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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-23 · Heft 51 (23.12.1910) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
Seite 611 (sequence 11)
Language
German
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Des Makkabäers Traum. Von Clara Jaulus. uf kahlem Steine saß, das müde Haupt gebeugt, " Der rühm- und sieggekrönte Makkabäerheld. Schon hatte lautlos .sich die Nacht herabgeneigt, Und friedlich schlummernd lag das Heer auf weitem Feld. Nur Judas Auge flieht des Schlafes süßer-Zwang, Ein tiefes Sinnen hält des Helden Geist umfangen. Es schweift sein Blick der Krieger stumme Reih'n entlang,' An ihm vorüber ziehen Tage, .längst vergangen. Er denkt mit'edlem Stolz der Taten seiner Scharen, Die sich fürs Volk ihr Blut zu opfern nicht gescheut. Die mutig trotzten allen Stürmen und Gefahren Und endlich wohlverdienter Siege sich erfreut. — Doch keinen Frieden gönnt der Syrer noch dem Land, Er sucht voll Uebermut aufs neue setzt den Streit, Schon rings aus Eleasas Hügeln allen stand Der übermächt'ge Feind, züm Angriff wohl bereit. Ein schwerer Seufzer dringt hervor aus Judas Brust: „Wie gerne würde meinem Volke ich mich weih'n, „Mein Leben gäb' ich hin mit hehrer Freud' und Lust, „Wenn ich mein teures Vaterland nur könnt' befrei'n. „Doch ach! Ich sehe es voraus mit klarem Blick. „Vergeblich wird vergossen morgen unser Blut, „Wir können nimmer wenden Israels Geschick, „Umsonst die Tapferkeit, umsonst der Todesmnt!' Und Juda sitzt und sinnt auf seinem Stein mit Kummer, , Sein Haupt wird schwer, von Sorgen tief bedrückt. Auf seine müden Lider leget sich der Schlummer, Und seine Seele ist dem Irdischen entrückt. Da sieht er leise vor sich schweben, traumverloren, Gar sanft mnd milde lächeln eine Lichtgestalt. Und eine-süße Stimme tönt in seinen Ohren: „Ich komme, Makkabäer, Dich aus der Gewalt „Ter Trübsal, der Verzweiflung starrem Bann zu retten. „Will lösen Deines dumpfen Schmerzes schwere Ketten. „So künd' ich Dir: Ihr kämpfet, sterbet nicht vergebens, „Die Saat des edlen Blutes, die ihr hier gestreut „Mit freudig dargebrachtem Opfer Eures Lebens, „Durch sie wird bald Dein Volk von Schmach und Truck befreit. „Nicht lange zwar des Reiches Herrlichkeit wird dauern. „Bedrückt, verfolgt wird oftmals Israel noch werden. „In Knechtsgewand gehüllt wird häufig es noch trauern. „Tenn Dulden, Leiden ist sein Schicksal lang auf Erden. „Doch wenn in schwerer Zeit die Hoffnung ihm will schwinden, „Wenn schwach, verzagt es will nach Rettung ringen, „Dann wird in Deinem Vorbild Mut und Kraft es finden, „Der Makkabäer Nam' als Trostruf ihm erklingen." — Der Morgen graut im fernen Ost. Der Held erwacht. Gestärkt durch der-Verheißung Wort im Traumgebild. Und was sein ahnend' Aug' geschaut in jener Nacht, Das hat in spät'sten Zeiten herrlich sich erfüllt. && gas Iudengrsb in der Steppe. Erzählung von Sam Gordon. Frei übersetzt von M. Pnlvermann. . x. eit dem gräßlichen, ihr noch immer unerklärlichen Tode ihres Kindes war mit Raheleine große Veränderung vorgegangen. In den ersten Tagen hatte sie, gänzlich gebrochen, die Gesellschaft, ihres Ma.nnes gesucht und trostbedürftig sich ihm angefchmiegt, obwohl sein gänzliches, anscheinend gleichgültiges Schweigen über den traurigen Unglückssall sie schmerzlich berührte. Doch bald änderte sie ihr ganzes Benehmen; sie mied seine Gegenwart, sie vernachlässigte ihre häuslichen Pflichten, und wenn schon die Notwendigkeit sie dazu zwang, so tat sie es unlustig, ohne sich überhauptdie geringste Mühe zu geben, ihren Widerwillen zu verbergen. Sie wußte wohl, daß dieses Benehmen