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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-11-25 · Heft 47 (25.11.1910) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 47 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
Seite 560 (sequence 8)
Language
German
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maurerei, besonders seine Studien über Mendelssohn und dessen Verhältnis zu Lessing zeugen von sehr großer Belesenheit und tiefem Eingehen in das Wesen der genannten Männer. Eine bleibende Bedeutung namentlich in unseren Kreisen erwarb er durch seine beiden Werke „Kleine Schul-und Hausbibel" und „Biblische Erzählung". Diese beiden Schriften, die erste 1858, die zweite 1873 zum erstenmal erschienen, wurden von ihm in immer neuen stets durchgearbeiteten und verbesserten Auflagen herausgegeben. Beide Bücher haben sich in neuen Bearbeitungen, in denen aber die grundlegende Tendenz des Autors beibehalten wurde, als außerordentlich nützliche, unübertroffene Lehr- und Lesebücher erhalten und sind hoffentlich dazu bestimmt, noch lange die Erkenntnis der Bibel zu fördern und echt jüdischen - Geist zu wecken. Größere literarische Pläne konnte er nicht ausführen infolge der allzugroßen Ansprüche, die er an sich stellte. Denn er war eine ungemein kritische Natur, der aber nicht etwa nur anderen gegenüber, sondern besonders an sich die schärfste Kritik übte. Dabei ein Mann herzgewinnender Liebenswürdigkeit, umfassenden Wissens, strengster Rechtlichkeit, erhabener Sittlichkeit. Er gehörte zu den wahrhaften Mustermenschen, deren stärkendes Beispiel zu dauerndem Wirken, bestimmt ist. Der Umgang mit ihm war für jeden ein dauernder Lebensgewinn. L. g. IJfaah Markus Mt. (Zu seinem 50. Todestage am 20. November.) Von Sanitätsrat Dr. Scherbel in Liffa i. P. 7^ er heutigen Jugend ist der Name I o st fast ganz aus dem Gedächtnis entschwunden. Gegenüber den großen leuchtenden Planeten amHimmeljüdischerGeschichte und Wissenschaft: Zunz, Geiger, __ Grätz ist der bescheiden glänzende Jakob Auerbach. Stern Josts allmählich immermehr in den Hintergrund zurückgetreten. Doch nicht mit Recht! Jost verdient es, daß die Nachwelt sich seiner wieder erinnert, daß es seiner Verdienste um die Entwicklung der jüdischen Wissenschaft in Deutschland mit Dankbarkeit gedenkt. Zweifellos war Jost einer der ersten, die die Geschichte der Juden und des Judentums nach neueren Gesichtspunkten und Anschauungen bearbeiteten. Ja, er hat dieses Feld, das lange Zeit hindurch brach gelegen hat, eigentlich zuerst in Angriff genommen und urbar gemacht, er hat es mit besonders warmer Liebe, mit Fleiß und Eifer gepflegt und gehegt. Am 22. Februar 1793 zu Bernburg in Anhalt geboren, war er nicht nur, wie so viele Jünger jüdischer Wissenschaft, ein Kind armer Eltern, sondern auch das Kind eines blinden Vaters. Unter elf Geschwistern war der kleine Markus derjenige, der den Führer des blinden Vaters machte, und so war er ja auch später berufen, ein Führer des Volkes durch dunkle, unbekannte, unwegsame Gebiete zu werden. Nach dem Tode des Vaters wurde er in die Samsonsche Anstalt in Wolfenbüttel ausgenommen, in der er,, unter Ehrenbergs Anleitung, die Grundlagen des Wissens empfing, und wo er in dem um ein Jahr jüngeren Leopold Zunz einen gleich strebsamen und reichbegabten Jugendgenossen fand, der, nach dem eigenen Geständnis Josts, sehr anregend und befruchtend auf ihn wirkte. Sechs Jahre verblieb er dort und besuchte dann von 1809 bis 1813 das Gymnasium in Braunschweig. 1813 bezog er die Universität Göttingen und widmete sich hier- und späterhin in Berlin besonders dem Studium der Geschichte, Sprachkunde, Philosophie und Theologie. Schon auf der Universität erklärte er, daß er sich keinen edleren Beruf denken . .. könne,, als die künftige Einwirkung auf seine Glaubensgenossen behufs völliger Einbürgerung' in deutscher Denkart und vaterländischem Streben und ihre Befreiung von aller Einseitigkeit der abgeschiedenen Erziehung. Was der Jüngling damals sich vörgenommen hat, das hat der Mann erfüllt. - Jost kannte keinen schöneren Beruf als die kräftige Einwirkung auf seine Glaubensgenossen. Jugendbildung,. Erziehung, Wekkung des Bildungstriebes, organische Entwicklung, nicht bloß äußere Gestaltung, das schien ihm das Wesentlichste und Wichtigste. Der edle Beruf der Jugendbildung war es auch, dem er von 1816 bis 1835 in Berlin und von da ab bis zu seinem Tode als Oberlehrer an der jüdischen Realschule „Philanthropin" zu Frankfurt «. M. seine von dem besten Erfolge gekrönte praktische Tätigkeit widmete. In seinem Werke: „Geschichte des Judentums und seiner Sekten" hat Jost die Worte geschrieben: „MutundAusdauer sind Tugenden, durch welche die .männliche. Kraft sich bewährt, und diese, wird, je geringer die Mittel' zum Kampfe,, die ihm zu Gebote stehen, um so achtbarer und bewundernswerter, als sich Charakterstärke in ihr bekundet"; diese- Worte finden im Leben Josts selbst ihre schönste Begründung und Bestätigung. Mut und Ausdauer gehörten dazu,, um unter den schwierigen Verhältnissen, wie die seinigen in Berlin waren, sich zu behaupten; Mut und Ausdauer, um bei den entgegenstehenden Hindernissen dem einmal gewählten schönen Lebensberuf treu zu bleiben.. Im Jahre 1819 ging er an die Bearbeitung seines großen neunbändigen Geschichtswerkes „Geschichte der Israeliten", das bis 1827 beendet war, und dem' er 1832 die zweibändige „Allgemeine Geschichte des israelitischen Volkes" folgen ließ An den bedeutendsten wissenschaftlichen Zeitschriften war er als Mitarbeiter tätig, mit den verschiedensten Arbeiten zugleich beschäftigt. Aber im Vordergründe seiner wissenschaftlichen Tätigkeit standen seine historischen Arbeiten, die seinen Ruf innerhalb wie außerhalb jüdischer Kreise begründeten. Er war auch, neben Ludwig Philippson und A. M. Goldschmidt Mitbegründer des „Jahrbuchs für die Geschichte der Juden

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