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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-16 · Heft 50 (16.12.1910) · p. Seite 592

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
Seite 592 (sequence 4)
Language
German
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‘"-f MitAHevUchF' BkEWkdsv'l MMMee-^aslite ^Onivdtksells" -teilk'ünZ^folgendes mit: - - ' - ' ' ' Durch'Vermittlung des' Herrir Dberräb'biners^ Nähüm' ersuchte die' türkische - Regierung 'ww^^Moe'lsrLÄteDosverssUö/ in ihr Lehrerseminar in'- Paris einige'fürrnüselmänrsche Zöglinge' aüfzunehmen. '^DieseÄ^'Wfn^Lntsprechend hak das Zentrak- Komiieö/- der '; Älliafoce;- stsra6littf -vüive-rsslle beschlossen, bräi dieser jungen' Leute' unentgeltlich' "aüfzünehmen. - Sie/ wurdenvon - dem Mnisteriüm des öffenttrchen Unterrichts in Könstantinopel - ausgewählt ÄNd sind örese Woche in Paris eingetroffen. '.. '; \ : - ,; rJ;-' , *- - - ■ ", Die Redaktion der „Straßburger Israelitischen Wochen? schrift" wendet sich gegen die in .'der /vorigen Nummer nnt* geteiltem Berichtigung mitfolgender Erklärung: .; . - In-dem in/Rede stehendenMrtikel wurde darauf hingewiesen, daß gemäß dem soeben veröffentlichten Jahresberichte des Zentralkomitees pro 1909 . für das .Nnterrichtswefen im Orient nicht weniger als Wer'-I-V^ Millionen, Franken aufgewendet sind, während nur ein winziger Posten von etwa 26000 Franken für „verschiedene Unterstützungen und Zuschüsse" aufgeführt wird.- Außerdem wurde gesagt, daß ein irgendwie intensives Wirken in der Richtlinie des Streben? auf,Gleichstellungoder wirksame Hilfefür diejenigen, diein ihrer Eigenschaft als-Juden leiden,, seit Jahren nicht mehr konstatierbar sei. -Dies, zur Äufkärung. ./,•/ ■; ■' ' * ' , i: - Die „Alliance" sendet uns ein langes Schreiben -des Leiters ihrer Schulen in Schiras über die gegen die Juden dort-verübten Greuel. Es tautet: Beim Reinigen der Senkgrube eines jüdischen Hauses fanden vor ungefähr drei Wochen hie Abfuhrarbeiter ein Buch, dessen Blätter zum Teil noch sauber waren'und erkennen ließen, daß es sich um ein Exemplar des Koran handelte. Die Arbeiter waren empört über dir Verunglimpfung ihres heiligen'Buches und wollten die Sache fosort den Mollahs anzeigen. Aber die jüdischen Besitzer des Hauses veranlaßten sie, mit Hilfe eines Geldgeschenks, von ihrem Vorhaben abzustehen. Der Vorfall war mir berichtet und von mir sofort als ziemlich etUst erLannt wordech . Trotzdem sprachich mit keinem Menschen davon, damit nicht irgendein fanatischer Mollah ihn ersahxe und. zum Schaden unserer Unglücklichen Glaubensgenossen ausbeute. - Es, Mar um so dringender geboten, diese Angelegenheit zu vertuschen,/als zur Zeit keine eigentliche Autorität, sondern die größte Unsicherheit, in der Stadt herrschte- Der furchtbare Clan der Seyeds kann es den Juden -immer noch nicht verzeihen, daß sie einen ihrer Mit glieder, den Mörder unseres-^Hilfslehrers, auf drei Monate ins Gefängnis gebracht, haben, und, daß die Familie des Mörders noch 100 Tomanen Strafe hat zahlen'müssen. 