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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-30 · Heft 52 (30.12.1910) · p. Seite 623

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
Seite 623 (sequence 11)
Language
German
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dritte gibt statistische Berichte, Zahlen der Studenten und Professoren' und ausführliche Mitteilungen über die Universitätsinftitute. Es ist ein Werk, das ganz ausden Akten geschöpft ist, und sehr viele ungedruckte Und unbenutzte Aktenstücke mitteilt. Es enthält eine außerordentliche'Fülle neuer und wichtiger Mitteilungen. An dieser Stelle muß ich mich darauf beschränken- - einzelnes Jüdische hervorzuheben. Von Juden ist verhältnismäßig wenig die Rede. Eigentlich kommen nur zwei Männer in Betracht, die ursprünglich dem Judentum angehörten, Fr. Koreff und Eduard Gans. Der erstere als Vertreter des Magnetismus, ein Schützling Hardenbergs, wollte in Berlin eine Professur erlangen, scheiterte aber an dem Widerstande der Fakultät; der letztere, ein besonderer Günstling Altensteins und seines hervorragenden Mitarbeiters Johannes Schulze setzte schließlich durch. Ordinarius der juristischen Fakultät zu werden, wonach Savigny sich an den Beratungen der Fakultät nicht mehr beteiligte. Die über Gans handelnden Aktenstücke sind von allerhöchstem Interesse; die ihm gewidmete Darstellung I S. 216ff., 308ff.,. 393ff., ist nicht ganz frei von Parteilichkeit. Gans hat gewiß seine recht unangenehmen Seiten, diese werden aber doch stärker hervorgehoben als seine wirkliche Bedeutung, die . freilich bei. der Erwähnung seines Todes S. 512 schön und würdig anerkannt wird. Ein vollkommenes Urteil über die hochbedeutsame Erscheinung, deren Studium Wochen in Anspruch nehmen müßte, soll natürlich in diesen wenigen Zeilen nicht gegeben werden. L... G. * Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins. Heft 43. Das „Sanctus" Und die „Brautwahl" von ET. A. Hoffmann. Einleitungen von Friedrich Holtze. Texte von Hans v. Müller. Der Universität Berlin zu ihrem 100jährigen Stiftungsfeste dargebracht von dem Verein für die Geschichte Berlins. Berlin 1910. E. S. Mittler & Sohn. Dem Titel nach scheint es. als wenn diese Arbeit den Lesern unserer Zeitung nicht vorgeführt zu werden brauchte, weil sie in ein ganz anderes Gebiet gehört. Aber dem ganzen geht, was auf dem Titel nicht bemerkt ist, eine Einleitung von Fr. Holtze voraus, über E. T. A. Hoffmann und die Schwestern Markuse, die auch unseren Lesern interessant sein wird. Die Schwestern Markuse waren zwei musikalische Damen, die an der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts in Berlin recht bekannt waren. (Sie werden z. B. in den jüngst veröffentlichten Briefen Staegemanns und des Humboldtschen Ehepaares mehrfach genannt.) Die Genannten wurden nun von Hoffmann sehr gerühmt, der ihnen in der Kreisler-Wallborn- Korrespondenz und in der Schrift „Das Sanctus" ein Ehrendenkmal errichtet. Nach den Untersuchungen von Holtze ist über sie folgendes zu sagen: die beiden Mädchen waren Töchter eines Bankiers Marcus Markuse, der im Jahre 1812 starb. Mit ihren jüdischen Namen hießen sie Böllchen und Julrat (sic), später nahmen sie die Vornamen Bettine und Julie an. Die erstere verheiratete sich mit einem Sohn des berühmten Schulmannes Fr. Gedike, der Jurist und später Amtsgerichtsrat war, die letztere mit einem Herrn v. Lancizolle, der als Hosrat in einem Ministerium an gestellt war. Beide Schwestern wurden von ihren Geliebten in derselben Nacht aus romantische Weise entführt. Julie starb schon 1826, Bettine, nachdem sie katholisch geworden war, 1869. l. g -- Steinthal, Prof. Dr. H. Ueber Juden und Judentum, Vorträge und Aufsätze. Herausgegeben von Gustav Karpeles. Zweite Auflage. Berlin 1910. XIII und 305 Seiten. 