Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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in der Vorlage nur einen Notbehelf und' hätte es' für wertvoller gehalten, eine besondere Verwandlungskommission für die Kultusangelegenheiten zu schaffen. Er hofft jedoch-daß vieZweiteilungsich so gestalten werde, daß sie späterhin organisch weite,r .ausgebaut werden könne. Im Gegensatz zu Blumenthal sollte man unter dem Gesichtspunkt „Beug vor" zur Annahme des Antrages des Gemeindevorstandes kommen. Denn wenn eine Dezentralisation in der Gemeinde erntrete, so werde eine Kommission bestehen, die diese Dezentralisation aufhalten werde, und für die Folge bleibe eine höhere Einheit' bestehen, unter der sich die-einzelnen Teile befinden werden. Nach weiteren Bemerkungen der Herren.Loewenberg, der für Ablehnung ist, Pros. Kalischer, Dr. Minden und Jüstizrat Simon wurde die Abstimmung vorgenommen. Das Amendement Simon wurde' mit 11. gegen 10 Stimmen, der Antrag ' des Vorstandes' mit dem Amendement mit 16 gegen 5 Stimmen angenommen. — Nach Kenntnisnahme einer Vorlage betreffend die Seminarkurse zur p r a k t rs ch e n A u § b i l d u n g v o n Religionslehrern / zu deren - Gunsten einige Äenderüngen in den Bestimmungen des Reglements getroffen sind, trat die Versammlung in die Beratung, der Neuordnung der Gehaltsverhältnisse der Lehrer und: Lehrerinnen ein, die einen großen Raum in der heutigen Verhandlung einnahm. Der Referent, Herr Jüstizrat Dr.Ignatz Cohn, der sich mit größtem Fleiße und dankenswertem Eifer dieser Vorlage. angenommen hat, wies daraufhin, daß diese Neuordnung weit über; Berlin hinaus das Interesse der beteiligten Kreise beanspruchen 'müsse. Der Gemeindevorstand ist von dem Grundsatz ausgegangen, die hiesigen Lehrer noch besser zu stellen als. die städtischen Mittelschulen', weil die Verhältnisse der Lehrer an .den jüdischen Schulen ganz anders liegen. Zugleich ist auch durch die Vorlage die Möglichkeit gegeben, die neuen Bestimmungen auf alle jetzt im Amt befindlichen Lehrer, gleichviel ob sie das Mittelschullehrerexamen gemacht haben oder nicht, zur Anwendüng'zu^bringen. Demnach stellt sich die Skala folgendermaßen: für alle zurzeit an der Knabenschule, der Mädchenschule undder Präparandenänstalt feft; angestellten Lehrer sowie für diejenigen in Zukunft an diesen. Anstalten anzustellenden Lehrer, die das Mittelschullehrerexamen abgelegt haben, beträgt das Anfangsgehalt 3200 Mark, das Höchstgehalt 5800 Mark, erreichbar in '27 Jahren durch sechs dreijährige Zulagen von je 300 Mark und zwei dreijährige Zulagen von je 400 Mark. Für die Lehrerinnen beträgt das Grundgehalt 2200 Mark, das Höchstgehalt 3800 Mark, r erreichbar durch acht .dreijährige Zulagen .von je: - 200 Mark .nach' 24 Jahren. Bei' den Seminarlehrern sind; zwei Kategorien geschaffen worden, erstens die Stelle eines ersten : Seminarlehrers und zweitens Stellen für seminaristisch gebildete . Lehrer. Das Anfangs geh alt für den ersten Seminarlehrer beträgt .4200 Mark,- das Höchstgehalt 7200 Mark, erreichbar durch fünf dreijährige Zulagen von je. 600 Mark nach 15 Jahren. Für die .seminaristisch.gebildeten Lehrer der Lehrerbildungsanstalt wurde die - folgende Skala festgesetzt: Ayfangsgehalt 3400 Mark, Höchstgehalt 6000. Mark, erreichbar nach 27 Jahren durch acht dreijährige Zulagen von je 3OO Mark und eine letzte gleichfalls nach drei Jahren: .zu gewährende Zulage, von 200 Mark. Bei den Mittelschullehrern; der Knaben- I und Mädchenschule sowie der Präparandie, den - seminaristisch, gebildeten Lehrern der Lehrerbildungsanstalt und den. definitiv Angestellten Religiönslehrern mit seryinaristischer Vorbildung. wird das Anfangsgehalt nach vollendetem 4. Dienstjahre gewahrt.: 'Auch für die nur für Volksschulen geprüften Lehrer der Knaben- und Mädchenschule soll, das Anfangsgehalt nach vollendetem 4. Dienst-! jahre bewilligt werden. Das Anfangsgehalt beträgt 2650 Mark. :Es. steigt nach drei Jahren (nach vollendetem 7. Dienstjahre um: 250 Mark, nach vier Jahren um 100 Mark, nach sechs Jahren um; 150 Mark, nach sieben Jahren um 50 Mark, nach neun Jahren um' 250 Mark, nach zwölf Jahren um 3OO Mark, nach. 15 Jahren um - - 250 Mark, nach 18: Jahren um 250 Mark, nach 21, 24 und 27 Jahren. .