Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- Seite 580 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3228907-3228957--67036-3279205- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
Die nachstehende statistische Notiz über die Juden in den Niederlanden wird von der „Deutschen Wochenzeitung für die Niederlande" gebracht: Der offiziellen Statistik zufolge wohnten im Jahre 1909 in Niederland mehr als 100 000 Israeliten; davon in Amsterdam 54216, in Rotterdam 9019, im Haag 5773, in Utrecht 852, in Groningen 2688, in Maastricht 405, in Winschoten 852 usw. . £ Ueber die englischen Pärlamentswahlen berichtet die „N. I. K." folgendes: Die Zahl der jüdischen Kandidaten für die bevorstehenden Parlamentswahlen beträgt 31. Davon sind 17 Liberale, die übrigen 14 Unionisten. In zwei Wahlkreisen in London stehen je zwei Juden einander gegenüber, obgleich die jüdischen Wähler in diesem Distrikt nur eine sehr kleine Minorität bilden.' Bei den vorigen allgemeinen Wahlen wurden 15 Juden gewählt, die jetzt alle wieder als Kandidaten aufgestellt find. Lord Rothschild hat an die Juden von Nordwest-Manchester einen Brief zugunsten des unionistischen Kandidaten gerichtet, in dem er sagt, es gebe jetzt ernstere Fragen zu behandeln, als die Fremdenvorlage (Aliens' Act), und es bestehe überdies kein Zweifel, daß die Unionisten, wenn sie die Majorität erlangen, die Bestimmungen dieser Gesetzesvorlage in einer Weise fassen werden, die den Wünschen der jüdischen Gemeinde vollständig Genüge leistet. Dieser Aufruf eines prominenten Juden an seine Stammesgenossen zugunsten des unionistischen Kandidaten hat sehr gemischte Gefühle wachgerufen. * Endlich sei hier einer Berichtigung Raum gegeben,' die das deutsche Bureau der Alliance Israelite, an die Adresse der Straßburger israelitischen Wochenschrift gerichtet, versendet: Sie stammt aus der Feder des Herrn Generalsekretärs Bigärt und hat nachstehenden Wortlaut: „Ähr Berliner Mitarbeiter hat der Alliance Israelite Universelle und den gegenwärtig zwischen der Hauptleitung, und der Deutschen Konferenzgemeinschaft schwebenden Fragen in den Nummern vom 3. und 10. November der „Wochenschrift" zwei Artikel gewidmet^ in denen sich zahlreiche tatsächliche Jrrtümer finden. . Wir wollen heute nur die wesentlichen Punkte derselben einer Besprechung unterziehen. Was die Beziehungen zwischen dem Zentralkomitee und der Deutschen Konferenzgemeinschaft betrifft, so können wir momentan auf eine öffentliche Besprechung derselben nicht eingehen, weil man gegenwärtig beiderseits bemüht ist, zu einer Verständigung zu gelangen. Die hauptsächlichsten Vorwürfe Ihres Mitarbeiters lassen sich kurz dahin zusammenfaffen: A) Die Alliance verwendet nur lächerlich geringe Summen für das Hilfswerk zugunsten der Israeliten, die in ihrer Eigenschaft als Israeliten zu leiden haben. 13) Sie schreitet nicht mehr wie früher ein zugunsten unserer verfolgten Glaubensgenossen. C) Sie verwendet ihre Mittel fast ausschließlich für das Schulwesen. . A) Ihre Nummer vom 10. November' bringt selbst eine Er' widerung auf die beiden ersten Punkte, indem sie unter „Letzte Nachrichten" einerseits die Sendung von Hilfsmitteln an die Juden von Ehiraz in Persien, deren Viertel verwüstet worden ist, und in Tripolis, wo die Cholera wütet, berichtet, und anderseits die Intervention der Alliance bei dem französischen Ministerium des Auswärtigen zugunsten der verfolgten Juden in Chiraz erwähnt. Wir könnten hinzufügen, daß wir, seitdem Sie diese Notiz, veröffentlicht haben, unseren beklagenswerten Brüdern jener Gegenden neue Hilfsmittel überwiesen haben. Aber mehr als. jede Erörterung mögen Zahlen beweisen; erlauben Sie uns, an dieser Stelle eine kurze Ueberficht zu geben über die Mittel, die wir seit einigen Jahren für das eigentliche Unterstützüngswesen aufgewendet haben. 