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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-10-07 · Heft 40 (7.10.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 40 (7.10.1910)
Date
1910-10-07
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Bürgermeister der Stadt Herr Dr. Langerhaus zu längerer Ansprache das Wort. Der geschätzte Redner sprach von dem konfessionellen Frieden, der hier herrsche, betonte, daß die jüdischen Mitbürger stets wacker mit an dem Wohle der Stadt geholfen, er sich überhaupt mit dem ganzen Magistrat freue, an der Feier teilnehmen zu können. Sein Hoch galt der Shnagogengemeiude. Es folgten noch viele Ansprachen und Erwiderungen. Herr Sanitätsrat Dr. Friedemann gedachte auch der Damen. Letztere haben der Gemeinde die Vorhänge und Deckchen gespendet. Aber auch die Schuljugend blieb nicht zurück, um mitzuhelfen an.der Ausschmückung des Hauses, und spendete eine silberne „Hand". — Die Feier nahm einen harmonischen Verlauf, die allen Teilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Er. Thorn, 28. September. Am Sonntag den 25. September dieses Jahres fand in Thorn eine Sitzung des Verbandes der Westpreußischen Shnagogengemeinden zur Besprechung der zu gründenden Organisation der Wanderarmenfürsorge statt, zu welchereine größere Anzahl Vertreter der Gemeinden Westpreußens sowie der Gemeinde-Vertretung von Thorn erschienen waren. Nach Eröffnung der Sitzung durch- Herrn Justizrat Steinhardt-Danzig namens des Verbandsvorstandes wurde dieser zum Vorsitzenden der Sitzung gewählt. Herr D. Wolff-Thorn begrüßte namens der Gemeindevertretung Thorn die Erschienenen und gab seiner Freude Ausdruck, daß der langersehnte Wunsch nach einer Gesamtorganisation zur Verbesserung der Wanderarmenunterstüung mit Hilfe des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes, der Alliance Isra6lite Universelle, des Hilfsvereins der Deutschen Juden und der Großloge Bne Brith nun doch in Erfüllung gegangen ist. Hierauf machten sowohl Herr Justizrat Steinhardt wie Herr M. Kadisch-Danzig den Zweck der Organisation näher bekannt, woran sich eine lebhafte Diskussion anknüpfte. Diese führte zu einem günstigen Resultat, da alle erschienenen Vertreter der Gemeinden sich für die Gründung der Organisation aussprachen. Der Provinzialkasse, welche mit dem 1. Oktober d. I. in Tätigkeit treten soll, haben sich bereits die Gemeinden Danzig, Thorn Culmsee, Culm, Neumark, Pr.-Stargard, Briefen, Dirschau, Elbing, Neustadt und Könitz mit einem jährlichen Gesamtbeitrage von 4740 Mark angeschlossen. Als Sitz der Provinzialkasse wurde einstimmig Thorn gewählt. Sodann wurde bestimmt, daß der Ausschuß der Kasse aus 11 Personen bestehen soll und für den Fall der Notwendigkeit die Zahl der Mitglieder durch vier weitere Mitglieder von auswärtigen Gemeinden erweitert werden soll. Thorn hat in diesen Ausschuß fünf, die auswärtigen Gemeinden sechs Mitglieder zu wählen. Inden Ausschuß wurden von den auswärtigen Gemeinden gewählt: die Herren M. Kadisch und Dr. Schopf für Danzig, Löwenstein für Elbing, Casper Landshut für Neumark, Bernstein für Briefen und Löwenberg für Culmsee. Die fünf Thorner Ausschußmitglieder werden von der Gemeindeverwaltung Thorn gewählt. Als Mitglied der Zentralkommission wurde Herr D. W olff- Thorn, als dessen Stellvertreter Herr Adolph Jacob-Thorn gewählt. Der § 8 der Satzungen für die Provinzialnsw. Kassenist dahin abgeändert worden, daß die fünf Thorner Ausschußmitglieder aus ihrer Mitte einen Vorstand bestehend aus einem Vorsitzenden, einem Schriftführer und einem Schatzmeister sowie je einem Stellvertreter zu wählen hat. Die Wahl der Ausschußmitglieder ist auf ein Jahr festgesetzt worden. Ter Thorner Gemeindeverwaltung ist das Recht zuerkannt worden, außer den fünf Ausschußmitgliedern noch einen Aktionsvorstand von fünf Personen aus ihrer Mitte mit Stimmrecht zu wählen. Zum Schluß dankte Herr Adolph Jacob-Thorn den Herren M. Kadisch und Justizrat Steinhardt-Danzig für ihre Mühe und Arbeit in dieser Angelegenheit, denn nur ihnen sei es in der Hauptsache zu verdanken, daß die geplante Organisation zum Ziele gelangt ist. ----- Bromberg, 30. September. Die jüdischen Volksschulen im Regierungsbezirk Bromberg dürfen nur diejenigen Bücher für ihre Bibliothek anschaffen, welche in einem von der König!. Regierung ausgestellten, für alle Schulen des Bezirks, maßgebenden Verzeichnis namhaft gemacht sind. Unter diesen Büchern befindet sich kein einziges jüdischen Inhalts. Von seiten eines Lehrers ist nun die Genehmigung nachgesucht worden, die von Lehrer I. Herzberg, Bromberg, herausgegebenen Jugendschristen „Moses-Mendelsohn" und „Hermon" (Neue israelitische Jügendbücherei Saron. Verlag: M. W. Kaufmann. Leipzig) für die Schulvibliothek anschaffen zu dürfen. Auf diese Eingabe ist nun folgende Verfügung erlassen worden: „Königl. Negierung. Abteilung für Kirchen und Schulwesen. „J.