Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-23 · Heft 51 (23.12.1910) · p. Seite 605

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
Seite 605 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228959--67077-3279248
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-- 605 zur Unterstützung der russischen Juden oder von deutschen Gemeinden und Organisationen in Anspruch nahmen, daß sie es ablehnten, den deutschen Delegierten die Reisekosten zu gewähren. Sie erklärten ausdrücklich, daß die Deutsche Konferenz- Gemeinschaft ihnen stets ein Dorn im Auge gewesen wäre, daß sie den Statuten nie gebilligt hätten und nur „in ihrer Schwäche" die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft jahrelang geduldet hätten. Der Bericht schließt mit den Worten: Nachdem nun alle Versuche, die Pariser Herren davon zu überzeugen, daß wir. in der Deutschen^ Konferenz-Gemeinschast nur das Wohl der Alliance im Auge hätten, daß uns Sonderbestrebungen fernlägen, daß der Alliance unberechenbarer Schaden zugefügt würde, wenn sie die dargebotene Hand zur Einigung zurückweisen; nachdem. sagen wir, alle diese Versuche an einem starren „non P088NMN8" gescheitert waren, blieb uns nichts anderes übrig, als, nachdem die Resolution, gegen die wir naturgemäß gestimmt hatten, angenommen war. sofort zu erklären, daß hiermit unsere Mission beendet sei, und wir folgerichtig aus dem Zentral- Komitee und, als sich hieraus ergebenden weiteren Schritt, aus der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft austreten. ' Die Pariser Herren machten natürlich noch den Versuch, uns zu überreden, Mitglieder des Zentral-Komitees zu bleiben, was wir ebenso auf das bestimmteste zurückwiesen, da wir weder auf unsere Kosten zu den Sitzungen nach Paris zu reisen, namentlich nicht die Rolle von Statisten zu spielen gesonnen seien. Das Ergebnis der Beratungen kam in folgender Resolution zum Ausdruck, die mit allen gegen die deutschen Stimmen angenommen wurde. ' 1. Das Zentral-Komitee bestätigt, nachdem es die Darlegungen der Herren Justizrat B. Timendorfer, H. Gumpertz, Lucian Picard, Philipp Schiff. Th. Schlesinger, Machiels und Säe entgegengenommen, die. in der Sitzuiig vom 20. April gefaßten, sämtlichen deutschen Mitgliedern des Zentral-Komitees durch Schreiben vom 2. Mai übermittelten Beschlüsse. Es beschließt ferner die Organisation der Alliance in Deutschland, wie sie im Jahre 1904 bestand, wiederherzustellen und beauftragt seinen Vorstand, die zur Ausführung — nach Reckt und Billigkeit — obiger Beschlüsse erforderlichen Maßnahmen zu treffen. 2. Die in Paris wohnhaften Mitglieder des Zentral-Komitees appellieren an ihre Herren Kollegen in Deutschland und bitten sie inständig, ihnen ihre wertvolle Mitwirkung auch in Zukunft angedeihen zu lassen. Der erste und der dritte Präsident der Deutschen Konferenz-- Gemeinschaft, Herr Geheimrat Timendorfer-Berlin und Herr Lucian Picard-Frankfurt a. M. haben hierauf ihre Aemter wieder angenommen. Herr Justizrat Max Fuchs I-Verlin, der stellvertretende Vorsitzende, hat die provisorische Leitung der Geschäfte übernommen. Auf den 20. d. M. ist eine außerordentliche Tagung nach Berlin einberufen worden, die Stellung zu den einschneiden-, den Pariser Beschlüssen nehmen soll.. Nie Gründung ltndtilcher Milcher Volksschulen." m Mai vorigen Jahres faßte die „Wissenschaftliche Ver- V einigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin" im Anschluß an einen Vortrag des Herrn Religionsschüldirigenten und Gemeindeschullehrers A. Auerbach den Beschluß, den Vorstand der jüdischen Gemeinde zu bitten, bei 0 Wir veröffentlichen hier „Die Verhandlungen über die Gründung städtischer jüdischer Volksschulen in