Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- Seite 624 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Mchtreinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Die Geschichte Israels nach den Urquellen neu und selbständig bearbeitet von W. Jawitz. 7. Band. Vom Anfang der Amoräerzeit bis zu ihrer Blüte in Babylonien und ihrem Niedergang in Palästina. ' Berlin N. W. Jawitz. Golus. Novellen und Skizzen aus dem jüdischen Leben von David Rothblum. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn. Licht. Schauspiel in einem Aufzug von Friedrich Porges. Jübischer Buch- und Kunstverlag, Brünn.? Bei Kempinski und anderes. Humoresken aus dem jüdischen Leben von Oskar Klein'. Berlin, Verlag von Carl Duncker. Im „Zo" und anderes. Humoresken aus dem jüdischen Leben von Oskar Klein. Berlin, Verlag von.Carl Duncker. Wegwei^Wür den jüdischen Unterricht. Herausgegeben von Dr. M. Spä^E und E. Flanier. Heft 4. Berlin, C. W. Latte. Martin Buber. Die Legende des Baalschem. Frankfurt a. M. Rütten und Loening. - Literarische Anstalt. Sxrechsggl. An Rabbinus! ie waren so freundlich, mir auf meinen Artikel vom 24. April 1909. zu antworten. Ich hatte gefragt, warum sich niemand um. die armen jüdischen Schulkinder kümmert, warum die, die noch die Speisegesetze zu beobachten von Hause aus angehalten werden, kein warmes Mittagbrot bekommen, trotz der Schulspeisungen der Stadt, und daran die Frage geknüpft: „warum interessieren sich hierfür nicht unsere Rabbiner?" Sie haben mir darauf geantwortet: „Es gibt keine jüdischen Kinder, die nicht zu Hause genügend gespeist werden — solche Armut ist nicht in den Häusern der Juden." Wenn ich eines Beweises bedurft hätte, daß den Rabbinern der jüdischen Gemeinde Berlins die Fühlung mit unserem Proletariat fehlt, diese Worte eines unserer Besten zeigen mir, wie recht ich hatte, die Frage zu stellen: „Wo sind in einem solchen Falle unsere Rabbiner?" In der Armenkommission der jüdischen Gemeinde Berlin arbeiten fünfzig Damen und Herren, um nur der allergrößten Not ein wenig zu steuern, um nur den Hunger von Tausenden ein wenig zu stillen. Kommen Sie zu uns und fragen Sie die Mitglieder der Armenkommission, wie oft sie hungernde Kinder finden, wie oft sie bei ihren Recherchen gleich einige Mark im Hause der Hilfesuchenden lassen, damit nur für Brot gesorgt wird. Sie würden erfahren, daß wir im Jahre 1908 etwa 20 000 Speisemarken ausgegeben haben, von denen auch ein Teil für hungernde Kinder bestimmt war. Und wie viele kommen nicht zu uns, wie viele scheuen nicht den doch niederdrückenden Schritt, ihre Armut einzugestehen und schicken die Kinder hungrig zur Schule — und hungrig zu Bett. Wenn sich die Gemeindeverwaltung Berlin zur Schulspeisung armer Kinder entschlossen hat, dann muß die Not schon sehr groß sein — und warum nicht auch bei der armen jüdischen Bevölkerung? Ihr Vertrauen, sehr geehrter Herr, zu unseren Glaubensgenossen und zu deren Kinderfürsorge ehrt Sie und unser jüdisches Proletariat, aber Arbeitslosigkeit und Krankheit des Ernährers machten nicht Halt vor den Türen der Juden, wie einst der Todesengel in Aegypten. — Also die Not ist da, und es soll und muß geholfen werden. Aber warum habe ich mich mit meiner Forderung an die Rabbiner der jüdischen Gemeinde gewandt und nicht an den Vorstand? Unser Vorstand betrachtet sich und kann sich nur betrachten als Verwaltungsorgan, zeigt für soziale Fragen nur dann Interesse, wenn diese von außen her entweder durch Stiftungen oder private Fürsorge zwingend an ihn herantreten. Wenn Sie sich die ganze Skala von Wohlfahrtseinrichtungen der jüdischen Gemeinde ansehen, so sind es alles Schöpfungen der Initiative einzelner — die allerdings — ob gewollt oder nicht —- oft von