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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-02 · Heft 48 (2.12.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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wolle er künden und auch versuchen, lebendig zu erhalten; sein Hauptaugenmerk werde er auch der Jugend zuwenden, um das Heranwachsende Geschlecht für Gottesfurcht und Tugend, für 'Vaterlandsliebe und Bürgertum zu begeistern. Der Redner schloß seine Rede mit einem Segenswunsch für Kaiser und Reich, für die Räte der Krone, für Senat und Bürgerschaft, für die freie Stadt Hamburg. für' .die Obrigkeiten und Behörden, für die Vorsteher der Gemeinde und aller ihrer Institutionen und für alle,' die sich zur Fcier versammelt haben. Herr Oberkantor Rosenblatt rezitierte hierauf den Psalm 92: „Der Gerechte. Palmen gleich, blüht er, wie die Zeder auf Libanon schießt er hervor". Der Chor stimmte den Psalm 100 an. Vor geöffnetem „Oraiin Hakaudesch“ wurde hieraus vom Oberrabbiner in hebräischer' Sprache das Gebet für den Senat, anschließend an das Gebet für den Kaiser und alle Fürsten Deutschlands gesprochen. Mit dem Hallelujah, Psalm 150 von Sulzer, schloß die erhebende Feier. Der Herr Oberrabbiner nahm nach beendeter ' Feier die Glückwünsche des Herrn Senator Dr.lv. Melle und der übrigen Ehrengäste entgegen. Vor der Synagoge hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, um der Abfahrt der Senatsmitglieder und der übrigen Ehrengäste beizuwohnen. n. Stettin, 27. Dezember. In der hiesigen jüdischen Altersversorgungsanstaltfand am 20. November eine seltene Feier statt. Das Ehepaar Löwenthah das schon jahrelang in der Anstalt lebt, beging seinen 65 jährigen Hochzeitstag, die^sogenannte eiserne Hochzeit.-Beide Ehegatten, in vollster,, geistiger und körperlicher Rüstigkeit und Frische, gehören zu den wohlgelittensten der Anstalt. Der Mann. ' eine Hünengestalt, im 90. Jahre, mit aufrechtem festen Gang, ist noch allsabbatlich in.'der Synagoge .und säst täglich im Geschäfte seines Sohnes zur Mithilfe. Die festlich geschmückten Räume der Ältersversorgungsanstalt waren gastlich geöffnet für die Kinder, Enkel und Verivandten, sowie für die Ehrengäste, die vom Vorstande der Wohlfahrtsanstalt freundlichst' begrüßt und festlich,bewirtet wurden. Den feierlichen Weiheakt vollzog, der hiesige Gemeinderabbiner, Herr Dr, Vogelstein-der zugleich Vorstandsmitglied der Altersversorgungsanstalt ist. Alle Anwesenden waren ergriffen bei der Ansprache, die mit dem Segen schloß. Danach wurde eine Stiftungsurknnde verlesen, von einem der Söhne des Ehepaares, der der .Anstalt eine Schen-' kung von 1000 Mark übergab, mit der Bestimmung, daß alljährlich am 20. November, die Insassen der Anstalt von den Zinsen des , Kapitals festtäglich bewirtet werden sollten, in dankbarer Anerkennung, an die den Eltern bewiesene Fürsorge in dem. behaglichen Heim. Sodann wurde das Glückwunschschreiben vom Vorstände der Synagogengemeinde und das vom, Vorstände des israelitischen. Frauenvereins verlesen. Ein köstliches humorvolles Gedicht, von einer Insassin der Altersversorgungsanstalt dem gefeierten Jubelpaar gewidmet, verwandelte die ernstfeierliche Stimmung in Frohsinn und muntere Laune. Möge der Lebensabend des Jubelpaares ein langausgedehnter und sonniger sein, mit diesem herzlichen Wunsche verließ ein jeder Gratulant-die Festräume. - ■■■'>'• — Lübeck, 25. November. Für den Hilfsverein der Deut schen Juden hielt hier vor zahlreicher Zuhörerschaft Herr S. Berge l uns Berlin einen Vortrag über „Die Juden des Ostens und' des Westens". Der Redner wußte, in packender Form ein anschauliches Bild von der politischen und sozialen Lage unserer Glaubensgenossen in der ganzen Welt zu geben und ganz besonders ergreifend die eigenen Eindrücke vom russischen und galizischen . Judenelend zu schildern. Als im Zusammenhang damit Herr" Mergel die großen Aufgaben, die Organisation und Leitung und die segensreiche Arbeit des Deutschen Hilfsvereins .dargelegt hatte, da. erwies sich sein eindringlicher Appell an Mitglieder und Nicht-' Mitglieder des Vereins als so überzeugend begründet, daß in ungewöhnlicher Zahl dem Verein neue, Mitglieder sowohl als erhöhte Beiträge gewonnen wurden. Möge Bergels hervorragender Werbefähigkeit allerorten ein solcher Erfolg werden!