'Die Seyeds warteten nur auf die erste Gelegenheit^ um:,sich furchtbar zu rächem - -; Als einige Juden am ersten Tage des Laubhüttenfestes aus'der Synagoge heimkehrten, erblickten -sie an /ihrer Haustür eine verschleierte mohammedanische Frau, die ein Paket unter dem Arm hielt. Beim Herannahen; der Hausbewohner warf die Frauihr Paket indas: Kfoset, dassich in allen Häusern dicht hinter der Haustür befindet, und: lief davon- Man zog das Paket sofort, aus der Senkgrube heraus — es war.wieder ein Koran. Man verschloß' das Exemplar und meldete mir, dem.Vorfall. Jetzt hielt ich es für nötig, wenigstens hen Oberpriester der Stadt, Mirza: Jbrahim, von der . Angelegenheit zu-, unterrichten. Ich . konnte doch nicht wissen, ob^ nicht auch in andere, jüdische Häuser ohne Vorwissen ihrer Bewohner Koranbücher geworfen worden tvaren, und fand, es. vorsichtiger, daß der Ober» ryollah. schon Bescheid.-wußte, öhe: etwa, die entsprechenden. Bücher aMgesunden woxdem und zum Vorwand für einen. Angriff gegen die Juden benutzt werden konnten,- Mirza Ibrahim versprach mir'für den vopkommenden Fall seinen,wohlwollenden Beistand und. empfahl, so^wenig Mie mMich von Wer Sache verlauten zu lassen. ' vo; Am Abenh vor den: letzten Laubhütten-Feiertag wurde das: Haus ' der -beiden- -Oberrabhiyer --der' - Gemeinde Won einen Bände. Lutis lStraßenpöbel)./übersallem, -die .einem Bazartzändler . hierher nach-, gelaufen ävaren./«.-DissseL)wehauptete,/.se.inwievjährrgeZ-Töchterchen/fer' im Laufe des Nachmittags fortgelcmfen und nirgends zu finden, es müffch'zMfelloS i^.'JudMvkerW^derstM gSMKMlwttdLütsdenrünK habe^.es^ dort, ümgebracht, ::wm ihrMut.-M/henutzen/LÄian Iannrsich das/ Entsetzen.: der unglücklichen,.Rabbiner vorstellen;n beide schwuretz; haß. .ihnen nichts,. von:J dem. Ausenthalt.--/eine^/Moham«iedqnischLii Klndes tnr ihrem Viertel, bekannt,: und daß eine solche-: .Beschusdigung vollkommen .grundlos sei. Me Lutis entfernten -sich .mit der Drohung daß sie .^aS^J'udenviertel-'.mü/Teuer und Blut überziehen ^wurden wenn das Kind bis' zum nächsten' Tage .nicht wiederghfünden würde. Am anderen Morgen kamen die beiden Rabbiner' mih einigen illotablen zu- -mir, erzähltenwas vörgefallen war und beschworen mich, das Unglück - zü verhüten, daß. die ganze Gemeinde schwer bedro he. - ■r;5i' Ich' ■ beruhigte sie nach Kräften und schickte - sofort an Mirza Ibrahim die Mitteilung von dem neuen- Zwischenfall, Dem Polizeichef,. der gleichzeitig der. Naieb der MohallaS ist/ schrieb ich ebenfalls und bat ihn, sofort die nötigen Maßregeln zu treffen Diese beiden Schrittehatten.'dengünstigster! Erfolg, und das drohende Unheil schien abgewendet. Das. war am letzten Dienstag. Am vorgestrigen Samstag ließ ich in allen Synagogen, verkünden,, daß am nächsten Tage, der Unterricht in den Schulen wiederbeginnen würde, und , daß die Eltern ihre Kinder wieder hinschicken möchten. Gestern, am Sonntag, ging ich um 7 Uhr morgens zur Schüfe, wo nur. ungefähr 20 Kinder sich eingefunden hatten. Ein Schuldieuer.'erzählte mir, daß man am - vergangenen Abend, ungefähr - einen- Kilometer von der Stadt, Nicht weit vom jüdischen Friedhof/ üüdhiÄer einem unbewohnten .Palast den Leichnam eines Kindes' gefunden habe»': man j vermutedaß: dieses das/vvr zehn Tagen vermißte kleine Mähckey sei und habe das- Gerücht verbreitet, daß.