Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- Seite 610 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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. - .. ... ui. Aber auch in der echt klassischen russischen Literatur fehlt es nicht an Ergüssen für das Volk Gottes. So singt A. S. Chomjakoff: Die Erde erbebet! Von allenthalben kracht der Donner. Es ist die Stimme Gottes; Er richtet die, Welt: Israel! Du baust mir Tempel, glänzend in Gold und Silber; Drinnen steigt Weihrauch auf, bei Tag und bei Nacht. Wozu mir üppige Schlösser?-— Ich erschuf die Erde, erschuf die Gewässer, Spannte die Himmel mit eig'ner Hand, erschließ die Welt der Wunder; Und die Unendlichkeit der Himmel liegt vor mir offen! . . . , IV. - ' /. Nicht direkt mit Juden,'wohl aber mit Material aus dem Gebiete der jüdischen Literatur, den Psalmen nämlich, beschäftigen sich zwei russische Klassiker: Lomonossow und Derchawin. Kein Buch der jüdischen Literatur hatte so viel Glück von der ganzen monotheistischen Welt so anerkannt zu werden, wie die Psalmen. Heutzutage gibt es keine Synagoge, keine Kirche und keine Moschee, wo nicht die Psalmen gesungen werden. Es gibt keinen gläubigen oder ungläubigen zivili» sierten Menschen, der nicht am Reize der Psalmen sich ergötze und in Stunden der Not sein Herz darin ergießen könnte. Ist das wenig der Welt gegeben? Israel hat der Welt nicht nur eine Moral, sondern auch die Religion gegeben. So konnte dies Element der Psalmen auch in der russischen Literatur nicht ausbleiben. Der erste Psalm ist von Lomonossow und Derschawin übersetzt. Ersterer übersetzte noch Psalm 14, 34, 36, 70, 103, 143 und 145; eine reichhaltige Fülle für die russische Literatur und das Gemüt des russischen Volkes. Was wären die Orgeltöne, was sämtliche Choräle, was der gesamte Gottesdienst der Slawen und der ganzen christlichen Welt,, wenn die Inden ihnen die Psalmen nicht,'geschenkt hätten? * Psalm 15 ist ebenfalls von Lomonossow und auch Jasinkoff übersetzt; die Uebersetzung zeichnet sich durch eine Feinheit der Sprache aus und .läßt die Anschauung des Dichters über Israel und sein Schicksal erkennen: In den Tagen der Gefangenschaft und des Kummers, An babylonischen Strömen saßen wir, umgeben von Feinden — In bitterem Schweigen und Tränen --— Dort beleidigten uns die Tyrannen — weswegen wir weinen und klagen: „Nehmet Harfen und Pauken und besinget Euer Jerusalem!" Nein, heilig ist die Erinnerung an. unsere ruhmesvolle Heimat. Wir werden nicht verhöhnen lassen die hohen Tage alter Lieder. Glücklich, wer Israels Leiden rächt, Wer das Haus der Tyrannen sprengt: - Wer Flamm', Tod und Schrecken bringt Und mit lautem Schlage am Steine Des Feindes Jungen zerbricht. Der Protest und der Aufschrei eines elenden, unglücklichen Volkes, das seine politische Selbständigkeit eingebüßt und noch heute von den Erinnerungen alter glücklicher Tage lebt, der in diesen Worten ausgegossen ist, hat sich freilich, verwirklicht; daß dies Volk aber „des Feindes Jungen an einem Felsen zerschmettert hätte", ist nie von ihm erwünscht worden.? Chomjakoffs Anschauungen über das Judentum charakterisiert das Gedicht „Nebukadnezar": Singet, Freunds Siegeslieder. Von neuem ist unsere Freiheit gesichert. . Babylons Kaiser war reich und mächtig . . Und eroberte unser Zion. : . Aber Iehovah wird ihn rächen ... ,; Schon phantasiert er. stumm ist der Verderber, Der Feind frißt Gras wie ein Tier. Singet. Freunde, Siegeslieder, singet! . . . Mit biblischen Stoffen operierten auch Mersejakoff und Glinka. Ersterer übersetzte die ersten 19 Zeilen des 15. Kapitels vom Exodus aus dem Liede Mosis beim Durchgang durch das rote Meer. Besonders gelungen ist sein Gedicht: „Ueber die Zerstörung Babylons." (Jesaias 14.) Verderbe, zerstöre, verwüste, Du böses Geschlecht. Verflucht die Nachkommen böser Stämme, Drin liegt Gift und Verderben. Der Allmächtige sprach: „Ich komme selber. Komme, gehüllt in wütende Stürme Und verderbe die Brut der Bösen." (Fortsetzung folgt.) ^g|ujkh|g|5/g Chsnuka. ls ich ein Kind war. Lang ist es her schon, Zündet der Vater Das Weihelichtlein. Sprach mit der Hoheit, Wie nur er's konnte, Worte der Inbrunst. Die griffen ans Herz. „Hell brenn' oie Leuchte, Sinnbild des Glaubens, Die unseren Ahnen Den Weg gewiesen. Hütet die Flamme Treulich im Herzen, Nein wie das Feuer Bleib' Eure Seele." Und aus dem Kinde Wurde zum Mann ich; Wuchtige Kämpfe Führte die Feder. Aber im Herzen Brennt hell das Lichtlein,, In Kampsesmitte Wahrt' innen ich Frieden. Sprech' zu den Kindern, Zn krallten Genossen, Ruf' es den Feinden, Tie arg mich umdräuen: „Flamme der Freiheit, Des Geistes Fackel, Deute den Weg uns Zur lichten Höhe! Daß wir die Finsternis Kühnlich besiegen, Weißglut der Wahrheit Stets neu entzünden. Alles Verderbliche Mutig verbrennen, Wahrheit und Freiheit Leuchte hinan." Ludwig Geiger. Mrnorsh. egrüßt uns, Menorah, Wie strahlst Du so licht! Du Sinnbild der Thora Ermahnst uns zur Pflicht. Die Lehre, die hehre. Hat Geister erhellt; Der Menschheit zur Ehre, Zum Heile der Welt. Wie Flammen an Flammen Glmrmlm sich reih'n. So soll'n wir zusammen Lichtspendend uns weih'n. Noch mächtig auf Erden Herrscht nächtiger Wahn — Lichthelles soll werden — Auf,, schaffet daran! . i Und leuchtend bewähre Allzeit sich , die Saat Der herrlichen Lehre . Durch edelste Tat. So strahlet ihr Flammen Ins Dunkel hinein: Wir stehen zusammen, Lichtspender zu sein. Emil Lehmann (s. A.)