Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1910)
- Date
- 1910-10-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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«.**»* K4> (^cmdnhcßotE. Vrüsge zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums. Lorrelpon-en?m und Nachrichten. Deutschland. :v.; *** Berlin, 3. Oktober. Aus dem soeben zur Veröffentlichung gelangten Jahresbericht der Alterversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde zu. Berlin entnehmen wir, daß 80 Jahre seit deren Begründung verflossen sind. Mit Recht wird in dem kurzen Vorworte auf die großartige Entwicklung dieses Instituts hingewiesen, das ausden kleinsten Anfängen zur bedeutendsten Wohltätigkeitsanstatt der hiesigen Gemeinde geworden ist. Mit neun Insassen im Jahre 1829 eröffnet, konnten nach 50 Jahren 90 Personen ausgenommen werden, und heute vermag die Anstalt in ihren Häusern Große Hamburger Straße, Schönhauser Allee und Exerzierstraße 300 Männern und Frauen ein sorgenfreies Dasein bis an das Lebensende zu gewähren. Dank der stetig wachsenden Zuwendungen ist die Atterversorgungsanstalt imstande, nahezu ganz aus ihren eigenen Mitteln die Kosten für den Unterhalt zu bestreiten, welche im verflossenen Jahre 175972.60 Mark betrugen. Neu ausgenommen wurden in der Zeit vom 1. April 1909 bis 31. März 1910 51 Personen. Eine zu erwartende größere Zuwendung legt der Verwaltung den Gedanken der Errichtung einer vierten Anstalt nahe, da sie bei weitem nicht den vielen Aufnahmegesuchen zu entsprechen imstande ist. Wird der Gedanke zur Tat, so werden die vorhandenen Mittel zum Erwerbe von Grund und Boden und. zum Bau des Hauses ausreichen. Es fehlen aber die Kosten für den Unterhalt der auszunehmenden Personen. Der Vorstand wendet sich deshalb wieder an den so oft bewährten Wohltätigkeitssinn der Gemeindemitglieder und bittet um Zuwendung von Stiftungen, Geschenken und Beiträgen. B. T. Berlin, 3. Oktober. Professor Dr. Ignaz Jastrow, der bekannte Berliner Nationalökonom, begeht heute das 25. Jubiläum als Universitätslehrer. Am 3. Oktober 1885 habilitierte er sich in der philosophischen Fakultät für das Fach der Geschichte. Doch bald ging Jastrow auf das nationalökonomische Gebiet über und hat jetzt eine außerordentliche Professur inne. Daneben war er in der Praxis des Wirtschaftslebens tätig, als Beirat der Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin, und hat als Stadtrat in Charlottenburg an der Verwaltung teilgenommen. Bei der Begründung der Berliner Handelshochschule wurde er an diese berufen und leitete sie in den ersten drei Jahren ihres Bestehens als Rektor. Professor Jastrow steht im 55. Lebensjahre. — Berlin, 2. Oktober. Unter Beteiligung der staatlichen und städtischen Behörden, vieler Rabbinen, der Vertreter der jüdischen Gemeinde, der Deputierten fast sämtlicher Religions- und Wohltätigkeitsvereine fand am 25. v. M. die Einweihung der neu erbauten Synagoge Beth Zion, Brunnenstraße 33, statt. Das Gotteshaus, das einen sehr freundlichen Eindruck macht und 520 Plätze faßt, war weit über die verfügbaren Plätze gefüllt. Als die Thora-Rollen unter Vorantritt der beiden amtierenden Rabbinen Dr. Weiße und Höxter am Eingang der Synagogeerschienen, stimmte ein trefflich geschulter Chor unter Leitung des Dirigenten Herrn Hochdorf „Nab tauwa“ an. Nach den üblichen Umzügen überreichte Fräulein Schmerl unter Deklamation den Schlüssel zur heiligen Lade dem ersten Vorsitzenden der unter Gesang von „Uwnuchau jaumar* die Thora-Rollen in die heilige Lade stellte und unmittelbar darauf in kurzen, kernigen Worten alle Erschienenen begrüßte, dem Vorstand der jüdischen Gemeinde den Dank für das bisherige Wohlwollen abstaitete und einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung des Vereins gab. Herr Rabbiner Dr. Weiße zündete darauf die ewige Lampe an, über deren Bedeutung er sich in sinnigen Worten verbreitete und mit dem Gebet für Kaiser und Reich schloß. Nach dem