Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- Seite 571 (sequence 7)
- Language
- German
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- -Die zweite Julihälste brachte , die blutigen Kämpfe am Schipkapaß und vor Plewna, die Russen wurden am letzteren Punkte von Osman-Pascha am 19. und^20..Juli zurück-? geschlagen und erlitten große Verluste. / . Bei der ernsten Sachlage auf dem Kriegsschauplätze in Bulgarien und bei der Gefahr, daß sich der Krieg leicht auf das. rumänische Gebiet verpflanzen könnte, gab Fürst Carol am 29. Juli Befehl, daß zunächst vier Infanterie-Regimenter über die Donau nach Rikopolis gehen sollen, dessen Festung schon früher von . den Rüssen erobert war,, um so einem türkischen Ansturm erfolgreich Widerstand leisten zu können. Während dieser Zeit wurde Mauriciu Brociner zum Leutnant ernannt, und zwar mit Dekret Nr. 1646 vom 15. Juli. Am 31. Juli erlitten die Russen vor Plewna eine vollständige Niederlage, was den Großfürsten Nikolaus nötigte, die Hilfe des rumänischen Heeres, auf telegraphischem Wege beim Fürsten Earol nnzurufen. Fürst Carol entsprach dieser dringenden Bitte, verstärkte die Garnison in Nikopolis und ließ eine Division den Jiul ') überschreiten. Am 26. August wurde dem Fürsten Carol im Aufträge des Zaren Alexander II. vom Großfürsten Nikolaus das Oberkommando . über sämtliche Truppen vor Plewna angeboten, welches er mit großer Genugtuung annahm, und gleich am nächsten Tage begann der Donauübergang des rumänischen Heeres bei Eorabia, welchen er persönlich leitete. Tagsdaraufsetzte erselbstin einer Dampfbarkasse über die Donau, erreichte am Nachmittag das Dorf Poradim, wo er sein Hauptquartier bezog. Am 28. August bezogen die rumänischen Truppen, die Stellungen vor Plewna, dessen Beschießung nun begann; in den nächsten Tagen wurde das Feuer mit großer Heftigkeit fortgesetzt und mit. großer Bravour eine türkische Befestigung genommen. Für den 12. September, dem. Namenstage des Zaren, wurde die Erstürmung von Grivita geplant, dieses für die Eroberung von Plewna äußerst wichtigen befestigten Punktes. Tagsvorher kündigte der Brigadekommandant Oberst Jpatescu dem Brociner an, daß er zu dem in Bukarest garnisonierenden 4. Reservebataillon transferiert sei,. welches nicht in Aktion kam und stellte es ihm anheim, zu seinem Regiment einzurücken. . Brociner, welchem dadurch die Möglichkeit geboten war, in der Hauptstadt'Bukarest, in Verwandten- und Freundeskreisen ein beschauliches Leben zu führen und den Gefahren des Krieges zu entrinnen, lehnte dies ab und bat seinen Kommandanten um die Genehmigung, . den Feldzug mitmachen und die Kameraden, nicht verlassen zu müssen, mit -welchen er bis jetzt alle Strapazen und Fährlichkeiten geteilt chatte.' Oberst Jpatescu, ein vornehmer Offizier, war^von der patriotischen und tapferen: Gesinnung des Jünglings freudig h Nebenfluß der Donau. Oberstleutnant Mauriein Vroeinen überrascht und Holte höheren Ortes die von Brociner erbetene Bewilligung ein, an dem Feldzuge auch weiterhin teilnehmen zu dürfen..; . . Der nach Beendigung des Krieges dem Leutnant Maüriciü Brociner erteilte Matrikelbogen enthält die auf dieses Ereignis , bezughabende Relation des Brigadekommandanten Oberst Jpatescu. . ' .; Das dem Brociner von demselben Regimentskommandänten * ausgestellte Zeugnis hat folgenden Wortlaut: . . . Certisicat, . : ' Im Sinne der ministeriellen Entscheidung Nr. 17 vom 17. März d, I. bestätigt der Unterzeichnete Kommandant, des. 8. Jnfanterie-Negilnentes, daß Mauriciu Brociner. am 15. No- ' . vember 1876 bei diesem Regiment als Einjährig-Freiwilliger eingerückt, ist und bis zum 30. August 1877 gedient hat, än welchem Tage er hei dem Angriff auf Grivita. und Erstürmung der Redoute verwundet worden M wie dies aus seinem Mätrikelbogen. hervorgeht. Während seiner Dienstzeit als Freiwilliger sowohl, als auch als Reservist, hat er gut gedient, sich uiusterhast aüfgesührt und stets Eifer , für den'Dienst und Sehnsucht nach der militärischen Laufbahn an den Tag gelegt. Der 28. August') ist für diesen Offizier aus folgenden Gründen ein Tag des Ruhmes. Am 28. August' wurde Brociner auf dem Schlachtfelde verkündet, daß er laut Dekret vom '15. Juli züM Leutnant befördert und zum vierten Bataillon nach Bukarest versetzt wurde mit dem Befehl, dorthin abzurücken. Anstatt nun zu seinem Bataillon ins Land zurückzukehren, ' ist er beim Regiment verblieben, welches' Vorbereitungen. kür diebeborstehende Schlacht machte. So- Ha er freiwillig und. ohne .durch einen Befehl verpflichtet worden zu sein,, an der Schlacht. vom 30. August teilgenommen und unter Hauptmanu Walter Maracineanu gedient; in dieser Schlacht ist er von feindlichen Kugeln zweimal verwundet worden. ■ Seine Aufführung in Zivil, wie auch während der Dienst-- zeit beim Militär, berechtigen ebenso wie sein Wissen zur Hoffnung, daß dieser Offizier für die Armee von wirklichem Nutzen sein könnte. - Kommandant des 8. Linien-Jnfanterie-Regiment, v gez. Jpatescu. Durch einen feierlichen Feldgottesdienst wurde der 12. September' eingeleitet, bei welchem die Truppen niederknieten und den himmlischen Segen für das Waffenglück der verbündeten Heere erflehten, das Donnergetöse der 256. Geschütze, welche das Bombardement eröffneten,. gab diesem feierlichen Moment seine besondere Weihe,, von den Gesichtern 0 Alten Stils.