der Gemeinde verwaltet werden: Attersversorgunüsanstalten — Siechenhaus Waisenhäuser— Taubstummenanstalt — Lehrlingsheim — Arbeitsnachweis — Ferienkolonien — Kindergarten — selbst die wissenschaftlichen Institute — alles Geschenke — nirgends die Verwaltung als Schöpferin — kaum als Pflegerin. Aber der Vorstand hat ein Organ der sozialen Fürsorge, das sein Berater und Anreger sein müßte: die Rabbiner! Deshalb fragte ich in meinem Artikel vom24. Avril 1909: wo ist in dieser Frage der Einfluß unserer Rabbiner? warum machen sie ihn nicht geltend? Sie aber, sehr geehrter Herr, antworten mir--- „es ist kein Bedürfnis vorhanden, wir haben keine solche Armut unter den Juden". Hatte ich da nicht recht,-wenn ich hinzufügte: unsere Rabbiner sind durch ihr Amt und besonders durch die Kasualien so sehr in Anspruch genommen, daß sie fürihre sozialen Aufgaben keine Zeit übrig haben. Was will es da sagen, daß sich in Not Befindliche auch an die Rabbiner wenden; und was sind das für Hilfesuchende? Durchreisende Ausländer, auch Inländer, die mit Empfehlungen an den Rabbiner ausgestattet sind, Gutsituierte, die durch einen Unglücksfall ins Elend geraten sind, Studenten, die Stipendien durch Vermittlung der Rabbiner zu erhalten hoffen. — Ich gönne ihnen allen von Herzen jede Hilfe, denn sie werden sich wohl nicht ohne zwingenden Grund an die Herren Rabbiner wenden, aber das ist nicht unser Proletariat, das sind nicht unsere, nicht Ihre „Armen", das sind nicht die, die kein schützend Dach mehr über, dem Kopf und kein Brot mehr im Haus haben. Zu diesen Armen fehlt eben dem Berliner Rabbiner der Konnex, weil er keine Genieinde hat. „Außer der, die er sich selbst im Laufe der Jahre geschaffen hat", antworten Sie mir in Ihrer Entgegnung. — Wie aber sieht diese selbstgeschaffene Gemeinde aus? 'Da muß ich allerdings von vornherein die Besucher der alten Synagoge und Kaiserstraße-Synagoge ausnehmen. Alle anderen hören ein- bis zweimal im Jahr in der gleichen Synagoge denselben Rabbiner, sonst gründen sich die Beziehungen nur durch die Kasualien. Aber weder für die Rabbiner noch für die Gemeindemitglieder ist das genügend (Ausnahmen bestätigen nur die Regel), soll nicht der religiöse Zusammenhang immer mehr schwinden, soll nicht der Einfluß der Rabbiner und besonders der auf die arbeitenden Klassen ganz verloren gehen. Ich unterschätze nicht die Arbeit, die unsere Rabbiner leisten und leisten müssen, um ihrem Amte gerecht zu werden, aber ich verlange mehr: die Rabbiner müssen die Träger H der sozialen Gedanken unserer Religion sein, und damit sie das werden, müssen sie nicht mit den Königen sitzen — sondern mit dem Volke leben! Ihr ergebener Eska. ^^>ir erhalten von Herrn Rabb. Dr. Porges in Leipzig folgende Zuschrift: In Nr. 50 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie einen Bericht über die in Leipzig am 27. November d. I. abgehaltene Propaganda-Versammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden. Der Bericht ist, soweit er meine Person betrifft, unrichtig, weil er Hauptsachen unerwähnt läßt. Hierzu gehört, daß ich ausdrücklichst betont habe, der Hilfsverein der Deutschen Juden möge seinem ursprünglichen Programm treu bleiben: „den östlichen Glaubensgenossen durch Errichtung deutscher Schulen deutsche Sprache und Bildung zu vermitteln und ihnen damit das wirtschaftliche Fortkommen zu erleichtern." Hiermit habe ich in nicht mißzuverstehender Weise schweren grund sätzlichen Bedenken Ausdruck gegeben hinsichtlich der derzeitigen Art der Durchführung des Schulprogramms, die ich mit dem ursprünglichen deutschen Programm für keinesfalls vereinbar halte. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. ' Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.