--die:Juden das Kind umgebracht hätten. Jeder Jude,, der sich-heute außerhalb des Viertels sehen ließe, sollte tätlich angegriffen werden. Ich schickte sofort die beiden Mirzas der Schule nach weiteren Nachrichten -aus .und. beauftragte gleichzeitig den' einen. zum Jnterimsgouverneüi? Kawamel- Molk, den anderen zu-Mirza Ibrahim und züm Militärgouverneur der Stadt, Nasr-el-Dowlet zu gehen, -' damit eiligstdie notwendigen Maßregeln ergriffeyuwürden, um. die: .-judenfeindlichetl Gerüchte zu ersticken,. - : ■■./; %; i; J- Die Schule liegt an einem der Stadttore-und^in der Nähe des großen Karawanenserails,, das jetzt. al.s-Soldatrnkas.erne.'-dient.. .Der. Palast des Gouverneurs ist etwa 200 Schritte davon entfernt. Ganz, nahe an der Schule traf einer meiner Mirzas den.Militärgyüver.neur,' Nasr-ed-Dowlet, /und übermittelte ihm rnelne. /Botschaft//,'Nasr*ed'«' Dowlet antwortete ihm, er wäre eben selbst gekommen, uni seine Mannschaften zusammenzurufen und. .nach dem Judenviertel zu dirigieren, um die Menschenmenge Won -einem Einfall in den Mehalla zurückzuhalten. Wirklich wurden 300 Soldaten in der Richtung des Judenviertels abgeschickt, und ich glaubte mich, über das Schicksal meiner Glaubensgenossen beruhigen zu dürfen. . .Bald aber konnte.man in der Schule, wo ich mich eben befand das Geheul und das Geschrei der Menge hören-^wie sich-vor dem. Palast des Gouverneurs, immer zahlreicher ansammelte, -den /angeblichen Leichnam, des mohammedanischen Mädchens mit/sich führte und die Juden beschuldigte, wen Mord begangen zu haben. Später, ist bewiesen, worden, daß der ganz unkenntliche Leichnam der eines kleinen jüdischen. Knaben gewesen ist^ dev vor ,acht Tagen/ begraben worden und nun. zum Zweck der Judenhetze ausgegraben worden war.. Der Jnterimsgouverneur Kawam-el Molk hatte feinen Reitern Befehl gegeben, fc.ie; Menge:zu zerstreuen. Diese stürzte sM. darauf sofort in das Judenviertel/ das/nun. der Schauplntz".:uttärhSrier-- Greuel und Roheiten wurde.. Die von .Nasr-ed-Dowleb züm Schutz' der Israeliten, geschickten Soldaten beteiligtem sich, in erster-Reihe an der Zerstörung- und/. Plünderung des Judenviertels. 1L'Juden ' würden getötet^ 50 verwundet, 5.000 bis 6000 Mitglieder der-*jüdischen i Gemeinde von Schiras all ihrer Habe/berauvt. / . . . . . - - WaA bei diesem Ereignis äuffällt und.seltsam berührt; ist 'wie- ' Untätigkeit, der Ortsbehörden..v Sie scheinem/nur.-emes getan," nämlich/ den Soldaten befohlen oder gestattet zu. haben:: mitwer- BeyAkerung^ gemeittschaftkiche Sache-.-'zu mychen unddas JudenviertekMweräü-beM und seine -Bewohner zu mißhandeln^ Unddasgeschah: trotz'-meiner - dxingenden/Bitten, berittene. Kosäsen. zu schicken/ um.der begonnenekr- Plünderung Einhalt zu tun, trotz: d'A: .onergischen. .-VÄvstLlkmgen'k/w^- : eyÄliich.en-.7Kynsuls' - .Mr.--'SMairt/'beivr Jnte^msgvüvetneu^Kawa^!

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