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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-23 · Heft 51 (23.12.1910) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
Seite 604 (sequence 4)
Language
German
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„stark nationales Element", bas die Juden bön Christen entfremdet, und schlägt die Taufe als Bedingung vollständiger Assimilation vor. In beiden Punkten müssen wir dem ver- >eWen Verfasser auf das Allerentschiedenste entgegentreten. Für uns ist die Synagoge eben nur.eine religiöse, nicht eine nationale Stätte und so wenig der Glaube die Katholiken und Protestanten als Deutsche trennt, so wenig bedürfen die Juden eines Uebertritts, um vollkommene Deutsche zu fein, nicht erst zu werden. Denn es zeugt von vollkommener Verkennung des modernen Judentums, wenn K. meint, daß der . Talmud die Juden in altertümliche, streng nationale Lebensformen hineindrängt, und wenn er hinzusügt, „und läßt doch der talmudische Gedanke, daß der Nationaljude vor Gott eine höhere Stellung einnehme, sich trotz aller Reformideen' und trotz aller modernen Auffassungen solange nicht vollständig verdrängen, als die an sich bedeutungsvollen Ideen der Mischna und Gemara das heiligende Band einer Religionsgemeinschast bilden." ' * '' Y Zwei ausführliche Artikel der „Staatsbürger-Zeitung" beschäftigen sich mit einem neuen Buche „Die Juden im Deutschland", über das wir binnen kurzem unsere Leser zu unterrichten hoffen. Sehr bemerkenswert ist ferner, daß neuerdings der „Tag" in zwei Artikeln über die Juden sich verbreitet. In dem einen spricht S. Lublinski über ein, wie es scheint, höchst, interessantes Buch von Nathan Birnbaum das wir, sobald es uns zugekommen, gleichfalls zu besprechen gedenken, in dem anderen setzt L. Motzkin „Die Lage der russischen Juden" auseinander. Der Artikel knüpft an den in diesen Blättern schon erwähnten Antrag von 200 Dumamitgliedern an, die Beschränkungen im Wohnrechte der Juden aufzuheben und erzählt in lebhafter Weise von Entrechtung, Ausweisungen, -Herabdrückung der Juden zum Handwerksbetrieb, von den, großen finanziellen Verlusten, die ihnen durch die ungerechte Behandlung zugefügt worden stnd. Der Artikel ist besonders bedeutsam dadurch, daß er di? Jndenfrage in Rußland nicht nur vom jüdischen-sondern vom internationalen Standpunkte ansieht und das der Duma vorliegende Projekt in diesem Sinne lebhaft begrüßt. Von einzelnen Ereignissen verdienen manche eine Erwähnung. Der österreichischen Wochenschrift sei folgende Notiz entnommen: Bei den letzten Wahlen in Amerika wurden zwölf Juden in den Kongreß gewählt. In den Senat wurde kein einziger Jude entsendet. Von den zwölf gewählten Juden gehören zehn der demokratischen und zwei der republikanischen Partei an. In Groß-New York wurde der bekannte jüdische Politiker Henry M. Goldfogle zum sechstenmal wiedergewählt. Auch der andere New Yorker Deputierte Jeffersohn M. Lewy, war bereits einmal Mitglied des Kongresses. Lewy gehört einer sehr alten, einflußreichen amerikanisch-jüdischen Familie an. Interessant war der Wahlkampf um den Posten eines Staatssekretärs im Staate New York. Hier standen einander zwei jüdische Kandidaten gegenüber: der bisherige Staatssekretär Samuel König, ein aus Ungarn stammender Jude und Eduard Lazaresky, ein ans Rußland stammender Advokat in Brooklyn. Den Sieg trug Lazaresky davon. * Aus einer der letzten Nummern des „Univers. israelite" hebeich eine Statistik der Pariser Gemeinde hervor (in Klammern ist bei den. einzelnen Zahlen der Zustand des Jahres 1908 erwähnt, die Statistik selbst bezieht sich auf das Jahr 1909). Die Anzahl der Gemeindemitglieder in Paris beträgt 3870 (3675), ihre, jährlichen Beiträge 258 434 Frs. (256388). Von den Beitragenden entrichten 17 Mitglieder mehr als' 1-000, 32 1006 Frs., 502 zwischen 100 und 500, 413 zwischen 50 und 90, 2906 (2725) bezahlen geringere Beträge. Die Kultusbeamten setzen sich zusammen aus elf Rabbinern, darunter befindet sich der Großrabbiner, fünf Konsiftorialrabbiner, fünf stellvertretende Geistliche und zwei, die für Predigten und Beerdigungen besonders bestallt sind., Kantoren gibt es 16- Gemeindebeamte (Sekretariat) 19; 5 Chordirigenten und .124 Chorsänger, Männer und Knaben. 