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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-11-11 · Heft 45 (11.11.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 45 (11.11.1910)
Date
1910-11-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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U. Jahrgang. Nr. 48 Der Oemkindeüote. 6M“'11 N",“ltr B“ Beilage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums. Lorrtlpondkn^en und Kschrichtm. DeutsHlsnd. *** Berlin, 8. November. Von geschätzter Seite, wird uns geschrieben: Als Herr Direktor Dr. Minden in der vorletzten Versammlung des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" aus der aktuellen Politik für die antiliberale Koalition das Charakterisierungswort: Schwarz-blauer Block entnahm, wollte er offenbar, vielleicht nur scherzweise, die Zusammensetzung der gegnerischen Truppe etikettieren, darüber hinaus aber den Vergleich gewiß nicht ziehen. Die am 27. v. M. in der Brauerei Königstadt von der „Jüdischen Wahlvereinigung" veranstaltete Versammlung aber offenbarte mit frappanter Aufdringlichkeit eine überraschende Aehnlichkeit der Methoden des Kampfes und der Art der Kampfesmittel des. jüdischen „schwarzblauen Blocks" mit denen des parteipolitischen Wie das agrarische Junkertum dreist und gottesfürchtig den Liberalismus mit dem politischen Radikalismus identifiziert, ihm Demagogie vorwirst, Staat und Monarchie durch ihn bedroht sieht, genau so klang es aus den Reden, die man hier von den jüdischen schwarz-blauen Blockrednern zu hören bekam. „Kampf um die Existenz des Judentums", die von den Liberalen bedroht ist. „Ungehemmtes Fortschreiten des Entjudäisierungsprozesses unter dem Regime der Liberalen", so drang es in den beisallsfrohen Saal. Wer hörte da nicht unwillkürlich den ostelbischen Blaublock-Ruf heraus: „Das Vaterland ist in Gefahr; wählt uns, die einzigen Stützen von Thron und Altar." — „Von zehn Ehen, die von Juden geschlossen werden, ist in Berlin immer eine eine Mischehe!" Wer hat daran schuld? Natürlich nur die Liberalen. Zwar gibt es auch Zionisten, sogar Führer, die Mischehen eingehen, aber das sagt man nicht in Versammlungen, in denen man das Judentum vor den Liberalen retten will. „Vor den Liberalen?" „I, bewahre," meinte ein Veteran der Diskussionsrede, der sich selbst als Liberaler und Nichtzionist vorstellt und eine panegyrische Paukrede für den Zionismus hielt. „I, bewahre, die Liberalen nennen sich nur so; sie maßen sich diesen Namen an, sie sind durch die Bank Radikale, Anhänger der Reformsekte oder verkappte Reformer." Heiliger Janusschauer packt uns, wenn wir dann die Missetaten dieser „verkappten Reformer" und endlich das chreckliche Wort von der „zersetzenden" Tätigkeit der Radikalen vernehmen. Die Sehnsucht, die diesen Redner nicht schlafen läßt, ist >er „jüdische Geist", wie er ihn begreift, und dieser „jüdische Geist" 'pielt in seinen Argumentationen ungefähr die gleiche Nolle, wie bei fern schwarz-blauen Blockbruder da draußen in der Politik der ,nationale Geist". Ein bißchen naiv wirst der Redner auch die Frage luf: „Treten denn die Liberalen für Juden ein, lassen sie sie nickt u anderen Ländern verkommen?" — Vielleicht fragt der geschätzte stedner einmal bei den Vorsitzenden unserer großen Hilfsorganisationen tn, die zwar auch „Liberale" sind, aber doch wahrheitsgemäß!luskunft darüber erteilen werden, wie „niederträchtig" gerade die liberalen die Juden in anderen Ländern „verkommen" lassen. Herr klechtsanwalt Dr. Klee, der den Kamps um die Existenz des Judenums gegen die Liberalen proklamierte, vertrat zugleich, wiederum inalog dem anderen schwarz-blauen Block, die „Bethmann-Holwegsche Sammlungspolitik. „Alle positiven Kräfte müssen sich zur fisten Phalanx zusammenschließen." „Alle staatserhaltenden Kräfte müssen ich zusammenschließen" klingt es im Ohre mit! Hier wie dort dieelbe Methode, dasselbe Mittel, „Auf zur Sammlung!" Es schien, lls wollte man Herrn Dr. Minden bestätigen, daß er mit größerem iecht. als. er vielleicht annahm, von einem ins Jüdische übertragenen chwarz-blauen Block