Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1910)
- Date
- 1910-12-16
- Page
- Seite 593 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
- Safed 1× ep/1046078
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-1sj?Emei:LrtsÄchie)!stehd'sest8:die surchtkarren 7 Mreignisse^iim. - -Judenviertel sind weit weniger dem religiösen FanatjsmuH der.MollahA, und jbrcr* Bevölkerung - vomSchiras. gnzuschreib^n vfs^Politischen Motipen. - W ist bekannt. daß 'dep; Hauptgrund pber.Mgentlich, der einzige Grund für den ' seit zwei.Jähxep! irn' Fars. herrschesidesi anarchistischen'Zustand in der ernsten Rivalität zwischen den Stämmen der Kaschgais und ihres 'mächtigen Oberhauptes Saulät-ed-Döwkeh einerseits und' den arabischen Stämmen' mit' ihren Lührerni-den Brüdern Kawam 'anderseits -zu suchenist.- Die Kaschgais 7uberfallen die^Karawanen,- plündeÄr die Dörferaus, berauben die Post und werfen alle! Schuld aufdie Araber. Diese Leg-ehen-dieselben Untaten und beschuldigen wieder die-Kaschgais./ , : . /.; Infolge dieser Rivglität hat.sich seit 30 Mop äten kein -einziger Geperalgouverneur..an -der Spitze -von Fars halten können, um hier dle:L)rbnung wieder herzustellen. Ln Schiras und im ganzen Lande gM es unter den.,reichen und vornehmen Herren auch zwei Parteien'' pog'denen eine dem'Sanlat-ed-Dowlet, die ändere die Brüder Kawaw unterstützen. In Teheran sind die letzteren mehr beliebt: Seit zwei Monaten ist einer von ihnen, Kawäm-el°Molk, zum provisorischen Gouverneur ' der Provinz ernanntworden, während der zweite, Nüsr-ed-Döwlek/-'MMtärgöüvornerlr'don' Schiras geworden äst. 7'Diese vvn der Regierung seinen- Feinden erwiesene Gunstbezeugungchat siälürljch den;Aerger des Häuptlings der. Kaschgäis .auf die Witze getrieben^ Gr fahndet nun-auf jede Gelegenheit, per Regierung Schwierigkeiten zu bereiten, ihr Ansehen zu.mindern mnd uhp 'Un» Vermögen zur Verwaltung Persiens -darzutun. Er geht uiMum so größter'.Kühnheit und Dreistigkeit vor, als ergänz genau weiß, daß die/Zentralregierüng aus Mangel an Soldaten und an G.Mrnitteln nichts MM ihn unternehmen kann. 'jedenfalls zweifellos, daß die gestrige teuflische-Echenschäft Än ^einesider beiden politischen Parteien organisiert worM ist, -um der a'üöeren zu schaden, und daß als Folge dieser politlschenNebenbühkerschäft^heute76000 Menschen 'sich im größten lElesi^Mfinben. . nz>Min: 'frühen Morgen bin. :ich Iheute. im Judenviertel Wivesen. Wie sMach/ das. ..schrecklicheElend, .-die;fürchterliche Verwüstung -be- Mreiben, die sich meinen Augen darbot! Die Straßen^.chie moch vor achtundvierzig -Stunden das, Bild lebhaftester BewegMg und intensivsten'Lebens gezeigt, machen heut den schmerzlichenMindruck einer .von Drauer bedrückten Stadt, eines von surcktbareMMaturereignis heimgesüchten Ortes. r Ich' habe an geordnet, d aß die Toten sofort bestattet werden' und doch man ihnen statt der leinenen Leichentücher solche von . Baumwollenstoff gibt. Man hat den Totengräbern neues Werkzeug kaufen müssen, -weil auch dieses .von den Plünderern hinweggeschleppt worden war. ’ , -; : f — - Danach -mußte für die ersten Bedürfnisse der. 6000 Hungrigen gesorgt werden. - Kawam-el-Molk hat , mir einen Bon für 2000.dg Brot geschickt, ein reicher Muselmann .1000.Lg. Mirza Ibrahim 4000, der Imam Dschumba 400, Nasr-ed-Dowlet. 1500h§. Ein paar.mohammedanische Generäle haben selbst Brot,.Trauben und Geld verteilt. Der englische Konsul, Mr. Smart,'Hetzt : mir fe 'dieser'' traurigen Gelegenheit in hingebender Weise bei. Er wiederholt'seine Besuche Und Vorstellungen bei den Ortsbehörden und-ffeine Telegramme-an den dritischen Gesandten in Teheran in unermüdlichem Eifer. Grift heute früh mit mir im Judenviertel.gewesemund. hat. die unglücklichen Juden getröstet. Wir! haben, beschlossen, in der Stadt eine Sammlung zugunsten der Opfer des gestrigen -Tages zu veranstalten. .Zu diesem. Zweck hat heute - nachmittag bei -dem Eargusardem, -mohammedanischem Gouverneur des, Judenbieriels , — eine Versammlung .stattgesunden, die, die Bildung.Fines 'Komitees zur Veranstaltung dine.r Gelbsammlung. für die Vetröhenen beraten sollte.. Diese Versammlung bestand aus den Herren Käwam,' Räsr-ed-Dowlet, dem englsfchen. Konsul, dem Kätgusar, Hesi' Direktoren der Kaiserlichen Bank sind der 'Fars-Träbmg-OomPrKU dem 'Geschäftsführer der -Brüder 'Kawam, demVizeMsidMtewdesWezWes des Fürs und mir! Um aus fünf 'Personenbestehendes'Komitee istmit/der Kmpsangüahnw desiWelder 'betraut-7worden/) HieM äst.die'.erste.