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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-30 · Heft 52 (30.12.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Rabbiner Dr. St op fstein ein vortreMiches Bild.von.dem Leben und. Wirken eines modernen Apologeten, Emil Lehrnaun aus Dresden.. Sodann ergriff. Frau Amtsrat. Hep ne r aus Guttentag,, die Tochter. Lehmanns..das Wort, .um durch Vorlesungen aus den Werken ihres um das Judentum hochverdienten Vaters zu zeigen, mit welchem Ernst und Feuereifer dieser die Lehre und die Rechte des Judentums verteidigt hat. Besonders wirksam war der Vortrag der Gedichte. .Die Vorträge wurden von dem sehr zahlreich erschienenen Publikum mit lebhaftem Beifall ausgenommen. — Es wäre zu wünschen, daß die herrlichen Gedichte Emil Lehmanns auch in anderen Vereinen zum Vortrag kämen.' ' Aus -er Provinz Posen, im Dezember. Der Verein „Frauenhilfe*, den Frau Rabbiner Dr. Feilcheufeld vor 19 Jahren mit einigen Damen gegründet, veranstaltete in diesen Tagen die alle zwei Jahre wiederkehrende Festvorstellung. Unter der unermüdlichen Umsicht und Fürsorge der Frau Lea Ealväry, die alle Fäden der vorbereitenden Maßnahmen in ihrer Hand vereinigte, konnte ein Fest vorsich gehen, wie man es in solcher Reichhaltigkeit der Darbietungen wohl selten wiederfinden dürfte. Das Fest wurde durch die „Freischütz"-Ouvertüre eingeleitet. Der Prolog, von Fräulein Käthe Jaffe, Tochter des unvergeßlichen Professor Dr. Jaffe, machte einen herzbewegenden Eindruck. Diesem reihte sich der heitere Teil des Abends an, eine „Posener Metropol-Theater-Revue*, die anmutende Bilder in 14 Nummern bot, und die mit nicht' endenwollendem Beifall ausgenommen wurde. Alles, was in der großen Welt und in unserer Residenzstadt Posen von aktuellem Interesse ist, war in dieser Revue von dem Dichter Dr. Landsberg geistvoll bearbeitet worden. Ein graziöser,Tanz, non Fräulein Funk einstudiert, wurde wie das Vorhergehende mit großem Beifall ausgenommen. In den Zwischenpausen reichten Damert' Erfrischungen herum, Blumensträuße sowie Ansichtskarten mit den'Darstellern, die zu namhaften Preisen, ohne -der Wohltätigkeit Schranken zu setzen, verkauft wurden. Die Mitwirkenden, diesich so opferwillig in den Dienst werktätiger Nächstenliebe gestellt haben, dürfen mit voller Genugtuung aus diese Festvorstellung zurückblicken. — In letzterer Zeit hat unsere israelitische Gemeinde einige Männer durch den Tod verloren. So starb in voriger Woche "Herr Leopold Elkeles, ein Mann, der sich auf industriellem Gebiete ganz besonders hervortat. — Schoenlanke. Hier verschied Herr Abraham Hirsekorn im 76. Lebensjahre. Der Dahingeschiedene erfreute stch eines guten Rufes bei Juden und Christen. — Schmiegel. Der verstorbene Kommerzienrat Carl Cohn in Berlin hatte seiner Vaterstadt 5000 Mark vermacht'. Die Zinsen von diesem Legat sind zu 1/3°/0 für jüöische Arme, zu Vg % für solche der anderen Konfessionen bestimmt.. — Schwersenz. Der Kaufmann Aron Katz, welcher aus Anlaß der Verheiratung seiner einzigen Tochter im vorigen Jahre die hiesige jüdische Gemeinde Und sämtliche Institutionen derselben mit namhaften Geldspenden bedachte, hat aus eigenen Mitteln in der Hiesigen kleinen Betsynagoge die Einrichtung von Gasbeheizung und Gasbeleuchtung Herstellen lassen und ferner die Kosten der Unterhaltung dieser Einrichtung übernommen. — Schrode. Die Stadtverordnetenversammlung^ wählte Herrn Kaufmann Hermann Baruch zum Beigeordneten rm Magistrat. — Neustadt a. W. Die älteste Frau in hiesiger Stadt, Frau Bertha Haase, starb im Alter von 105 Jahren. Die Verstorbene war bis. vor kurzem noch geistig und körperlich rüstig. Ihr Gedächtnis war stadtbekannt. Gern lauschten die Leute, wenn die Matrone vom ersten französischen Kriege erzählte, wie die Franzosen durch die hiesige Gegend nach Moskau zogen und elendiglich zurückkamen... Durch die guten Eigenschaften des WohltunS und hervorragende Frömmigkeit zeichnete sich die Dahingeschiedene aus. Außer einer stattlichen Zahl von Kindern. Enkeln nnd Urenkeln beteiligten sich fast alle Bewohner der Stadt am Leichenbegängnis. W. Kosten i. P., 23. Dezember: Wie sehr ab w ärts e S m i t d en "jüdischen Schulen und der Schülerzahl der jüdischen Kinder in unserer Provinz und in den einzelnen Kreisen geht, liefert der Kreis Kosten einen deutlichen Beweis. Dieser Kreis mit seinen Kreisstädten hatte noch vor 20. Jahren die verhältnismäßige Zahl von jüdischen Volksschulen und Schülern. Wie ganz anders heute. Von den7O12 Schulkindernlind 6599 katholisch/ 394 evangelisch und 19 jüdisch. Ätt^Schulert sind vorhanden 