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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-23 · Heft 51 (23.12.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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74. Jahrgang. Nr. 51 Der (Semelndeüote. •**«■<**•«" Beilage zur „Allgemeinen Leitung deß JutientumS". korrklponÄkn?en und Sgckrichten Deutschland. 8. Berlin- 18. Dezember. Die heutige Sitzung der Repräsentanten-Versammlung, der nur 7 Vorlagen für den öffentlichen Teil überwiesen waren, erledigte ihre Beratungen in nur einstündiger Sitzung. Das Vermächtnis des in Charlottenburg verstorbenen Rentiers Joseph Kempner im Betrage von 500 Mark zur Abhaltung einer Jahrzeit wurde debattelos angenommen. Derselbe Erblasser hatte ferner der jüdischen Beerdigungsgesellschaft (Chewra Kadisclia) derjenigen Stadt, in welcher er verscheidet, 100 Mark testiert, welche inzwischen von der Testamentsvollstreckerin, der Deutschen Bank, an die Chewra Kadisclia der Adaß Jisroel-Gemeinde auSgezahlt worden sind. Der Gemeindevorstand ist der Ansicht, daß das zweite Vermächtnis der ihm unterstehenden Friedhofskommission zusteht und hat deshalb beschlossen, die Zahlung beider Beträge zu verlangen. Die Versammlung schloß sich diesem Votum an. — Zur Kenntnis, nähme gelangte alsdann eine Vorlage betr. Veranstaltung von Haupt- und Jugendgottesdienst am Laubhütten- und. Schlußfest. Nach dem Berichte des Herrn Prof. Blaschke hat sich der dritte Ausschuß dagegen erklärt, Jugendgottesdienste am Laubhüttenfeste stattfinden zu lassen. Auch der fernere Wunsch nach Einrichtung von Filialgottesdiensten für Erwachsene am Laubhüttenfeste ist abschlägig beschieden worden. Auf Vorschlag der Festgottesdienstkommission ist durch die Vorstände der Synagogen sestgestellt worden, wieviel Plätze an dem diesjährigen Laubhütten- und Schlußseste in jeder Synagoge freigeblieben sind. Aus der Zusammenstellung des Ergebnisses erhellt, daß mit Ausnahme des Gottesdienstes in der alten Synagoge am zweiten Tage, bei welchem sämtliche Herrenplätze besetzt waren, und des zweiten Gottesdienstes am achten Tage in der alten Synagoge und der Synagoge Lindenstraße, bei dem sämtliche Herren- und Damenplätze, sowie in der Synagoge Kaiserstraße, bei dem sämtliche Frauenplätze besetzt waren, in allen Synagogen und an allen Tagen Plätze, zum Teil in sehr erheblicher Anzahl, frei gewesen sind. Daraus hat der Gemeindevorstand und mit ihm der Ausschuß gefolgert, daß ein Bedürfnis für die Einrichtung von Filialgottesdiensten nicht als vorhanden anzusehen ist. Nach der'im Ausschuß vertretenen Ansicht könnte sich die Sachlage vielleicht ändern, wenn der Feiertag auf einen Sonntag fällt. Jedenfalls hat der Ausschuß den Gemeindevorstand gebeten, in Erwägung zu ziehen, ob an den Feiertagen mit Seelenfeier Filialgottesdienste eingerichtet werden könnten und ferner zu ertvägen, ob es richtig ist, derartige Filialgottesdienste am Laubhüttenfeste, also unmittelbar nach den Hauptfesten, zu veranstalten und nicht lieber am Passahfeste, wo die Auffrischung des religiösen Bedürfnisses notwendiger erscheint. Herr Lewinski vertritt die Ansicht, daß die Begründung der Ablehnung nicht überzeugend wirken kann. Mit demselben Grunde.kann man auch den Neubau einer Synagoge ablehnen, weil an allen Sabbaten in den Synagogen genügend freie Plätze vorhanden seien. — Zur Vorlage betr. das Verfahren bei der Wiederwahl von Ehrenbeamten, hatte die neugebildete Kommission in einer Resolution beantragt, ihr auch die Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden .Ehrenbeamten zu überweisen. Der Gemeindevorstand hat jedoch diese Angelegenheit auf ein Jahr vertagt, um zunächst ein Bild zu gewinnen, wie die Kommission die ihr bereits gestellte Aufgabe erfüllt. — An den israelitischen Unterstützungsverein für Obdach' lose in Hamburg wurde bis zum Ablauf der Etatsperiode ein Jahresbeitrag von 300 Mark bewilligt. Der seit 25 Jahren bestehende Verein hat nach seinem letzten Berichte im vorigen Jahre 21572 jüdische Emigranten unterstützt und 79 250 Portionen Mittagessen verabreicht. — Die für den Erweiterungsbau des I. Verwaltungsgebäudes verbrauchte Mehrausgabe von 6259.88 Mark wurde bewilligt, ebenso in dringlicher Vorlage 4500 