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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-10-28 · Heft 43 (28.10.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 43 (28.10.1910)
Date
1910-10-28
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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steuern,' 'veranstaltet der Central-Derein deutscher Staatsbürger ^üdisch en Glaub ens - <nn Donnerstag den 3. No-< vember 19IQ abends 8V2 Uhr im Oberlichtsaale der Philharmonie. Berlm,Bernbürgerstraße22/23^erueVersammlnngmitdem Thema: „Juden.taufen". in welcherdie Herren Rabbiner Dr. Weiße und . Syndikus Dr. Holländer als Vortragende referierenwerden. Im Interessedep jüdischen Sache-ist- Massenbesuch der Versammlung - er»- wünscht, — Makel- 24. Oktober. 8lm gestrigen Sonntag feierte Herr Le sser Bärwald hier seinen.-80. Geburtstag.* - Die abgenutzte Phrase von geistiger und körperlicher Frische desJubilars wurde hier zu.- esuer. schönen,, erfreulichen .Wahrheit.^und die größte Freude am-- schönen Fest war .es-,- den alten. Herrn nicht nur die großen körperlichen..Anstrengungen mitjugendlicher Elastizität- -ertragen, sondern ihn sogar mit unerschöpflichem Humor und patriarchalischer Würde den auf ihn einströmenden Redeschwall parieren zu/ sehen. Herr Lesser/BLrwqld ist;feit: Dezennien per. „König" von Rakel und die schöne Feierdie uns das - so . recht zu. Gemüte führte, wird manchem Spötter das. vielzitierte Wort,, das. Julius Cäsar beim Anblick eines kleinen Alpenstädtchens.ausgesprochenchahen'soll, mahnend in Erinnerung gerufen haben,' lieber hier-der Erste als in Rom der Zweite/ Noch Heute steht Herr Lesser B.ärwald als Stadtverordnetenvorsteher, an der Spitze der städtischen Verwaltung; eifrig immer darauf bedacht, seiner Vaterstadt, die modernen Neuerungen zuzuführen;-noch heute führt er als Vorsteher der jüdischen Gemeinde den schweren und doch so aussichtslosen Kampf-des jüdischen, und mit Stolz dürfen wir lagen,-des deutschen Elements gegen das..polnische, .und nicht zuletzt, noch heuten ist er der geistige Leiter seines, großen- Geschäfts, vertraut .bis ins Kleinste mit allen seinen Unternehmungen. Fördernd, helfend und ratend in seiner Gemeinde und seiner großen Familie, ein treuer, Freund den Großen, ein liebender. Kamerad den . Kleinen,, ist Herr Lesser Bärwald das Urbild -eines jüdischen. Patriarchen. Unvergeßlich werden jedem, der an diesem Feste teilgenommen hat, die Worte bleiben, die-Herr-Lesser Bärwald in seinem. Kontor an seine ihn am Morgen begrüßenden Beamten richtete. ■ Dort sah man, wie es trotz Sozialdemokratie und trotz Maschinenarbeit noch -heutemöglich ist, ein großes Geschäft zu leiten nicht als. unnahbarer Chef, sondern bei aller Würde: und Energie als sorgender Vater seiner.Angestelltem Mit einem Familiendiner von 1.50 Personen wurde am Sonnabend abend die Feier eröffnet. Wie alle diese Menschen- (Verwandte -und Freunde des Jubilars,/unser ihnen viele hochangesehene Männer in.Rakel) mit der bekannten großzügigen Gastfreundschaft gepflegt: und gebettet wurden, das war bewundernswürdig. In zweistündigem^ ununterbrochenem. Zuge folgten-sich am Sonntag vormittag die Ansprachen der städtischen undGemeinde-Behörden, der Vereine und Körperschaften. Man möchte sagen, ganz Rakel, >,Jud" und „Christ", Bürgermeister und stellvertretender Repräsentantenvorsitzender, Pfarrer und-Rabbiner .defilierten vor dem Jubilar, der allen in treffenden Worten zu antworten wußte. Mit einem .Diner von 250 Personen und Tanz im Schützenhaus, per durch einen festlichen Fackelzug der Arbeiter . unterbrochen wurde, schloß die Feier/ Dieganze Stadt feierte. - ihren Ehrenbürger, bent wir nur wünschen können, daß er:uns noch recht, recht lange erhalten bleibein Frische Und Kraft, ein schönes Beispiel und Vorbild den Jungen, ein Rater und Helfer allen. — Dresden, 21. Oktober. . Einen Festtag für unsere Stadt bedeutete die kürzlich stattgefundene feierliche Einweihung des neuen Rathauses. Zum Andenken an den im Jahre 1898 verstorbenen, für die deutschen Juden verdienstvollen, für unsere Gemeinde unvergeß» _ lichen Emil Lehmann,: welcher vom Jahre 1873 bis 1883 Stadtverordneter bezw. I; stellvertretender Vorsitzender im Stadtverordneten- Kollegium war,: hat.die Gemeinde ein von demselben vom Kunstmaler M 0 gk in Dresden wohlgetroffenes Bild Herstellen lassen? und dem Rathaus zum Geschenk gemacht.. Dasselbe hat im. Sitzungszimmer des Rechtsaüsschusses: seinen Platz erhalten. Der fungierende Vorsteher, Herr Kommerzienrat Max Elb, und Herr Rabbiner Dr. Winter wurden zur Einweihung als auch zum Empfang-im Rathaus als Vertreter der Gemeinde mit Einladungen beehrt-. - . ----- Wiesbaden, 20. Oktober. Am Abend