Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1910)
- Date
- 1910-10-14
- Page
- Seite 484 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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englischen Königsfamilie überzeugt sein. Es gibt sogar ein ausführliches Werk über diese Theorie; es hat den Engländer Reades Harris zum Verfasser und führt den Titel: „The Jost tribes of Israel“ (Die verlorenen Stämme Israels). In diesem Buche wird daraus hingewiesen, daß eine Tochter des israelitischen Fürsten Zedekias, welche durch die Vorsehung dem Schutze des Propheten Jeremias anvertraut war, aus der babylonischen Gefangenschaft nach Irland entwichen sei. Hier wurde sie die Gemahlin des Königs. Die Geschichte zählt 54 irische Könige auf, und der Stamm dieser Könige geht zurück bis aus das Jahr 580 vor Christi Geburt. Ein direkter Nachkomme dieser irischen Königssamilie war Fergus Moore, der König von Argylshire, der um das Jahr 487 nach Christi Geburt regierte. Einer seiner direkten Nachkommen wurde dann der erste König von Schottland (834 nach Christus); er hieß Kenneth Mac Alpin. Dieser Schottenkönig nun war wie der Ahn Jakobs I. von England, der zugleich als der sechste'seines Namens über Schottland herrschte. Von ihm führt dann eine allerdings etwas verzweigte Seitenlinie zu dem verstorbenen Könige Edward VII. und zu dem regierenden König Georg. Auch die Herzogin von Teck, eine Tochter des Herzogs von Cambridge — die Mutter der regierenden Königin — glaubte fest an diese bis in ein graues Altertum zurückgehende Abstammung ihres Geschlechtes. Ihr Enkel, der gegenwärtige Prinz von Wales, erhielt auf ihren besonderen Wunsch den Vornamen David in Erinnerung an die Abstammung von dem israelitischen König David. Er wird auch bei diesem Namen, welcher sich übrigens auch unter den Vornamen des letztverstorbenen Königs Edward VII.-findet, in der Familie genannt. 4r* In Portugal ist eine Revolution ausgebrochen. Die Marine, die immer republikanisch gesinnt war, hat sich mit vielen Landtruppen, die gleichfalls der antiköniglichen Partei .zugehören, vereinigt und einen Sturm auf das Schloß unternommen. Der junge König Manuel, der durch seine - reaktionäre Gesinnung, seine Hinneigung zum Ultramontanismus und seinen, trotz seiner Jugend höchst leichtsinnigen und anstößigen Lebenswandel sich das Mißfallen seines Volkes , zügezogen hatte, ist geflohen. Die Republik ist ausgerusen und' wird hoffentlich dem vielgeprüften Lande, das tief von seiner ehemaligen großen Bedeutung gesunken ist, für einige Zeit Ruhe und Sicherheit verschaffen. Juden sind an diesem Umsturz der portugiesischen Staatsverfassung nicht beteiligt. Schon aus dem rein äußeren Grunde, weil sie nur einen ganz verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung bilden. In ganz Portugal gibt es unter den zirka fünf Millionen Einwohnern etwa 1200 jüdischen Glaubens. Nur in der Hauptstadt des Landes, in Lissabon, existiert eine jüdische Gemeinde, die vor wenigen Jahren nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten die Genehmigung zur Errichtung eines Gotteshauses erhielt, das dann erbaut und feierlich eingeweiht wurde. Zum Rabbiner der Lissaboner Gemeinde ist erst dieser Tage Herr Rudolf Loevy, ein Schüler des Rabbinerseminars in Florenz berufen worden. Nur ein kleiner Teil der 1200 .portugiesischen Juden gehört den Sephardim an, die Mehrzahl sind Aschkenasim. Bekanntlich hat es bis um die Mitte des. vorigen Jahrhunderts in Portugal überhaupt keine Juden gegeben, seit sie unter der Regierung Dom Manoels im Jahre 1497 aus dem Lande vertrieben waren. Dieses Ausweisungsdekret ist ebenso wie das berüchtigte Fernandos V. von Spanien aus dem Jahre 1492, durch welches am 2. August jenes Jahres 300 000 spanische