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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-11-25 · Heft 47 (25.11.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 47 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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ftcibt Posen teil. — Sehr oft ist es mit Schwierigkeiten verknüpft, für die jüdischen Soldaten die Erlaubnis' zur rituellen Beköstigung zu erlangen. Daher ist es von Nutzen, folgende Notiz zur Veröffentlichung zu bringen: Nach dem kriegsministeriellen Erlaß vom -12. Juli 1832 ist es den Mannschaften mosaischen Glaubens sreizustellen, für ihre Beköstigung selbst zu sorgen oder an der gemeinschaftlichen Speiseanstalt teil zu nehmen. In Lagern und im Kriege soll diese Rücksicht nicht stattfinden, und muß es ihnen überlassen bleiben, ob sie die gelieferten Speisen genießen wollen oder nicht. Diese -ministerielle Bestimmung ist bis zum heutigen Tage noch in Kraft. Unter Vorzeigung dieses Erlasses ist es mir leicht geworden, beim hiesigen Grenadier-Regiment Nr. 6, für die jüdischen Mannschaften die rituelle Beköstigung zu erwirken. — Justizrat Placzek Hierselbst, der Vorsteher der Posener Stadtverordnetenversammlung, ist zum Notar ernannt worden. — Dem praktischen Arzt in Posen, Dr. Eduard Krage ist der Charakter als Sanitätsrat verliehen worden. — Durch den Tod des Lehrers, Herrn Isidor Iacobsohn, hat die Synagogengerneinde in Posen einen herben Verlust erlitten. Der edle Verblichene hat sein hervorragend reiches Wissen ausgiebig und uneigennützig in den Dienst der Allgemeinheit gestellt und in dem Verein Leschaun Lemudim seit zwei Jahrzehnten als Lehrer und - ortragender mit bestem Erfolge gewirkt. Durch sein selbstloses, bescheidenes. jederzeit freundliches Wesen hat er die Herzen seiner zahlreichen Schüler zu gewinnen verstanden und sie durch Lehren und vorbildliches Leben für Thora-Studium und treueste Pflichterfüllung begeistert. Als Vorstandsmitglied im Talmud-Verein, 6kewra Shass, Hemden-Verteilungs-Verein und der Latzschen Anstalt hat der Ver. blichene mit unermüdlicher Kraft sich segensreich bewährt. Im Trauerhause sprach der greise Gemeinderabbiner Dr. W. Feilchenfeld. Redner schilderte den Dahingeschiedenen als tüchtigen Talmudgelehrten und wahrhaft frommen Israelit. Auf dem Friedhofe hielt Rabbiner Blum die Leichenrede. An der Beerdigung, beteiligte sich der größte Teil der Gemeinde. — Rentier D. Tuch, welcher in Wreschen verstarb, hat unter anderen Beträgen auch ein Legat für die israelitische Waisenknaben-Anstalt bestimmt. Aus diesem Grunde wurde der Todestag des Testators in der genannten Anstalt zu Posen in würdiger Weise gefeiert. M. Hamburg, 16. November. Herr Moritz Stavenhagen, Seniorchef der bekannten Kaufmannsfirma I. M. Stavenhagen, ist nach kurzer Krankheit aus dem Leben geschieden. Der Verblichene, der im 80. Lebensjahre stand, war eine in den Kreisen unserer Handelswelt hochgeachtete Persönlichkeit. In vielen gemeinnützigen Institutionen, namentlich in der jüdischen Gemeinde, war er in der Verwaltung tätig. Er war wiederholt Mitglied des Repräsentantenkollegiums, war auch der Mitbegründer und zuletzt Ehrenvorsitzender der Neuen Dammtor-Synagoge. Er war auch ein eifriger Förderer aller guten und edlen Bestrebungen, und hat sein Tod in weiteren Kreisen aufrichtige Teilnahme erweckt. Die Bestattung, die vom Trauerhause Klosterallee aus stattsand, hatte eine große Anzahl Leidtragender versammelt. Außer den Verwandten und zahlreichen Freunden war auch die Kaufmannswelt stark vertreten: Das Repräsentantenkvüegium und andere Gemeindeinstitutionen hatten Delegierte zur Trauerfeier entsandt. Der Vorstand der Neuen Dammtor- Synagoge war in oorpors erschienen. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. A. Löwenthal, der anschließend an ein Schriftwort ein treffendes Lebensbild des dahingeschiedenen zeichnete. Mit Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß die ergreifende Rede. Der Präses der neuen Dammtor-Synagoge, Herr W. A. Peine, widmete dem Verblichenen noch herzliche Worte des Abschieds. Der imposante Leichenzug bewegte sich nach dem Ohlsdorfer Friedhof, woselbst die Beisetzung stattfand. 