des Versöhnungstages entschlief infolge einer Arterienverkalkung im 76. Jahre seines - > - j r . Lebens der seit nunmehr zwei Jahren emeritierte Stabt» und Bezirksrabbiner Dr. Michael Silberstein. Als Sohn eines Lehrers am 1. November 1834 in Witzenhäusen, Bezirk Eschwege, geboren, wurde der' Verewigte zunächst zum' Kaufmannsstande bestimmt. Sein ideales Streben aber ließ ihn in diesem Berufe, nicht die wahre Befriedigung finden, sodaß es ihm gestattet wurde, im Jahre 1850 die eben erst begründete Bildungsansttzlt.für jüdische Lehrer in Hannover zu beziehen,-welche er mach<<dreMhrigern Besuche mit einem geradezu glänzenden, Zeugnis, verließe Sein., rastloser Bildungsdrang führte ' ihn nach zwei Jahren schon nach Berlin, wo er bis zum Jahre 1858 theologischen/ und philosophischen Studien oblag. Die Beitel Ephraim sche Stiftung war? die Stätte, an der er sich zum Rabbiner heranbildete und die Universität der Born seiner profanen Bildung. Sein Vorbild und Lehrer war der Altmeister. Dr. Michael Sachs seligen Andenkens, dessen Bild in feinem Arbeitszimmer an hervorragender Stelle zu sehen ist. und der Oberrabbiner Aub. Leopold Ranke weckte und förderte seinen historischen Sinn. Als der Verblichene im Jahre 1858 seine Studien mit gutem Erfolge beendigt hatte, nahm er eine erste Stellung als Lehrer in Pleschen an, wurde aber schon nach kaum anderthalb Jahren 1860 als Rabbiner nach Lyck (Ostpr.) berufen. Hier wußte er durch sein mannhaftes Auftreten . in .der Oeffentlichkeit unserer Glaubensgenoffenschaft Anerkennung und Beachtung zu verschaffen. Nach achtjähriger, segensreicher Wirksamkeit siedelte er dann 1868 nach Württemberg über. Im Jahre 1874 wurde er nach Mähringen im Schwarzwald versetzt, wo er bis 1885 wirkte. 1869 berief die württembergische Negierung eine Delegiertenversammlung zwecks Beratung eines Verfassungs» - entwurfes für die israelitische Glaubensgemeinschaft. Silberstein. als geistliches Mitglied dieser Kommission, trat damals mit einem längeren. Exposö vor das Plenum und hatte die Genugtuung, daß seine Vorschläge fast sämtlich angenommen wurden. Die Hochachtung und Wertschätzung, die sich der Verblichene durch sein mannhaftes würdiges Auftreten sowohl, wie durch den Glanz seiner Beredsamkeit erwarb, erreichte, durch seine Rede am Grabe Berthold Auerbachs ihren Höhepunkt. Damals wurde Dr. Silberstein in der breitesten Oeffentlichkeit bekannt, und als der Rabbinatssitz in Wiesbaden vakant wurde, berief man den gefeierten Mann in unsere Bäderstadt. Hier wirkte er in einer ununterbrochenen fast 25jährigen Tätigkeit' für das Wohl der Inden Wiesbadens, derer seines Bezirks wie auch der jüdischen und außerjüdischen Allgemeinheit.. Wiesbaden hat sich in den letzten Jahren zur Großstadt entwickelt lind-die jüdische Gemeinde ist auf .dem besten Weg, eine Großgemeinde zu werden. »Wenn die Institutionen mit der Entwicklung gleichen.Schritt gehalten haben, so ist dies ein Hauptverdienst,des Entschlafenen. Ihm ist zu danken: die Gründung des Israelitischen Unterstützungsvereins, des. Israelitischen Waisenfonds, der Gemeindebibliothek usw. Besondere Fürsorge widmete er den Bestrebungen der Alliance und des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Hier hat er vor einigen Jahren eine größere Stiftung zwecks Unterstützung jüdischer Studierender, die Dr. Michael und Rebekka SilbersteimStlftung errichtet und sich dadurch unsterblich gemacht. Die Haupttätigkeit des' Entschlafenen war der jüdischen Schule' und deren Lehrer gewidmet. Hier.zeigte er so recht sein Können und sein.Herz. Auch als geistreicher Schriftsteller ist der Entschlafene weit bekannt geworden. Seine Schriften beziehen sich auf das Gesamtgebiet des jüdischen Wissens, Lebens und Unterrichtes. In seinen Bestrebungen wurde Dr. Silberstein durch seine Gemahlin wacker unterstützt und gefördert. Sie ist ihm im Tode um. kaum fünf Wochen .vorausgegangen. Die beiden Gatten führten eine geradezu ideale Ehe in ihrem gemeinsamen Schaffen und Streben. Der hohen Bedeutung Dr. Silbersteins entsprach seine Wertschätzung, welche gelegentlich seines 70. Geburtstages so recht zum Ausdruck.kam. Vorstände, Korporationen sowie auch viele Private wetteiferten damals in Darbringung von Ovationen. * Seine Majestät verlieh ihm den roten Adlerorden IV. Klasse. Die am Sonntag, 16. Oktober, stattgehabte Beerdigung gab abermals den Beweis der großen Wertschätzung für den Verblichenen. Die Kultnsgemeinde ließ es sich nicht nehmen, die Leiche ihres Seelsorgers nochmals an die Stätte seiner Wirksamkeit zu führen. Eine stattliche Versammlung, bei der . auch die staatlichen und kommunalen Behörden vollzählig vertreten

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