Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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. in. Die erstaunlich große Verehrung, die sie sich in den wenigen' Jahren in Hamburg erworben, kam bei der Trauerfeier, die am Sabbat, den 19. d. M. vor ihrer Üeberführung nach Berlin, abgehalten wurde, zum Ausdruck. Es waren wohl 150 bis 200 Damen und Herren in der Wohnung vereinigt, obgleich zur selben Zeit Prof. Sombcut einen seiner bekannten Vortrage in Hamburg hielt. Es sprachen an der Bahre namens des Rabbinats der jüdischen Gemeinde Herr Hermann Gumpertz, für zahlreiche Vereine Rabbiner Dr. Löwenthal, für die Henry Jones-Loge Rechtsanwalt Dr. Frank, für das Gesellschaftsheim Dr. Rieger, für die zionistische Ortsgruppe Rechtsanwalt Dr. David, namens der Freunde des Hauses Rabbiner Dr. Plato. — Am Sonntag wurde sie ander Seite ihres Mannes und unmittelbar hinter ' ihren Eltern auf dem Friedhofe der Aclass ilisroel-Gemeinde beigesetzt. Ehre ihrem Andenken! Berlin, 29. November. Auf dem Friedhof in Weißensee wurde vor einigen Tagen das Grabdenkmal für Frau Lina Morgenstern enthüllt. Das Denkmal besteht aus schwedischem Granit und ist schlicht gehalten. Die Inschrift lautet: „Der teuren Mutter, der großen Menschenfreundin, Frau Lina Morgenstern, geborene Bauer, geboren zu Breslau 25. November 1880, gestorben zu Berlin 16. Dezember 1909, und unserem geliebten Vater, Theodor Morgenstern, ihrem treuen Lebensgefährten, gewidmet von ihren Kindern und Freunden? An der Feier, die am Grabe stattfand, nahmen Deputationen aller Frauenorgänisationen teil, die durch die Verstorbene gegründet und' jahrelang gefördert worden sind. Die Weihrede hielt Rabbiner Dr. Ho chfeld. W. Aus der Provinz Posen, im Novembers Von den Archiv tekten Cho. Schneider und F. Meyer wurde dieser Tage , auf dem jüdischen Friedhofe in Posen das Denkmäs des Professors Jafföe an die Familienmitglieder des Verstorbenen übergeben. Es präsentiert in seiner edlen und abgeklärten Formenkomposition, sowie in der Synthese ein würdiges Erinnerungszeichen an den so unerwartet und jäh aus. dem Leben geschiedenen bekannten Chirurgen. In aller Einfachheit der Formengebüng haben hier die Künstler ein Werk von monumentaler Wirkung und Eigenart geschaffen. Die Ausführung des Denkmals, in bayerischem Muschelkalkstein, lag in den Händen des Bildhauers Hermann Töchtermann-Posen, sie darf als gut gelungen bezeichnet werden. — Der Neue Turnverein in Posen feierte sein 8. Stiftungsfest.' Herr Rechtsanwalt Dr. Manaffe entwickelte in seinem Vortrage die Tendenzen der jüdischen Turnbewegung. Hieran schlossen sich die exakt ausgeführten turnerischen Vorführungen.. Es gelangte alsdann ein für das Fest eigens verfaßtes Theaterstück, „Der Weltuntergang", zur Aufführung. — Hier verstarb kürzlich das Gemeindemitglied Herr Rentner G. Gersmann. Der Verstorbene hat ungeachtet, seines sehr hohen Alters sich rege an den Arbeiten im Interesse des Wohltuns und der wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden beteiligt. — Hohensalza. Bei der hier stattgehabten Repräsentantenwahl wurden die Herren Nathan Lathmann, Isaak Spiro, M. Bibro, Leo Fräukel, S. Stein, S. Davidsohn, Bernhard Schwersenz, Mentz Hendel'on gewählt. — Jaratschewo. Das langjährige Vorstandsmitglied der hiesigen Synagogengemeinde Herr Heimann Hepner ist im 69. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene hat sich durch sein unermüdliches Streben für das jüdische Gemeindewesen und durch sein aufopferndes, selbstloses Wirken sehr verdient gemacht. In der Synagoge fand die Leichenfeier statt, wobei ein Verwandter, Herr Rabbiner Dr. Hepner aus Koschmin, die Trauerrede hielt. Redner schilderte die hohen Tugenden des Heimgegangenen und betonte namentlich sein Wohltun für Juden und Nichtjuden. Die rege Beteiligung an der Beerdigungsfeier zeugte von der großen Beliebheit und Achtung dieses Mannes. — Pleschen. Herr Brauereibesitzer Strelitz, einer der geachtetsten Burger hiesiger Stadt feierte in diesen Togen seinen 70. Geburtstag. Anläßlich dieser Feier wurden die Armen mit großen Gaben bedacht. In der israelitischen Gemeinde vewaltet er viele Ehrenämter. Herr Strelitz gehört seit 1879 - dem Schulvorstande der deutschen Bürgerschule an. Seit dem Jahre 1882 ist er Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, dessen Vorsteher er 13 Jahre läng war. Im Jahre 1905 erfolgte seine Wahl zum Beigeordneten. Bei Gelegenheit des 25jährigen Jubiläums als Mitglied der städtischen