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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-09 · Heft 49 (9.12.1910) · p. Seite 588

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 49 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
Seite 588 (sequence 12)
Language
German
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Fublications bf the American-jewish historical society Number 19. Published by tbe Society 1910, 259 8. ' . : Sabbatpredigten zum ersten Buche Moses von Dr. M. Steckelmacher, Stadt- und Konferenzrabbiner in Mannheim. Leipzig. M. W. Kaufmann. 87 S. Kulturelle Bestrebungen innerhalb der deutschen Judenheit von Rektor Jos. Feiner. 2. Auflage. Hamburg, M. Leßmann. 20 S. Die gerichtliche Medizin in der biblisch-talmudischen Gesetzgebung. Vortrag gehalten im Lokale der „Asociatune Medicofarinaceutica“ von Dr. K. Lippe in Jassy, den 23. Januar 1910. Jassy. Druck G. Aberman, Stefan Gelmare 1910. 30 S. Zwei Vortrage über Unsterblichkeit und Spiritismus, gehalten in derBne-Brith-Loge Neo-Samuel-Jaffy, von ihrem Ehrenpräsidenten Dr. K. Lippe, Jassy. Buchdruckerei H. Goldner, 1907. 98 S. Eheleute. Roman von Martin Beradt. Berlin, S. Fischer. 481 S. Syrechssal. Zum Artikel „Der Gebetsgestus". 3m Anschlüsse an die Beurteilung verschiedener Sitten der im Osten wohnenden Juden wurde in diesem Blatte (in Nr. 36 und 43) die Frage über den Gebetsgestus aufgeworfen. Darin wird auch auf den Brauch hingewiesen, während der Verrichtung der Gebete den Körper zu bewegen. Zwar haben, die westlichen Juden diese Sitte abgelegt, und auch die aus Osten ein gewanderten befleißigen sich in den Synagogen sich ihrer Umgebung anzupassen. Für jene Gegenden aber, in denen diese Sitte besteht, ist es von wesentlicher Bedeutung, daß sie der Tradition oder von der Lehre einer Sekte vorgeschrieben oder empfohlen wurde, die ihre Autorität noch nicht eingebüßt hat. Dezisoren und Reponsenschreiber beschäftigen sich mit diesem weitverbreiteten Brauch. Diese Tatsache erleichtert es uns wesentlich, diese Sitte nicht einfach zu verurteilen. Richtig bemerkt Herr Dr. Schwarz am Schlüsse seines interessanten Artikels, daß wir eine Sitte, die wir in unserer Mitte eingebürgert vorfinden, zunächst verstehen lernen müssen. So sehr störend diese aufgeregte, schwankende Bewegung auch wirken mag, sie besitzt für den, der sie ausübt, eine ideale Seite, die wir erkennen, wenn wir etwas genauer auf den Ursprung dieser Sitte znrückgreisen. — Der Ursprung ist wohl auf den, auch von Schwarz angeführten, Satz: »Das Volk sah es und erbebte/' zurückzuführen. Der Baal Hatturim leitet aus dieser Stelle die Vorschrift der Körperbewegung zunächst für das Gesetzesstudium ab. Ter östliche Jude, der voll grenzenloser Ehrfurcht auf die Thora blickt, gerät während der Beschäftigung mir ihr und den damit im Zusammenhang stehenden Disziplinen in eine Gemütserregung, die durch diese Körperbewegung noch vielfach gesteigert wird, gleich der Erregung, in welcher sich Israel während der Offenbarung befand. Vgl. noch Erub. 54a: -|^ HSni? d« ♦DldniPd Dieser Brauch wurde später auch auf den Betenden ausgedehnt, und zwar mit Zugrundelegung des Psalmwortes „alle meine Gebeine reden" (35, 10) (Orach Chajim § 48). Im Hinblick auf diese Worte empfiehlt ihn auch der AtherethSekenim (O. Chajim , § 95). Die Körperbewegung beim Beten geschieht nach dem Letztgenannten von rückwärts nach vorwärts (ebenso der Maharil). aber auch nach den vier Windrichtungen, und zwar auf Grund einer Bemerkung in BB. 25 b: „Wenn jemand weise werden will, so wende er sich gegen Süden, wer reich werden will, wende sich gegen Norden." Im Tempel nämlich stand der Leuchter an der Südseite, der Tisch an der Nordseite. Nach O. Chajim, § 61, wird durch die Bewegung nach den vier Richtungen die Anerkennung dessen dokumentiert, daß Gott der alleinige Herrscher der Welt sei. Diese