4 Mark, gebunden 5 Mark. Im Austrage der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, für die Gustav Karpeles im Jahre 1906 die Sammlung der in den verschiedensten Zeitschriften verstreuten Aufsätze des unvergeßlichen Steinthals unternommen hatte, habe ich die vorliegende zweite Auflage veranstaltet. Schon die Tatsache allein, daß nach verhältnismäßig so kurzer Zeit eine Neu-Auflage nötig geworden, deren sich sonst Bücher, die nur auf jüdische Leser rechnen können, nur selten zu erfreuen haben, beweist zur Genüge, mit welch vortrefflichem Werke wir es hier zu tun haben. Die Neu-Auflage enthält dieselben Aufsätze wie die erste; es wäre zwar wünschenswert gewesen, den einen oder anderen Aufsatz, so z. D. den ^Ueber Religiöse und nationale Vorurteile" in die zweite Auflage mithinüberzunehmenindes mußte aus Rücksicht auf den Umfang des Werkes hiervon Abstand genommen werden. „Aber," sagt Karpeles in seiner Vorrede, „auch in der vorliegenden Gestalt enthält es daS Meiste, Beste und Wichtigste von dem, was Steinthal über Juden und Judentum in verschiedenen Perioden seines Lebens ausgesprochen hat." In der neuen Auflage ist die Umschrift der hebräischen Zitate einheitlicher durchgeführt als in'der ersten; auch der Nachweis der erstmaligen Veröffentlichung ist vielfach genauer als in der ersten Auflage. Einige neue Fußnoten verweisen auf Stellen, an denen Steinthal ähnliche Gedankengänge oder Themata gleichfalls behandelt hat. (Dabei ist die Fußnote auf S. 100 dahin zu berichtigen, daß der unter dem Titel „Die Sage von Simsön" umgearbeitete Aufsatz zuerst im zweiten Bande der-Zeitschrift für Völkerpsychologie (1862) erschienen und von dort in „Zu Bibel und Religionsphilosophie" übergegangen ist, was mir bei Abfassung der betreffenden Note entgangen war ) Neu hinzugekommen ist eine kurze Biographie Steinthals, welche die einzelnen Etappen seines Lebens aufzählt und die Angabe seiner wichtigsten Werke sowie sein Bild in vortrefflicher Wiedergabe. Das Werk ist auf das beste ausgestattet; N-. M. Nath-an. * — Von dem ersten Bande der von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums herausgegebenen „Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes" von Professor Dr. M.' Philippson ist jetzt eine russische Uebersetzung aus der Feder von Dr. ^J. Schermann in Odessa erschienen. Der Uebersetzung voran geht eine für die russische Ausgabe geschriebene kurze Einleitung Philippsons; das Werk selbst ist aufs beste ausgestaltet und mit dem Bildnis des Verfassers geschmückt. Die Uebersetzung des zweiten Bandes ist in Vorbereitung. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft, des Judentums selbst hat jetzt nach langen und mühseligen Vorarbeiten einen Probebogen einer kritischen Ausgabe der Mischna und der Baraita, welche den ersten Teil des 6orxus Tannaiticum bilden soll, dessen Herausgabe die Gesellschaft beabsichtigt, fertig gestellt und. den namhaftesten Fachgelehrten des Iw- und Auslandes zur Begutachtung unterbreitet. Der Probebogen, der den ersten Abschnitt des Traktates Berachot enthält, hat 4«.Format, in der Mitte jeder Seite befinden sich die beiden Rezensionen des Mischnatextes, rechts die palästinensische, links die babylonische, darunter die Varianten,, in zwei Gruppen übersichtlich geordnet. Die erste Gruppe enthält die sachlichen Abweichungen, die zweite die orthographischen und die Abkürzungen. Vereinigen sich in demselben Worte beide Arten von Varianten, so ist es in beiden Gruppen mit einem Sternchen ver. sehen. Zur Seite der Mischna ist die zu ihr in Beziehung stehende Baraita abgedruckt, rechts die des palästinensischen, links die des babylonischen Talmuds. Am Schluß jeder Baraita sind die Stellen kurz bezeichnet, denen sie entnommen ist, und etwaige Parallelstellen aus der Tosefta, den halachischen oder ägadifchen Midraschim; ihnen folgen die Varianten. Verglichen Md bisher die bekanntesten Mischna- und Talmudhandschriften und eine Reihe wichtiger Mischnadrucke. Am Schluffe des Probebogens befinden sich die Anmerkungen des Bearbeiters. Der ganze Bogen macht einen recht günstigen Eindruck und zeigt von großer Gewissenhaftigkeit und immensem Fleiße, und erweckt die besten Hoffnungen für dieses bedeutsame Unternehmen. n* - £ — Die große Sehnsucht. Jüdische Novellen von Luise Algen - städt, Leipzig, F. W. Grunow. 1910. Die Verfasserin ist offenbar Christin — sie debütierte mit einer Diakonissinnengeschichte, ist seit 1903 novellistisch tätig, und hat mit ihren Arbeiten viel Glück gehabt, denn ihr erstes Büch ist bereits in achter Auflage erschienen. Wie aus dem vorliegenden Werke hervorgeht, hat sie sich in jüdisches Wesen so hineingearbeitet, daß sie manche Eigenheiten der Sitten, und der Sprache (jüdisch-deutsch) genau beherrscht, ja fast als Zionistin erscheint. Denn die große Sehnsucht, die sie schildert, ist

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