Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-11-25 · Heft 47 (25.11.1910) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 47 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228955--67011-3279178
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

3 Töchter des Zarenpaars, hinzu. Nach Beendigung der Tafel überreichte die Großherzogin sowohl Herrn Geheimen Kommerzienrat Mayer als auch Herrn Hirsch die Photographien des Grobherzogs- Paars mit eigenhändiger Unterschrift. Der Großherzog überreichte Herrn Mayer das Ehrenkreuz zum Orden Philipps des Großmütigen — eine sehr hohe Auszeichnung. Die hohen Herrschaften verkehrten bis zum späten Abend in der zwanglosesten Weise mit Herrn Geheimen Kommerzienrat Mayer und sandten ihm am folgengen Tage nachstehendes Telegramm: „Wolfsgarten, Jagdschloß. Wir möchten Ihnen noch einmal für Ihre aufopfernde Unterstützung und alle Freundlichkeit .herzlich danken, hoffentlich haben Sie sich gestern nicht überanstrengt. Ernst Ludwig. Eleonore." Durch diese Depesche ist nicht nur dem.Empfänger eine hohe und wohlverdiente Ehre zuteil geworden, sie zeigt auch, daß unser Landesfürst, der seinerzeit einer der ersten war, der für die Opfer in Kischineff eine Spende gab, aufs neue bewiesen hat, wie er mit herzlicher Güte alles aufnimmt, was sich in den Dienst einer wahrhaft guten Sache stellt. R. Worms,20. November. HerrL. Oppenheimer, der viele Jahre in Mühlheim a. R. als Lehrer wirkte und nach seiner Pensionierung vor ungefähr zehn Jahren hierher übersiedelte, feierte am 11. d. M. seinen 70. Geburtstag. Eine Abordnung des Vorstandes des hiesigen Unterstützungsvereins unter Führung des Herrn Rabbiner Dr. Holzer anerkannte in herzlichen Worten die ersprießliche Tätigkeit Oppenheimers als Schriftführer des Vereins und als Mitglied der Verteilungskommifsion. Außer der schönen Gabe von seiten dieses Vereins wurde Herr Oppenheimer von vielen Mitgliedern der Gemeinde beglückwünscht und beschenkt. Möge er sich noch lange geistiger Frische erfreuen. Frankreich. z. Paris, 16. November. - Wie ich Ihnen bereits mitgeteilt habe, ist eine der bestgekannten Persönlichkeiten der hiesigen parlamentarischen Welt, Herr Lucien Klotz, in dem von Briand rekonstruierten Kabinett zum Finanzminister ernannt worden. Obgleich noch verhältnismäßig jung, hat Herr Klotz durch besondere Kenntnis finanziellerAngelegenheitenbezüglick desBudgetssich großesAnsehenerworben und schon feit Jahren schätzt man ihn als einen Politiker, der wie kein anderer befähigt ist, den ihm übertragenen Ministerposten zu bekleiden. In Paris am 11. Januar 1868 geboren, entstammt er einer Familie, die ursprünglich im Elsaß lebte. Die politische Laufbahn begann Minister Klotz als Journalist, in welcher Eigenschaft er eine radikale Zeitschrift, „Re Voltaire", herausgab. Seitdem er im Jahre 1898 als Abgeordneter des Departements der Somme gewählt worden war, hat man ihn alle vier Jahre mit großer Stimmenmehrheit wiedergewählt. In der Deputiertenkammer nahm er bald infolge seiner immensen Arbeitskraft eine angesehene Stellung ein und'wurde auch bei mehreren Gelegenheiten zum Mitglied der Budgetkommission ernannt. Auch als Referent für den Ankaufsplan der südlichen und westlichen Staatseisenbahnen sowie für das Budget des Landwirtschafts- und Kriegsministeriums-hat er gewirkt. Erst kürzlich wurde er zum Präsidenten der Zollkommission ernannt, deren Arbeiten er seit zwei Jahren mit dem besten Erfolg leitete. Nach den diesjährigen Wahlen hatte man ihn zum Generalreferenten über das Budget des Jahres 1911 bestimmt. Diese verschiedenen Stufen seiner politischen Laufbahn beweisen, daß Herr L. Klotz für den ihm anvertrauten wichtigen Ministerposten hervorragend geeignet ist, insbesondere zu einer Zeit, in der man finanzielle Reformen in Erwägung zieht. — Anläßlich der Beförderung des Herrn Klotz zum Finanzminister dürfte es von allgemeinem Interesse sein, festzustellen, daß seit der Emanzipation der französischen Juden der nun erwählte Finanzminister der sechste Israelit ist, der einem französischen Kabinett angehört und der dritte jüdische Finanzminister in Frankreich überhaupt. Seine beiden jüdischen Vorgänger im Finanzministerium waren Michael Goudchaux und Achille Fould. Der erstere war allerdings erst nur wenige Tage als Finanzminister in ' der provisorischen Regierung von 1848 tätig, empfing aber dasselbe Amt unter dem Ministerium des Generals Caveignac wieder. Achills Fould dagegen wurde vom Prinz-Präsidenten Louis Napolöon 1849 zum Finanzminister