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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-30 · Heft 52 (30.12.1910) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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regen sich die Geister, die sich in seine Kleider- und Aemter teilen .möchten;*' ^Es gibt/ schreibt Pater Scheicher, „Geistliche und Weltliche, welche als gute Wahlen nur jene anerkennen, durch die sie mit zur' Krippe kommen." Ferner schreibt derselbe Autor: „Ich kenne so manchen, dem sein Mandat allein das Leben fristet." An anderer Stelle wirft der Herr Pater den Christlichsozialen vor, daß sie intolerant seien, daß sie im Parlamente den guten Ton arg verletzen, daß sie Stellen eigens schaffen, umParteikgmpfer zu versorgen-, daß ihre Führer danach streben, die Exzellenzzone zu übersll reiten und dergleichen mehr. Nun,- Prälat und Abgeordneter Scheicher kennt seine Pappenheimer,' und jeder Tag bestätigt ja die Wahrheit seiner Schilderungen. Ob sie ihn auch hinauswerfen wie den Hraba? --Dasselbe Blatt berichtet aus Bukarest: tDie hiesige Zeitung „Egalitäten" veröffentlicht ein Interview mit dem Chef der konservativ-demokratischen Partei, Take Jonescu, worin sich dieser Staatsmann über die Iudensrage in Rumänien wie folgt äußert: „Ich muß es leider zugeben, daß die Behandlung der Juden hierzulande viel zu wünschen übrig läßt. Es ist wahrhaftig schrecklich, wenn man bedenkt, das; Leute, die hier im Lande geboren und seit Generationen ansässig sind, als — „Fremde" innerhalb 24 Stunden über die Grenze - geschickt werden können." Die offenen Worte Jonescus werden von der gesamten rumänischen Tagespresse reproduziert und je nach der Parteistellung kommentiert. — — Vom Abgeordneten Dr. Mahler ging der „Neuen Freien Presse" folgende Zuschrift zu: „Ein ausgedienter Soldat, der bald nach Ableistung seiner Dienstpflicht das Unglück hatte, vollkommen zu erblinden, kam dieser Tage aus seiner galizischen Heimat nach Wien ins Parlament, in der Hoffnung, daß er durch eine Audienz beim Kriegsminister in einem Militärversorgungshause Unterkommen könne. Leider erwies sich dies nach dem Wortlaute des Gesetzes als unmöglich, und als der arme blinde Mann nachts unterstandslos und hilflos dastand, gewährte ein Wiener Institut ihm für wenige Tage Unterkunst. Als ich mich nun an das Blindeninstitut in der Josephstadt mit der Bitte wandte, diesen Unglücklichen wenigstens für einige Tage aufzunehmen, damit er nicht ans dem Pflaster liege, bekam ich die Antwort, die Direktion habe beschlossen, es dürfe unbedingt kein Fremder Hin eingelassen werden. Ich unterlasse es, diese Antwort des Josephstädter sogenannten humanitären.Instituts zu kommentieren!" Natürlich handelt es sich in diesem . Falle um einen Juden, und zwar um einen galizischen Juden. Einem solchen gegenüber hört in der Wienerstadt meist jede Humanität aus. Von Soh und Lern. — Herrn Geheimen Kommerzienrat Emil Jacob in Berlin ist der Note Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub verliehen worden. — Das Schächten nach jüdischem Ritus, das bisher in Sachsen im Gegensatz zu den änderen 'Bundesstaaten landesrechtlich Verboten , war, ist 'soeben durch eine Verordnung des sächsischen Ministeriums des Innern freigegeben w orden. — Bei den in voriger Woche in R ati b or stattgehabten Stadtverordnetenwahlen hat ' das Zeü-trüm einen jüdischen Rechtsanwalt, der sich nach dem Bericht der „K. V.-Z" „den Katholiken gegenüber immer tolerant gezeigt hat,"- nebew vier Kandidaten auf seine Liste gesetzt, die mit rund 250 Stimmen siegte — Den antisemitischen Strömungen im deutsch-österreichischen Alpenverein, die sich . besonders in den' akademischen' Ortsgruppen bemerkbar machten, wird jetzt von der Hauptleitung energisch entgegengetreten. Wie wir hören, sind die Satzungen der akademischen Sektion München vom Hauptäusschuß nur unter der Bedingung genehmigt worden, daß die Bestimmung, wonach nur Mitglieder „germanischer Abkunft" Aufnahme findengestrichen wurde. — Geheimer Rat Professor Dr. Paul Ehrlich ist soeben zum auswärtigen Mitglied der medizinischen Klaffe der schwedischen Akademie der Wissenschaften gewählt worden. — Im Haag wurde dieser Tage eine Ausstellung des Bezalel eröffnet. Den Veranstaltern wurde die hohe Ehre zuteil, daß Ihre Majestät die Königin die Eröffnung vornahm. In ihrer Gesellschaft befanden sich der Prinzgemahl und die Königin-Mutter. — Ueber Bismarck den Duldsamen hat Regieruugsrat v. Winternitz in Wien einen Vortrag gehalten, worin er auch Bismarcks Stellung zum Judentum beleuchtete. Es sei Stöcker nie gelungen, Bismarck für seine Anschauungen zu gewinnen. Ueber jüdischen Geist habe „der Einiger Deutschlands" mit anerkennender Sicherheit geurteilt und das Talent, unabhängig von Rasse und Religion sich betätigen lassen. — Aus den Parlamentswahlen in England sind 16 Juden alsMitglieder des Unterhauses hervorgegangen, und zwar neun Liberale und sieben Unionisten. Obgleich die Juden in England nur 0,5 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden, beträgt der Prozentsatz der jüdischen Parlamentsmitglieder 2,2 Prozent. Außer den Gewählten gab es noch weitere 2t jüdische Kandidaten, die im Wahlkampf unterlegen sind. — Aus Petersburg kommt die Nachricht, daß Baron David Günzburg am 23. d. M. verschieden ist. In dem Heimgegangenen, der nur ein Alter von 54 Jahren erreicht hat, verliert die russische Judenheit einen ihrer vornehmsten und gelehrtesten Vertreter. — Die Warschauer Kunstakademie chat den berühmten jüdischen Bildhauer Henryk Glitzenstein als Professor und Leiter der Abteilung für Skulptur berufen. Glitzenstein hat die Berufung angenommen und wird seinen Posten demnächst antreten. Gtitzenstein, der in einem kleinen Städtchen des KaUscher Gouvernements ausgewachsen ist, wurde von dem nun verstorbenen Maler Hirzenberg „entdeckt" und erwarb sich in München und'Paris einen nicht gewöhnlichen Mus. Dabei blieb er ein überzeugungstreuer Jude und entnahm seine Vorwürfe dem Schatze jüdischer Geschichte und jüdischer Legende. Redakteur: Albert «atz in Berlin - Pankow, Florastr. 88. „Nach dem Süden“ Bäder, Kurorte, Heil-Anstalten, Hotels, Restaurants, Pensionen österreichische Riviera Saison das ganze Jahr. Alfier Gd,Hotel desEtrangers 1. Ranges. Gute Küche. Mod. Komfort. Zentrum _ d. Stadt. Mäss. Preise. D. 0. V. Deutsche Bedienung. BASEL Beaulieu s/mer Exners Hotel Empress WLk Hotel I.Ranges. . E.Eacner, Besitzer. Klimatischer Winterkurort und Seebad. — Prospekte gratis durch Kurkommission, Südstrand 21. Basel Schweiz Grand Hotel Viktoria & National. AmZentralbah,nhof gelegen. Haus I. 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