- ' V r - } =- Dortmund, 27. November. Durch den Wegzug des Pre- ' digers emerit. .. Herrn Jacob Ostwald - Witten nach , Berlin haben picht nur" seine frühere Gemeinde und vielen Freunde, -sondern.', sämtliche Synagogengemeinden Westfalens einen großen Verlust erlitten. Herr Ostwald erfreutefich einer außerordentlichen 'Beliebtheit . und Achtung in allen bürgerlichen Kreisen Wittens, an. deren gemeinnützigen und wohltätigen Anstalten er stets den regsten Anteil genommen hat; er ist Mitbegründer des Verbandes der Synagogengemeinöen der Provinz Westfalen und eines der eifrigsten Mitglieder dessen Ausschusses; 'seine Beliebtheit fand den freudigsten Ausdruck, gelegentlich der zu seinen Ehren veranstalteten Abschiedsfeier durch große Teilnahme seiner vielen Freunde aus Witten und ganz Westfalen. Das schönste Denkmal aber hat sich Herr Ostwald durch die Gründung des Israelitischen Altersheims in Westfalen, sein eigenstes Werk, gesetzt. Seiner unermüdlichen, aufopferungsvollen Tätigkeit ist . die Schaffung dieser Anstalt zu verdanken; er hat die westfälischen und mehrere rheinische Synagogengemeinden durch sein zündendes Wort zur Gründung eines Hauses veranlaßt, welches vor fünf .Jahren eröffnet, gegenwärtig etwa 35 älteren Personen beiderlei Geschlechts einen angenehmen Aufenthalt und vorzügliche Pflege bietet und ihnen das eigene Heim entbehrlich macht. Es finden Personen auch aus anderen Provinzen, unter ihnen sogar ein armer Russe, der, ohne Heim, keine bleibende Stätte hat, liebevolle Aufnahme. Herr Ostwald ist auch stets noch durch Sammlung von Spenden für das Altersheim, namentlich gelegentlich der Bescherung für die Pfleglinge zu Chanukä, in hingebendster Weise tätig gewesen, und seine Freunde hegen die Hoffnung, daß' er diese Tätigkeit auch an seinem neuen Wohnort, der Reichshauptstadt, erfolgreich fortsetzen wird. Seine großen Verdienste um das Altersheim hat der Gesamtvorstand durch einstimmige Ernennung zu seinem Ehren Mitglieds Ausdruck verliehen. Möge ihm in seiner neuen Heimat ein. langer und heiterer Lebensabend beschieden sein. — Karlsruhe i. B., 27. November. Der Verein zur Förderung des. Handwerks und der technischen Berufsarten .unter den Israeliten des Großherzogtums Baden, Abteilung Karlsruhe, erstattet folgenden- Bericht: Das Berichtsjahr, mit dessen Ablauf am l. Juni die von Bankier M. A. Straus geleitete Abteilung auf eine 20jährige Tätigkeit zurückblickt, brachte ein günstigeres Verhältnis zwischen den Einnahmen und Ausgaben insofern, als es möglich war, die Aufwendungen allein aus den Mitgliederbeiträgen zu bestreiten. Diese Tatsache ist jedoch nur dem Umstand zuzuschreib.en, daß die Anforderungen in dem verflossenen Geschäftsjahr erheblich geringer waren, als in den Vorjahren. Immerhin bedarf die Abteilung angesichts .der durch Wegzug und Todesfälle verringerten Mitglieder» zahl der tatkräftigsten Unterstützung und neuer Einnahmen durch Spenden und durch Zuführung weiterer Mitglieder, wenn sie die Vereinszwecke ausgibig erfüllen soll. An Mitgliederbeiträgen wurden im Berichtsjahr 1173 Mgrk vereinnahmt. Die Zinsen ergaben 297 Mark, die Spenden 160 Mark. Das Vermögen der Abteilung betrug auf 1. Juni 1910 8413 Mark. Es standen im vergangenen Jahr elf junge Leute, teils Lehrlinge und Studierende, teils selbständige Handwerker in der Fürsorge der Abteilung. Die Leistungen 'der Abteilung bestanden in Beiträgen zu Unterhaltskösten, Schulgeld und Schulutensilien, Stipendien und Darlehen. Die Erfahrungen mit den Lehrlingen waren im allgemeinen ^günstige; zwei derselben beendigten vertragsmäßig ihre Lehrzeit und' verdienen jetzt im erlernten Beruf ihren Lebensunterhalt. Eine günstige Entwicklung und gutes Fortkommen kann der Vorstand besonders bei solchen jungen Leuten seststellen, bei denen durch eine richtige Erziehung im Elternhause und in der Schule der erforderliche Ernst für die an sie herantretenden . Lebensaufgaben in Verbindüng mit Pflichtbewußtsein und Liebe zum Beruf geweckt worden ist-. Das. Lehrlingsheim ergänzt diese Erziehung und ist für die darin üntergebrachten Lehrlinge von. günstigster. Wirkung. Der Bericht macht daher von. neuern auf diese segensreiche Einrichtung aufmerksam. Die von Zeit zu Zeit dem Vorstand zugehenden Berichte von früheren Pflegebefohlenen liefern den Beweis, daß in den meisten Fällen Arbeit' und Aufwendungen des Vereins nicht vergeblich waren und vielfach schöne Früchte'gezeitigt haben. Gesterrrich * Umjarn. . K. 2öic«,. 25^ November, Bei Besprechung der Stellungnahme der österreichischen Regierung zu dem päpstlichen Erlaß, betreffend, den Prosessoreneid gegen den Modernismus äußerte, sich ein hoher geistlicher Funktionär einem Mitarbeiter der „Neuen

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