reden durste. Auch der politische Blockbruder u der „Kreuzzeitung" wie der „Deutschen Tageszeitung" erklärt ja, just ue es Herr Dr. Klee tat, die Behauptung von der Existenz eines olchen Blocks als „kindisches und demagogisches Schlagwort'. — Berlin, 8. November. Der „Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" veranstaltet am Dienstag den 15. d. M. abends SV2 Uhr im Cafi „Gärtner", Holsteiner Ufer 17/18, eine Wahlerversammlung für die Bezirke Westen und Nordwesten. Tie Referate für, diesen Abend haben die Herren Dr. Heinrich Wittstock und Dr. Salomonski übernommen. — Eine Liberale Versammlung der Bezirke Norden, Nordost und Centrum findet statt am Donnerstag, den 17. November, abends 8\/2 Uhr, in den Residenzsälen, Landsberger Straße 31. Referenten: Oberlehrer Geballe und Handelsrichter Willibald Löwenthal. *** Berlin, 8. November. An der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentunis, N., Artilleriestraße 14, wird im Winterhalbjahr 1910/11 Herr Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Geiger jeden Donnerstag Abend 7 bis 8 Uhr über „Die Juden und die deutsche Literatur" vortragen. Beginn 10. November. In gleicher Weise wird Herr Dr. Freund an der Lehranstalt Vorlesungen halten über „Staat. Kirche und Judentum in Preußen." Beginn 15. November. Der Zutritt ist für jedermann, auch für Nichtmitglieder, unentgeltlich. Diejenigen, welche den Vorlesungen beizuwohnen beabsichtigen, wollen sich im Bureau der Lehranstalt am 10. respektiv 15. November nachmittags zwischen 5 und 7 melden und erhalten daselbst eine Eintrittskarte. — Berlin, 8. November. Ueber die Zurücksetzung der Juden in der Armee und die Aufgaben des Verbandes der deutschen Juden werden in der von diesem gemeinschaftlich mit dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Sonntag den 13. November vormittags llr/a Uhr in der Philharmonie veranstalteten öffentlichen Versammlung der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes Professor Dr. Martin Philippson und der Landtagsabgeordnete Geheimer Justizrat Cassel sprechen. An der am 24. November folgenden Versammlung in Breslau werden außer Professor Philippson der bekannte dortige Nationalliberale Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Kaufs mann und der Vorsitzende der Ortsgruppe des Zentralvereins Sanitätsrat Dr. Reich als Redner teilnehmen. — Berlin, 8. November. In den Räumen der Ressource von 1794 fand kürzlich die Begründung einer „Gesellschaft für Palästinaforschung" statt. Eine große Anzahl von jüdischen Gelehrten und Angehörigen der besten jüdischen Gesellschaftskreise wohnte der Versammlung bei und bekundete lebhaftes Interesse an den Zielen des Unternehmens, das der wissenschaftlichen Erforschung des Landes der Bibel dienen soll. Nach einem Bericht über die bisher geleisteten Vorarbeiten erstattete Professor Dr. Marburg ein Referat, in dem er hervorhob, welche große Aufgaben besonders in naturwissenschaftlicher Beziehung der Lösung harren. Für Studien auf dem Gebiete der Anthropologie, Ethnologie, Zoologie, Meteorologie. Geologie und Höhlenkunde bietet sich ein weites Arbeitsfeld. Aber auch in bezug auf wirtschaftliche Fragen muß das Land erforscht werden, das heute aus tausendjährigem Schlafe zu erwachen beginnt. Endlich birgt der Boden zahllose Reste alter Kulturen, deren Hebung in historischer und archäologischer Beziehung gleich wichtig erscheint. Allen diesen Zweigen der Forschung will sich die neue Gesellschaft widmen, sobald ihr die nötigen Mittel zur Verfügung stehen. Die bereits zahlreichen Beitrittserklärungen lassen erkennen, daß reges Interesse für das Unternehmen herrscht. Der Beitrag beträgt jährlich 30 Mark für ordentliche. 10 Mark für außerordentliche Mitglieder. Zum Vorsitzenden des Vorstandes wurde einstimmig Herr Dr. Isidor Ginsberg, Karlsbad 7, gewählt. — Berlin, 8. November. Am 8. d. M. fand im Saale der Philharmonie eine Versammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt, in der wiederum das Thema „Judentaufen" auf der Tagesordnung stand. Nach

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