befremden mußte; dennoch ließ sie sich zu keiner Erklärung oder Aussprache herbei — sie hatte es als das Richtige erkannt, und das genügte ihr. Sie war vön einer einzigen Idee umfangen, die alle ihre Gedanken beherrschte. So kam denn bald die Zeit, wo Gregor bemerken konnte, daß sie seine Nähe mied, vor seiner Umarmung zurückbebte und unter dem Drucke seiner Küsse die Lippen zusammenbiß, als ob sie weißglühendes Eisen berührte. Gregors halbasiatische Natur beobachtete diese sich steigernde Abneigung, mit grausamer Freude, die sein Herz in Todespein laut pochen machte. Sie fing also an, ihrer Heuchelei müde zu werden und gab ihm den langgesuchten Beweis, daß auch ihre frühere Liebe falsch, Lug und Trug gewesen. Und je tiefer diese Einbildung sich bei ihm einnistete, desto größer wuchs sein Haß; um so mehr, als er an der Größe dieses seines jetzigen Hasses erst den richtigen Maßstab für die Größe seiner ehemaligen Liebe' fand. Er schwelgte darum förmlich, den ängstlichen und scheuen Blick ihrer Augen zu erzwingen, indem er sie mit erkünstelten Zärtlichkeiten überhäufte — und er verdoppelte diese um so mehr, je mehr er ihre Qual wahrnahm. Er tat dieses auch um seiner eigenen Ruhe willen, weil er sich einredete, daß seine grenzenlose, abgrundtiefe Liebe für dieses Weib nur unter solchen höllischen, giftgeschwängerten Küssen zum Absterben gebracht werden könne. Aber es war nicht der Mangel an Liebe ihrerseits, daß sie vor dem Gatten zurückbebte. Etwas anderes hatte sich zwischen sie beide gedrängt.. Es war ein stiller Mahner, ein unsichtbarer Besucher, der zu ihr herangeschlichen war, und der sich nicht abweisen ließ, so sehr sie sich auch dagegen sträuben und wehren mochte. Am schlimmsten aber war es in den langen, schlaflosen Nächten; kaum daß sie die Augen geschlossen, so war er auch schon da; bald in Gestalt ihrer verstorbenen Mutter, häufiger noch in Gestalt ihres Kindes. Und cs war etwa kein Phantom ihrer überreizten Nerven; sie sah es ja ganz deutlich: die Mutter auf dem einsamen Grabe in der Steppe sitzend, das Kindchen im prunkvollen Sarge liegend; und das letztere sah sie nicht bloß, sondern sie hörte auch das seine Sümmchen, das immerfort und flehentlich rief: „Mutter, meinen Schuh — meinen kleinen Schuh!" Es drängte sich peinigend an sie heran, es quälte sie unaufhörlich, bis sie laut stöhnend aus ihrem Halbschlummer auffuhr, um mit verzweiflungsvoller Angst im finsteren Zimmer sich umzusehen das ein treues Spiegelbild ihres eigenen, düsteren Lebens war Und aus Finsternis der Nacht schleppte sie die Angst mit sich in das helle Licht des Tages hinein. Es stach ihr in die Augen inmitten des goldenen Sonnenscheines; gellte ihr in die Ohren inmitten des lieblichen Vogelfanges: „Mutter, Mutter, mein kleiner Schuh! —" Es machte sie geradezu wahnsinnig — — und sie war oft daran, vor Schmerz laut aufzuschreien: aber sie durste ja keinem Menschen ihre Pein merken lassen—. — am wenigsten ihrem Mann. Sie erinnerte sich noch ganz genau seiner barschen Abweisung, als sie ihm ihren Traum mit Kallasch und dem roten Kleide erzählte. Durch eine abermalige derartige Erzählung würde sie ihm womöglich als Wahnwitzige erscheinen — — als eine von einem bösen Geist Besessene — zum mindesten würde er es.als-eine/grenzenlose Lieblosigkeit ihrerseits auffassen, daß sie ihm noch das Leben durch solche Hirngespinste verbittere. .. . - Und darum begrub sie die drückendeLastin ihrem ^Jnnern, hoffend, daß es tatsächlich nur Nachtgespenster seien, deren man sich am besten entledigen könne, wenn man sie furchtlos anblicke

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