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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-10-21 · Heft 42 (21.10.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 42 (21.10.1910)
Date
1910-10-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Kenntnisse und humanen Wirkens allseitig beliebt: /Sein reges geistiges Interesse, das sich-auf alle Zweige von.Kunst und Wissenschaft erstreckte, und sein 'liebenswürdiges Wesen scharte einen auserlesenen Freundeskreis mm-ihn, der sich aus angesehenen Künstlern, Literaten und Männern der Wissenschaft zusammensetzte. Die Beerdigung, die heute mittag stattsand, legte' von der allseitigen Verehrung, deren sich der Verstorbene erfreute, beredtes Zeugnis ab. An der Bahre sprach in ergreifender Weise Rabbiner Dr. Blumenthal, ein Landsmann und Freund des Verblichenen, D.r. Carl Busse, der seinen tief empfundenen Nachruf mit einem seelenvollen, unter dem Eindruck der Trauerbotschaft verfaßten Gedicht abschloß, und Dr. C. Pinn, der die rein menschlichen Eigenschaften des Verstorbenen hauptsächlich von dem Gesichtspunkte aus würdigte, daß es ihm gelungen sei, einen Freundeskreis um sich, zu scharen, der sich nicht bloß aus Männern der verschiedensten Berufsstände, sondern, was in heutiger Zeit noch bemerkenswerter ist, verschiedener Nationalitäten und Konfessionen zusammensetzte. Christen und Juden, Polen und Deutsche verkehrten gleich intim mit ihm. Ehre dem Andenken des ausgezeichneten Menschen! — Berlin, 17. Oktober. Seitens der hiesigen jüdischen Gemeinde werden Kurse unterhalten, durch welche Seminaristinnen Gelegenheit geboten ist, sich auch in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichts und in der Methodik dieser Disziplin auszubilden. Die Kurse dauern drei Jahre. Am Ende der Ausbildungszeit findet, eine Abschlußprüfung statt, über deren Ergebnis ein Zeugnis ausgestellt wird. Die Teilnahme ist unentgeltlich und auch geprüften Lehrerinnen gestattet. Für die Teilnehmerinnen an den Kursen stehen aus dem Julius Bleichröderschen Legat einige Stipendien zur Verfügung. Meldungen nimmt der Leiter der Kurse, Herr Rektor Dr. Gutmann, Kaiserstraße 29/30 entgegen, der auch zu jeder weiteren Auskunft bereit ist. -^.Berlin, 17. Oktober,, Die Einweihnng des israelitischen Kindergartens und Kinderhortes in der Gipsstraße 3 fand gestern vormittag statt. Die Weiherede, hielt Rabbiner Dr. Blum enthal. Nach Schluß der Feier übernahm Regierungsbaumeister Boniakowski die Führung durch die neuerbaüten Räume, die praktisch und modern eingerichtet sind. Als Neuerung sind die beiden Dachgärten zu bezeichnen.. . V7. Posen, 11. Oktober. Gestern Abend fand in der Israelitischen Waisenmädchen-Erziehungsanstalt eine Seelen' Gedenkfeier für Wohltäter der Anstalt statt. Eingeleitet wurde diese Feier durch ein Präludium vom Chordirigenten Herrn Seeligmann Hieran schloß sich die Vesperandacht. Ein Damenchor intonierte dann Psalm 103,15—17. Der Mensch, einem Grashalm gleichen seine Tage, wie die Blume des Feldes, so blühet er. Dann folgte das Gebet eines Waisenmädchens. Nachdem gedachte Herr Manasse Werner der Heimgegangenen Wohltäter des Waisenhauses. In dem Vortrage wurde die im Jattuar verstorbene Leiterin der Anstalt Fräulein Fuchs und der Tod des Gemeindevorstehers Samuel Schön" lank erwähnte Die Leistungen beider wurden rühmend hervorgehoben. Ein Sologesang vom Herrn Oberkantor Leilowitz verschönerte die Feier. Derselbe sprach dann das Gebet für die Dahingeschiedenen. Herr Oberkantor Oswald schloß, mit dem Gebete Olenu und Kaddisch; ein Terzett von Damen machte auf die andächtigen Zuhörer einen tiefen Eindruck. Mit einem Schlußgesang wurde die Gedächtnisfeier, welche eine Stunde lang währte, beendet. An der Feier nahmen über 200 Mitglieder teil. — Vorgestern wurde der Todestag des Hauptmanns Julius Stern in der Israelitischen Waisenknaben-Anstalt, Hierselbst, in ernster Weise begangen. Die Angehörigen waren hierzu eingeladen worden. Nach Beendigung der Abendandacht in der Anstaltssynagoge verrichtete Herr Inspektor Uhlfelder das Gebet für den Heimgegangenen, und ein Waisenknabe sprach das Kaddischgebet. Von den Zöglingen wurde ^6aun-^u1om gesungen. — Schneidemühl, 11. Oktober. In der hier statlgehabten Stadtverordnetensitzung wurde Herr Stadtrat Samuelsohn zum Kreistagsabgeordneten gewählt. ' M. Hamburg, 15. Oktober. Der „Verein ehemaliger Schülerinnen der Israelitischen höheren Töchterschule" hatte eine Versammlung nach dem Logenheim, Hartungstraße einberufen betreffs Stellungnahme zur Gründuüg einer Warteschule für „ arme jüdische Kinder,,- Die Referentin Fräulein Mathilde Bing weist in einem längeren Referat auf die Notwendigkeit einer solchen Institution in/^der Hamburger Gemeinde hin. Ihre eigenen Be- . obachtungen und die der.