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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-02 · Heft 48 (2.12.1910) · p. Seite 570

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
Seite 570 (sequence 6)
Language
German
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. Die heutige Versammlung erhebt Widerspruch gegen die Fortdauer . dieses Zustandes. / ■, ... V Der Vorsitzende wird beauftragt, vorstehenden Beschluß zur Kenntnis des Reichskanzlers, des Militärkabinets, des, preußischen Kriegsministeriums und der Mitglieder des Deutschen Reichstags zu bringen. //,/ Berlin, den 13. November 1910. . (Stürmischer Beifall!) Nach dem Beifall, der der Verlesung dieser Resolution gefolgt .ist, setze, ich voraus, daß die Versammlung ihr zustimmt, und bitte diejenigen, die etwa gegen diese Resolution sind, die Hand zu erheben.. Das geschieht von keiner Seite, ich konstatiere, daß diese -stattliche Versammlung die Resolution einstimmig genehmigt hat, (Beifall) und ich werde den mir erteilten Auftrag unverzüglich zur Ausführung bringen. (Lebhafter Beifall.) Es ist kein Zufall, daß von höchster behördlicher Seite festgestellt werden mußtedaß der erste Träger des eisernen Kreuzes in den Befreiungskriegen ein Jude gewesen ist. Wir dürfen voraussetzen, daß man auch damals nur dem echten, wirklichen Verdienste damit die Krone hat verleihen wollen. Auch damals hat sich ein Jude durch sein eigenes Verhalten diese höchste Ehre ertrotzt. Lassen Sie uns alle daran ein Beispiel nehmen. lassenSie uns erzwingen, was uns zukommt, was Neid, und Mißgunst uns vorenthalten wollen. Lassen Sie. uns geloben .durch unser Verhalten darzutun, daß uns die Rechte, die uns durch .das Gesetz verliehen sind, und deren Verwirklichung wir erstreben, auch gebühren, und lassen Sie diejenigen Institutionen, die die Verfolgung unserer Rechte auf ihre Fahnen geschrieben haben, den Verband der Deutschen Juden und den Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens inne werden, daß sie der Unterstützung aller unserer Glaubensgenossen sicher sind. Sind, wir dessen gewiß, dann können wir, so schwer der Kampf ist, zuversichtlich auf den Sieg rechnen. In diesem Sinne danke ich Ihnen namens beider Vereinigungen für Ihr Erscheinen und hoffe bestimmt, unsere heutige Versammlung wird in diesem Kampfe nicht vergebens gewesen sein. (Lebhafter Beifall.) .. Vbrrltleutnsnt Wsuririu Lrmmrr. I. - ., . .. auriciu Brociner entstammt einer alten vornehmen galizischen Familie, welche in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nach Rumänien eingewandert ist; er wurde am 15. Juli 1855 in Jassy/ der Hauptstadt des damaligen Fürstentums Moldau^) geboren, wo er den Elementarunterricht im Hause seines Vaters, eines sehr angesehenen und gebildeten Kaufmannes, genoß. Angesichts der wenigen und mangelhaften Lehranstalten, welche zu jener Zeit in der Moldau bestanden, sahen sich die Eltern genötigt, ihren Sohn nach dem benachbarten österreichischen Kronlande Bukowina zu schicken, in dessen Hauptstadt Czernowitz, er das Staatsghmnasium absolvierte. Für den Kaufmannsstand bestimmt, ging Mauriciu Brociner nach Graz und Wien, wo er die Handelsakademien bis Juli 1874 besuchte. In demselben Jahre meldete.sich Brociner freiwillig zum Militär, obgleich er noch nicht militärpflichtig war, und wurde am. 15. November dem Infanterieregimente Nr. 8 eingereiht, welches .er nach einjähriger Dienstzeit — seine Studien berechtigten ihn zum Einjährig-FLeiwilligendienst — als Unteroffizier verließ; er betätigte sich nun an den vielfachen Geschäften seines Vaters, der mittlerweile seinen Wohnsitz von Jassy nach Galatz verlegt hatte.' ' Im Jahre 1876 gährte