73 Religionskurse wurden von 2830 Kindern (67 und 2868) besucht, und zwar 1446 Knaben und 1384 Mädchen. 379 Kinder wurden konfirmiert, 185 (204) Knaben feierten Barmizwah. Religiöse Trauungen fanden 325 statt, diese Zahl ist. in den letzten Jahren trotz der Vermehrung der Bevölkerung fast immer gleich geblieben, ein Beweis, daß sehr viele Brautpaare sich mit. einer Ziviltrauung begnügten. Todesfälle wurden 954 (975) gemeldet, da hier eine Verminderung trotz des Anwachsens der Bevölkerung zu konstatieren ist, so muß gleich-. falls angenommen werden, daß viele Beerdigungen ohne Anmeldung bei der religiösen Gemeinschaft stattfinden. Man muß bei diesen Zahlen immer erwägen, daß in Frankreich keinerlei Zwang auf die Juden ausgeübt wird, sich der jüdischen Gemeinde anzuschließen, sondern daß der Beitritt ebenso wie die Zahlungen vollständig freiwillig erfolgen. . ' ' * Von kriegerischen Leistungen jüdischer Soldaten in Italien erzählt zufolge der „Vossischen Zeitung" der Oberst Dovara in der „Grande Jtalia": Im Jahre 1848 wurden die Freiwilligen aus Piemont meist den Bersaglieri zugeteilt; man teilte sie in drei Kompagnien: die Studenten bildeten die 3. Kompagnie des 4. Bataillons, die Juden die 7. Kompagnie und die anderen Freiwilligen die 4. Kompagnie. Die sogenannte Hebräerkompagnie zeichnete sich, wie Oberst Dovara berichtet, ganz besonders aus. Sie war aus der Katastrophe, in welche das piemontesische Heer hineingeraten war, unversehrt hervorgegangen und rettete dann in Mailand Karl Albert aus großer Gefahr. Als dann im Jahre 1849 der Krieg von neuem begann, überschritt die Hebräerkompagnie mit der 8. Kompagnie, unter Führung König Alberts, den Ticino und kämpfte überaus tapfer bei der „Sforzesca". Zwei Tage später tat sie bei der „Bicocca" wahre Wunder von Tapferkeit. Inmitten der Kompagnie wurde der General Perrone getötet und der heldenhafte Major Lyons durch eine Kanonenkugel schwer verwundet, und aus dem Sattel geschleudert. Unter dem Rufe: »Rächen wir unfern Major!" stürzte sich die Hebräerkompagnie dann auf den Feind, den sie mit solchem Ungestüm angrisf, daß er in wilder Flucht das Schlachtfeld verließ. Als die Hebräer dann erfuhren, daß in ihrer Nähe ein Infanterieregiment von Savona von der feindlichen Uebermacht hart bedrängt werde, und daß seine Fahne bedroht sei, wandten sie sich mit großem Elan dem neuen Feinde zu. Hauptmann Cattaneo, der Führer der Kompagnie, wurde so schwer verwundet, daß er wenige Tage darauf starb; der Leutnant Ritter Radicati, der / an seine Stelle trat, wurde getötet; von der ganzen Kompagnie kehrten nur etwa 40 Bersaglieri unter der Führung des Unter-' leutnants Dr. Modena heim; aber die Fahne wurde gerettet. ■ * . Das Präsidium der Deutschen Konferenz-Gemeinschast der Alliance israelite universelle versendet einen Bericht über die gemeinsame Sitzung des deutschen und französischen Komitees vom-30. November, der so lang, ist, daß ich ihn unmöglich vollständig ab drucken kann. Aus diesem Bericht geht hervor, daß die Pariser Vertreter von dem deutschen Komitee die Unterdrückung/ des Amtes eines Geschäftsführers, die Veringerung der Bureaukosten auf ein Maximum von 8000 Marx verlangten, die Mitwirkung der Pariser bei jeder Forderung

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