Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1910)
- Date
- 1910-12-30
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Verein für jüdischeKra.nkenpflegerinnen,Berein fürdieAugenkliniken im Orient, Verein Montesiore, Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten, Äerein Esra, Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem, Verein für'jüdische Geschichte, Säuglingsmilchküche. Der Entschlafene war eine Zierde der deutschen Juden; sein.segensreiches Leben und Wirken sderdient einer eingehenden Würdigung, die wohl von berufener Seite recht bald folgen wird. Bechhofen, 22. Dezember. Es sei hiermit die Aufmerksamkeit auf die altehrwürdige Synagoge in unserem Orte gelenkt, welche Direktor Frauberger in Düsseldorf als eine große Sehenswürdigkeit bezeichnet. Außen unscheinbar wie eine.große Bretterhütte, ist sie im Jahre 1691 von einem jüdischen Maler namens Elieser ben Schlomoh vom Fuß bis zum Giebel mit eigenartigen Malereien bedeckt worden. Sehenswert ist auch der in Bechhofen befindliche, über 400 Jahre alte Friedhof, welcher die Toten der israelitischen Kultusgemeinden Bechhofen, Kolmberg, Kronheim, Heidenheim, Leutershausen, Jochsberg und Wassertrüdingen aufzunehmen bestimmt ist. Bis 1817 führte auch die Kultusgemeinde Ansbach, bis 1885 Gunzenhausen und bis 1906 Altenmuhr ihre Toten dahin. In letzter Zeit hat sich die Notwendigkeit gezeigt, den Friedhof in Bechhofen zu erweitern. Am 1. Oktober würde der Friedhof seiner Bestimmung übergeben, zu welcher Feierlichkeit Herr Diftriktsrabbiner Dr. Kohn in Begleitung des Kultusvorstandes Jakob .Weil von hier erschienen war. Nach alter Sitte wurde unter den vorgeschriebenen Gebeten der Rundgang im Friedhof gemacht. An diese Gebetfeier schloß sich die Beerdigung eines in Wassertrüdingen verstorbenen Israeliten .an, welcher sich um das Zustandekommen der Friedhofserweiterung besondere Verdienste erworben hat. — Grünstadt, 22. Dezember. Wie von Ihnen bereits mitgeteilt, verstarb zu Frankfurt a. M., wohin er erst vor wenigen Tagen übergesiedelt war, .Herr Hauptlehrer Benjamin Freudenthal, der 35 Jahre an der hiesigen Simultanschule als Lehrer gewirkt hatte. Er hat sich seines wohlverdienten Ruhestcurdes, in den er erst im Mai nach 46 jähriger Amtstätigkeit eingetreten war, nicht lange erfreuen dürfen; erst 67 Jahre alt hat ihn ein. schweres, langwieriges Leiden hinweggerafft. Dank seines vornehmen. Charakters, seiner bewundernswerten^ Gewissenhaftigkeit und seiner Tüchtigkeit auf allen Gebieten genoß er die ungeteilte Hochachtung seiner Kollegen, wie aller, die ihn kannten. Um die hiesige Kultusgemeinde, deren langjähriger Sekretär upd eigentlicher Führer er war, hat er. sich die . größten Verdienste erworben. Auch sein öffentliches Wirken verschaffte ihm weitgehendste Anerkennung; noch kurz vor seinem . Tode ließ ihm die Stadtverwaltung die Mitteilung zugehen, daß sie ihm zum Dank für seine langjährige,: segensreiche Tätigkeit für Lebenszeit einen Ehrensold bewilligt habe. Alle Verehrung, die der Verstorbene genossen, kam an seinem Grabe noch einmal in ergreifender Weise zum Ausdruck. Zahlreiche Kollegen und Freunde gaben ihm das letzte Geleite. Abordnungen der hiesigen Lehrerschaft und des Bezirkslehrervereins Dürkheim-Erünstadt, der Stadtverwaltung und der Kultusgemeinde nahmen an der Beisetzung teil; auch die Kultusgemeinde Nürnberg, woselbst der älteste Sohn als Distrikts- und Stadtrabbiner amtiert, hatte eine Deputation entsandt. Herr; Rabbiner ®r i Selig mann aus Frankfurt hielt die erhebende Trauerrede. Nach* ihm widmete Herr Hauptlehrer Thomas von hier im Namen der Stadt, der Schulen und der Lehrerschaft dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf. Hierauf sprach in ergreifenden Worten im Namen des Bezirkslehrervereins und des .Lehrerkränzchens Herr Lehrer Keller aus Kirchheim, und gab dem allgemeinen Schmerz über das allzu ftühe Ableben des allseits verehrten Kollegen einen erschütternden Ausdruck., Herr Hauptlehrer Freüdenthal war einer der letzten israelitischen Lehrer, die in Bayern an Simultanschulen wirkten. Eine Zierde seines Standes, wird sein Andenken in allen Kreisen stets in Ehren bleiben. Würzburg, 23. Dezember. Tie hiesige unter Leitung des Herrn Distriktsrabbiner N. Bamberg er stehende Lehrerbildung'sünst alt, deren Lehrpersonal bei 27 Schülern aus dem Leiter der Anstalt, vier ordentlichen und sechs außerordentlichen Lehrern besteht, erstattet soeben seinen Jahresbericht. Mit