Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1910)
- Date
- 1910-12-16
- Page
- Seite 597 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der LinSutz Lrs jüdilchey MeinrMsin ' . . derrulülchen Literatur. Eine literarhistorische Abhandlung vom'R-V-üb'iMKnppPtn'g.'"> III. . 'Rachesucht bringt Shhlock vor Gericht, dem Antonio ein )^^.Hfund Fleisch auszuschneiden; aber die Lhyr'te,-.dieShylock , DriM sind aus seinen Lippen berechtigt, - MAst' die -Sprache, durch welche das Rechtsgefühl bedingt ist,, die Energie, die Uederzeügung, das Bewußtsein und -das - Verständnis, daß Recht Recht ift;1). es ist die Energie und -das Pathos eines Menschen, der; nicht nur die Rache seiner Persönlichkeit, sondern auch seiner Gesetze versteht. Shhlock sucht Recht; er ist, kein Shid, er will kein Gelder will Rache.?sMMeisthgebildeter, fühlender Mensch, . der Recht sucht.?'. Der Shid dagegen ist für etwas Höheres gänzlich abgestorben; er empfindet nicht,, daß er eine Seele, einen Geist, sondern daß er. einen Magen hat. . Das . ist der, Jude in Rußland; zu Anfang unseres Jahrhunderts, - r-i So hat das; XVIII. ' Jahrhundert, uns eine Charakteristik der Juden Europas gegeben. England, Spcknien hat seinen rachesüchtigen Shysock-; Deutschland seinen gelehrten, weisen Nathan und Mußland-> 7- - seine. gelbsüchtigen Hirsch! und Jankel. Hier rächt--?der;Jude>-;dM ist er gelehrt und -Wesse — und hier wiederum l süchtz er Gold./ Drei Bedingungen des Lebens! ./•••• Im ganzen genommen - beweisen; diese drer Typen, daß das Judentum eine. lebende, denkende! und rührige'Nation ift, daß es kein abgestorbener Zweig am Baume des Menschen- . geschlechts ist, sondern daß es vielmehr, lebt -un d Früchte treibt. --<>-7: .//. ---7rm . . B. Das Bohk.r- Zweiundvierzig Jahre verstrichen, seitdem Turgenieff seinen „Schid" schrieb., In Rußlands Landen begann allmählich die Gönne der Aufklärung ihre wohltuenden Strahlen hie und da äuszusenden. Rußlands Hilymeh sollteauch.einmalvon einem Sonnenstrahl erhellt werden. Ein edler- und aufgeklärter Monarch bestieg den Zarenthron und flößte allen Untertanen, Huden nicht ausgeschlossen, neue Ideale von Zukunft ein. Alles blickte schmachtend auf den erhabenen Thron des Zaren, von . wo aus Recht und Milde sich paarten. Bei Erinnerung des Namens dieses Monarchen muß - jedes Menschenherz, das für Humanität und Zivilisation Gefühl hat, erbeben, und. jedes chnie immer sich vor dem majestätischen Throne solcher Menschenliebe beugen. Rußlands edler Herrscher Hat mit aller Macht Aufklärung und Liebe zu verbreiten gesucht und ward Befreier von Tausenden und abermals Tausenden Bedrückten. Wenn, einst -eine Geschichte der. Liebe urch Humanität geschrieben werden wird, so muß dieser Monarch unstreitig-eine erhabene Stelle in derselben -einnehmen. , Auch. den Juden wurde es erlaubt, kurze Zeit sich als Menschen fühlen zu dürsenH . - y Vergleiche das klassische Büchlein von Jhering: „Der Kampf umS Recht 2) Diese Epoche charakterisiert auch Stanjukewitz in einer schönen Erzählung von einem jüdischen Matrosen. Dort wird der! jüdische - Matrose als Geistesheros geschildert; der Matrose besitzt eine solche Arrzensstärke und einen solchen Geistesmut, öaß er der brutalen! - Gewalt' seiner Peiniger lächelt. Es ist - als - eine - p arallele Er- / Erscheinung zu betrachten, daß auch dieser Dichter den Juden als, Märtyrer repräsentiert. . i;r < Neuerdings erschienen „Jüdische Silhouetten"; welche biblische - Erzählungen von russischen und polnischen; Michtern enthalten mnd; ^Ngynstey der notleidenden Juden in Bessarabiey herausgegeben - Und -diese'' ikürze-Heit'' HkrM.ensiert'!?Lürgrniieff/' in'': .eifner