Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1910)
- Date
- 1910-10-14
- Page
- Seite 491 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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der sechs genealogischen Beilagen. Die Beilagen 8 und C weisen den Zusammenhang derselben Frauen "mit der Familie Gomperz nach, deren von D. Kaufmann und M. Freudenthal bearbeitete Familiengeschichte in dieser Zeitschrift von ihrem jetzigen Herausgeber ausführlich besprochen wurde, während die Beilage E die Verwandtschaft» des Gatten einer Enkelin des erwähnten Benedikt Calomon Goldschmidt mit dem 1744 verstorbenen Asriel Bailin vor Augen führt, dessen Nichte von Brudersseite die Schwiegertochter der Glücket Hameln war. Diese genealogischen Feststellungen sind natürlich zunächst nur von Interesse für diejenigen, für welche die Herausgeberin die Uebersetzung überhaupt veranstaltet hat; sie beanspruchen aber insosern ein weiteres Interesse, als aus ihnen'erneut hervorgeht, mit wie wenig Mühe verhältnismäßig heute noch Familienzusammenhänge bis ins 16. Jahrhundert hinein dort noch urkundlich festgestellt werden können,, wo die Familientradition die Auffindung der Quellen erleichtert. Was von einer Uebersetzung der Memoiren der Glückel Hameln zu halten ist, hat David Kaufmann in dem Vorwort zu seiner Ausgabe (S. X) ausgesprochen. Er begründet dort die Herausgabe der Memoiren mit hebräischen Schriftzeichen, in der Gestalt, in der sie aus der Hand der Verfasserin hervorgegangen sind. „Mit der bloßen Umschrift, die überdies den Reif von den Früchten, die Farbe von den Schmetterlingsflügeln wegwischt, war es hier nicht getan. Die Sprache erscheint von Worten und Wendungen, Entlehnungen und Anspielungen aus dem hebräischen und rabbinischen Schrifttum durchsetzt, geht oft so unversehens und ungesucht aus der deutschen Rede in das Idiom der Bibel über, daß ein e Uebersetzung erforderlich wäre, durch die aber gerade das im Munde einer Frau so merkwürdige Gepräge, das Charakteristische dieses Stiles einfach aufgehoben würde." Dieses Urteil Kaufmanns über den Versuch einer Uebersetzung der Glückelschen Memoiren trifft auch aus die vorliegende Ausgabe zu, die aber auch gar nicht, wie die Uebersetzerin im Vorwort betont, an dem Maßstab strenger Wissenschaftlichkeit gemessen werden darf, da sie ja vornehmlich privaten Zwecken dient. Mit diesem Vorbehalt aber darf man zugeben, daß die Uebersetzung mit Sorgfalt hergestellt ist und von dem Reiz des Originals nicht allzuviel eingebüßt hat, wie ich dies durch Vergleichung mit dem Original an vielen Stellen festgestellt habe. An sich ist eine solche Uebersetzung sehr freudig zu begrüßen, da sie eins der wertvollsten Bücher, die wir besitzen, wieder der heutigen Generation nahe bringt. Das Werk selbst ist vornehm ausgestattet, auf gutem Papier gedruckt und von Druckfehlern fast völlig frei. -- In Beilage 8 ist als Todesjahr des Mordechai Gumpel, des Vaters des Elia Cleve Gompers, 1665 irrtümlich statt des Jahres 1664 angegeben (vgl. Kaufmann, Freudenthal, die-Famile Gompers, S. 13). Hebräische Sätze inmitten der Erzählung Glückels sind nicht immer Zitate und durften deshalb in der Uebersetzung nicht mit An- und Aussührungszeichen versehen werden, so z. B. S. 2: auf diesen Tag habe ich gewartet. — Anhangsweise sei noch auf die geringe Literatur hingewiesen, welchedie Glückelschen Memoiren zum Gegenstandehaben: D.Kaufmann, Die Memoiren der Glückel von Hameln, S. XIII ff. der Ausgabe und neuerdings in seinen Gesammelten Schriften, Bd.I, S. 174 ff.; L. Hcahe, Einiges aus den Memoiren der Glückel von Hameln, und A. Landau, Die Sprache der Memoiren Glückels von Hameln, Heft VII der Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde, herausgegeben von M. Grunwald, Hamburg 1901; D. Simonsen, Eine Konfrontation zwischen Glückel Hamelns Memoiren und den alten Hamburger Grabbüchern. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 49 (1905) S. 96 ff.'