1. Für die Juden in Rußland: von 1881 bis 1890 2 021.000 Frs., von 1890 bis 1900 1214 000 Frs., von: 1900 bis. 1910 2187 790 Frs. : 2. Für die Juden in . Rumänien:- von 1900 bis ,1910 1829 450 Frs. : 3. Für die Juden in Persien: (nur für Ünterstützungenseit zehn Jahren) 58 000 Frs. ' .; V . '; - 4. Für die Juden in der Türkei: (nur für Unterstützungen von 1890 bis 1910 289 000 Frs. 5. Für die Juden in Marokko: von 1890 bis 1910 390000 Frs. 6. Wir übergehen die beträchtlichen Opfer, welche zur Bekämpfung des Antisemitismus in seinen verschiedenen Äeußerungen und' in den verschiedenen Ländern, besonders iw Deutschland und besonders in Sachen der Ritualmordanklage, aufgewendet worden sind. Wenn wir es nicht für zweckmäßig erachten, alle diese Ausgaben in unseren Jahresberichten zu veröffentlichen, so geschieht es be-' sonders deshalb, weil die Alliance von gewissen Regierungen, welche die Israeliten unmenschlich behandeln, als eine politische Macht be- - trachtet wird, und schon die Tatsache unserer Intervention an sich, die selbstverständlich keineswegs politischer, sondern einzig und allein charitativer Natur ist, könnte ungerechte Verdächtigungen . erwecken gerade gegen diejenigen, denen wir helfen wollen.' B) Was die diplomatische Aktion betrifft, so machen wir von derselben immer Gebrauch, wenn Fälle von Unterdrückung zu unserer Kenntnis gebracht werden. Wir können versichern, daß wir zu diesem Zwecke mit dem französischen Ministerium des Auswärtigen in ununterbrochener Verbindung stehen, daß wir gleichzeitig bei dem Foreign Office in London, bei. dem Ministerium deS Auswärtigen in Italien, um von den anderen ganz zu schweigen. Schritte tun lassen. Wir haben seit 30 Jahren niemals aufgehört, gegen die Verletzung des. Berliner Vertrags durch Rumänien betreffs unserer Glaubensgenoffen zu protestieren; erst vor wenigen Monaten haben wir aufs neue die Gelegenheit ergriffen, mehrere Signaturmächte dieses Vertrags mit dieser Frage zu befassen. Endlich hat sich unsere Tätigkeit ohne Unterbrechung erstreckt auf die Juden in Marokko, in Persien, in Tunis, in allen Ländern, , wo wir einige Aussicht haben, ihre rechtliche und materielle Lage zu verbessern. , Diese Tätigkeit setzen wir methodisch und unablässig fort, aber die Kanzleien haben uns mehr als einmal zu verstehen gegeben, daß'die Freiheit des Handelns und die Wirksamkeit unserer Maßnahmen durch eine vorzeitige oder ungeeignete Veröffentlichung hintertrieben werden könnte.' 6) Wenn unsere Schulend eine so beträchtliche Ausdehnung airnehmen konnten, wie wir.'.sie in unseren letzten Jahresbericht angezeigt haben — im Jahre 1895 betrüg deren Zahl 70, Ende 1909 war sie 149 — so ist der Grund darin zu suchen, daß.uns. die Mittel für das Schulwesen von edelmütigen Menschenfreunden ausschließlich zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt würden, und wir; haben nicht das Recht, sie anderweitig zu. verwenden... Agchdlsngk .7 su den SeprÄmtsntkn - Wahlen. Mehrheit der Berliner Juden ist liberal, und sie hat den liberalen Repräsentanten am 24. November d.J. zu einem überaus glänzenden Siege yerholfen. 5500 Stimmen haben die Kandidaten des Liberalen Vereins auf sich vereinigt/ das sind 1700 Stimmen mehr als die Gegner. Niemand hätte ein so günstiges Resultat erwartet. Der. Sieg der Liberalen ist um so größer, als sie auf sich selbst angewiesen waren und ihnen eine ganze Phalanx von Gegnern gegenüberstand, die sich zum Sturze der liberalen Partei verbündet hättest^ Erstaunt muß man heute fragen, wo sind sie alle geblieben, — der Zentralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde mit der ihm nahestehenden. Freien jüdischen Vereinigung, dev Neue? jüdische Gemeindeverein mit „seiner Reihe von arideren . Organisationen", als da sind, der Verband der Synagogenvereine, der. Verein zur Erhaltung; des