Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- Seite 583 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Lesevereins und leistete im November 1847 die Rektoratsprüfung mit glänzendem Erfolge. Durch seine Begeisterung für das Judentum, für die Geschichte des jüdischen Volkes einerseits und die tiefe Kenntnis desselben und seine hervorragende pädagogische Begabung anderseits, wußte Levy ebenso wie sein geliebter Freund Geiger, den Unterricht so anziehend und fördernd zu gestalten, daß es eine Freude ist,- noch heute alte Leute .davon reden, um nicht zu sagen — schwärmen zu hören. „Für kein Fach," sagte mir vor kurzem eine Jugendfreundin, „haben wir so gern und viel gearbeitet und nichts hat uns so für den deutschen Aussatz gefördert, als die Ausarbeitungen bei Dr. Geiger und Dr. Levh." In seinen Mußestunden, die er dem anstrengenden Lehrerberuf abgewann, widmete sich Levh seinen wissenschaftlichen Studiem Und diese auf den Gebieten der Numismatik, der aramäischen, chaldäischen, arabischen und phönizischen Sprache — sind es —, abgesehen von einigen Lehrbüchern zum praktischen Schulgebrauch, wie „die hebräische Grammatik", „die Bibelkunde", „die Biblische Geschichte" — welche seinen Namen weit über Deutschlands Grenzen hinaus — berühmt gemacht und ihm auch die Anerkennung der Regierung eingetragen haben,: die sich - kundgab in der Verleihung des Prosessortitels im Jahre 1865, eine Tatsache, die um so mehr ins Gewicht fällt, als sie unter dem Regime des Hochkonservativenetwas antisemitisch angehauchten Kultusministers v. Mühler stattfand. Seine Hauptwerke „Die phönizischen Studien" und „Die Geschichte der jüdischen Münzen" brachten ihn in Verbindung mit den bedeutendsten Gelehrten des In- und Ausländes. In den Korrespondenzen mit Nöldeke und. Mommsen, mit Renan, de Vogüö, Duc de L'Hugues in Frankreich, mit Max Müller, Wright, Waddington in -^ - j^y' schar nicht gerade glänzender gestaltete — zu einem glücklichen und gesegneten.- Eine tückische Herzkrankheit, die der Familie in ihrem gefahrdrohenden Charakter bis zuletzt verborgen blieb, hatte schon seit zehn Jahren ihre Vorboten gesandt und machte dem noch zu vielen Hoffnungen berechtigenden Streben und -Leben ein jähes Ende, ehe Levy noch sein 55. Lebensjahr beendet hatte. Zu seinen unvollendeten Arbeiten gehörte ,chie Geschichte der Schrift" und die Bearbeitung und Uebersetzung des großen geographischen und ethnologischen Werkes über Palästina von Salomon Munk in Paris. Ihm war der herbe Schmerz erspart worden, seinen Freund Geiger, der ihn nur zwei und ein halbes Jahr überlebte, vor ihm aus dem Leben scheiden zu sehen. Beider Andenken lebt fort in den Herzen derer, die sie gekannt, geliebt und verehrt haben. Prof. Al. A. Levy. England — um nur einige zu nennen, finden sich zahlreiche Stellen, welche Levys wissenschaftliche Bedeutung, neben seiner so oft erwähnten großen Bescheidenheit erkennen lassen;- ebenso wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft gelehrter Gesellschaften, z. B. die der „Deutschmorgenländischen Gesellschaft" zuteil. Aus dem rein wissenschaftlich-kollegialen Verhältnis erwuchs mit. einigen der bedeutenden'Männer, eine dauernde Freundschaft, als Levh in Göttingen, London, Paris, wohin er zweimal, Studien halber, gegangen war, deren persönlche Bekanntschaft gemacht und die gastfreundlichste, liebenswürdigste Aufnahme gefunden hatte. : Diese Reisen und die alljährlich zu den großen Ferien unternommenen, die Levh mit seiner,Familie immer ins schlesische Gebirge führten, waren die einzige Unterbrechung des friedevollen stillen Gelehrtenlebens. . Seit 1850 verheiratet, in glücklichster Ehe lebend mit einer geistig hochstehenden und künstlerisch veranlagten Frau, widmete Levy seine Abende regelmäßig. der Familie oder dem Freundeskreise, in welch letzterem: A. Geiger und seine.edle, leider schon 1860 Heimgegangene Gattin immer an erster Stelle standen. Ein goldner Humor, eine nie getrübte Heiterkeit, äußerer Anspruchslosigkeit . und innerer Seelenharmonie entstammend, wachten dieses Leben trotz der einfachsten.: äußern Lebeusverhä ltnisse,d ie ein e ansehnliche, Kinder- Sbrrltlkutnsnt Msuririu Lrvrmer. (Schluß.) Tk^ie Truppen, marschierten nun, weiter, iLs sie erklommen den Abhang des Plateaus zur feindlichen Redoute, deren Geschütze noch schwiegen. Erst auf der Anhöhe sahen sie, daß bis sich zu den feindlichen Befestigungen noch ein etwa 600 Meter langes Tal mit steilen Abhängen erstreckte. Schnell ging es hinunter, und ebenso rasch sollten die Anhöhen erklommen werden, allein der Boden war durchweicht, und die Soldaten mußten sich am Gestrüpp festklammern oder auf die Bajonette stützen., Da begann plötzlich das türkische Feuer mit vollster Wucht, die Tapferen scharenweise niedermähend. Der wackere Hauptmann Mära» cineanu stürmte allen voran, das Pferd , aus welchem er ritt, fiel bald von Kugeln durchbohrt unterihm, ersaß ab und feuerte sein Bataillon mit dem Rufe, „mir nach, Jungens," immer mehr zum Sturme an, da traf ihn plötzlich, als er fast vor der Redöute anlangte, eine feindliche Kugel, und leblos sank er zu Boden. .Brociner, der sich an seiner Seite hielt, sah ihn fallen, sein Herz zuckte schmerzvoll zusammen, er verlor jedoch nicht den Mut, unter Hurrarufen stürmte er mit seiner Mannschaft weiter, eine feindliche Kugel traf ihn am rechten Oberarm und verursachte ihm einen stechenden Schmerz, er sah sein eigenes Blut fließen, aber er achtete nicht darauf, und mit wahrem Heldenmut gelang es ihm und seinen Braven, die Anhöhe zu erklimmen. Oben angelangt wartete ihrer jedoch eine furchtbare Ueberräschung, dort sah man erst, was der russische Generalstab nicht gewußt hatte, daß hier nämlich zwei Redouten lagen, durch einen etwa 300 Meter langen Graben verbunden, zu deren Eroberung weit stärkere' Truppenmassen herangezogen werden mußten. An einen Rückweg dachte jedoch niemand. „Vorwärts, Kinder", rief Oberst Jpatescu, und drang an der Spitze der Bataillone voran, auf die sich ein verheerendes Feuer ergoß, die Soldaten stürmten weiter, um die über ihnen' liegende Redoute zu erreichen, jedoch dezimiert vom vernichtenden Feuer. Brociner, der. trotz seiner Wunüe tapfer vordrang : und seiner ' Mannschaft fortwährend Mut und Hoffnung einflößte, ver- |;, spürte aus einmal neuerdings einen heftigen Schmerz, diesmal