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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-11-18 · Heft 46 (18.11.1910) · p. Seite 552

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 46 (18.11.1910)
Date
1910-11-18
Page
Seite 552 (sequence 12)
Language
German
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in den oberen gebildeten Schichten nicht minder wie in den unteren ungebildeten. Was übrigens heute Aberglaube und Afterwissenschaft ist, war ehedem Glaube und Wissenschaft. Bis in die neueste Zeit hinein haben Naturforscher, Aerzte, Geschichtsschreiber, Philosophen und Dichter an die übernatürliche Macht des Blickes geglaubt. Der Glaube an die Zauberkraft des Auges ist eine allgemein menschliche Erscheinung, und eine diesem Problem gewidmete Monographie ist mit Dank zu begrüßen. Dr. Seligmann hat seiner Untersuchung den weitesten Rahmen gesteckt: er sammelte alles, was in Literatur und Kunst zu seinem Thema gehört und mit demselben in Verbindung steht. Allein sein bibliographisches Verzeichnis füllt 72 Druckseiten' (XVII bi§LXXXVIII) und enthält etwa 2000 Nummern. Vollständig ist es freilich trotzdem nicht. Es sind' nachzuträgen: 'S. XXXIV Jewish'EncycIopedia $anb V, 280 ff. (Evil Ehe von Blau, welcher Artikel auch S. XV zu nennen gewesen wäre) und mehrere Nummern der ebenda verzeichneten Literatur, ganz besonders die früher in Hamburg erschienenen „Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde" vonM. Grunwald. Aus dieser gewaltigen Literatur hat Dr. S. das Material zu seinem Werke geschöpft, das in die folgenden zehn Kapitel zerfällt: 1. Begriff und Wesen des bösen Blickes. 2. Vorkommen und Verbreitung. 3. Wesen,' die den bösen Blick haben. 4. Ursachen und Mittel, um den bösen Blick zu bekommen. - 5. Autofaszination. 6. Wesen und Dinge, die dem bösen Blick ausgesetzt sind. 7. Diagnostik. 8. Heilmittel. 9. Schutzmittel. 10. Hypothesen. Erklärungen. Um den Stoff übersichtlich zu ordnen, hat Verfasser alle diese Kapitel wieder in Unterabteilungen zerlegt und um die Benutzung seines Werkes zu erleichtern, hat er am Schluß des zweiten Bandes ein 50 Seiten umfassendes Namen- und Sachregister beigesügt. Vermöge seines Inhaltes gehört das vorliegende Werk in erster Reihe zur folkloristischen Literatur, doch kann es bei der engen Verbindung, welche in der Vergangenheit zwischen Medizin und Zauberei bestanden hat, auch als ein Beitrag zur Geschichte der Medizin bezeichnet werden. In dieses letztere Gebiet gehört ganz besonders das letzte Kapitel, welches die naturwissenschaftlichen Erklärungsversuche der Kraft des bösen Auges vorführt. Daß Dr. Seligmann daran nicht glaubt, ist selbstverständlich. Er macht daher auf den letzten Seiten seines Werkes einen Versuch, den Ursprung des Glaubens cm. den lösen Blick psychologisch zu erklären. Er führt ihn zurück: „auf eine Reihe von mißverstandenen anatomischen, physiologischen und physikalischen Beobachtungen am Menschen- und Tierauge, die zu dem Glauben führten, daß das Äuge der Sitz der Seele sei; und zweitens auf eine Reihe von Erfahrungen aus dem Menschen- und Tierleben, die der primitive Naturmensch sich nicht erklären konnte, und die an und für sich gar keinen Zusammenhang mit der im Auge wohnenden Körperseele haben. Als Bindeglied dieser verschiedenen Beobachtungen sind ebenfalls zwei Momente anzusehen: erstens die Suggestionswirkung, die von jedem starr fixierenden Blick unwillkürlich ausgeht, und zweitens die falschen Anschauungen, die in betreff des Zustandekommens der Sehleistung überhaupt existierten und die wiederum eng mitdem 'Glauben an den Sitz der Seele im Auge verknüpft sind." (ll. 471 ff.) Um sein Thema erschöpfend zu behandeln, mußte sich Verfasser auf Gebiete begeben, in denen er nicht heimisch, ist. Er kennt die orientalischen Literaturen nicht aus den Quellen, und .es ist nicht zu verwundern, daß ihm manche Verstöße begegnet sind (siehe z. B. S. 57, 110, 119). Als eine bemerkenswerte Tatsache konstatiere ich, daß das Alte Testament - (eine Sammlung von 24 Büchern) das einzige Werk des