Berlin" in der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin. Diese Veröffentlichung soll den Anlaß zur weiteren Behandlung des Themas geben. Unser Standpunkt ist ein wesentlich anderer, als der in diesem Artikel ausgedrückte. Die Red, den städtischen Behörden die Einrichtung jüdischer Volksschulen zu beantragen. Die prinzipielle Stellung der „Wissenschaftlichen Vereinigung" zu dieser Angelegenheit und die Gründe, welche zu dem erwähnten Beschlüsse geführt haben, wurden in einer Resolution und einer den Vortrag des Herrn Auerbach im Auszuge enthaltenden Denkschrift dargelegt, die beide dem Vorstande der jüdischen Gemeinde eingereicht wurden. Die Resolution hatte folgenden Wortlaut: Resolution. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin" steht grundsätzlich auf dem Standpunkt der paritätischen Schule, in der bei voller Gleichberechtigung aller Konfessionen die religiöse Erziehung aller Kinder durch Lehrer ihres Bekenntnisses gewährleistet wird. Da aber die Berliner Volksschulen laut Ansicht der maßgebenden Instanzen christlich-konfessionellen Charakter haben, und nach den Erfahrungen besonders der letzten Zeit der jüdische Religionsunterricht immer mehrausgeschaltet wird, außerdem die weitere Anstellung jüdischer Lehrkräfte durch dieses Verfahren nach den dafür geltenden Bestimmungen fast ausgeschlossen erscheint, tritt die „Wissenschaftliche Vereinigung" notgedrungen im Interesse der jüdischen Schüler und der Zukunft des jüdischen Lehrerstandes für die Begründung städtischer jüdischer Schulen ein. Indem wir diese Resolution unter Beifügung einer eingehenderen Begründung dem geehrten Vorstand überreichen, bitten wir ergebenst, der Vorstand möge die Einrichtung jüdischer Schulen bei den städtischen Behörden beantragen. Die gleichzeitig überreichte Denkschrift lautete folgendermaßen: Denkschrift: „Das Schulunterhaltungsgesetz hat den konfessionellen Charakter der Volksschule gesetzlich festgelegt. Die Konfessionsschule ist die Regel, die Simultanschule die ungern geduldete Ausnahme. Auch die Berliner Gemeindeschule ist gesetzlich eine christliche, evangelische bzw. katholische. Unter den fast 300 Berliner Gemeindeschulen sind 28 katholische. Jüdische Eltern, die nicht in der Lage sind, ihre Kinder in höhere Schulen zu schicken, find somit meistens gezwungen, sie den christlich-konfessionellen Volksschulen Berlins zuzuweisen, da nur ein kleiner Teil in den beiden jüdischen Schulen Aufnahme finden kann. Aus dieser Situation ergeben sich für die mehr als 4000 jüdischen Gemeindeschulkinder schwerwiegende Mißstände, von denen vornehmlich der Religionsunterricht betroffen wird, Unter normalen Verhältnissen wird er in drei Stufen erteilt. In der Oberstufe sind die Kinder der obersten drei Klassen vereinigt, in der Mittelstufe die fünften und vierten Klassen, in der Unterstufe die ächten, siebenten und sechsten Klassen, so daß sich innerhalb derselben Stufe weitgehende Unterschiede hinsichtlich der geistigen Kraft finden und eine erfolgreiche Beteiligung aller Kinder am Unterricht fast ausgeschlossen ist. Ferner ist infolge dieser mangelhaften Organi- . sation ein lückenloses^ Fortschreiten im Lehrstoff für den allergrößten Teil unmöglich, weil in jedem Semester Kinder aus der einen Stufe in die andere übergehen. Da aber an den meisten Schulen die Zahl der jüdischen Kinder für ein dreistufiges System nicht ausreicht, so werden die Kinder oft weit auseinanderliegender Schulen in sogenannte Sammelbecken vereinigt, und nun treten nicht nur die obenerwähnten Uebelstände infolge des ungleichmäßigen Schülermaterials - in verstärktem Maße hervor, sondern es kommen neue hinzu.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.