es in verschiedenen Balkanstaaten; alles drängte: zu einem Entscheidungskampfe gegen die y Seit Januar 1859 mit der Walachei zum Staate Rumänien vereinigt. türkische Herrschaft. In. Bosnien, und 6er Herzogewina, in Serbien und Montenegro griff die christliche Bevölkerung zu den Waffen, auch in Bulgarien loderte der- Aufstand empor, der allerdings von türkischer Seite auf das Entschlossenste unterdrückt wurde. Die empörenden Greueltaten, welche die Tscherkessen^) verübten, riesen die Entrüstung von ganz Europa hervor und rollten mit einemmal die Orientfrage in ihrem vollen Umfange wieder, auf, welche diesmal, auf diplomatischem Wege/ nicht mehr gelöst werden sollte. Die Wirkung dieser Ereignisse auf Rumänien blieb natürlich nicht aus, zumal alle Welt überzeugt war, daß Rußland im entscheidenden Momente eingreifen und ein Krieg zwischen dem Zarenreiche und der Türkei entbrennen werde. Von österreichischer und auch von russischer und türkischer Seite, wurde in Rumänien vertraulich sondiert, wie sich dieser Staat im Fälle eines Krieges verhalten würde, allein der weise Fürst Carol vermied es zunächst, eine bindende Entscheidung zu treffen und beschränkte sich darauf, seine volle Aufmerksamkeit der Ausbildung und Verbesserung seiner jungen Armee zu widmen; er bot seine ganze Energie auf, um das rumänische Heer schlagfertig zu machen. - Als der Sultan die denkwürdige Verfassung vom 23. Dezember 1876 annahm, mußte Rumänien ernstlich daran denken, zu dieser Stellung zu nehmen, da sie von der Abhängigkeit der Privilegierten Provinzen sprach und von deren Belehnung mit ihren Staatshäuptern durch den Sultan, somit ein Attentat auf die Autonomie des Landes bedeutete. In einem für den 14. April 1877 einberufenen Ministerrate setzte sich Fürst Carl dafür ein, mit Rußland eine gemeinsame Aktion zu unternehmen, und es wurde der Beschluß gefaßt, die gesamte rumänische Armee zu mobilisieren und größere Truppenkörper nach den Donaustädten zu dirigieren. In der zweiten Aprilhälfte wurde der russisch-rumänische Vertrag unterzeichnet, laut welchem Rumänien für den Fall eines russisch-türkischen Krieges, den russischen Truppest den Durchzug" gewährleistete/wo hingegen Rußland sich verpflichtete, die territoriale Integrität des rumänischen Staates zu achten; durch diesen selbständig abgeschlossenen Vertrag erklärte Rumänien seine Unabhängigkeit von der türkischen Oberherrschaft und erreichte das von seinem Volke ersehnte Ziel. Von den Enttäuschungen, welche Rumänien gleich zu Beginn der russischen Kampagne, besonders durch die Proklamation des Großfürsten Nicolaus an das rumänische Volk erfuhr, soll hier weiter nicht die Rede sein, es muß jedoch hervorgehoben werden, daß auf den schriftlichen Antrag Rumäniens, an dem Feldzuge aktiven Anteil zu nehmen, Gortschakoff dies mit der stolzen Bemerkung abgelehnt hat, Rußland bedürfe der rumänischen Armee nicht. Es kam jedoch anders! Das Schicksal hat dem jungen Staate eine seltene und glänzende Genugtuung beschieden, das große Rußland, welches den Vorschlag Rumäniens in demütigender Weise abgewiesen, sollte sehr bald dessen Hilfe anrufen und dem jungen Fürst Carol, das Oberkommando über die gesamte Aktionsarmee anbieten. Das mobilisierte 8. Infanterieregiment, zu welchem Brociner einberusen wurde, marschierte von seinem Garnisons- -orte Galatz über Bukarest und Craiova nach Calafat, wo es den Observationsdienst zu versehen hatte. Mittlerweile hatte Rußland der Türkei den Krieg erklärt, und die Feindseligkeiten auf bulgarischem Gebiete begannen. . y Der Volksstamm ist nach dem Krimkriege vom Kaukasus nach Bulgarienausgewandert.

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