-an^Ort und SteM gchrichnete Sammelliste: Kawan^MMOk- 10v0,.;Fra-nkeNf Nasr-ed-Dowlet 2000 Franken, M. W. Smart 500 Franken, der Kargufar 500 Franken, der Direkttw-der k'ars-lraäüig 625 Franken, der GeschäftMtzke^dW'MtwwM-M^Mra^^ LWGkäfident. des Bezirksrats /250-. Franken. ' der - Direktor..'. der-. Kaiserlichen Bank 1000 Franken, Leutnant' Lang-140FrankewSumma 6265 Franken. Ich habe an--rnÄsie Mllegett ^iach"'9spshän^'LehevrM7'OÄmadan und Bagdad.telegraphiert und . sie .gebeten, wenn ryöglich'... ebenfalls SammlüngM zu' veränsialten.'.'. .' 7-'" ‘''! . ' Dir englische Kosisül und' der ftanzbsische KönsulüNgänt haben heute 'dbend ' nochmals au ihre esitsprechettden ^Gesandtschaften l in Teheran die telegraphische Bitte' gerichtet^ dort bei' dev persischen Regierung die.erforderlichen Vorstellungen! zu machen, -damit den? troffenen eine erhebliche ^1fchädig!Mtg:-nusg--ikchlt'.'WKrd^,A-^tz^-r^'^ - : Der französische Kvysularagent hat^ außerdemdeptzfrsnzösifchen- Konful in Bouchir ein Telegramm mit,der-.-Bitte, geschickt, Hort, -WAN es angeht, eine Sammlung zu veranstalten.,.. Der englische Konsul Mr. tzmärt.wgr sö^eu.ydlich«!den?^aioäpk'zu schreiben, daß er den armen Betroffenen das' B'röt'wenlerÜefeU'Hl'öchte!.' " Eden habe ich ein Telegramm vom englisckwsi Konsul in'MherÜn; Her'rn Graham, erhalten, der früher in Schiras Konsulgewesen ist.- Er spricht mir -seine aufrichtige Sympathie bei dem Unglück aus-, das die Gemeinde betroffen hat. Ich habe ihm sofort dafürgedankte Wenn die-Ruhe sich bald wieder in der Stadt ^einstellt. hoffe, .ich, dm nächsten Sonntag die Schulen wieder zu eröffnen, schon um deU . Kindern wieder einmal ein warmes Mittagessen znkommew,zu lassen. Selbstverständlich werden .wir alle-Kinder speisenmsiffen, die zur Schule kommen. Die Lage der Juden -in Schiras ist,.heute vollständig nivelliert; -sie alle sind jetzt arme.Leute, dre unseres Beistandes bedürfen. ' . Die Zionistische Vereinigung für Deutschland Littet uni .Ausnahme -folgender Notiz: ' 7 . .7 In einem kleinen Heftchen — . „Zionistisches Merkblatt" M nannt — (herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland) sind die tatsächlichen Ergebnisse der bisherigen ziöniW -schen Tätigkeit in Palästina ohne irgendwelchen Text zusaMrttengestellt. Aus dieser kleinen, wohltuend sachlichen Publikation gehl - hervor) daß die Zionisten über drei Bankinstitute-verfügen, die sich. --m das Arbeitsgebiet teilen. Ihr Gesamtkapital beträgt zirka 71/2 Millionen Mark. Bankstellen und Filialen bestehen iw London; und Konstantinopel, in Jaffa, Jerusalem, Beirut, Haifa, Hebron-und Safed. Der größere Teil des Kapitals arbeitet noch in Eurppa, doch.sind die in Palästina erzielten Resultate derart, daß bereits eine allmähliche Transferierung des Gesamtkapitals nach dem Orient beschlossen wurde. Das. Hauptinstitut ist die in London domizilierte „Jüdische Kolonialbank", die weit über 100'000 Aktionäre in alten Weltteiles zählt/ " Neben den Bankinstitutenbesieht ein äsif freiwilligen Spenden beruhender Landkaufsfonhs, der „Nationalfonds", der bereits über zwei Millionen Mark ausweist. Von dieser Summe 7ist die Hälfte bereits in. Palästina investiert. Die Tätigkeit dieses Fonds: destehä in der Hauptsache in der 'Beschaffungvon Grund, und Boden für Zwecke der jüdischen landwirtschaftlichen und städtischen Kolonisation und von Bauplätzen und Beihilfen für jüdische Institute-z.. B. das im, Bau begriffene Technikum in Haifa, für das „Hebräische Gymnasium" in Jaffa, für die Kunstgewerbeschüle '„Bezalel"-in Je'rusakem"---? Institute, die zum Teil wieder übev nicht"unbeträchtliche eigene Mittel verfügen. Der Nationalfonds läßt auch Olivenplantagen anlegen, unterstützt die Entstehung jüdischer Viertel in-den Städten usw. Von kleineren Fonds, Instituten und Gesellschaften besteh^si eind fehr große Anzahl. Die Anfang der :80ziger Jahre ins Leben'-ge^ tretene Kolonisations- und- Einwanderungsbeweguug hat die Zahl der Juden im Lande von etwa-HOsiOO aus .zirka 100:000 gebracht Seit 1882 sind 35 landwirtschaftliche Kolonien mit einem Besitz, von zirka 40 000 Hektar. Land und. esner Bewohnerzahl vo.n 7500 Seelen entstanden. Die Juden Jer'sisalems allein zählen heute .an 60 000 Seelen. sind bilden eine, gute.Zweidrittelmajorität der .Äß» völkerung der heiligen Stabt. Die Deutschsprächigkeit des Weitaus größten Teils idieses^neuesi' Bevölkersingselemettis verleiht übrigens dieser' jüdischen -Entwicklsittg Palästinas! auch -eisi ganz spezielles deutsches-Interesse. - .