Mark zur Einrichtung der zweiten Gebethalle auf dem Friedhose in Weißensee. — Aus der geheimen Sitzung können wir noch mitteilen, daß an Stelle des Direktors Dr. Holz man, der auf seinen Wunsch aus Gesundheitsrücksichten mit dem Ablauf des Wintersemesters 1910/11 in den Ruhestand tritt, der bisherige Leiter der Gemeindemädchenschule, Herr Dr. Gutmann, zum Leiter der Knabenschule, des Lehrerseminars und der Präparandenanstalt gewählt worden ist. *** Berlin, 20. Dezember. Im Krankenhause der jüdischen Gemeinde hat die staatliche Prüfung von sieben dort ausgebildeten Schwestern des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin stattgefunden. Sämtliche Schülerinnen haben die Prüfung mit „sehr gut" bzw. „gut" bestanden. Als staatlicher Prüfungskommissar fungierte Herr Geheimrat Schlegtendal neben den ärztlichen Direktoren, Herren Professor Dr. Israel und Professor Dr. Strauß. Der Verein zählt jetzt 79 Schwestern und .13 Schülerinnen. Im Januar nächsten Jahres wird die Einstellung von vier neuen Lehrschwestern erfolgen. Meldungen werden schriftlich an den Vorstand oder mündlich bei der Oberin Fräulein Blau im Schwesternheim, Auguststraße 17, entgegengenommen. *** Berlin, 2(X Dezember. Der Bund Jüdischer Corporationen (B. I. C.) feiert jetzt sein zehnjähriges Bestehen. Das wird weitere Kreise deshalb interessieren, weil de r B. I. C. als Kartell der zehn an verschiedenen Universitäten Deutschlands bestehenden V. I. St. (Vereine Jüdischer Studenten) einen Sammelpunkt aller jüdischen Akademiker darfteüt, die sich bewußt als Juden fühlen, und an der Entwicklung eines lebendigen Judentums Mitarbeiten wollen. Der zehnte Kartelltag des Bundes, der vom 25. bis 29. Dezember in Berlin stattstndet, wird aus diesem Anlaß mit groß angelegten externen Veranstaltungen verbunden sein. Ein Festkonvent am Sonntag den 25. Dezember mittags 12 Uhr im Klindworth- Scharwenka-Saal (Lützowstraße 76) soll durch eine akademische Erörterung der Themen: ,,Die historischen Grundlagen des B. I. C. und seine Gründung", „Was bedeutet uns die Corporation?", „Die Aufgaben des B. I. C.", den Intellektuellen Berlins, soweit sie jüdisch interessiert sind, ein Bild vom Werdegang und Wesen des B. I. C. geben. Der am 27. Dezember abends 8 Uhr im Theatersaal des Krollschen Etablissements stattfindende große Kommers, dem auch die Danien als Zuschauerinnen auf den Rängen beiwohnen werden, wird die aktiven Mitglieder und Alten Herren des B. I. C.> die aus ganz Deutschland ihr Erscheinen in Aussicht gestellt haben, mit den zahlreichen Berliner Freunden jüdisch-akademischer Bestrebungen vereinigen. Den Abschluß der Festlichkeiten bildet ein Ball, den am . 28. Dezember im Hause des Brüdervereins, Kurfürstenstraße 116, die Berliner Vereine Jüdischer Studenten den ihnen gesellschaftlich nahestehendenKreisen geben. W. Berlin, 18. Dezember. Ein musikalisches Ereignis ersten Ranges bedeutete vorletzten Mittwoch das gleichzeitige Auftreten zweier jugendlicher jüdischer Künstler in zwei benachbarten Sälen: im Blüthnersaale spielte der Pianist Spiewakowski> der jüngst bei einem Wettbewerb den Blüthnerflügel errang, im Klindworth-Scharwenkasaale gab Fräulein Edith Lewin ihren ersten Liederabend. Hierzu hatte sich ein distinguiertes Publikum eingefundendas den vornehmen Saal fast bis auf den letzten Platz füllte. Die von dem Königlichen Kammersänger Julius Lieb an ausgebildete Künstlerin errang einen vollen Erfolg. . Sie verfügt über ein weiches, modulationsfähiges -Organ; ihr Vortrag ist von natürlicher Herzlichkeit, frei von jeder Effekthascherei und verrät eine hohe Auffassung von ihrer Kunst. Ihr piano ist von einer überraschenden Lieblichkeit. Zudem verfügt Fräulein Le Win über eine überaus sympathische äußere Erscheinung. Auf die einzelnen Piecen, unter denen sich drei Lieder des Komponisten Rich ard.Hirsch befanden, folgte stürmischer Beifall, der sich am Schluß zu einer begeisterten Ovation steigerte. Die jungeKünstlerin steht sicherlich amAnfange einer glänzendenLaufbahn. n Berlin, 18. Dezember. Die „Jüdische Lesehalle und Bibliothek", Oranienburger Straße 58, erfreut sich andauernd eines überaus lebhaften Zuspruchs. Von September bis November d. I.

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