Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- Seite 582 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Parteien errungen habenwollen wir in freudiger Zuversicht? den Blick aus das Endziel, die definitive Eroberung der Berliner Gemeindestube, richten."? Wir hoffen, daß ihren Verbündeten jetzt die Augen auf---' gehen werden darüber, wie sie sich in das zionistische Schlepptau haben nehmen lassen. Die Liberalen haben rechtzeitig die Gefahr erkannt und sie haben mit Erfolg die Wähler vor den Zionisten gewarnt. /-.^LÄr-.find?^überzeugt-//, daß die liberalen Repräsentanten die Macht, die sie nun erlangt haben, im Interesse der Gemeinde wohl zu nützen sich bemühen werden, daß sie die Verwaltung mit Verständnis und Hingebung führen und hie großen Aufgaben, die ihrer harren, mit Begeisterung erfüllen werden zum Wohle der Gemeinde und zum Heil für das Judentum. Srlbltvrrttümmelung. irdische Fakire verstümmeln sich selbst, um ihrem Gott?.;VY zu dienen, blinder Fanatismus raubt ihnen das Bewußtsein ihrer Gottähnlichkeit als Mensch und gibt sie.dem Gespött der Gebildeten anderer Kulturländer preis. Und doch liegt eine Größe darin, sich einer Idee zu. opfern, einem höheren Wesen sich gleichsam selbst als Opfer, darzubringen, sich selbst ins wesenlose zu setzen,. nur um dem Höchsten zu, dienen, den man anbetet. Gibt es doch in beu. europäischen Kulturländern Menschen, die sich selbst verstümmeln, ohne nur den Schimmer einer Berechtigung für diese Tat zu haben, ohne Ideale, ohne Sinn und Verstand. Ich meine damit die vielen Juden, die in ihren geselligen Vereinen die „Jiden" kreieren, die da glauben, keine Gelegenheit vorüber gehen lassen zu -dürfen, ohne Judenwitze zu erzählen,. .ohne Couplets zu singen, welche die Juden an den Pranger stellen, ihre Spräche lächerlich machen, ihre Bewegungen zu verspotten. Und warum geschieht das? Meist nur, um ' die Zuhörer zum Lachen zu bringen, gedankenlos, ohne böse Absicht.. Ich möchte oft weinenwenn ich von jüdischen Festlichkeiten nach Hause komme, bei denen die Juden selbst „Risches" gemacht haben, wo sie sich ganz kindlich harmlos ihrer -- Menschenwürde entkleidet haben vor Kellnern, Musikern und Handlangern, die sie zu ihren Aufführungen nötig hatten. Wahrlich, .es gehört eine große Portion Gedankenlosigkeit dazu,, wenn sich junge Mädchen und junge Männer vor diesen Christen, die doch durchschnittlich nur den niedersten^ ungebildetsten Kreisen angehören, so selbst perfifilieren. — Warum schreien wir, und wundern wir uns, wenn antisemitische Vereiste gegründet werden, wenn wir innerhalb des Judentums derartige antisemitische Liebhabereien Pflegen und widerspruchslos äufnehmen? Hört man, daß sich Christen der Liebhaberei hingeben, die. Juden zu verhöhnen, dann rust man eiligst nach dem Kadi und bittet, daß er uns schützt vor den Uebergriffen der Andersgläubigen, Wer aber schützt uns stör unseren Glaubensgenossen, die immer und immer wieder das jüdische Gefühl, das noch in uns. lebt, verletzen, die eine besondere Tüchtigkeit darin erblicken, das Judentum und damit sich selbst der Lächerlichkeit preiszugeben?: Oder, glauben diese Herren und Damen, daß der 'Kellner, der morgen Abend in einer antisemitischen, übermorgen in einer katholischen und so -jeden Abend in einer anderen.Gesellschaft bedient, sich geniert, schmunzelnd zu erzählen, was „die Juden", schöne Jud'eneouplets .gesungen und gute Judenwitze /erzählthaben? —• Ich höre ihn sogar im Geiste - den. Witz. wiedererzählen,' dessen. Pointe er gar' nicht verstanden hat, und die er nun durch irgendeine Gemeinheit nach seinem eigenen Gutdünken ersetzt und' sehe- > 'wie sich die Gesellschaft schüttelt vor Lachen und händespreizend? und näselnd hepp hepp schreit. — Ich. möchte Euch zurusen, „besinnt Euch auf Euch selbst, Ihr seid Juden, darum wahrt. Euer Judentumdarum schlagt Euch nicht selbst' ins. Gesicht, denn wer sich seine Nase abschlägt, und wenn sie noch so krumm istder verstümmelt sein Angesicht. :;star. / ’ ' ' , Mus flbrshsm Grisers Freundeskreis. : - : in. ■ ' ■ ' :: Droftflor M. jjj?. JCtov .; ist geboren den 11. März 1817 zu Altona, gestorben den 22. Februar 1872 zu Breslau. Er stammte aus kleinen Verhältnissen. Schon als Knabe zeigte er regen Wissensdurst, dem die dürftigen Quellen, aus denen ein jüdisches Kind damals die einzige Geistesnahrung zog, nicht genügten. Mit 13 Jahren wänderte er nach Braunschweig, besuchte dort das Gymnasium und! erwarb durch Privatlektionen nicht nur seinen Unterhalt, sondern sandte nochseinen armen. Eltern , regelmäßige Unterstützung, eine Gepflogenheit, die er während ihres Lebens beibehielt. ' . - Von Hause aus zum Rabbiner bestimmt, trieb er nach Absolvierung des Gymnasiums in Berlin wohl zumeist die in dieses Fach schlagenden Studien, suchte sich aber, nach allen Richtungen allgemein zu bilden und wandte sich seinem späteren Spezialfach, der orientalischen Philologie, so weit dies möglich war, mit Eifer zu. Er promovierte in Leipzig im Oktober- 1838: zum vr. phii. und legte bald darauf seine. Rabbinerprüsung ab, für welche er glänzende Zeugnisses über Fleiß und Gelehrsamkeit von zwei der berühmtesten Rabbinen erwarb. ' / ' . . Obwohl streng orthodoxem Boden entsprossen, fühlte Levh schon früh den Drang,; sich von den von ihm. überwundenen und nicht mehr zeitgemäß scheinenden jüdischen Satzungen Und Gebräuchen, wenigstens innerlichzu .emanzipieren. Er pflegte die Speisegesetze scherzhaft mit „Küchen-, und Kellerreligion" zu bezeichnen, fügte sich denselben aber öffentlich, um kein Aergernis zu geben. Dieses Motiv in..? seinem milden, friedvollen Temperament begründe^ war ein.häufig sich bewährendes Zeugnis seines zwar festen, überzeugungstreuen Charakters-, zugleich aber seines toleranten, rücksichtsvollen Gemütes. Die fortschrittlichen Bestrebungen' auf dem kulturellen. Gebiete des Judentums sowohl, . wie die den seinen' verwandten Studien zogen den jungen Gelehrten Mächtig zu dem älteren Gesinnungsgenossen, zu dem begeisterten. und begeisternden Verkünder und Kämpfer des Judentums, zu Abraham Geiger in Breslau. Er begann in den vierziger Jahren, als ihm eine Anstellung als Lehrer an der von Geiger neugegründeten Keligionsschule geworden war, die gemeinsame Tätigkeit mit diesem, aus welcher sich ein inniges, nie getrübtes Freundschaftsbündnis entwickelte, das noch heute -1bereits in der dritten. Generation beider Familien — hochgehalten wird, indem es sich als teures Vermächtnis zwischen einzelnen.Medern fortsetzt.? ■ . Neben dem Lehreramt an. der Religionsschule versah Levy das'glerche.mn der städtischen Mädchenschule zu .St: Maria- Magdalena, wenige Jahre später das des Bibliothekars. an dem, gleichfalls von Geiger ins Leben gerufenen Lehr- und : ^). Diese Zeugnisse 'in hebräischer Schrift befinden sich in Wien im „Museum für jüdische Altertümer".