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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-23 · Heft 51 (23.12.1910) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
Seite 608 (sequence 8)
Language
German
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Wirrungen war. gerade er mit seinem energischen und; unbeirrbaren Gerechtigkeitssinn der rechte Mann. Doch auch außerhalb der- Kreise seiner Glaubensgenossen ward er so eingeschätzt, nicht zuletzt von seinen! Berufsgenossen in der Anwaltschaft und den Gerichtskollegien.. Ein glänzender. Organisator, hat er in unermüdlicher Beg eist cumg die Gründun des Danziger Anwaltsvereins herbeigesührtdessen hervorragender, tatkräftiger und anregender Mitführer und Berater in ernstem Tun und froher Geselligkeit er allezeit blieb. Die gesamte deutsche Anwaltschaft verdankt seiner aufopfernden Mitarbeit' die Entstehung ihrer Ruhegehalts-, Witwen- und Waisenkasse; die hierbei gesammelten Erfahrungen hat er übrigens in dankenswerter Weise, der Ausarbeitung der Satzungen für die Witwen- und Waisenkasse der deutschen Rabbiner zugute kommen lassen. Der glanzvolle Verlauf des deutschen Anwaltstages in Danzig war in erster Linie sein Werk, die Vorbereitung des neulich dort. abgehaltenen Juristentages lag wiederum in seiner Hand. Seit 1905 hatte ihn das Vertrauen der Danziger Bürgerschaft in die Stadtverordnetenversammlung berufen, und rasch gehörte er auch in ihr zu den führenden Persönlichkeiten. Seine hervorragende Kenntnis von Land und Leuten, die Beherrschung der wirtschaftlichen Zustände und Zusammenhänge in Stadt, Provinz und Reich machten seinen Rat in städtischen und nationalen Fragen äußerst wertvoll, und sein Wort galt um so mehr, als. er, frei von jedem vordringlichen Ehrgeiz, voll vornehmer Zurückhaltung, mit seiner Offenheit, und Geradheit nur ebene Wege und ehrliche Mittel kannte. Als tüchtiger Jurist und trefflicher Redner der geborene Sachwalter der Stadtverordnetenversammlung hatte er mehrfach Referate in den schwierigsten Fragen zu übernehmen. So hat er die in Deutschland Aufsehen erregende Klage auf Zulassung der Frauen zu den Kommunalwahten für die Stadt durch sämtliche Instanzen hindurchgeführt. Hilfsbereit bis zur Auf opferung gegen jedermann, der ihn suchte, den Freunden ein eherner Freund, ein ganzer Mann, ein treuer Jude, war er noch zu reicher Segenstätigkeit berufen. Vor der Zeit, am . Vortage seines 51. Geburtsfestes, hat ihn der Tod nach einer schweren Operation seiner Familie und dem weiten Felde seines Schaffens entrissen. Sein Name gehört in die Ehrenreihen unserer Geschichte' Dank seinem Wirken, Ehre seinem Andenken! Dr. Freudenthal-Nürnbergs Systematische Theologie des Judentums. Systematik ist die schwache Seite der modernen jüdischen Literatur. Was sich nicht in einen chronologischen Rahmen hineinzwängen läßt, in dem der Mangel an Syste- .matik weniger auffällt und verletzt, das bleibt eben fragmentarisch. Endlich nun ein systematisches Buch: Der Grundriß einer systematischen Theologie des Judentums.von Köhlers) Auch Köhler spricht in den einleitenden Kapiteln von den Schwierigkeiten einer systematischen Darstellung der jüdischen Theologie, und, wie es scheint, war dies mitbestimmend für die geschichtliche Grundlage. Köhler y Schriften, herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft deS Judentums. Bd. 4, Grundriß einer systematischen Theologie des Ju dentums. auf geschichtlicher Grundlage von Dr. Kaufmann Köhler, Rektor des Hebron Union College in Cincinnati, Leipzig, Buchhandlung Gustav Fock, G^ m. b. H., 1910, 383 und VIII Seiten, 58 Kapitel, mit. Noten am Ende des ' Büches. : r hat offenbar den in jüdischen Kreisen herrschenden v or r a r dogmatos, trotz Einhorn, noch nicht völlig -überwunden (S. 2,. 