6. Kiel, 18. November. Gestern sprach hier der Vertrauensmann des „Hilfsvereins der Deutschen Juden", Herr Siegmund Bergel- Berlin, im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" über „Die Juden im Osten und Westen". In einstündiger, fesselnder Rede setzte Herr Bergel seinen den Sitzungssaal der Gemeinde weitüberfüllenben Zuhörern die Ziele und Zwecke des Hilfsvereins auseinander. Im Anschluß an den Vortrag, der den spontanen Beifall aller Anwesenden auslöste, konstituierte sich die Kieler Ortsgruppe des Hilfsvereins mit 20 Mitgliedern. — Dorlrnimb, 20. November. Am 10. b. 501. ist hier in der ersten Wählerklasse mit allen abgegebenenStimmenHerrSanitätsratDr.Hermann Selig, nachdem er voriges Jahr schon einmal abgelehnt hatte, zum Stadtverordneten gewählt worden. Damit'erhöht sich erfreulicherweise die Zahl der jüdischen Stadtverordneten auf drei. Aber auch die Körperschaft der Stadtverordneten selbst darf sich zu dem neuen Mitgliede beglückwünschen, denn Herr Sanitätsrat Dr. Selig. Oberstabsarzt a. D., Mitvorsitzender des hiesigen Aerztlichen Vereins, des Vereins für jüdische Krankenpflege in Westfalen, E. V., usw.. gilt nicht nur seit langem als einer der ersten in seinem Fache, sondern zeichnet sich auch durch eine umfassende allgemeine Bildung, durch abgeklärtes Urteil und liebenswürdiges, bescheidenes Wesen bei großer Charakterfestigkeit aus. Sein Eintritt in die Städtische Vertretung ist zweifellos ein Gewinn für alle. — Magdeburg, 16. November. Am 10. d. M. vormittags 11 Va Uhr fand in derhiesigen Synagogengemeinde eine vom Vorstand und den Repräsentanten veranstaltete Trauerfeier für den verstorbenen Kantor Salomon Winter statt, die einen hervorragend würdigen Verlaus nahm. Zu dem Zwecke war das Gotteshaus schwarz drapiert, die Leuchter mit Trauerflor umgeben, der Almemor in einen Palmenhain verwandelt, in dessen Mitte der schlichte Sarg stand. Es hatte sich eine sehr große Anzahl Gemeindemitglieder und Freunde des Verstorbenen eingefunden, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Nach vorangegangenem Ocgelspiele und Chorgesang nahm Herr Rabbiner Dr. Wilde das Wort, um im Namen der Gemeinde und des Vorstandes dem Verblichenen für die 32 jährigen treuen Dienste zu danken, die er zu Ehren Gottes an heiliger Stätte in mustergültiger Weise erfüllt hat. In geistvoller Weise führte er aus, wie der Dahingeschiedene, aus einer berühmten Gelehrtenfamilie stammend und selbst hervorragender Kenner der jüdischen Wissenschaft, sein ganzes Leben hindurch in geradezu rührender Selbstlosigkeit und Bescheidenheit als Muster von Pflichtgefühl und Selbstzucht dagestanden und segensreich in der Gemeinde gewirkt, wie er durch die holde Gabe des Gesanges es verstanden, der Menschen Herzen zu rühren und den Gottesdienst durch seine Initiative so auszugestalten, daß er würdig und erhebend zu allen Zeiten wirken mußte. Nachdem er dem Verblichenen noch als vorbildlichen Gatten und Familienvatergeschildert hatte, schloß er seine zu Herzen gehende Rede mit einem hebräischen Trauergebet. Nach dem Gesang des Herrn Kantor Friedmann ordnete sich der lange Zug, um die Leiche zur Beisetzung in Berlin nach dem Bahnhofe zu geleiten. Am nächsten Tage fand in Berlin in der Leichenhalle des Friedhofes der Gemeinde Adas Jisroel eine Feier statt, an der sich viele alte Magdeburger und die Vertreter des Magdeburger Vorstandes beteiligten. An der Bahre sprach im Namen der Familie der Sohn des Verblichenen, der Rabbinatskandidat Dr. Moritz Winter, Worte der Rührung und Trauer, und Herr Vorsteher Weil Worte des Dankes und Abschieds für den von der Gemeinde verehrten Kantor, worauf die irdischen Reste der Erde übergeben wurden. : 6. Offenbach a. M., 18. November. Der Verkaufstag der Großherzogin von Hessen zugunsten von Lungenheilstätten hat etwa 50 000 Mark eingebracht. Dieses glänzende Ergebnis war nur dadurch möglich, daß Herr Geheimer Kommerzienrat Ludo Mayer seine, von dem genialen Architekten Professor Hugo Eberhardt (Offenbach), errichteten Fabrikneubauten zur Verfügung gestellt, und mit einem Kostenaufwand hon etwa 30 000 Mark für die Zwecke des Verkaufstags hatte Herrichten lassen. Die hochherzige Tat des stets hilfsbereiten Herrn Geheimen Kommerzienrats Ludo Mayer wurde auch von den Fürstlichkeiten gebührend gewürdigt. Ueber den Verlauf -des Verkaufstags hat die Tagespresse berichtet. Hier interessiert es, in welcher Weise unsere Glaubensgenossen Herr Geheimer Kommerzienrat Mayer und dessen Teilhaber Herr Robert Hirsch geehrt wurden. In einem eigens zu diesem Zweck hergerichteten Raum fand in dem Maherschen Fabrikbau ein Essen statt, an dem auf Einladung des Herrn Mayer das Großherzogspaar, Prinz Heinrich v. Preußen, sowie eine kleine Anzahl aus dem Gefolge teilnahmen. Während des Mahles saßen Herr Mayer zur Seite der Großherzogin v. Hessen und des Prinzen Heinrich v. Preußen. Später kamen die russischen Großfürstinnen, die

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