Altertums ist, in welchem, der Glaube an die Kraft des bösen Auges nicht nachweisbar ist. Zum Schluß setze ich noch die vom Verfasser S. 63 angeführten, ungarischen Ausdrücke für Bezaubern mit-dem Äuge her: „szemely meg verni, megigezes, eläiniias“., Während die ersten zwei Ausdrücke Druckfehler sind,-beruht das letzte Wort auf einem Mißverstehen eines deutsch-ungarischen Wörterbuches. Doch ist dies und so manches andere nur Kleinigkeiten, die dem Wert' des bedeutenden Werkes keinen Eintrag tun. Budapest. ' . / Dr. Ludwig Blan.; — Unter deiw.Titel „S chnorrer" erscheint in den nächsten Tagen eine Gedichtesammlung von Salamon Dembitzer. Der jugendliche Poet hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe ernster Gedichte aus dem galizischen Volksleben veröffentlicht, von denen wir auch in unserer Zeitung Proben gebracht haben. Wir behalten uns vor, auf die Sammlung, welche im Verlage von Dr. Franz Ledermann, Berlin W. 50, erscheint und 85 Pfennig — 1 Krone kostet, näher zurückzukommen. Lüchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Achtundvierzig. Tragische Erlebnisse einer kleinen Stadt, erzählt von Leo Löwenthal. Berlin 1910. Verlag von M. Poppelauer. Goldene Brücke zwischen Elternhaus und Schule. Hugo Schatz. - Verlag Siegfried Cronbach, Berlin. Ist Jesus eine historische Persönlichkeit? Von Professor Dr. Gottlieb Klein, Rabbiner in Stockholm. Tübinger Verlag vom I- C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1910. Neue Theorien über Die geschlechtliche Liebe, Die geschlechtlichen Perversionen, Die Charakterverschiedenheit der^Geschlechter, Das sexuelle Problem als Weltanschauungssrage. Mit einer bunten Auswahl charakteristischer Stellen aus unveröffentlichten allgemeinphilosophischen Werken des Verfassers als Anhang. Von Theodor.Rudert. Verlag für sexuelle Philosophie, Halensee-Berlin. 2,50 Mark. Jüdische Dorfgeschichten von Arthur Kahn. Berlin 1910. Verlag von M. Poppelauer. - Die Chasaren. Historische Studie von Hugo Freiherrn von Kutschera. Ein Nachlaß, zweite Auslage. Wien 1910. Adolf Holzhausen. : - Salomon Dembitzer: Verlorene Wettest.. Hausiercrlieder. Um mein Leben. Jargongeschichte.. Berlin 1.910. Dr^ Franz Ledermann. Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. Herausgegeben von Dr. Eugen Fränkler. 2. Jahrgang, 2. Heft. Leipzig 19I0.> Buchhandlung Gustav Fock G. m. b. H. . ' The Jewish Review Edited by Norman Bentvvich. Dr. Joseph Hochman. Völ. 1. No. 4. November 1910. Price 1/(5 net. London: Leo Rontledge & Sons Ld. SxrechsaÄ. Zur Ausschließung der Juden vom Offiziersstande, nläßlich der, durch den Verband der deutschen Juden in Gemeinschaft mit dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, in öffentlichen Versammlungen beabsichtigten Stellungnahme zur erwähnten Ausschließung, wird im Monat November l. I. eine, dieser Bewegung nützliches Material, liefernde Broschüre erscheinen, deren Subskription wir besonders empfehlen. Herr Moritz Frühling, Schriftsteller in Wien I, Fleischmarkt 17, Postfach 31, verwerlet für dieses Druckwerk einen Teil seines, mit Bewilligung des k. und k. österreichisch-ungarischen Reichskriegsministeriums, Abteilung 5 Nr. 227 vom 16. Mai 1908 im dortigen Kriegsarchiv gesammelten Quellenmaterials, welcher die militärbiographischen Daten aller je aktiv gedienten jüdischen Generäle, Stabs¬ und Oberoffiziere, sowie der militärärztlichen und sonstigen Gleichgestellten (im ganzen zirka 2000) nach den höchst erreichten Chargengraden und Verdiensten im Kriege wie im Frieden, von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, enthalten wird. Speziell den an erwähnten Versammlungen teilnehmenden nichtjüdischen Personen wird diese Broschüre ein wertvoller Behelf sein. Die deutschen Juden dürften durch reichliche Subskription auf dieses Druckwerk (1.50 Mark, auch in Briefmarken, an angegebene Adresse) dem Herausgeber die Aufgabe erleichtern. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin, verantwortlich für die Redaktion:.Max Bauchwitz in Berlin

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