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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-09 · Heft 49 (9.12.1910) · p. Seite 585

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 49 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
Seite 585 (sequence 9)
Language
German
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585 Schlachtfelde beglückwünschte/ eine Haltung, die ihm selbst und - dem Judentums zuv Ehre gereicht. Leider gingen die Hoffnungen bezüglich der vollständigen Genesung Brociners nicht so bald in Erfüllung, die Wunde am Fuße war schwerer, als man ursprünglich glaubte, die Heilung schritt nur langsam vor, der Kranke litt noch immer Schmerzen und mußte sich .länger alf ein Jahr einer Krücke bedienen. Unter solchen Umständen konnte er die Absicht, ins stehende Heer einzutreten, nicht ausführen, obschon er nach Beendigung des Krieges in einer vom General Cernat gezeichneten Tagesordnung Nr. 134 ', vom 21. April 1878 dazu empfohlen war. Er trat nun mit dem Nang eines Leutnants in die Reserve und akzeptierte nach vollständiger Herstellung seiner Gesundheit die ihm von der Regierung angebotene Stelle als Beamter I. Klaffe beim Hauptzollamt in Galatz, wo er bis zu Beginn des Jahres 1880 verblieb. In einer am 4. Mai 1879 vom bekannten rumänischen Politiker Emil Costinescu^) im Atheneum zu Bukarest, gehaltenen großen Rede, in welcher er die Judenfrage besprach und die Haltung des jüdischen Volkes während des Unabhängigkeitskrieges wenig freundlich kritisierte, äußerte sich dieser Staatsmann über Brociner, wie folgt: .... von diesen hat sich einer bemerkbar gemacht, er erhob sich im Sturm auf Grivita, er kämpfte wie ein Held, er wurde verwundet und fiel; ins Spital gebracht, ist er geheilt worden, und heute wird zwischen ihm und anderen Rumänen kein Unterschied gemacht. Dekoriert und avanciert, ist er heute Beamter I. Klaffe im Zollamt von Galatz, dieser Jude mit patriotischem Gefühl heißt Mauriciu Brociner. ... Der „Monitorul Official" Nr. 255 vom 23. November 1879 publizierte das vom Fürsten Carol I. sanktionierte Gesetz, wonach sämtliche Juden, welche den Krieg mitgemacht hatten, mit Brociner an der Spitze, 888 an der Zahl, naturalisiert, d. h. mit der vollen, politischen Gleichberechtigung ausgestattet wurden, welche die Juden sonst bis auf den heutigen Tag, bekanntlich individuell erwerben müssen. Ein Jahr nachher wurde Brociner auf eigenes Ansuchen ins Kriegsministerium nach Bukarest versetzt, von wo er im Jahre 1882 in das Königliche Krivatsekretariat — Rumänien war mittlerweile zum Königreich proklamiert worden — berufen wurde. Nach kurzer Zeit wurde er mit dem Offizierkreuz des neu gestifteten Ordens „Krone von Rumänien" ausgezeichnet, ebenso sind ihm das „Donau - Uebergangs - Erinnerungs-Kreuz" sowie alle anderen, auf den Krieg bezughabenden Medaillen verliehen worden. In der Hofkanzlei wußte Brociner sich durch seine Bescheidenheit, durch seinen Pflichteifer und durch sein taktvolles Auftreten das Vertrauen der Vorgesetzten zu erwerben. Obgleich er im militärischen Rang vorrückte und zum Oberleutnant und Hauptmann in der Reserve avancierte, blieb er stets im Hintergrund und vermied es, die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf sich zu lenken, dies waren Eigenschaften, die allerhöchsten Ortes nicht unbemerkt bleiben konnten und ihm eine glänzende Käriere gesichert haben. Brociner wurde bald zum Hofkassier ernannt, in dieser verantwortungsvollen Stellung blieb er fast 20 Jahre und wußte das während dieser langen Zeit in ihn gesetzte Vertrauen