dem Ende des Schuljahres : bestanden sechs Zöglinge die Austrittsprüfung, und seit dem. Bestehen der Anstalt haben.380. jüdische Lehrer hier ihre.Ausbildung, erhalten, die in den verschiedensten Gegenden Deutschlands und noch weiter hinaus wirken. Der Jahresbericht enthält eine übersichtliche Zu? sammenstellung des im Vorjahr durchgenommenen Lehrstoffes und gibt ein genaues Bild - der fortschreitenden Entwicklung dieser Anstalt. Besonders erwähnt fei. daß auf Anregung der Simon-Stiftung, in Hannover an der Anstalt auch theoretischer und praktischer Unterricht im Gartenbau erteilt wird, an dem sämtliche Schüler des I. und II. Kursus mit bestem Erfolge teitnahmen. Auch die finanziellen Verhältnisse der Anstalt waren im abgelaufenen Jahre Verhältnisrmäßig befriedigende, da die Spenden usw. es ermöglichten, einen Teil des früheren Defizits zu decken. Einnahmen und Ausgaben balancieren nach dem Kassabericht mit 34843 Mark, daS Vermögen der Anstalt beläuft sich aus insgesamt 119892.92 Mark. Oefterreich-Angsrn. Meran, 22. Dezember. Am Sonntag den 18. Dezember hat das Kuratorium der Königswarterstiftu ng und der Vorstand des Asylvereins den ersten Jahrestag ihres verstorbenen ersten geschäftsführenden Vizepräsidenten und Ehrenmitgliedes Herrn Dr. Wilhelm Hersch s. A. in feierlicher Weise begangen. Nachdem am Sabbatcibend und am folgenden Sonntag unter Beisein des Vorstandes und aller Pfleglinge des Genesungsheimes die üblichen Gottesdienste abgehalten worden waren, wurde in einer Gedächtnisfeier das Andenken dieses verdienstvollen Mannes-gewürdigt. Nachdem Herr Oberkantor Löwh unters stimmungsvoller Harmoniumbegleitung den Trauerpsalm ergreifend vorgetragen hatte, widmete Sr. Ehrwürden, Herr Rabbiner Dr. Kurrein, dem Verklärten einen Liachruf, in welchem er in bekannt gediegener Weise die Vorzüge dieses seltenen Mannes würdigte. Die beredten Worte .erweckten in den Herzen aller die feierlichste Stimmung. Nach beendetem Gottesdienste enthüllte Präsident Herr Dr. med. M. Koref das Bild des Verklärten, welches im großen Saale des Hauses seinen Ehrenplatz erhielt und gedachte in warmen Worten der großen Verdienste Dr. Herschs. Im. Sinne des Verblichenen, . dessen hervorragender Tätigkeit die Entstehung des. Genesungsheimes in Meran zu danken ist, hat dessen Gattin, Frau Dr. Rosa Hersch, dieses Institut mit einer neuen Bettstistung im Betrage von ,5000 Kronen auf den Namen der Eltern ihres gottseligen Gatten „Joachim-und Rebekka Hersch" bedacht. Einen schönen Beweis ihrer frommen Gesinnung hat diese. Dame auch dadurch gegeben, daß. sie in hochherziger. Weise für die Synagoge in Meran einen herrlichen Vorhang für das Allerheiligste, eine Altardecke, einen Thoramantel und eine Kanzeldecke gespendet hat. Der Armen, welche im Genesungsheime nicht verpflegt werden, gedachte sie mit einer Spende von 100 Kronen, des Dr. Wilhelm Hersch-Fonds, welcher der Unterstützung armer, aus der Anstalt entlassener Pfleglinge . dient, mit 200 Kronen und des Unterstützungs-Fonds der Pfleglinge mit 50 Kronen. Auch die Familie dieser'Dame hat in wohltätiger Weise des Genesungsheimes an diesem Tage gedacht; so haben Herr Ignaz Petschek und dessen Gattin, FrauHelene Petschek geb. Bloch, in Aussig, 200 Kronen gespendet. Pas Kuratorium der Königswarterstiftung widmete an diesem Tage dem Pfleglings-Fond den Betrag von 100 Kronen. Mehr aber als diese edlen Werke der Wohltätigkeit bedeutet das Wirken dieser edlen Dame, welche als geschästssührende Vizepväsidentin des Vereins „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" die Stelle ihres in Gott ruhenden Gatten mit unvergleichlicher Umsicht und Tatkraft ausfüllt. Nicht zum geringsten Teile ist es dieser Dame zu danken, daß das Genesungsheim in Meran eine so hervorragende Stelle unter den Wohlsahrtsinstituten Oesterreichs einnimmt. L. Wien, 23. Dezember. Ueber die Vorgänge innerhalb der christlichsozialen Partei schreibt die „Wiener Sonn- und Montags-Zeitung": „Den Christlichsozialen erwachsen aus dem eigenen Läger immer neue Feinde. Zu den Abgeordneten Scheffler und Hraba, die viel aus der Schule schwatzten, gesellte sich , als Ankläger der Partei kürzlich sogar der hartgesottene christlichsoziale Pater Scheicher, einer der hervorragendsten Führer der antisemitischen Partei und wütender Judenhasses Dieser allzu streitbare Diener Gottes ist auch unter die Schriftsteller gegangen und: läßt unter .anderem sich .wie folgt vernehmen: »Jetzt, da Tr. Luegern tot. ist,