ernannt, welchen Regierungsposten er auch behielt, nachdem Louis Napoleon Kaiser geworden war. Auch AdolfCrömieuxwar bekanntlich ein Mitglied der provisorischen Regierung von 1848, nach dem Fall des dritten Kaiserreiches 1870 wurde er Mitglied der „National-Verteidigung" und Justizminister. Als solcher sicherte er den algerischen Juden die französische Naturalisation. Auch die dritte Republik hatte zwei jüdische Minister aufzuweisen: Herrn Eduard Milland und den verstorbenen David Raynal. Der erstere, gegenwärtig Senator für das Rhone-Departement, war früher (1868) Minister der öffentlichen Arbeiten. David Raynal war jahrelang Senator des Departements Gironde, während er zu gleicher Zeit dem Kabinett Gambetta angehörte, in dem er ebenfalls als Minister der öffentlichen Arbeiten fungierte, bis er schließlich (1893—94) zum Minister des Innern avancierte. — Seit der vor 16 Jahren statt« gehabten Dreyfuß-Affäre hatte infolge der antisemitischen Agitation kein Jude mehr einen Sitz im Kabinett eingenommen. Ein um so interessanteres Moment für die Geschichte der französischen Juden bedeutet daher die jetzige Ernennung des Herrn Klotz zum Finanzminister. Von Sah und Sern. — Auf Wunsch des Präsidiums der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft der ^Ilianee Israelite Universelle ist die Beratung des von der Siebenerkommission angenommenen Statutenentwurfs von der Tagesordnung der am 16. November in Paris stattgehabten Zentralkomitee-Sitzung abgesetzt und auf einige Wochen vertagt worden. — An die Berliner Lehrerbildungsanstalt der Jüdischen Gemeinde ist Herr Rabbiner S. Gans aus Pr.-Stargard, dem der Ruf eines ebenso begabten Pädagogen wie tüchtigen Kanzelredners vorangeht, berufen worden. Herr Rabbiner Gans hat sein Amt bereits übernommen. — Zu Ehren des Herrn Dr. I. Kaftan, der am 24. d. M. seinen 70. Geburtstag feiert, veranstaltet der Verein „Berliner Presse" am Sonntag, den 27. d. M., nachmittags 4 Uhr ein Festessen im Restaurant „Rheingold", an dem auch Nicht- Mitglieder teilnehmen können. — Dem Fabrikbesitzer Sigismund Blau in Berlin ist der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. — Die Montefiore-Stiftung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat den Herren Waisenhausdirektor Katz in Rybnik, Hauptlehrer Seligmann in Müllheim i. V., und Lehrer Rothschild in Eßlingen für ihre Verdienste im Garten bau- und Handfertigkeitsunterricht eine namhafte Subvention gewährt. — Die städtische Körperschaft in Gnesen wählte als Mitglieder in den Kreistag Herrn Kommerzienrat Ragowski, Herrn Kaufmann Salo Wreszynski und Herrn Justizrat Türk. — Das Louis Löwenthalsche Ehepaar in Stettin beging das seltene Fest der „eisernen" Hochzeit. Der Jubilar ist 89, die Jubilarin 87 Jahre alt. Beide sind im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und auch körperlich noch verhältnismäßig rüstig. — Im „Verein für Jüdische Geschichte und Literatur" in Kiel sprach Herr Syndikus Dr. Max Wittenberg-Hamburg über „Die Juden in Nordamerika". Die einstündigen Ausführungen stellten das Resultat einer ausgedehnten Studienreise dar, die der Redner in diesem Jahre nach Amerika unternommen, und beschäftigten sich vor allem mit einer überaus lebhaften Schilderung des New Jorker Ghettos. — Die Abweisung von Medizinalpraktikanten in Krankenanstalten aus konfessionellen Gründen hat der Aerztekammer für die Provinz Sachsen Veranlassung gegeben, auf Antrag des Prof. Schmidt-Rimpler folgenden Beschluß zu fassen: „Der Aerztekammer, ausschuß möge den Herrn Reichskanzler bitten, amtlich zu publizieren, daß es unstatthaft ist, das Ersuchen eines Medizinalpraktikanten um Beschäftigung in einem Krankenhause aus konfessionellen Gründen abzulehnen. Nur rein konfessionellen Krankenhäusern kann das ausnahmsweise erlaubt werden, ist aber alsdann in dem amtlichen Verzeichnis der zur Aufnahme von Praktikanten ermächtigten Kranken anstalten ausdrücklich hervorzuheben." — In Barmen fand anläß lich des 70. Geburtstages des ersten Vorstehers, Kommerzienrats Hermann Wahl, m der Synagoge ein Festgottesdienst statt. — Vor einigen Tagen erschien das Jahrbuch der Budapester Königlichen Universität, aus dem zu entnehmen ist, daß im Schuljahre 1910 bis 1911 die Gesamtzahl der Hörer 6751 beträgt. Hiervon waren 2358, d. i. 34,950/o Juden. Demgegenüber zählt die Budapester alma matsr unter 98 ordentlichen Professoren nur 3 Juden, alle an der philosophischen Fakultät. Im medizinischen Fach hat es noch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.