- ebenfalls um je 250 Mark, so daß das Höchstgehalt nach 31 Jahren ^5000. Mark beträgt. Die akademisch vorgebildeten Religionslehrer/ - find den .Religionslehrern .der Lehrerbildungsanstalt: in b^zug auf :.d>as Gehalt gleichgestellt worden. Als. akademische Vorbildung wixd! tungesehen:' das Abiturium und sechs Semester Universitätsstudiurn. in Verbindung mit dem Rabbinatszeugnis oder mit demjenigen Religionslehrerzeugnis, das' zum Unterricht in den oberen Klassen der höheren Lehranstalten berechtigt. Die definitiv angestellten r Religiönslehrer mit' semi.nMstiWrMorbilbung sind rnr Gehalt den Mittelschullehrern der Knabenschule gleichgestellt worden. Für den Leiter der Mädchenschule ist das Anfangsgehält auf 4700 Mark, das Höchstgehalt aus 7100 Mark,: erreichbar durch acht dreijährige Zulagen von je 300 Mark nach 24 Jahren. Die Beschlüsse sollen vom 1. April 19.10 ab Geltung haben. Die Vorlage wurde in dieser Form einstimmig zum Beschluß erhoben. — In schneller Folge wurden alsdann noch die Rechnungsabschlüsse der Schulverwaltung, der Synagoge Kaiserstraße und des Krankenhauses pro 1909/10 verabschiedet, die Beiträge zür Einrichtung' jüdischen Religionsunterrichts an der Königlichen ' Augustaschule und zu den Kosten des Religionsunterrichts an der Brühlschen höheren Mädchenschule und einige weitere Ausgaben für Materialien bewilligt. Für das Hauptbüreaü wurde die Stelle eines fünften Abteilungsvorstehers und für die Hauptbuchhalterei eine dritte Assistentenstelle geschaffen. Mit der Wahl des Herrn FraNz ' Meyer in das Kuratorium des Reichenheimschen Waisenhauses schloß die öffentliche Sitzung. - — Berlin, 6. Dezember. Jn derersten Altersversorgungsanstalt' der jüdischen Gemeinde, Große Hamburger Straße, feierte am 4. d. M. das Ehepaar Jacob und Henriette Oppenheimer das seltene Fest der goldenen Hochzeit.' Aus diesem Anlaß fand in der sestlich geschmückten Anstaltssynagoge ein Festgottesdienst statt, zu dem außer Verwandten und'Freunden auch die Ehrendamen und der Vorstand der Anstalt erschienen waren. Nachdem das Jubelpaar von dem Anstaltsinspektor und seiner Gattin auf seinen Ehrensitz geleitet war, richtete Herr Rabbiner Dr. Nathan eine zu Herzen gehende Ansprache an das Jubelpaar, in welcher er unter Zugrundelegung eines Psalmwortes einen Rückblick auf ihr an Prüfungen und Segnungen mannigfacher Art reiches Leben warf' und . auf die Gnade Gottes hinwies, der sie bis zu diesem Tage geleitet habe, und überreichte am Schlüsse die vom Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille. Sodann richtete namens der Ehrendamen und des Vorstandes Herr Emil P incus warme Worte des Glückwunsches an die Gefeierten und wünschte ihnen einen weiteren gesegneten Lebensabend. Mit Chorgesang fand die erhebende Feier ihr Ende- Das Ehepaar selbst hat aus Anlaß dieses Tages der Anstalt einen schönen silbernen Chanukaleuchter gestiftet. — Berlin, 6. Dezember. Der Jüdische Jugendbund Berlin veranstaltet gm Sonnabend den 10. Dezember abends. 9 Uhr in den Gesamträumen der „Philharmonie" zum Besten des Fonds für die Errichtung eines eigenen Heims ein Winterfest, bestehend aus einem Konzert, zu dem namhafte Künstlerinnen und Künstler ihre Mit- Wirkung zugesagt haben, Ball und sonstigen Veranstaltungen, die den Teilnehmern genußreiche Stunden sichern'. Karten ä 2 Mark sind im Kaufhaus des Westerls, im Bureau der „Philharmonie", in der Buchhandlung Louis Lamm (Neue Friedrichstr.' 61) und bei den Mit- , gliedern des Festkomitees.. den" Herren F. Kälisch (Hallesches User), A. Lenschütz (Kommanöantenstr. 49), - L.' Löwenthal' (Klöpstyckstr. 53) und W.Sand (WörtherStr. 4) zu erhalten. — Am Mittwoch dew'14.Dezember spricht Herr Rabbiner Dr, E s chelb a ch'er über „Die Semiten". Lokal: Lützow-Brauerei, Lützowstraße. Anfang 9 Uhr. . Gäste willkommen. *** Berlin, 7. Dezember. Kurz vor Schluß der Redaktion geht uns die traurige Nachricht zu, daß Dr^ Hirsch Hildesheimer gestern abend an den Folgen eines Schlagansalles plötzlich gestorben ist. Der teure Entschlafene, der schon seit einigen Jahren herzleidend war und sich infolgedessen in letzter Zeit von jeder öffentlichen Tätigkeitznrückziehen mußte, stand erst im 55. Lebensjahre. Sein jäher Tod bedeutet für die deutsche Judenheit einen schweren, in mancher Beziehung fast unersetzlichen Verlust. Unsere großen Organisationen und lokalen Wohlfahrtseinrichtungen verlieren in ihm einen ihrer eifrigsten und opferwilligsten Förderer und Mitarbeiter, Hunderte von Notleidenden und verschämten Armen einen unermüdlichen. Helfer und Fürsprecher, alle,, die ihry nahestanden, einen treuen, stets! bewährten Freund, dessen . Andenken ' sie allezeit in Ehren halten werden. Sein tatenreiches Leben und - Wirken, im. Dienste , unserer .-Glaübensgemeinschaft. eingehend zu würdigen/ müssen .wir uns 'für die nächste Nummer Vorbehalten.