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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-30 · Heft 52 (30.12.1910) · p. Seite 617

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
Seite 617 (sequence 5)
Language
German
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—— ' 617 Judenmission ihre gänzlich erfolglose Tätigkeit eingestellt hat, als daß sie verursacht sind durch den von der Staatsgewalt ausgeübten Druck, wie das auch noch aus gelegentlichen Darlegungen im sechsten Buch hervorgeht, in dem Philippson das europäische und amerikanische Judentum an der Wende des 19. Jahrhunderts behandelt. Aeußere Erlebnisse (Kap. 4) und Strömungen im Innern (Kap. 1 bis 3) finden hier gleichmäßige Berücksichtigung. Zu den in Kap. 5 mitgeteilten Ergebnissen der Statistik tritt eigenste Sachkenntnis ergänzend hinzu, während Kap. 6 besonders wertvoll ist durch die beigesügten reichhaltigen Personalnachweise. Den bedeutsamsten Vorgang in der neuesten Geschichte der Juden, die Auswanderung aus Rußland und die Verfolgungen, die sie Hervorrufen, hat Philippson einem dritten und Schlußbande Vorbehalten. Um so beachtenswerter erscheint, was er bereits jetzt über die Einwanderung nach England und Amerika mitteilt. In Buch 7, das die Juden des Orients zum Gegenstände hat, mußte der Verfasser schwer mit der Unzulänglichkeit des vorhandenen Materials kämpfen. Gleichwohl vermochte er auch hier vielerlei Wissenswertes mitzuteilen, und nicht einmal die erst jüngst entstandenen Gemeinden in Japan entgingen seinem allumfassenden Blick. Der Beitrag zur Zeitgeschichte, den Philippson in seinem neuesten Werk geliefert hat, stellt die erste wissenschaftliche Verarbeitung eines noch völlig ungesichteten Stoffes dar. Vielleicht, daß es später einmal gelingt, die von ihm gewonnene Erkenntnis zu erweitern und zu vertiefen; die erste Lösung einer schwierigen Aufgabe kann nicht gleich in allen Stücken vollendet sein. Jedenfalls muß ein Werk wie das vorliegende als ganzes gewürdigt werden, und tadeln ist leichter als besser machen. Georg Caro. Jüdische Merlehrer sn den höheren Lrhrsnltslten Oreuhens. (Bestand am 1. Mai 1910.) on den jüdischen Oberlehrern, die am 1. Mai 1909 an einer preußischen höheren Lehranstalt tätig waren, sind ein Professor an einer städtischen Anstalt in Berlin und ein Oberlehrer an einer städtischen Anstalt in Charlottenburg gestorben, ein Professor an einer königlichen Anstalt in Westpreußen in den Ruhestand getreten und ein Professor an einer königlichen Anstalt in Berlin ausgeschieden. Da bis zum 1. Mai 1910 nur ein jüdischer Oberlehrer an einer königlichen Anstalt neu angestellt worden ist (am Gymnasium in Kattowitz), so beträgt die Zahl der königlichen Oberlehrer jüdischen Glaubens nur noch neun (Ostpreußen einer, Westpreußen zwei, Brandenburg zwei, wovon einer in Berlin, Posen zwei; Schlesien zwei). Der in Schlesien am Königlichen Friedrichsgymnasium zu Breslau angestellte jüdische Oberlehrer (Professor Dr. Rubensohn) ist, wie bereits im Vorjahre, als kommissarischer Museumsdirektor nach Hildesheim beurlaubt. Die Zahl der jüdischen Oberlehrer an städtischen höheren Knabenschulen Preußens beträgt, wie im verflossenen Schuljahre, 71. Von diesen ist einer in Westpreußen (Danzig), vier in Brandenburg (drei in Charlottenburg, einer in Krossen), 54 in Berlin, sechs in Schlesien (vier, in Breslau, zwei in Kattowitz), einer in Sachsen (Magdeburg), fünf in Hessen-Nassau (vier in Frankfurt, einer in Kassel). Unter den 8433 Oberlehrern, die am 1. Mai 1909 an Preußischen höheren Knabenschulen angestellt waren (die an den beiden jüdischen Lehranstalten in Frankfurt a. M. beschäftigten Oberlehrer sind dabei nicht mitgerechnet), waren 81 Juden (0,96 Prozent), darunter 47 Professoren, unter den 8696 Oberlehrern am 1. Mai 1910 80 Juden (0,92 Prozent), darunter 51 Professoren. Am Philanthropin in Frankfurt a. M. ist ein jüdischer Professor durch den Tod ausgeschieden und war am 1. Mai 1910 noch durch einen jüdischen Hilfslehrer vertreten. Diese Anstalt hat acht jüdische Oberlehrer (darunter sieben Professoren). An der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft ist ein jüdischer Oberlehrer neu angestellt worden. Von den zehn Oberlehrern dieser Anstalt sind acht Juden, darunter fünf Professoren. Von den acht anstellungsfähigen Kandidaten, die der vorjährige Kalender aufführt, sind zwei Oberlehrer geworden (einer an einer königlichen Anstalt in Schlesien, im Alter von 38 Jahren, einer an einer städtischen Anstalt in Berlin, im Alter von 27 Jahren), einer ist gestorben (in der Rheinprovinz, in der seit über 20 Jahren keine jüdischen Kandidaten waren), einer ausgefchieden, einer an der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft vollbeschäftigt, einer an einem königlichen Gymnasium in Frankfurt a. M. stundenweise beschäftigt, einer an einem königlichen Gymnasium in Berlin als freiwilliger Hilfslehrer und einer an einer Privatschule in Frankfurt a. M. beschäftigt. Von den vier Probanden des vorigen Schuljahrs ist einer als Aushilfsoberlehrer in Berlin angestellt, einer in Kassel, kiner in Berlin vollbeschäftigt und einer in Berlin stundenweise beschäftigt. Von den zehn Seminarkandidaten des vorigen Jahrgangs, die nunmehr Probanden geworden sind, sind zwei vollbeschäftigt (einer in Pankow, einer in Berlin), drei in Berlin stundenweise beschäftigt. Einer ist Einjährig-Freiwilliger. Die übrigen (drei in Schlesien, einer in Hessen-Nassau) sind ohne Besoldung tätig, ebenso ein Proband, der im vorigen „Kunze-Kalender" nicht als Seminarkandidat aufgeführt war und der sein Probejahr an der Oberrealschule in Breslau ableistet (Lehrbefähigung in Geschichte und Deutsch). Neu hinzugetreten sind acht Seminarkandidaten (von 1023), vier mit der Lehrbefähigung in Latein und Griechisch, zwei in Mathematik und Physik, einer in Naturwiffenschasten, einer in Geschichte und Deutsch. Fünf sind in der Provinz Brandenburg, einer in Westpreußen, einer in Posen, einer in Hessen- Nassau (an der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft fast vollbeschäftigt). Die Zahl der jüdischen Oberlehrer an höheren Mädchenschulen ist unverändert geblieben. Sie beträgt sechs (Königsberg i. Ostpr. einer, Berlin drei, Charlottenburg einer, Frankfurt a. M. einer). M. G. Der Linüutz des jüdischen Liements in der russischen Literatur. Eine literarhistorische Abhandlung von Roubin Knopping. (Schluß.) linka schrieb ein kleines Gedicht „Die Sehnsucht nach Gott", in welchem er heißes Sehnen nach Gott in warmen Worten zum Ausdruck bringt: Die Himmel beben. Die Erde seufzt, Winde heulen, . Wälderächzen, Berge verrücken sich. Ich rufe Gott mit lauter Stimme,

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