Körperschaften wurde dem Jubilar eine wertvolle Adresse überreicht. Auch wurde ihm der Kronenorden verliehen. Herr Strelitz ist Mitglied des Kreistages und des Provinziallandtages.' In hervorragender. Weise hat der Jubilar, der die Feldzüge 1866 und 1870/71 mitgemacht hat, sich auch an der Leitung des größten Pleschener Vereins, des Landwehrvereins., beteiligt.. Er ist dessen Mitgründer und seit 26 Jahren Vorstandsmitglied. M; Hamburg, 25. November. Die Amtseinführung des Oberrabbiners Dr. Samuel Spitzer fand gestern in der Gemeindesynagoge am Boenplatz statt. Das festlich geschmückte Gotteshaus das im Glanz der neuen elektrischen Beleuchtung erstrahlte, gewährte einen imposanten Anblick. Die Teilnahme der Gemeindemitglieder war eine so rege, daß jeder Shnagogenplätz doppelt besetzt war- Als Vertreter des Senats waren die Herren Senator Dr. v. Melle und Senatssekretär Dr. Ludwig erschienen, die Bürgerschaft hatte den Vizepräsidenten Dr. Bagge zur Teilnahme an der Feier entsandt. Von weiteren Bürgerschaftsmitgliedern bemerkte man außer dem Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums Herrn Jakob Alexander noch die Herren Carl Bunzel und Philipp Winter. Als weitere Ehrengäste waren die Mitglieder des Gemeindevorstandes, des Repräsentantenkollegiums, die Delegierten des Syn igogenverbandes und aller übrigen Gemeindeinstitutionen anwesend. Auch der hiesige Tempelverband und die Portugiesengemeinde waren durch die Vorstände vertreten. Die Herren Oberrabbiner Dr. Lerner, Altona, Dr. Bamberger-Wandsbek, sowie die Herren Rabbiner Dr. Sonderling,' Dr. Plato, Cohen, Dr. Bamberger, Halevy, Dr. Lichtig, Dr. Steingut usw. wohnten der Amtseinführung bei. Die Nachbargemeiuden waren außerdem durch ihre Vorstände vertreten. Auch andere hervorragende Persönlichkeiten auswärtiger Gemeinden wären zur Amtseinführung nach hier gekommen. Die Senatsmitglieder wurden am Eingang vom Vorstand begrüßt und zu ihren Ehrenplätzen vor dem Allerheiligen geleitet. Unter den Klängen des Psalm 118, „Gesegnet der da kommt im Namen des Ewigen" betrat der neue Oberrabbiner die Synagoge und nahm seinen Platz ein zwischen Herrn Senator Dr. v. Melle und dem Vizepräsidenten der Bürgerschaft. Der verstärkte Chor sang hierauf mit Instrumentalbegleitung 'die Verse 26 bis 29 des Psalm 118, dann folgte der Psalm 24, abwechselnd vom Chor und Oberkantor Groß vörgetragen. Nun fand die eigentliche Amtseinführung durch, den Präses des Synagogeuverbandes, Herrn Dr. L. Levy, statt, der dem Oberrabbiner den Friedensgruß der Gemeinde entbot. Mit freudigem Herzen begrüßte er den Erwählten, dessen Ruf als friedliebender Seelsorger anerkannt sei. Nicht nur durch seine Gelehrsamkeit und, seinen Scharfsinn, sondern auch durch seine Friedensliebe habe er in den Gemeinden, in denen er als Seelsorger fungierte, die Liebe und Hochachtung der Gemeindemitglieder sich zu erwerben und zu erhalten gewußt. „Im festen Gottesvertrauen", so schloß er, „daß Sie, verehrter Herr Oberrabbiner, uns den Frieden bringen werden, sprechen wir den Wunsch aus, daß es Ihnen lange vergönnt sein möge, die Institutionen der Gemeinde nach der Tradition Ihres Vorgängers zu -pflegen und zu erhalten. Möge der Allgütige Ihnen für alle Zeiten seine Huld und seinen Beistand verleihen." Tief bewegt stieg nun Herr Oberrabbiner Spitzer auf die ' Kanzel. Seiner Festrede legte er den Text (Jesaias Kap. 61, Vers 10) zugrunde: „Wonniglich freue ich mich des Ewigen, es jauchzt meine Seele in meinem Gotte. Denn er hat mir angelegt Gewänder des Sieges, den Mantel des Heiles mir umgetam wie ein Bräutigam anlegt den feierlichen Schmuck, und wie eine Braut anlegt ihr Geschmeide? Sein Herz ströme vor Freude über, daß er zum Führer und Leiter dieser großen altberühmten Gemeinde berufen worden sei, aber inmitten dieser Freude erbebe sein Herz, ob er auch den an ihn gestellten Anforderungen gewachsen sei und das ihm entgegengebrachte Vertrauen rechtfertigen könne. In einer Gemeinde, wo zu allen Zeiten die großen Geister im Sinne der Thora gewirkt, wo sein verewigter Vorgänger, ein Stern erster Größe, ein Mordechai Amram Hirsch ). A. war, der nicht nur der anerkannt geistige Führer, sondern auch der Vater der Gemeinde, der Schirmherr des Friedens, der wirkliche Friedeusfürft gewesen. Im Vertrauen aber zu Gott. ‘ bauend auf das Verdienst der Väter und hoffend auf die Unterstützung der Gemeinde, gelobe er in dieser Stunde, sein Amt nach besten Kräften zu versehen. Das Wort der heiligen Gotteslehre