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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-10-28 · Heft 43 (28.10.1910) · p. Seite 514

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 43 (28.10.1910)
Date
1910-10-28
Page
Seite 514 (sequence 10)
Language
German
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veranschaükichendenBegriff „ungehorsam", dersetbstverständlich auch schon vorher aus dem Anstälts- und Schulleben heraus den Kindern klar geworden ist. Die folgenden Bilder zeigen uns' den bösen KäiN Und den guten' Abelden frommen Noah, den gastfreundlichen Abraham und so fort. Von dem zuletzt genannten Bilde will ich eine Beschreibung, wie sie den Kindern im dritten Schuljahr ungefähr zu geben ist, vorführen, um zu zeigen, wie elementar wir noch nach einem Sprachunterricht von zwei Jahren verfahren müssen. Der Mann heißt Abraham. Das ist kein Haus. Das ist ein Zelt. Abraham sitzt vor dem Zelt. Da kommen drei Männer. Wer sind die drei Männer? Ich weiß es nicht. Abraham weiß es auch nicht. Abraham hat die drei Märiner früher noch nicht gesehen. Die Männer sind ihm fremd. Das wäre kurz angedeutet der erste Teil einer Lektion. Wir lassen dabei selbstverständlich die Kinder selbst tätig sein und sie nach ihrem Sprach- und Sprechvermögen selbst bestimmen, was sie auf dem Bilde sehen. Hierauf beginnt der Lehrer satzweise vielleicht so zu erzählen? Abraham sitzt vor . seinem Zelte. Es ist sehr warm. Abraham sieht drei Männer kommen. Er steht auf und geht den Männern (ihnen) entgegen. Abraham bückt sich vor den Männern und spricht: „Kommt zu mir, setzet Euch, esset und trinket!" Die Männer freuen sich. Abraham bringt ihnen zu essen und zu trinken. Sie fragen Abraham: „Wo ist Deine Frau Sarah?" Abraham antwortet: „Im Zelte." Ein Mann sagt: „In einem Jahre wird Sarah einen Sohn bekommen." Sarah hört. es. Sie lacht. , Dieser zweite Teil, ähnelt schon einer Erzählung. Die Borgänge sind allerdings in der Gegenwart geschildert. Dieses Tempus.müssen wir in Rücksicht auf den bisherigen Sprachunterricht eine Zeitlang beibehalten. Erst im folgenden vierten Schuljahre kommt .die erzählende Form, das Imperfektum, zur Anwendung. Aber auch dann können wir das Bild noch nicht missen. Wir sind aber in der Lage, vielleicht gleich mit der Erzählung zu beginnen,, und brauchen nur gelegentlich auf das Bild hinzuweisen, um gewisse Begriffe zu veranschaulichen. Wir können aber auch, nachdem wir erzählt haben, aus die Begriffserklärung eingehen. Letzteres Verfahren ist in Rücksicht auf das Absehen vom Munde leider nicht immer möglich. Wir tragen , die Geschiaste lieber satzweise vor und erläutern sofort, was zum Erfassen und ersten Verständnisse nötig ist. Dieselbe. Geschichte, also „Abraham bewirtet Freunde", wäre im vierten oder fünften Schuljahre so zu fassen: Abraham saß einst vor der Tür seines Zeltes, als der - Tag am heißesten war. Da sah er drei fremde Männer . kommen. Er stand auf, ging ihnen entgegen, bückte sich .vor ihnen und sprach: „Gehet nicht vorüber an meinem Zelte! Ich will Euch Wasser bringen, damit Ihr Eure Füße waschet. Ruhet Euch unter dem Baume aus! Ich will Euch auch Brot bringen,^ daß ihr Euch labet. Dann könnt Ihr weiterziehen. Die Männer sprachen: „Tue das!" - Da lief Abraham in das Zelt zu Sarah und sprach: „Backe schnell Kuchen!" Er selbst holte ein Kalb, ließ es schlachten und zubereiten. Dann nahm er noch Rahm und Milch und setzte alles den Gästen vor. Die Gäste aßen usw. Es ist fast der biblische Text, bezw. die Fassung der biblischen Erzählung von Auerbach, die wir hier uüseren Schülern bieten können. Die mit Recht so oft gerühmte Einfachheit - und - Schlichtheit" der biblischen- Husdrucksweise "muß aber hin. und wiederum unserem Zwecke n och mehr: vereinfacht werden. Die häufigen direkten Reden sind nicht bloß beizubehalten, sondern wenn möglich noch zu vermehren. Forschung folgt. UHäsSS Bas Iudenprad in der Steppe. Erzählung von Sam Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. II. Schweigend legten sie die kurze Entfernung zurück und betraten bald den langen, steingepflasterten Hausflur, wo Gregor eine Tür aufschloß und sie in ein kleines mit einfachen Möbeln, aber sauber und nett ausgestattetes Zimmerchen hineinbrachte. In einer Ecke stand ein Feldbett mit schwellenden Federbetten belegt. Sehnsüchtig richteten sich die Blicke der älteren Frau nach dieser Ecke — ach, wenn er sie doch bloß dahin legen wollte! — Und als dieses tatsächlich geschah, da ergriff sie seine Hände und bedeckte sie mit Tränen und Küssen, ehe er sie ihr entziehen konnte. „Bleiben Sie bei ihr," wendete er sich jetzt der Tochter zu, die völlig betäubt dastand; „ich bin gleich wieder zurück." Draußen im Hausflur sah er sich seiner Mutter, gegenüber, die mit haßerfüllten Blicken ihn an starrte. Er schien sie gar nicht, zu bemerken; dennoch verschloß er sorgfältig die Tür des. Zimmerchens und steckte den Schlüssel in die Tasche. Er eilte nach dem Heuschober auf der anderen Seite des Gutshofes, bestieg die Leiter und kam bald darauf mit. einigen Bündeln duftenden Heus wieder herunter. Unten wartete Marfa schon seiner, die ihre leidenschaftliche Wut nicht mehr zügeln konnte. . „Du wirst doch nicht'etwa diese niederträchtigen Landstreicher in unserem Hause behalten wollen?" fragte sie mit mühsam erzwungener Ruhe. „Natürlich will ich es tun — warum sollte ich denn nicht? Die alte Frau wird kaum noch den morgigen Tag überleben." „Wenn Du noch Deine fünf Sinne beisammen hast, wirft Du mir wohl nicht zümuten, mit diesem gottverfluchten Bettelpack unter einem Dache zu übernachten —." „Darin will ich Dir durchaus keinen Zwang auferlegen, Mutter. Du wirst gewiß bei den Nachbaren im Dorfe ein anderes Unterkommen finden." Ihre Augen sprühten Feuerblitze. „Was! — — Das mutest Du Deiner eigenen Mutter zu?-Das soll die ganze Welt hören!" kreischte sie laut. „Der Sohn treibt die eigene Mutter aus dem Hause, zwei hergelaufener Frauenzimmer wegen! — — Ach, daß ich das erleben muß ..." „Der Sohn überläßt es einfach der Mutter, ganz nach ihrem Gutdünken zu handeln," unterbrach er sie gelassen; „kann er denn besser seiner Kindespflicht Nachkommen?" „Hast Du denn gar keinen Stolz, gar kein Ehrgefühl mehr?" fuhr sie giftig fort. „Der letzte Nachkomme eines der ältesten Adelsgeschlechter des heiligen 'Rußlands, macht sich auch noch in eigener Person zum Packesel für umhertreibendes Gesindel, als hätte er keinen einzigen Knecht auf dem Gute-wenn schon das Unerhörte durchaus geschehen

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