39 katholische, 6 evangelische, 1 jüdische und 1 paritätische. Die Verminderung der jüdischen Schulen sowohl wie ber jüdischen Kinder rührt einzig und allein davon her, daß die wohlhabenden Juden, gesellschaftlich und geschäftlich hedrängt» es vorziehen,'.nach größeren Mädten überzusiedeln. U. Hamburg, 22. Dezember. Der Oberrabbiner Dr. S p itz e r stattete dem Herrn Bürgerm e.iste<Dr Bur chard in seiner in derKlopstockstraße belegenen Wohnung einen Besuch ab. In etwa halbstündiger Unterhaltung informierte sich der Herr Bürgermeister über ihm wissenswerte jüdische Angelegenheiten. Am nächsten Tage erhielt der Oberrabbiner in seiner Wohnung am Grindelhof den Besuch des., Herrn Bürgermeisters und des Herrn Senators Dr. v. Melle.— Einer Einladung der Hamburg-Amerika-Linie folgend, nahm Herr Oberrabbiner eine Besichtigung der Auswandererhallen vor, die etwa fünf Stunden währte. Zu Ehren des Gastes hatten die Auswandererhallen Flaggenschmuck angelegt, und die Direktion hatte einen Inspektor zur Verfügung gestellt, der die Führung übernahm. Mit großem Interesse nahm der Herr Oberrabbiner die Einrichtungen in Augenschein und gab seiner Befriedigung über das Gesehene Ausdruck. In Anwesenheit von etwa 100 Auswanderern wurde sodann in der Synagoge der Auswandererhallen der Minchah-Gottesdienst verrichtet. Weiter nahm der Herr Oberrabbiner eine Besichtigung des Daniel Wormser-Hauses vor, das vom Israelitischen Unterstützungsverein für Obdachlose in der Weserstraße errichtet worden ist. Die sauberen . luftigen Zimmer, deren zweckentsprechende Ausstattung, die Küchen der Bekleidungsraum usw. erregten das lebhafte Interesse des Gastes, der den vorzüglichen Einrichtungen das wärmste Lob spendete. y. Dortmund, 22. Dezember. Dem soeben ausgegebenen Jahresbericht des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens, der zugleich ein eingehendes Referat über den diesjährigen 20. Gemeindetag in Münster. enthält, entnehmen wir, daß dem Verband jetzt, abgesehen von den kleinen durch ihn unterstützten Gemeinden, insgesamt 58 Gemeinden angehören. Unter den von dem westfälischen Gemeindeverband errichteten sozialen Institutionen hebt der Jahresbericht insbesondere das Altersheim, das 1909 eröffnete Kinderheim und die Pensionskasse für Lehrer und Kultusbeamte hervor. Jede dieser drei Institutionen nimmt eine außerordentlich erfreuliche Entwicklung, auch das Kinderheim ist nicht nur fast durchweg gut besetzt, sondern in einzelnen Monaten hat es der Nachfrage nicht genügen können. Am umfassendsten war die Tätigkeit des Provinzialverbandeß auf denr Gebiete des Religionsschulwesens. Mit Hilfe und Unterstützung des Verbandes haben im Jahre 1909/10 an 33 Plätzen durch 16 Lehrer nicht weniger als 166 Kinder Religionsunterricht genossen. Die vom Verbände eingeführte Inspektion der Religionsschulen stieß bei einzelnen, .selbständigen Religionsschulen bedauerlicherweise auf Widerspruch/^ Für die Ausrechterhaltung der kleinen Zwergschulen im Verbandsgehiete war man im letzten Jahre glücklicherweise nicht in Anspruch genommen. Auch dieser Jahresbericht klagt über die große Abwanderung des jüdischen Bevölkerungselementes aus den kleineren in die größeren Gemeinden. Der Bericht erwähnt dann ferner die sympathische Förderung der Marks-Heindorfschen Stiftung durch den Verband. Die Bestrebungen dieses Lehrer-Ausbildungsinstitutes, das Recht zur Prüfung zu erhalten, sind vom Verband/soweit das in seinen Kräften stand, unterstützt worden. Dem Etatsentwurfe für das laufende und das folgende Jahr entnehmen wir, daß Einnahmen und Ausgaben mit 5578 Mark abschließen. Unter den Ausgaben figuriert die Position: »Lehrerbesoldungen und Unterstützungen von Gemeinden" mit 3500 Mark. Erwähnenswert ist schließlich, daß Herr Justizrat B u rg h e im-Minden die Schaffung einer Normal- Friedhofs- und Synagogenordnung für die Provinz Westfalen anregte und schließlich eine Resolution zugunsten der Marks-Heindorfschen Stiftung Annahme gefunden hat, in welcher allen Gemeinden der Provinz Westfalen die tatkräftige Förderung der Anstalt wärmstens empfohlen wird, Frankfurt a. M., 21. Dezember. Unter großer Teilnahme erfolgte auf dem hiesigen Friedhof die Beerdigung des Herrn Eduard Cohen. Rabbiner Dr. Seligmann überbrachte im Aufträge des Hilfskomitees für ostpreußische Juden und der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Altertümer den letzten Gruß. Es folgten dann die Ansprachen folgender Vereine: Hilfsverein der deutschen Juden, Israelitischer Kindergarten, Verein zur Erziehung jüdischer Waisen,

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