der Ostmark die stärksten Stützen des Deutschtums sind, dafür aber vielfachen Anfeindungen und Zurücksetzungen der antisemitischen Deutschtümler ausgesetzt sind, ist zu bekannt, als daß es nötig wäre, darüber noch viele Worte zu verlieren. Auch in Oberschlesien, das mehr und mehr von der polnischen Welle ergriffen wird, das daher von den Methoden des Entgegenwirkens, wie sie in den Posenschen Landen zn der so erschreckenden Abwanderung der dortigen Juden geführt haben, bedroht ist, ist das der Fall. Auch hier sind, wie aus dem letzten Verbandstage des „Verbandes der deutschen Juden" in unserer Stadt dargelegt worden ist, vorzugsweise die Juden Pioniere des Deutschtums.

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