Ansicht wird an dieser Stelle noch vom Ateretb Sekenim unterstützt, der die Bemerkung hinzufügt, daß man sich beim Beten nach Osten, Norden, Westen und Süden neigen solle, entsprechend der Reihenfolge, wie die Blutsprengungen beim Opfern vollzogen wurden. Ganz in das Reich der kabbalistischen Mystik ist jener Anhaltspunkt für die Körperbewegung währenddes Betens zu verweisen,. den man in einer Ägada (Berachoth 3a) finden wollte: „Zur Stunde, .da die Israeliten in die Bet- und Lehrhäuser, treten und rufen: gepriesen fei sein großer. Name, schüttelt der Heilige, gelobt sei Er, sein Haupt." Aber auch Rabbi Jesaja Horovitz, der auf die Verbreitung und Einbürgerung verschiedener Mubagirn großen Einfluß hatte, bemerkt imSch’loh (Abschnitt über Gebet und Thoravorlesung), daß die Bewegung des Körpers eine fromme Sitte sei. Die hebräische Stelle lautet folgendermaßen: nippunn ’ba "i'avni iruia biaa dhj irbsna ppunan ii"n iai m-iasn ’niasp bi natw nai njnan bs -mv bbb> •mimiabm ip"p maiai ninaipni niTra Hieraus entnehmen wir zunächst, daß der Hinweis auf das Psalmwort auch dem Scb'iob genügte,. diesen Brauch zu verteidigen, aber — und darin liegt die Einschränkung — nur bei dem Rezitieren von Lob- und Preisliedern. Bei Bittgebeten ist dieser Brauch zu unterlassen, weil darunter die Andacht leidet. So auch der Atereth Sek. (O. Ch., § 98).; Auch in einem Responsum des Rabbenu Menachem Asarjah (ed. Dihrnfurt 1787) über diese Frage wird ebenfalls so entschieden, daß dieser Brauch bei Lobgesängen empfohlen wird, während bei der Tefilla als Zssur bezeichnet wird. Als Beleg diene hierfür I. Sam. 1, 13, wo es von Hanna heißt, „nur ihre Lippen bewegten sich," aber — so wird daraus gefolgert — nicht auch ihr Körper. An die Stelle der Körperbewegung tritt in diesen Fällen ein leichtes Senken des Hauptes. ' Dr. M. Friediger, Prag. $ ^Xon Herrn Paul Schindler erhalte ich eine lange Erklärung, die KJ sich auf einen Abschnitt in der „Woche" (Nr. 44) und auf die Berichtigung, die ich im Briefkasten der Redaktion, Nr. 45 (S. 540), folgen ließ, bezieht. Da der Raum dieses Blattes durchaus nicht ausreicht, die wortreiche und selbstbewußte Erklärung des Herrn Schindler abzudrucken, so begnüge ich mich damit, die von ihm mitgeteilte Aufklärung über die in dem Kartellkonvent vereinigten Korporationen hier folgen zu lassen. Sie lautet so: „Die Verbindungen im K. G. stehen auf dem Boden 'deutsch-vaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck, den Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur und Rechtsgemeinschast mit dem deutschen Vaterlande unlöslich verbundenen Volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1 nicht widerstreben, nehnlen die Verbindungen im L. G. keine Stellung." Auf die Sache nochmals weiter einzugehen oder mich mit'den jungen Herren in eine weitere Polemik einzulassen, liegt für mich keine weitere Veranlassung vor. L. G. 9t xi den letzten Tagen vor der Wahl - also zu spät für öffentliche Widerlegung, ist das Gerücht verbreitet worden, ich hätte meine Kinder taufen lassen. Ich nehme nun Gelegenheit, dies hier in voller Oeffentlichkeit für eine Unwahrheit zu erklären. Ich habe niemals Kinder besessen. Aber wenn ich Kinder hätte, würde ich meine ganze Kraft daran gesetzt haben, sie dem Judentum zu erhalten. Berlin, 4. Dezember 1910. vr. jur. Georg Minden. Lerichtigung. In Nr. 34 S. 401 Sp. 1 Z. 7/8 hatte ich gesagt: „Emile G. Hirsch setzte seine Studien in Leipzig fort und machte dort sein Doktorexamen." Das ist ein Irrtum. Herr Professor Hirsch mußte seine Studien in Leipzig unterbrechen, da er durch eine Depesche seines Vaters nach Amerika zurückgerufen wurde, brachte seine Studien in Amerika zum Abschluß und machte Port seine Examina. . . . ■ L. 6. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion:-Max Bauchwttz in Berlin.

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