Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1910)
- Date
- 1910-10-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Gottesdienstes verbreitet wurden. ,,Von-den zwei Psalmen, die am Freitagabendgottesdienst in der Fasanengasse-Shnagoge gesprochen werden, solle einer in deutscher Sprache vorgetragen werden. Das sei alles. Was habe man daraus nicht aus gegnerischer Seite gemacht! Er erinnert dagegen daran, was unter dem liberalen Regime für den Gottesdienst alles geschehen sei.. Der Bau-zwei neuer Synagogen würde zur Zeit in Angriff zu nehmen sein, die Zahl der festgottesdienstlichen Veranstaltung sei auf 18, die der . Jugendgottesdienste auf -15 gestiegen, die Barmizwo -Feier würdig ausgestaltet, -jedoch den Synagogen ohne Orgel die Freiheit anderweitiger Ordnung überlassen. Auch dieser Referent schloß mit warmem Appell, für die Liberale Vereinigung bei den Wahlen einzutreten und erntete lebhaftesten, langanhaltenden Beifall. Den- Vorträgen folgte eine lange Diskussion, die sich bis über Mitternacht hinzog und eigentlich ziemlich ergebnislos blieb. Einen scharfen Ton in die Debatte, an der sich von gegnerischer Seite nur drei Zionisten, beteiligten, brachten die Herren Rechtsanwalt Dr. Klee und Dr. Gronemann hinein, die mit bemerkenswerter Energie, aber in dieser Versammlung ohne ersichtliche Wirkung ihren Standpunkt vertraten. Die wiederholten stürmischen Unterbrechungen erfolgten in der Hauptsache bei den Reden dieser Herren, während die Herren Salomonsky, Stadtrat Giemkiewitsch, Oberlehrer Geb alle, Zahnarzt Lipschitz und besonders eindrucksvoll die beiden Herren Referenten im Schlußwort unter dem Beifall der übergroßen Majoritätdie Angriffe zurückwiesen. Die Versammlung bedeutet zweifellos einen vollen Erfolg des Liberalen Vereins und seiner Bestrebungen. * V Berlin, 11. Oktober. Wir erhalten nachstehenden Ausruf mit der Bitte um Veröffentlichung: . „In den Tagen der. Feste wird das Zusammengehörigkeitsgefühl unter uns Inden neu belebt und gestärkt, so daß unsere Empfindungen sich in gesteigertem Maße den Bedrängten und Bedrückten zuwenden, die von Haus und Hof vertrieben, eine neue Heimat zu suchen gezwungen sind. Schwerer denn je lastet die Not auf unseren Glaubensbrüdern in Rußland und Galizien. Tausende werden durch, das in ihrer Heimat herrschende Elend gezwungen, für sich und ihre' Familien eine neue Wohnstätte zu suchen. Da war es ein Gebot der Nächstenliebe, 'diesen Aermsten der Armen, die Berlin auf ihrem Wege passieren, eine Heimstätte zu schaffen, wo sie ausruhen von den Strapazen der Reise und sich stärken für den Weg in eine unbestimmte Zukunft. So wurde im Oktober 1909 hier, Auguststraße 20, die Herberge des jüdischen Volksvereins begründet — mit geringen Mitteln, aber getragen von dem Bewußtsein, daß es eine dringende Notwendigkeit'sei, diese Durchreisenden davor zu behüten, die Nächte auf den Bahnhöfen zu verbringen oder auf der Straße sich herumzutreiben, Frauen und Mädchen zu beschützen, daß sie. nicht durch die Not der Stunde dem Laster in die Arme fallen. Im ersten Jahre seines Bestehens hat die Herberge des jüdischen Volksvereins über 1500 Personen ausgenommen und über 5000 Verpflegungstage diesen Flüchtlingen und Verlassenen gewährt. Die von dem jüdischen Volksverein organisierte Bahnhofswache — deren Mitgliedern von der königlichen Eisenbahnbehörde in entgegenkommendster Weise der Zutritt zu den Perrons gestattet wird — hat die Ankommenden mit Rat und Tat unterstützt und einen großen Teil der Bedürftigsten, die bisher vielfach in den Kaschemmen ausgebeutet wurden, in die Herberge des jüdischen Volksvereins geleitet. Allein, unsere Räume reichen nicht' aus — nur eiri.em kleinen Bruchteil der Durchreisenden konnte bisher die Herberge ein Obdach gewähren. So war der Vorstand gezwungen — wollten wir nicht wieder und immer wieder Hunderte — Männer, Frauen und Kinder — abweisen lassen, für die Möglichkeit -weiterer 'Unterkunft Sorge zu tragen. Durch das warme Interesse, welches von seiten des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, bet: Alliance. Isra61ite Universelle, des Hilfsvereins der Deutschen Juden und der Großloge für Deutschland unserer Arbeit entgegengebracht wird, ist es uns ermöglicht worden, am 1. Oktober dieses Jahres durch Hin zunahme einer zweiten Etage 20 neue Betten einzurichten, so daß wir für die Folgezeit die doppelte Anzahl