3, 6).. , Nun,. das vorliegende Buch legt Zeugnis davon ab, daß die Schwierigkeiten nicht unüberwindlich wären. Dabei denke ich jedoch nur zum, wenigsten an die dogmenscheue Disposition der herrschenden Meinung. Die eigentliche Schwierigkeit bestand vielmehr in der schier unermeßlichen Vorbereitung, welche ein solches Werk voraussetzt. Und dieser Schwierigkeit ist Köhler in meisterhafter Weise Herr geworden. Die reiche Quellenangabe in den Noten ist eine dankenswerte Anleitung für.den studierenden Leser. Für den kundigen Leser entscheidend ist jedoch die Tatsache,' daß die Darstellung selbst von einer so minutiösen Vertrautheit mit den in Betracht kommenden Quellen und den deren Bearbeitung gewidmeten wissenschaftlichen Literaturen zeugt, wie man sie in dem Ausmaß bei keinem Gelehrten voraussetzen kann, solange er sie eben nicht ad oculos demonstriert hat. Und das hat Köhler unstreitig getan. Man muß, um dem auch sonst edlen Stil dieses Werkes gerecht zu werden, besonders aus die fein nuancierte, zuweilen sogar hypernuanciert und gewunden scheinende Sprache aufmerksam machen. Wer es nicht sofort merkt, wird darauf nach näherer Prüfung geführt werden, daß diese feingeschliffenen Worte und Wendungen stets der literarischen Sachlage entsprechen. Hier soll einem herrschenden Mißverständnis begegnet, dort einem Einwand vorgebeugt werden. Fragen, deren nähere Diskussion einige Bände vom Umfang des „Grundrisses" erheischen würden, werden hier durch exakte sprachliche Formulierungen in Evidettz gehalten. Das Buch ist'von Wiederholungen nicht freizusprechen, das hängt mit der sofort zu besprechenden Disposition zusammen. Gleichwohl: in den entscheidenden Partien ist es dem Verfasser gelungen, seine Gedanken in der fest und sicher geprägten Definitionssprache eines Lehrbuchs vorzutragen. Als Grundlage der Darstellung nahm der Verfasser die von Philo (deffen aber ber dieser Gelegenheit nicht erwähnt wird) aufgestellten zwei umfassenden Dogmen oder Grundlehren von Gott und Mensch, zu denen (ebenfalls im Sinne Philos) noch Israel als dritter Hauptteil hinzukommt. Der erste Hauptteil behandelt in zwei Unterabteilungen Gottes Wesensattribute (a) und Beziehungsattribute (b), der zweite die Beziehung des Menschen zu Gott (a) und zu den Mitmenschen (b), letztere Beziehung besonders auch in deren Geschichte bildenden Manifestationen, der dritte endlich Israel (a) und das Gottesreich der Menschheit (b). Diese sachlich-systematische Einteilung wird mit der chronologisch-geschichtlichen kombiniert,vindem bei,jeder Einzelfrage auf die geschichtliche Entwicklung der Lehre eingegangen wird. Dabei zeigt der Verfasser, ein unerschrockener überzeugungstreuer Vertreter der Reform in Amerika, den historischen Ansprüchen der Orthodoxie gegenüber eine nachahmenswerte Objektivität. In der Tat, es gibtkein anderes Buch, aus dem der moderne orthodoxe Jude ein so treues Bild seines Judentums gewinnen kann, wie aus diesem Buche. Die Durchführung der Kombination der geschichtlichen mit der sachlich-systematischen Methode ist als äußerst gelungen zu bezeichnen, weniger so jedoch letztere für sich genommen: Die Beziehung des Menschen zu Gott (II, a) greift vielfach in die Sphäre der Beziehungsattribute Gottes (I,b), ebenso dje Geschichte bildenden Beziehungen der Menschen untereinander (II, b) in die geschichtliche Mission Israels (III, a) sowie endlich diese in das Gottesreich der Menschheit (III, b). Daraus ergeben sich Wiederholungen, die,, bei weniger Konzessionen, an

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