anderen Forny als er es vor 42 Jahren getan Hatte. Derselbe Jüde^ der ihm früher ein „Shid", ein Ausbeuter war, erscheint ihm heute als Symbol der Liebe, und des Edelmuts. Und diese Symbolisierüng tat er in seiner wundervollen Erzählung „Die . Unglückliche" kund. Susanna ist die Heldin dieser lieblichen Erzählung. Schon der Name sticht kraß von dem früheren ab; früher: kannte der Dichter einen „Shid", setzt. spricht er von einer Susannaeiner Lilie: Und Susanna ^verkörpert- Aas Martyrium Israels. Edel' beanlängy wohlerzogen; gesittet-, -bescheiden, wird (sie ohne segliche Uvsachs von aller. Welt gehaßt 7 gehaßt ohne begliche .Schuld; .gehaßt, weil sie existiert und edel ist; gehaßt und von der Gesellschaft als überflüssiger; Ballast betrachtet: Trotz aller Bedrückung bleibt Susanna die holde, liebliche, -keusche Jungfräu,"frei von allen -Gedanken -an Schuld.' Und Susanna fühlt, warum sie leide. „O, du Mein armer Stamm, der Stamm ewiger Wanderer! O, ein Fluch ist über Dich ausgegossen ... Niemandliebt mich..... überall Todunausbleiblicher Tod; jetzt ist die Reihe jcm mit... Susanna muß sterben in der Liebe, für die Liebe und durch die Liebe. * Ihre Mutter (Jüdin), ihre einzige Stütze, starb/ weil sie von ihrer christlichen Umgebung zuviel zu leiden hatte, und Susanna, der rohen Gewalt und Willkür ihrer Umgebung überlassen, muß sterben... .. . > - / >/ Der Dichter läßt die. Arme, im Lechzen und Schmachten sterben. Er glaubte wohl, daß das Judentum in solchem Elend -ugrupde^geheMMüßjte;- daß' er sich getäuscht hat; ist klar. Aber noch etwas Schlimmeres: selbst nach dem Tode wird die - sympathische Susanna noch von aller Welt beschimpft und besudelt „Die Geheimnisse des menschlichen Lebeys," ruft der Dichter zum Schluß aus,-,,sind groß, aber jedesmal, wenn ich das Bild Susannas mir vergegenwärtige, kann ich nicht in mir einen leisen Vorwurf unterdrücken, daß sie nämlich selber Schuld an ihrem Schicksale habe- : und auf meinen Lippen schwebt: Unglückliche!" „Unglückliche!" Das ist der einzige Trost, den der Dichter dem Judentum gegeben hatte. . Und dieser Wiederhall „Unglückliche!" ist vollends charakteristische für. Pie Lage des jüdischen Volkes. Wahrlich, solche ein Genie, solch ein Kämpfer, für. Freiheit, wie Turgenieff. :es war,, könnte für diese „Unglückliche"^ mehr tun. Er .sollte, nicht nur das Elend dieser^ „Unglücklichen" schildern; er könnte auch für die Verbesserung ihrer Lage kämpfen. Er sollte mehrdie gute Seite des Judentums hervorheben, er sollte das Judentum'in ein besseres Licht setzen. Was Turgenieff verfehlte, tat ein anderer Dichter, nämlich A, Mey (f1862) vor allen Dingen in feinem Gedichte „Shidui":1) ' : „Shidui, Shidui, wie wild klingt dies Wort,! Und was. ist das für ein Volk... .■>. auf jedem Schritt' Wunder?) Soll mau.seine Feinde hören? O, wie grob sind.sie! Von der Höhe droht den Inden der Himmel, , Wahrscheinlich droht, er — droht.niHt nur .jetzt -7 worden sind. Sie erscheinen mir nicht als charakteristischer AutzwuW .der Zeit, als, eine Schilderung der Epoche, .da sie einerseits nicht dem Zeitgeiste entsprechen,, anderseits ist dies.-eine. Sarnmlung voy Erzählungen, aus Kommando..herausgegeben, weshalb sie .auch,Der picht .näher, .analysiert werden. . Die ferneren .-Erzählungen, -die mit -jüdischem,-Material....operieren oder an das Judentum stoßen, sind -eigentlich micht pon so. großer Wichtigkeit, als daß ihnen eine besondere Uteraturhfftorische 7 Bedeutung beigelegt werden könnte, -.7 h. Die Uebepsetzung-.MKamm^meiner ulchoetischen Feder, . ' 2) Der Dichter donkh ayditz-WUschen-Nündtzr.. .. 2