— Was bei Nahida Remy, Das jüdische Weib (1892) S. 151 über Glückel zu lesen ist, entstammt M. Kayserling, Die jüdischen Fraüen, S. 154; daß die Angaben Kayserlings vielfach irrig sind, hat schon D. Kaufmann im Vorwort zu seiner Ausgabe (S. VII f.) dargelegt. Dr. N. M. N ath a n. ■" * ' Mainzer, Dr. Moritz, Ueber Jagd, Fischfang und Bienenzucht bei den Juden in der tannäischen Zeit (S.-A. aus der Monatsschrift für Geschichte Und Wissenschaft des Judentums, Jahrg. 53, Heft 3 bis 10). Frankfurt a. M. 1910. 78 S. Die kleine Schrift stellt in vortrefflicher, methodisch geordneter Weise alles zusammen, was sich über die im Titel genannten Materien aus dem Schrifttum der tannäischen Zeit und der zu ihm in Beziehung stehenden Literatur gewinnen ließ. Sie geht stets von den entsprechenden Verhältnissen der biblischen Zeit aus, ein Verfahren,, das um so berechtigter ist, „als man annehmen darf, daß Gerät« schäften, die zur Jagd und Fischerei gehörten, sogar in einem Zeit» raum von tausend Jahren in Palästina einer Aenderung kaum unterworfen waren", und-zieht in weitestem Umfange die Privataltertümer anderer Völker, namentlich der Aegypter und Babylonier sowie der Griechen und Römer heran, um so durch Vergleiche die Darstellung einerseits zu beleben und anderseits Lücken in dem Material der jüdischen Quellen auszufüllen. Auch Reisebeschreibungen sind passend verwertet. —- Die Arbeit zerfällt, wie schon aus ihrem Titel ersichtlich, in drei Teile, schildert im ersten Teile die Bedeutung und Wertschätzung der Jagd sowie die Ausrüstung und die Werkzeuge des Jägers, im zweiten das Gewerbe und die Gerätschaften des Fischers und verbreitet sich zuletzt über die Bienenzucht und die Gewinnung und Verwendung des Honigs und des Wachses. Den Beschluß eines jeden Teiles bilden kurze Darstellungen der entsprechenden rechtlichen Verhältnisse, deren Verhältnis zum römischen Recht kurz beleuchtet ist. — Schade ist, daß der Verfasser seinen Auseinandersetzungen über die zahlreichen Werkzeuge und Geräte keine Zeichnungen (Rekonstruktionen) beigegeben hat; auch hätte er die eine oder andere Abbildung aus assyrischen oder, ägyptischen Quellen, auf die er Bezug nimmt, bringen können. Auch vermißt man ungern einen Index, der erklärten Wörter. Vielleicht findet der Verfasser Gelegenheit, in einer populären Darstellung wenigstens den ersten meiner beiden Wünsche zu erfüllen. E. R. Mcherrinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Abraham Geiger (1810—1874) Gedenkrede, gehalten am Passahfeste in der Synagoge zu Bochum vom Rabbiner Dr. David. Bochum 1910. Jewish Colonization Association. — Rapport de ^Administration Centrale au Conseil d’Administration Centrale au Conseil d’Administration pour l’amtee 1709 presente ä l’assembte gönörale du 25 juin 1910. Paris R. Veneziani 1910. Rabbiner Dr. Samuel Mühsams Predigten. In pietätvoller Erinnerung gesammelt und herausgegeben von seiner Witwe Marianne Mühsam. 1. Teil: Sabbatpredigten. 2. Teil: Festtagpredigten. 3. Teil: Gelegenheitspredigten. Leipzig, M. W. Kaufmann. 1909, 1910. Die große Sehnsucht. Jüdische Novellen von Luise Algenstaedt. 1910. Fr. Wilh. Grunow in Leipzig. Forty-second Annual Report of the Board of Drustees and Directors of the Jevvish Orphan Äsylum. Cleveland, Ohio. - July 1909—1910. Diskussion. Kultur-Parlament. Eine Monatsschrift für aktuelle Kulturfragen. Herausgeber: Hans Ostwald. Heft 4. Monismus. Diskussions-Verlag G. m. b. H. Berlin. ' Israelitisches Gebetbuch. Im Aufträge der Verwaltung der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. bearbeitet von Rabbiner Dr. C. Seligmanm 1. Teil: Sabbat, Festtag und Werktag. 2. Teil: Neujahrsfest und Versöhnungstag. Frankfurt a. M. 1910. Der Misnatraktat Berakhoth in vokalisiertem Text von Professor Dr. W. Staerk-Bonn. A. Marcus und E. Webers Verlag 1910 Preis 0.60 Mark. Kleine Texte für theologische und.philologische Vorlesungen und Uebungen, herausgegeben von Hans. Lietzmann Nr. 58. Altjüdische Liturgische Gebete, herausgegeben von Professor Dr. W. Staerk-Bonn. A. Marcus und C. Webers Verlag 1910. Preie 1.50 Mark. Die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg von 1803—1353 von Rabbiner Dr. A. Eckstein. Festschrift zur Einweihung der neuen Synagoge zu Bamberg nebfl einem Beitrag von Justizrat Dr. Jos, Werner und Diplomarchitekt Joh. Kronsuh-Bamberg.