Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1910)
- Date
- 1910-10-21
- Page
- Seite 495 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228907-3228950--66910-3279072- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Geburtsjahr 1799 sei. Er stützt sich dabei auf eine Angabe, die I. P. Lyser, ein gelegentlicher Bekannter des Dichters, im Jahre 1845 gemacht hat.. Aber eine derartige Angabe verfängt absolut nicht, denn Heine hat an den verschiedensten Stellen so abweichende Mitteilungen gemacht, daß sie nicht imstande sind,, das feststehende Jahr 1797 zu erschüttern. Noch unglaublicher ist des Verfassers Meinung, Heines Mutter sei bei der Geburt des Sohnes Katholikin gewesen, und der Sohn sei in dem Geburtsregister des Kirchenbuchs einer katholischen Kirche eingetragen worden. Das sind törichte Hirngespinste, bei denen man sich fragen muß, ob der Verfasser sich nicht einen bloßen Scherz mit seinen Lesern gemacht hat. Nabbiner Dr. Walk Mskinwkig ist am 20. Oktober 1850 in Turdossin (Ungarn) geboren. Er besuchte die jüdische Volksschule seines Geburtsortes, dann das Gymnasium in Budapest und kam nach Absolvierung desselben nach Berlin, wo er sich an derUniversität dem philosophischen Studium widmete und zugleich einer der ersten Hörer der damals begründeten „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" wurde (1872 bis 1875). Als erster Schüler dieser Anstalt, an der damals Cassel, Geiger, Lewy und Steinthal lehrten, ging er auch in die praktische Tätigkeit über, als er 1875 als Rabbiner nach Pasewalk berufen wurde. Später wirkte er in Birnbaum und Teplitz, seit 1887 in Berlin. Trotz seiner umfangreichen und angestrengten amtlichen Tätigkeit als Rabbiner und Prediger benutzte Dr. Adolf Rosenzweig die ihm gegönnte Muße zu schriftstellerischer Arbeit aus verschiedenen Gebieten der jüdischen Wissenschaft. Geschichtliche Studien hat er niedergelegt in seinen Abhandlungen: „Ueber das Jahrhundert nach dem babylonischen Exil" (Berlin 1885), „Der politische und religiöse Charakter des Flavins Josephus" (Berlin 1889) und „Jerusalem imb Caesarea" (Berlin 1890). Als besonders wertvolle Beiträge zur Kulturgeschichte des Altertums sind die zum Teil in früheren Jahrgängen unserer „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienenen Arbeiten: „Das Auge in Bibel und Talmud" (1892), „Geselligkeit und Geselligkeitsfreuden in Bibel und Talmud" (1895) und „Kleidung und Schmuck im biblischen und talmudischen Schrifttum" (1905) zu erwähnen. Erst auf Grund solch eingehender Arbeiten, wie sie Dr. Adolf Rosenzweig in den erwähnten Abhandlungen geliefert hat, konnte an die Abfassung einer talmudischen Archäologie gedacht werden, wie sie Professor S. Krauß-Wien beabsichtigt und zum Teil bereits fertiggestellt hat. Bon sonstigen Veröffentlichungen nennen wir: „Zur Einleitung in die Bücher Esra und Nehemia" (Dissertation 1875), Zum 100. Geburtstag des „Nathan der Weise" (1878), Dr. Adolf Aoseuzweig Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin. Morpurgo sie sei: „ 86UtiM6NlL Hedecca." „Künstler pnd Jugendbildner". Eine pädagogische Parallele (1886), „Schiller im Ghetto" (zum 106. Todestag Schillers, auch in der, „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienen 1905), schließlich eine von echtem Humor erfüllte Schilderung „Aus den Kinderjahren der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" in der Festnummer., von Ost und West, November 1907. Auch einzelne Predigten und Reden bei. besonderen Anlässen sind von Dr. Rosenzweig veröffentlicht worden. Rosenzweig hat es verstanden, sich durch sein mildes, allen Parteiungen fernes Wesen in weiten Kreisen Sympathien zu erwerben. Als ein wirklicher Vater der Armen, als treuer Seelsorger ist er unermüdlich tätig. .Eine große Familie verehrt ihn als würdiges und geliebtes Oberhaupt. In frischer Kraft übt er eine weitverbreitete Tätigkeit aus. Möge ein heiterer Lebensabend ihm und seinem Wirken beschieden sein! (Sä. Äaoour und dir Juden. Ueber dies Thema schreibt, unserem römischen Korrespondenten zufolge, Ermanno Lövinsohn in der „Nuova Antologia" soeben einen interessanten Aufsatz. Cavour war im Gegensatz zu den meisten Angehörigen . des piemontesischen Adels von Hause aus Mit den englisch-französischen Freiheitsideen durchtränkt, die ihn sein ganzes Leben hindurch begleiteten. Schon ehe er eine politische Rolle spielte, hatte er ein Faible für die damals noch verfolgten Israeliten, und dies Faible drückte sich zunächst in einem lebhaften Kult für . . . die schönen Jüdinnen aus. Von einer Signora aus Triest schrieb der damals 26 jährige Graf, ,une juive charmante d’un esprit cültive, ayant les les plus nobles et les plus Cleves. Je la prefere a Cavours Verdienst war es zum großen Teil, wenn durch königliches Dekret im Jahre 1848 die in der Verfassung vergessene Emanzipation der Waldenser auch auf die Israeliten ausgedehnt wurde. In der Folge bediente sich der große Staatsmann einer ganzen Anzahl jüdischer Gehilfen zu seinem gewaltigen Werke. Zunächst des brillanten Journalisten Di na (eines bedeutenden Kenners der israelitischen Literatur und Talmudforschers), der in der offiziösen „Opinione" die politischen Gedanke^ seines Chefs vertrat. Dann des klugen und gelehrten Jsak Artom, der ihm als Generaldirektor der Auswärtigen Angelegenheiten bis zu seinem Lebensende treu lich zur Seite stand. Ehe übrigens Cavour den jungen Artom zu seinem Vertrauten machte, prüfte er dessen Sprachkenntttisse, wobei der Examinand im „Mündlichen" einen Artikel..der damal.s sehr antiitalienischen „Kreu z-Zeitun g" ins Italienische übertragen mußte. Der Graf wußte sich, sogar die in jenen Tagen überaus wichtige „Kreuz-Zeitung" insofern die nstba zu machen, als er ihr wiederholt, aus indirektem Wege, —