Juden Heimat- und besitzlos auswandern mußten, formell bis heute noch nicht aufgehoben, wenngleich eine Deklaration der ehemaligen portugiesischen Regierung vorliegt, die jenen Ausweisungsbefehl als nicht mehr verbindlich bezeichnete. Das blühende geistige und wirtschaftliche Leben, das einst in Spanien wie Portugal in den Jahrhunderten vor der Austreibung herrschte, nahmen die Juden mit zu den gastlicheren Gestaden Hollands, Englands, Italiens der Türkei usw., die ihnen eine neue Heimstatt gewährten. Auch in Deutschland gibt es heute noch eine Gemeindederen Mitglieder Abkömmlinge jener portugiesischen Juden sind. Es ist das die portugiesisch-jüdische Gemeinde in Hamburg, deren zeitiger Vorsteher Herr Dr. Luria ist und deren.Mitgliederzahl zirka 300 beträgt. Die Vorherrschaft einer unduldsamen Geistlichkeit in Portugal hat bis in die neueste Zeit wenig günstig auf die Lage der kleinen Anzahl Juden in Portugal eingewirkt. Die neue republikanische Regierung hat bekanntlich als Programm, als Richtlinien ihrer inneren Politik, diejenigen der großen französischen Republik bezeichnet. Das bedeutet ein Programm großer fortschrittlicher Reformen in der Richtung modernsten Staatsweseus. Wird das Wort zur Tat, und die Tat von dauerndem Bestand, dann wird auch die volle Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen in Portugal keine — Chimäre mehr sein. - "sah» Dir Lschwridr. Sukkot-Betrachtung von Kreisrabbiner Dr. Beermann-Insterburg. in geistreicher Franzose feiert den Stil der feinen Lippen gegenüber dem der starken. Man muß nicht nur das Große und Ganze grob und grell darstellen, sondern mit stiller Andacht für das Kleine eine charakteristische Einzelheit heransheben und in ihr das Leben des Ganzen aufweisen. Wo die schulmäßige Homiletik die Feder führt und die Worte formt, da zeichnet das religiöse Feuilleton auf der Kanzel oder im Journale mit jedem Jahre wieder die Laubhütte, wie sie mit ihrem schirmenden Dache ein Bild des göttlichen Schutzes ist, oder wie sie mit den Menschen, die sich unter ihrer leichten .Blätterdecke sicher -fühlen, als ein Denkmal sieghaften Gottvertrauens sich erhebt. Da wird der Feftstranß in seiner zarten Blumensprache verdolmetscht, aber auch da wird gewissenhaft der ganze Pflanzenbund symbolisch ausgelegt, während es doch ratsamer ist, ausgetretene Geleise zu verlassen und einmal sich in einen kleinen Nebenzug zu versenken, der uns dann sein kraftvolles Leben enthüllt. Die Bachweide ist das Stiefkind des Pflanzengewindes. Ihre drei Genossen können von sonniger Heimat träumen, sie sind Kinder des heiteren Südens und werden als fremde Gäste mit rücksichtsvoller Schonung behandelt. Die Bachweide wird vom nächsten Flußufer geholt, ihr hastet etwas Proletarierartiges an, und schließlich wird sie am Palmenfeste, wo^ noch der wilde Volksbrauch der mildernden Gesittung standgehalten hat, durch fünfmaliges Schlagen auf die Erde ihrer schlichten Blätter, ihres löcherigen Bettlerkleides, beraubt. Mir geht es nun wie Lessing, der sich gerade zu dem hingezogen fühlte, aus den alle schlagen. Und so habe ich die Bachweide ganz besonders lieb. Sie redet in der Heimatsprache, mit ihr läßt sich traut und ungezwungen plaudern. So hat sie mir neulich beifällig zugenickt, als ich den jüdischen Kultusbeamtenstand mit ihr verglich, auf den auch alle schlagen, und der doch auch von der goldigen Sonne der jüdischen Wohltätigkeit am wenigsten beschienen wird. Doch nicht davon wollen wir jetzt reden, das könnte gar zu schmerzliche Empfindungen wecken und unsere Festesfreude trüben. Es könnte da manches herbe und harte Wort fallen, das wie ein schriller Mitzton die Harmonie unserer Feierlieder stören würde. Gemahnt uns doch die Bachweide selber zur Vorsicht und Rücksicht