-Nr. 4497 1111" Unter Rückgabe der uns vorgelegten Bücher„Moses Mendelsohn" undj,Hermon" genehmigen wir. daß dieselben der Schulbücherei der dortigen jüdischen Schule einverleibt werden, gez. v. Rose." Somit sind die obengenannten Bücher die einzigen jüdischen Inhalts, welche die jüdischen Volksschulen des Regierungsbezirks Bromberg in ihren Büchereien führen dürfen. IV. Posen, 28. September. Herr Prof. Thümen, der Direktor des Friedrich Wilhelm-Gymnasiums, hat in Rücksicht auf die jüdischen Schüler die Anfertigung der schriftlichen Prüfungsarbeiten auf einen Montag legen lassen, um dieselben bis zum Sonnabend beenden zu können.. Diese humane Handlungsweise verdient öffentlich gerühmt zu werden. — Eine Gedächtnisfeier für Professor Dr. Jaffe veranstaltete im städtischen Krankenhause hierselbst Dr. Ritter, der Nachfolger des Verstorbenen. Die Aerzteschaft Posens. und viele Freunde des Dahingeschiedenen — wohl 70 Personen — nahmen an dieser Feier teil, die gerade in ihrer Schlichtheit einen würdigen Eindruck machte. Anwesend waren die Witwe und Tochter Jaffes, ferner unter anderem Oberbürgermeister W ilm s und Landtagsabgeordneter Kindler. In seiner Gedächtnisrede feierte Professor Dr. Ritter den Dahingeschiedenen als bedeutenden Chirurgen, dessen Geist ihm hier im Krankenhause auf Schritt und Tritt begegne. Er rühmte Jaffes kritisch scharfen Verstand; niemals chematisierte er, stets ging er seine eigenen Wege; auf den verschiedensten Gebieten der Chirurgie hat er bahnbrechende Ideen entwickelt. Seine Fähigkeiten schufen ihm einen Ruf in Stadt und Provinz und darüber hinaus; er war ein sorgfältig wagender Diagnostiker, dessen Andenken bleiben wird, so lange es eine Chirurgie gibt. — In Fordon wurde die Witwe Rosen bäum beerdigt, welche das respektable Alter von 102 Jahren erreicht hatte. Frau Rosenbaum, welche nur fünfTage krank gewesen ist, war noch bis zuletzt rüstig und in vollem Besitze ihrer Geisteskräfte. Noch im Alter von 80 Jahren hatte sie allein eine Reise nach Amerika zu ihren dort wohnenden Kindern gemacht. Sie kam aber zurück, weil es ihr im Dollarlande nicht gefiel. —■■ Schwersenz. Der Direktor der Hermannsmühle und Gutsvorsteher des benachbarten Neudorf, Herr Hermann Notholz, hat dem hiesigen Synagogenvorstande über 1000 Mark zur Beschaffung von Gasbeleuchtung in der Synagoge zur Verfügung gestellt. M. Barel (Oldenburg), 28. September. Das 25jährige Jubiläum des Lehrers D. Bernheim, der diese 25 Jahre an seiner ersten Stelle in Varel gewirkt hat, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung sowohl für den Jubilar, als auch für den ganzen Lehrerstand. Vormittags fand im Schulzimmer eine würdige Feier der jetzigen und früheren Schüler statt, welche letztere in großer Zahl aus der Ferne gekommen waren. Auf nachmittags 5 Uhr war vom Großherzoglichen Landrabbinate ein Festgottesdienst angeordnet worden,. bei welchem zirka 20 benachbarten Lehrer - unter Leitung von Klein-Norden die Chorgesänge musterhaft ausführten. Besonders erhöht wurde die gottesdienstliche Feier durch die hervorragenden kantoralen Leistungen des Oberkantors Zivi aus Elberfeld, der als Verwandter des Jubilars den Vorbeterdienst bereitwilligst übernommen hatte. Die Festpredigt hielt Landrabbiner Dr. Mannheimer. Der Redner betonte, daß diese Feier nicht allein dem Jubilar gelte, dessen pflichttreues Wirken den Lohn in sich selbst trage, sondern dem ganzen Lehrerstande. In einigen ansprechenden Bildern schilderte der Redner die Arbeit des Lehrers für Glaubens¬ und Menschenliebe, und wünschte dem Jubilare Glück und Segen für den ferneren Lebensweg.. In schlichten, warmen Worten dankte hierauf dev Jubilar allen» die so opferfreudig, zur Verherrlichung dieses Festes beigetragen haben, und dann schloß Herr Zivi mit dem schönen „Min Hamezar" die erhebende Feier, der im'Hotel Viktoria ein gemütliches Beisammensein folgte. M. B. Kreuznach, 28. September. Am vorigen Donnerstag fand die feierliche Ei nweihung der neuerbauten Synagoge der Nachbargemeinden Heddesheim-Waldhilbersheim unter wärmster Anteilnahme der Bürgerschaft beider Orte statt. Anwesend waren auch die katholischen und evangelischen Geistlichen sowie sämtliche

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