Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1910)
- Date
- 1910-10-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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MUMMWUWWMW 74. Jahrgang. Nir. 42 Berlin, 21. Oktober 1910 Wrilsge zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". SorrekponÄrnM und Mchrlchten. Deutschland. *** Berlin, 17. Oktober. Anläßlich des Jubiläums der Berliner Universität sind von unseren Glaubensgenossen die Herren James Simon, Vorsitzender des Hilfsvereins der deutschen Juden, und Geheimrat Dr. Emil Rathenau zu Ehrendoktoren der philosophischen - Fakultät-ernannt worden. Aus den Diplomen dieser Ehrendoktoren sei hier folgendes mitgeteilt: In James Simon begrüßt die philosophische Fakultät einen Förderer aller Kultur. Er habe die Schätze der alten Welt wieder neueren Kunst sowohl öffentlich wie Prinatim, ebenso feinsinning wie klug und insbesondere mit großzügiger Hochherzigkeit vermehrt und allen humanitären und sozialen Bestrebungen mit wahrhaft königlichem Aufwands gedient. Emil Rathenau nennt sie quasi den Prometheus und Luzifer Berlins. Seine Verdienste um die Physik und die Wissenschaft seien in aller Munde, er sei um das ganze Vaterland, hochverdient. Sie gedenkt dann speziell noch seiner Verdienste um die Flugtechnik und nennt ihn den Merkur der Gegenwart. — Nicht minder dürfte folgende Mitteilung unsere Leser interessieren: Wie gerüchtweise verlautet, steht, die Berufung des Geheimen Kommerzienrats Arnhold als Mitglied des Herrenhauses bevor. 8. Berlin, 17. Oktober. Im Krankenhause der jüdischen Gemeinde ist nunmehr auch ein Röntgen-Institut errichtet worden, welches der Leitung des Herrn Professor Dr. Strauß unter Beigabe eines Assistenten und einer Assistentin unterstellt worden ist. — Am 6. d. M. ist der jüngst gewählte Verwaltungsdirektor des Krankenhauses, der frühere Badische Finanzamtmann Herr Dr. Blum, durch den Vorsitzenden Herrn Louis Sachs in Anwesenbeit der übrigen Mitglieder des Krankenhausvorstandes, der Aerzte und Beamten der Anstalt in sein Amt eingeführt worden. DerGemeindevörstand war hierbei durch den Vorsitzenden Herrn Julius Jacoby vertreten, welcher den Neugewählten namens der Gemeindeverwaltung in einer Ansprache begrüßte. — Die Armenverwaltung der hiesigen jüdischen Gemeinde ist an den Verein für jüdische Kranken- Pflegerinnen .mit dem Ersuchen herangetreten, ihr zunächst zwei seiner Schwestern als Gemeindeschwestern für die Armenkrankenpflege zur Verfügung zu stellen. Diesem Wunsche soll, wie uns berichtet wird, seitens des Vereins entsprochen werden, da sich die Notwendigkeit einer derartigen Einrichtung herausgestellt hat. *** Berlin, 17. Oktober. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur (E. V.) versendet soeben das Verzeichnis der Vorträge für das Winterhalbjahr 1910/11: Donnerstag, den 27. Oktober 1910, Professor Dr Ludwig Stein, Berlin: Monismus und Judentum. Montag, den 21 November 1910, Professor Dr. E. Mittwoch, Berlin: Koran und Bibel. Dienstag, den 6. Dezember 1910, Donnerstag, den 15. Dezember 1910, Dienstag, den 20. Dezember 1910, Rabbiner Dr. Lucas, Glogau: Die Juden in Spanien I-HI. Donnerstag, den 12. Januar 1911, Dr. Jsmar Freund, Berlin: Aus den .Freiheitskämpfen der preußischen Juden. Donnerstag, den 26. Januar 1911: Populär-wissenschaftlicher Unterhaltungsabend. Schriftsteller V. Klemperer, Oranienburg: Karl Emil. Franzos. Dienstag, den 14. Februar 1911, Professor Dr. Ä. Philippson, Halle: Das türkische Reich und die Juden. Donnerstag, den 2. März 1911, Chefredakteur Dr^ J. Landau, Berlin: Die Bibel in der modernen Kultur. Dienstag, den 14. März 1911: Populärwissenschaftlicher Unterhaltungsabend. Dr. L. Hirschberg, Berlin: Die Kriegshelden der Bibel in der Musik. Mit Erläuterungen am Klavier und durch Gesang. Die Vorträge finden sämtlich im Oberlichtsaal der Philharmonie statt und beginnen pünktlich um L^Uhr. — Berlin, 14. Oktober. Am 9. d. M. fand im Sitzungssaals der jüdischen Gemeinde die Generalversammlung des „Esra", Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien statt, bei. der