Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 43 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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waten, erfüllte das herrliche Gotteshausin allen seinen Räumen. Im Mittelpunkt der Trauerfeier in der Synagoge.Michelsberg, ein? geleitet durch Orgelpräludium und weihevolle Gesänge des Synagogenchors, stand die glänzende Leichenrede des Stadt- und Bezirksrabbiners Tr. Kober,^ des Nachfolgers des Entschlafenen. Der Redner sprach über die Versöhnlichkeit, den,Hauptckarakterzug des Verklärten und gab ein umfassendes Lebensbild des Dahingeschiedenen. Es sprachen außerdem die.Herren S imo.n Heß im Namen der Kultusgemeinde Wiesbaden, Rabbiner .Dr. Galfeld-Mainz für den Rabbinerverband, sowie, für den liberalen Rabbinerverband, Dr. Landau-Weilburg für. die nassgnischen Bezirksrabbiner, Dr. Goldschmidt-Offenbach als ,Freuni)^und, Kollege, Benedikt Strauß für den Synagogen-Gesangherein,. Oberkan.tor Nußbauni. im Namen des Vereins israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau,. deren Ehrenpräsident her Verstorbene war und Lehrer Capell im Namen der Lehrer des Bezirks Wiesbaden Nach ergreifendem Gesang des Oberkantors Nußbaum wurde der Sarg von Lehrern an den Wagen getragen, und. in langem Zuge folgte die Gemeinde. Am Grabe sprach noch Rabbiner Dr. Weingarten- Ems einige-herzliche Abschiedsworte — daraus ergriff. Rabbiner Dr. Kober nochmals das Wort, um dem Entschlafenen den Dank des D. I. G. B. sowie der-A. I. Q. auszusprechen. Zuletzt gedachte der Redner in dankenden'Worten der Gründung des Waisensonds durch den Dahingeschiedenen- und sprach ihm. für alle Liebe und väterliche Führung feinen persönlichen Dank. aus. So schloß sich denn das Grab, über der irdischen Hülle, ei-n.es edlen Mannes,, dessen Andenken da^wo er gewirkt, unvergessen bleiben wird. -- Auch wir werden dem Verblichenen, der ein fleißiger Mitarbeiter unserer Zeitung war,-ein treues Gedenken bewahren. Die Red. . Türkei. 2 Konftantinopel, 17. Oktober. Anläßlich, des Bayram. des wichtigsten religiösen Festes der Mohammedaner, das in diesem Jahre mit unserem.. Bc>8cll haschanahzusammentraf, wurde der Chachambaschi in feierlicher Audienz vom Sultan empfangen. Auf eine Ansprache des Oberrabbiners und seine im Namen der gesamten türkischen Judenheit zum Ausdruck gebrachten Glückwünsche, erwiderte der Sultan aufs herzlichste und fügte hinzu, daß er die Gelegenheit gern benutze, den Chachambaschi und durch ihn alle seine jüdischen Untertanen zu ihrem Neujahrsfeste zu beglückwünschen? Nicht minder.freundlich war der Empfang des Rabbiners an diesem Tage bei dem Premierminister und den anderen Kabinetsmitgliedern, die eS gleichfalls nicht-unterließen, dem Chachambaschi zum Neujahrsfeste zu gratulieren. Der .augenblicklich von Konstantinopel abwesende Minister des Innern Talaat Bey schickte dem Oberhaupte der türkischen Judenheit ein Telegramm, in welchem er der Versicherung Ausdruck gab, daß er sofort nach seiner Rückkehr seine Wünsche zum Jahreswechsel persönlich überbringen werde. — Der ehemalige Richter am Saloniker II. Jnstanzgericht, Samuel Effendi, ist zum Polizeichef für die Küstenbezirke Konstantinopels ernannt worden. Zu diesem verantwortungsvollen Amte ist Samuel- Effendi nur vermöge seiner Intelligenz und -seiner eigenen Tatkraft gelangt. Erst kürzlich hat Prinz-Eitel Friedrich von Preußen diesemunseren Glaubensgenossen, der die Ehre hatte, seine kaiserliche Hoheit nach Jerusalem zu. begleiten, den roten Adlerorden, verliehen. — Zu gleicher Zeit wird die. Ernennung von David Essen di - M-olchozum Senator offiziell bekannt gegeben. Mit ihm, der. früher erster, Dolmetscher am Divan war, sitzen jetztzwei Juden im türkischen Senat. Auch folgende Nachricht dürfte Ihre Leser interessierenVor kurzem ist ein junger Glaubensgenosse, Judah Moshi, der letztes Jahr als Freiwilliger in die türkische Armee ein« getreten war, zum Korporal befördert worden. Es kann unfern türkischen Glaubensgenossen - daher nur förderlich -sein, wenn sie jetzt, wie es. augenblicklich; besondersin Saloniki der Fall ist, -mit vollem Eifer die Pflege der. türkischen Sprache -unter den Juden .begünstigen. Das Studium dieser. Sprache istleider bisher sehr vernachlässigt worden, da man sich wenig materiMep. Nutzen von ihrer Kenntnisversprach. Dank des Zusammenwirkens des Generalgouverneurs von Saloniki und des Direktors des öffentlichen Unterrichtes, der versprach, eine beträchtliche Anzahl jüdischer Schüler entweder gratis oder gegen