•übrigen Vereinsmitglieder, die durch ihre Tätigkeit in der Iugendgruppe des Israelitisch-humanitären Frauenvereins - mitten in der sozialen Hilfsarbeit stehen, haben sich von der Not und dem Elend in vielen jüdischen Hausständen überzeugt. Nicht nur der Vater, sondern auch die Mutter müssen für den Lebensunterhalt Sorge tragen/ und die Kleinen sind sich während vieler Tagesstunden selbst überlassen. Die Vortragende, die mit jugendlicher Begeisterung für das Projekt eintritt, erörtert dann noch näher die Einzelheiten des Planes und betont, daß bereits ein Fonds für das Unternehmen vorhanden sei. Sie schließt ihre mit Beifall aufgenommenen Ausführungen mit dem Ersuchen an die Anwesenden, den Verein in feinen Bestrebungen, das soziale Elend so vieler jüdischer Kinder zu lindern, nach Kräften zu unterstützen.' In der Debatte gibt Herr Gemeindevorsteher M. Beith die Erklärung ab, daß der vor vielen Jahrzehnten verstorbene Philanthrop Isaak Hartwig bei der Gemeinde ein kleines Kapital drponiert habe, d äs zur Errichtung einer Wartefchule dienen soll. Im Lause der Jahre ist dieses Kapital wesentlich angewächsen und wird auch der Gemeindevorstand diesem von der Referentin geplanten Institut näher treten. Herr Pardo spricht sich gegen die Errichtung einer Warteschule in der Gemeinde aus, er wies auf die Schwierigkeiten hin, auch erzeugt eine solche Institution nicht nur Vorteile sondern auch mannigfache Nachteile. Die Vorsitzende des Huinani, tären Frauenvereins Fräulein Sidonie Werner erklärt, daß ihr Verein dem Plan wohlwollend gegenüberstehe, denn bei der Zunahme des sozialen Elends sei die Errichtung einer Wartefchule eine segensvolle Institution, in gemeinsamer Arbeit dürften die Schwierigkeiten wohl überwunden werden. Die Versammlung beschließt, sich mit dem Gemeindevorstand in Verbindung zu setzen, damit in absehbarer Zeit die Errichtung der neuen Wartefchule für jüdische Kinder in die Wege geleitet werde. — Ems, 14. Oktober. Das Israelitische Zentral-Waisen- und Mä dchenheim versendet soeben seinen 13. Jahresbericht für hie Zeit vom 1/April 1909 bis 31. März 1910. Das Berichtsjahr wurde mit 30 Zöglingen' beschlossen, von denen 2 aus Elsaß-Lothringen, 3 aus der Rheinprovinz, 8 aus Hessen-Nassau, 4 aus Bayern, 1 ans Baden, 3 aus dem Großhezogtum Hessen beheimatet waren, 4 Zöglinge wurden im Laufe des Jahres entlassen. Die Jahresbeiträge, Spenden, Stiftungen usw. betrugen 13622.57 Mark, unter den Ausgaben figurieren an Beköstigung .6122.99 Mark, an Bekleidung 2023.88 Mark. Gehälter und Löhne 2775.35 Mark. Die Verwaltung wünscht eine Erweiterung des Kreises der Spender und Freunds damit der längst geplante Neubau bald begonnen und ein zeitgemäßes Anstaltsgebäude errichtet werden kann. ---Augsvnrg, 14. Oktober. Die-feierliche Amtseinführung des neuen Distriktsrabbiners Herrn Dr. Grünfeld erfolgte im Sitzungssaal des israelitischen Gemeindehauses. Als magistratischer Vereidigungskommissar war Rechtsrat Dr. Maurer, als Vertreter des Magistrats die Herren Kommerzienrat Diesel und Duböis zpgegen. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeittde,' Justizrat Bauer, begrüßte die Versammelten, dankte dem-Magistrat für die Entsendung einer Deputation, gedachte in pietätvollen Worten des verstorbenen Distriktsrabbiners Dr. Groß und führte dessen Nachfolger in sein Amt ein, wobei er namens der israelitischen Kultusgemeinde den Wunsch aussprach, daß der Jnstallant das in Augsburg unter den Konfessionen herrschende friedliche und harmonische Verhältnis bestmöglich wahren und pflegen und die seiner Obhut anvertraute Jugend nicht nur in den Lehren ihrer Religion erziehen,, sondern sie auch zu tüchtigen und treuen Gemeinde- und Staatsbürgern heranbilden möge. Rechtsrat Dr. Maurer nahm dann die gesetzlich vorgeschriebene Vereidigung des Jnstallanten vor und knüpfte daran einige warmempfundene Worte, indem er betonte, daß auch unter dem Vorgänger des Vereidigten Eintracht unter den Konfessionen herrschte. Er versicherte den Vereidigten des Wohlwollens der Behörden und der Unterstützung seitens des Magistrats. Der neue Rabbiner Dr. Grün selb hielt nur eine kurze Ansprache, hervorhebend, daß er alles ausbieten werde, um das in ihn gesetzte

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