von Durchreisenden und Bedürftigen ausnehmen können. Aber zu diesem Werke gehören größere Mittel als die, welche uns zur Verfügung stehen. Und deshalb ergeht an alle Glaubensbrüder-und -Schwestern unsere Bitte: „Helfet uns bei unserem Werke der Barmherzigkeit, den Armen, den Vertriebenen zu dienen, jeder, auch der kleinste Betrag einer einmaligen oder jährlichen Zuwendung gewährt einem Armen ein Nachtlager. Zuschriften sind zu-richten an unseren Rendanten: Hermann Aron, Schillerstraße 1-5/16. Der Vorstand des jüdischen Volksvereins, Auguststraße 20. ----- Berlin, 11. Oktober. Zur Ausschließung der Juden vom Reserveosfizierstande und ihrer sonstigen Zurücksetzung in der Armee will der Verband der deutschen Juden mit Rücksicht aus die unbefriedigende Antwort des preußischen Kriegsministers auf die zu Anfang des Jahres an ihn gerichtete Eingabe und auf seine Aeußerungen in der Reichstagsdebatte, die im Gegensatz zu den vorjährigen des Herrn v. Einem die militärischen Vorgesetzten in ihrer Zurücksetzung der jüdischen Einjährigen zu bestärken geeignet sind, im Laufe des Winters in einer Reihe öffentlicher Versammlungen Stellung nehmen. Die erste Versammlung soll in Berlin im großen Saal der Philharmonie am Sonntag, den 13. November, stattfinden. Die Versammlungen wird der Verband in Gemeinschaft mit dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufen. Als erste folgt der in Berlin veranstalteten eine Versammlung in Breslau am 24. November im dortigen Saal der Gesellschaft der Freunde. Weitere sind vorläufig für Frankfurt a. M. und für Köln geplant. An den Versammlungen werden auch bekannte,' nicht jüdische Parlamentarier als Redner teilnehmen. — Berlin, 11. Oktober. .Der Verein für Arbeitsnachweis (Monbijouplatz 10, Telephon Amt III, 2589, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B. im Jahre 1898) schreibt uns: Die Zahl der im Berichtsmonat September zur Kenntnis des Vereins gekommenden Vakanzen läßt mit Notwendigkeit darauf schließen, daß der Arbeitsmarkt und damit die wirtschaftliche Lage des gesamten Berliner Handels sich in entschieden aufsteigender Linie bewegt. Dieser erfreulichen Tatsache gegenüber muß auf der andern Seite festgestellt werden, daß auch die Arbeitslosigkeit nach wie vor eine sehr große ist. und daß insbesondere arbeitslose Fremde vor dem Zuzug nach der Reichshauptstadt gewarnt werden müssen. Von 374 Bewerbern, die im Laufe des Monats die Dienste des Vereins in Anspruch nahmen, sind 346 in die geeigneten, zum größeren Teil dauernde Positionen untergebracht worden. Es sind im einzelnen 95 Kaufleuten, 97 Handlungsgehilfinnen und 154 gewerblichen Arbeitern durch die für alle Teile unentgeltliche Vermittlung unseres Instituts die passenden Stellen nachgewiesen worden. Nach wie vor bittet der Verein um Unterstützung der Herren Arbeitgeber durch telephonische oder schriftliche Anmeldung aller in dem Geschäft vorkommenden Vakanzen, da er nur so seinen hohen sozialen Zwecken in vollem Maße gerecht werden kann. F. Thorm, 10. Oktober. Am Rüsttage des Neujahrsfestes fand anläßlich einer gründlichen Renovierung die Einweihung der hiesigen Synagoge statt. Die Feier wurde durch einen vom Sängerchor vorgetragenen Mah Tauwu eingeleitet. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenberg die Festrede, und nach Absingen des weihevollen deutschen Liedes: „Die Himmel rühmen" schloß sich das Abendgebet an. Die Jnnenräume der Synagoge machen jetzt durch die geschaffenen künstlerischen Malereien und die elektrische Beleuchtung einen erhebenden Eindruck. Ferner wurde am Sonntag, den 9 d.M., abends, die im Gemeindehause neugeschaffene Wochentagssynagoge ebenfalls eingeweiht. Die Weihe begann mit einem Minchagebet und endete mit einer Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Rosenberg. W. Ostrotvo, 7. Oktober. Nach langem schweren Leiden verschied am vergangenen Sonnabend der Königliche Oekonomierat, Stadtältester und Vorsitzender des israelitischen Krankenverpflegungsverein David Goldstein im 79. Lebensjahre. Unter großer Teilnahme fand die Beerdigung am 3. d. M. statt. Neben seiner beruflichen Arbeit hat der Verewigte sich einer umfangreichen ehrenamtlichen Tätigkeit gewidmet. Als'Mitglied des Kreis ausschusseS des Magistrats» kollegiums und des Vorstandes der Religionsgemeinde sowie als Leiter der verschiedensten Vereine entfaltete er eine Wirksamkeit, die