kleine monatliche Beiträge zum Besuch .der öffentlichen staatlichen Schulen zuzulassen, ist 126 jungen Juden, die Gelegenheit zum Schulbesuch türkischer Schulen gegeben worden., Ebenso wurde die Erlaubnis fünf Jüdinnen zum Besuch türkischer Mädchenschulen gewährt. Man ist sogar, den, jüdischen Schülern noch besonders entgegen gekommen, indem man. ihnen besondere Unterrichtsstunden zur Pflege des jüdischen Geschichtsunterrichtes und des Hebräischen eingeräumt hat. Anderseits hat der jüdische Vationalklub zwei Jahrespreise von. je 50 Francs gestiftet, welche denjenigen Schülern der Alliance Israelin« Schulen zugute kommen sollen, die hervorragende Leistungen in dem Studium der türkischen Sprache aufweisen. Die Kenntnis dieser Sprache wird die Juden instand setzen, eine noch lebhaftere Anteilnahme auf allen Arbeitsgebieten des oltomanischen Reichs, zu nehmen und wird ihnen besonders den Weg zu Regierungsämtern bedeutend erleichtern. Bei dieser Gelegenheit sei eine Bemerkung wiedergegeben, die kürzlich der bereits erwähnte Minister des Innern, Talaat Bah, einem jungen Israeliten, gegenüber, der einen höheren. Posten bei der Regierung bekleidet, machte. Während einer Unterredung bemerkte der Minister: „Geben Sie mir zehn gebildete Zuöen, die auch gutTürkisch verstehen, und ich will sie zu Unterstatthaltern ernennen." Zum Schluß noch die Nachricht daß der.Kberrabbiner von Saloniki offiziell dem Gemeinderat seine Ernennung zum Jerusalemer Oberrabbiner mitgeteilt und um die Einwilligung gebeten hat, das ihm angetragene Amt übernehmen, zu dürfen. Der Gemeinderat von Saloniki ist bisher noch zu keinem definitiven Entschluß gekommen, da man Rabbiner Jakob Meier nur ungern von seinem Wirkungskreise scheiden sieht. Im heiligen Lande selbst ist eine große Kolonie zwischen Pethach Pikwah und Chedera für eine Anzahl rumänischer Juden durch einen neuen Kontrakt mit der türkischen Regierung definitiv gesichert worden. ä Amerika. ' --- New Aork, 14.. Oktober. Die in Washington.stattgehabte - Tagung der^ Konstitutions-Großloge des U. O. B. B., über die jetzt ausführlicher Bericht vorliegt, zeigt, wie. sich .der Orden in seinem Mutterlande Amerika.die Wertschätzung.der höchsten.Beamten der^Union zu erringen gewußt hat. Nickt nur dem amerikanischen, sondern auch dem gesamten Judentum gereicht diese. Tagung des Bundesparlaments zur höchsten Ehre, denn der.Orden durfte bei dem zu Ehren der Delegierten. . veranstalteten Festbaykett als seine Gäste, begrüßen: den Präsidenten der Vereinigten Staaten William How.ard Taft, den englischen Botschafter James Bryce, den Staatssekretär John W. Foster, den Präsidenten des Abgeordnetenhauses Joseph Gurneh ^Canrron, Wen dell P. Sta.fford, den Präsidenten des höchsten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, den Polizeipräsidenten Cuno. H. Rudolph, den Admiral Winfield S.. Schley..als Vertreter der amerikanischen Marine, und viele; andere hervorragende; Männer der Vereinigten Staaten.. Und diese Herren haben sich nicht damit begnügt, Hul? dignngen entgegenzunehmen, nein, sie haben selbst gehuldigt, und zwar dem Judentums und seinen Leistungen auf allen Gebieten menschlichen Schaffens. Der Präsident der Vereinigten Staaten würdigte in längerer-Rede die Tätigkeit .des Ordens B’nai Brith: : „Ich kenne den Orden B’nai Brith schon seit vielen Jahren und schätze ihn als das Muster einer jüdischen Gesellschaft — und wenn ich sage „Muster einer jüdischen Gesellschaft", so meine ich damit eine Gesellschaft, die allen Gesellschaften zum Muster dienen kann . . . Ich hege die höchste Bewunderung für den jüdischen Stamm, well er außer seinen vielen anderen.Vorzügen in hervorragendem Maße kunstbegabt ist und alles Künstlerische schätzt. Die Juden sind ausgezeichnete. Staatsbürger■ sie sind immer auf. seiten des Rechtes und .der Ordnung, und .ich freue mich, wenn sie in unser Land kommen. Ich kenne; welche, die hier so lange leben wie. .ich, und somit gerade; solche Amerikaner sind wie ich. . Ich kenne sogar solche, die erst jüngst eingewandert sind^ und habe bei ihnen immer die größte Hochachtung vor unseren frei-? < heitlichen Institutionen gefunden ...;. Ich wollte gar nicht soviel sagen, liebe Freunde,, wenn sie aber aus meinen Worten meine hohe Bewunderung-für. die Rasse, die Sie vertreten, 'herauslesen --- für die! älteste Rasse . .der Welt, die sich mit Recht - die . Aristokratiedes. Menschengeschlechtes nennen darf und trotzdem die besten Republikanerabgibt -^.Lann. hat Meine Rede ihren Zwecker füllt." Der