etwa 1200 Mitglieder des Vereins durch 48 Delegierte vertreten waren. Der Vorsitzende, Herr Moritz Dorn, eröffnet die Versammlung und teilt mit, daß der Verein „Esra" im Berichtsjahr den ersten Schritt zur Lösung der jüdischen Landarbeiterfrage gemacht hat. Redner verweist auf die bereits im Frühjahre zur Versendung gelangte Festschrift des Vereins und führt aus, daß die klimatischen Verhältnisse Palästinas die jüdischen Kolonisten zwingen, stets eine größere Anzahl Arbeiter zu beschäftigen. Dieselben mußten bisher aus den umgebenden arabischen Dörfern entnommen werden, da jüdische Arbeiter aus Mangel an Wohnungen auf dem flachen Lande nicht zu haben sind. Der Verein„Esra" will nun in den bereits bestehenden Kolonien billige Wohnungen für Arbeiter bauen, und so den Kolonisten ermöglichen, statt arabische Arbeiter ihre eigenen Glaubensbrüder zu beschäftigen. Selbstredend müssen auch die betreffenden Arbeiter mit etwas Land versehen sein, damit sie zu ihrem Arbeitslohn, der zum Unterhalt einer Familie vielfach nicht ausreicht, durch eigene Arbeit in den Mußestunden etwas zu verdienen können. Ein vom Verein „Esra" im Berichtsjahre gemachter Versuch mit zwölf jüdischen Arbeitern hat ergeben, daß die Ansiedlung eines jüdischen Halbbauers lmit Haus, Stall und zwölf Morgen Land) sich in Palästina mit etwa 1800 Mark bewerkstelligen läßt. Aus diesem Wege läßt sich die Kolonisation sehr wesentlich verbilligen. Während die ersten Kolonisten den Baron Rothschild 50 bis 60000 Mark pro Familie kosteten, während noch zehn Jahre später bei der Gründung der Kolonie Kastinje die Installation eines jüdischen Bauern immer noch auf zirka 20 000 Francs kamen, hat der Verein „Esra eine solche Installation in Rechowoth (Kolonie „Esra") schon mit 4800 Mark bewerkstelligen können. Nunmehr soll die Seßhastmachung eines Juden in Palästina als Landwirt noch weiter wesentlich verbilligt werden. Redner fordert die Anwesenden auf, nach Kräften die Interessen des Vereins „Esra" zu fördern, und das ihrige beizutragen, daß das große Ziel der Seßhastmachung einer großen Anzahl jüdischer Arbeiter in den bereits bestehenden Kolonien binnen wenigen Jahren erreicht wird. In der darauf folgenden Diskussion wurde von zionistischer Seite dem Verein „Esra" Mangel an Initiative vorgeworfen und auf die großen Fortschritte der anderen Vereine (Alliance und Hilfsverein) hingewiesen. Selbst die zionistische Organisation hat in Deutschland im Berichtsjahre 100 000 Mark eingenomMn, während der Verein „Esra" seit zehn Jahren und länger sich: mit einer Einnahme von 15 000 Mark jährlich zufrieden gibt. Dem gegenüber wurde von anderer Seite hervorgehoben, daß gerade die Zionisten es sind, welche den Fortschritten des Vereins „Esra" überall im Wege stehen. Im übrigen will der Verein „Esra" in den nächsten Jahren eine lebhafte Agitation entfalten, da er zum Bau von Arbeiterhäusern größerer Mittel bedarf. Es folgt der Bericht der Revisionskommission. Die Einnahmen beliefen sich im Vorjahre auf 15 931 Mark. Das Vermögen des Vereins „Esra" betrug am 28. Juli 1910 19 305 Mark in bar, und 52 000 Mark in Effekten; zuzüglich 4653 Mark Guthaben bei der Anglo Politain Comp, in Jaffa, belief sich das Vereinsvermögen auf zirka 76 000 Mark, von dem allerdings 19 000 Mark zum Bau von 12 Arbeiterhäusern abzuziehen wären. Bei den darauf vorgenommenen Ergänzungswahlen zum Zentralkomitee wurde der Vorsitzende Herr Moritz Dorn, sowie die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder, die Herren Rabbiner Dr. Esche!bacher, Dr. Hirsch Hildesheimer, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Landau und Professor Dr. Moritz Sobernheim einstimmig wiedergewählt. Außerdem wird das Zentralkomitee von der Generalversammlung ersucht. Herrn Dr. H. G. Heyman zN kooptieren. 6p. Berlin, 17. Oktober. Am Versöhnüngstage verschied , in Charlottenburg nach längerem Leiden im Alter von 38 Jahren der Zahnarzt S a l l y Seligsoh n. Der Verstorbene, aus Samotschin (Provinz Posen) stammend, einer in der Reichshauptstadt weitverzweigten,, höchangesehenen Familie angehörig, war wegen seiner