vollauf zu rechtfertigen. Als glänzendes Zeugnis für seine Arbeitsfreudigkeit mögen die Worte dienen, welche Oberst Cändianu Popeseu, die markanteste Gestalt in der rumänischen Armee, im Volke der Held von Plevna genannt, in seiner späteren Eigenschaft als Oberst-Adjutant des Königs,- aus ein Bändchen seiner Gedichte schrieb, das er dem Brociner schenktesie lauten: *) gegenwärtig Finanzminister. „Meinem guten und teueren Freund Brociner, dem Tapferen im Kriege und dem Arbeitssamen im Frieden." Brociner hatte auch das Glück, die Aufmerksamkeit der Königin Elisabeth, der Dichterfürstin „Carmen Sylva" auf sich zu lenken; diese erhabene Frau, deren Fühlen und Denken allem was edel und gut gewidmet ist, erkannte in Brociner den biederen Charakter, den diskreten, bescheidenen Menschen und wählte ihn zu ihrem Privatkasfier. Diese Stellung bekleidet er noch heute, obschon er seit einigen Jahren mit der Direktion des königlichen Marschallamtes betraut und nach abgelegter Stabsoffiziersprüfung zum Major und Oberstleutnant befördert wurde. Alle dem Wohle der Menschheit gewidmeten Anstalten erfreuen sich der wärmsten Fürsorge der vom ganzen Volke innig geliebten Königin, und Brociner ward von ihr als redlicher und unermüdlicher Mitarbeiter ausersehen. In ihrem „Penatenwinkel" schreibt Carmen Sylva über ihn folgendes: „In unserem Hause ist Nathan der Weise ein täglicher Gast, da wir alle Konfessionen in der eigenen Familie vertreten haben! Katholisch, protestantisch und orthodox, ebenso im Hause einen Juden als Sekretär haben! Und gerade ein Israelit ist es, der meine Hauptstütze in allen Wohltätigkeitssachen ist. Oberst Brociner trug im Kriege von 1877 zwei schwere Wunden davon, wurde dann Sekretär bei uns und opfert sich mit Begeisterung aus für alle Armen und Leidenden, die von uns Hilfe erwarten..." Dies ist wohl das glänzendste Zeugnis, das ihm je ausgestellt werden konnte! Im Lause der langen Dienstzeit am königlichen Hof — mehr als 27 Jahre — wurde Brociner durch hohe Orden ausgezeichnet, so besitzt er das Ritterkreuz des Franz Joses- Ordens, den österreichischen Eisernen Kronen-Orden Hl. Klaffe, er ist Kommandeur des russischen St. Annen-Ordens, des türkischen Medjidie-Ordens, des bulgarischen Alexander-Ordens, des serbischen Takowa-Ordens und erhielt kürzlich den preußischen Kronen-Orden II. Klasse sowie das Comthurkreuz des österreichischen Franz Josef-Ordens mit dem Stern; in Anerkennung seiner Verdienste um die unter dem Schutze der Königin stehenden Wohltätigkeitsanstalten wurde ihm vor drei Jahren die goldene Medaille „Resplata Muncei“ verliehen und am 10. Mai d. I. das Offizierskreuz „Stern von Rumänien". Trotz dieser glänzenden Laufbahn, die Brociner zurückgelegt, trotz der hohen Stellung die er bekleidet, blieb er seinem Volke treu, er ist nicht ein sogenannter Nochjude, sondern ein treuer Sohn seines Stammes, an dem er mit allen Lebensfasern hängt. Allen Versuchungen, die an ihn im Lause der vielen Jahre herangetreten sind, hat er festen Widerstand geleistet und sich niemals gescheut, sein Judentum zu bekennen, besten kulturelle und nationale Bestrebungen er : fördert, und dessen Wohl ihm am Herzen liegt. Adolf Schwarz. Das Iudengrsb in der Steppe. Erzählung von Sam Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. VIII. ahel war darum ihrer Sache ziemlich sicher, und sie wollte vV nur noch einen günstigen Zeitpunkt abwarten, um ihren Entschluß zur Ausführung zu bringen.-Da fühlte sie sich Mutter-- und eine namenlose Angst bemächtigte sich ihrer.

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