Wechselgesang des vorzüglich stimmbegabten Kantors Kantor und des Chores betrat Herr Rabbiner Höxter die Kanzel und hielt die Festpredigt. In tief zu Herzen gehenden Worten sprach er im Anschluß an das Bibelwort „Ma nauro hammokaum haseh“ übet die Erhabenheit des Gotteshauses und über den Einfluß, den es auf das Leben der Israeliten ausübt. Die Rede machte auf alle einen tiefen Eindruck. Ein vom Chor meisterhaft vorgetragenes Halleluja beschloß die erhebende Feier, die allen unvergessen bleiben wird. Abends vereinigten sich Mitglieder und Gönner des Vereins zu einem glänzenden Festmahl. Herr Rabbiner Höxter brachte den Kaisertoast aus, dem viele Ansprachen und Toaste auf den Rabbiner, die Begründer usw. folgten. rn. Köpenicks 28. September. Der 25. September wird für alle Zeiten ein Markstein in der Geschichte der hiesigen Synagogen- Gemcinde bilden, die nunmehr in ihrem weit verzweigten Bezirke über 200 zahlende Mitglieder zählt. An diesem Tage wurde unter großer Beteiligung unsere auf eigenem Grundstücke e r b a ut e S y n a g o g e eingeweiht. Diese neue Andachtsstätte, hauptsächlich ein Werk unseres Gemeindevorsitzenden Herr Max Cohn, findet allseitige Anerkennung. Der Bauleiter Herr Architekt Sommerfeld und die Baukommission, welche aus dem Vorstande und drei Repräsentanten bestand, haben durch selbstloses Streben ihre schwierige Aufgabe zur allgemeinen Zufriedenheit gelöst. Der Einweihungstag wird nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für die Stadt Köpenick — wie der erste Bürgermeister Herr Dr. Langerhans betonte — ein Ehrentag dauernd bleiben. Der Regierungspräsident und der Landrat hatten ihr Nichterscheinen schriftlich entschuldigt. Von der Stadt Köpenick waren die beiden Bürgermeister'Dr. Langerh ans und Prümers, zwei Stadträte, der Stadtbaurat und zehn Stadtverordnete erschienen. Außerdem wurden als Ehrengäste die Herren Geh. Justizrat Timendorferals Vertreter der jüdischen Gemeinde Berlin, Rabbiner Prof. May bäum und Dr. Hochfeld als Vertreter des Berliner RabbinatZ, Oberpfarrer Drausseld als Vertreter der evanglischen Geistlichkeit, PfarrerKarst für die katholische Kirchengemeinde, Schulrat und Kgl.Kreisschulinspektor Sakobilski, Schulrat Renisch, die Direktoren der höheren Schulen und viele andere Gäste, namentlich der langjährige fühereVorsitzende der hiesigen Gemeinde, Stadtverordneter für Schöneberg', Sanitätsrat Dr. Friedemann, früherer Vorsteher Baumann u. v. a. bemerkt. Nach einem Präludium und dem „Mb tauwa" fand der Einzug und Umzug der Thora-Rollen statt. Dann überreichte der Bauleiter Architekt Sommerfeld den Schlüssel zur Heiligen Lade mit kernigen Worten Herrn Max Cohn, dem verdienstvollen Vorsitzenden der Gemeinde, der denselben Herrn Lehrer und Prediger Frank zur Oeffnung der Heiligen Lade übergab. Unter dem Gesänge des „llnmuedau jaumar“, vortrefflich vorgetragen von Herrn Kantor Bernd aus Berlin und dem Chor, wurden die Thora-Rollen „eingehoben". Hierauf folgte die Ansprache des Gemeindevorsitzenden. Nach einem Rückblick auf die Geschichte der Gemeinde, dem Danke an die Behörden, namentlich auch an den Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin, .an die Mitwirkenden beim Bau, schloß die Rede, die auf alle einen tiefen Eindruck machte, mit denr Wunsche, daß diese Stätte der Andacht für immer eine Stätte des Segens bleiben möge. Sodann sprach der Prediger der Gemeinde Herr Frank das Weihegebet beim Entzünden des „Ewigen Lichts", nachdem vorher von Kantor und Chor die deutsche Keduschah in erhebend schöner Weise zum Vortrag gekommen war. Nach abermaligem Gesänge hielt Herr Prediger Frank die von edler Begeisterung getragene Weihepredigt, anschließend an die Worte, die über der Eingangspforte des Gotteshauses stehen: „Wie erhaben ist doch dieser Ort! Dies ist nichts anderes als ein Gotteshaus, und hier ist die Pforte zum Himmel." Nach dem Gebet für Kaiser und Reich setzte der gut geschulte Chor zum Schlußgesange, Psalm 150, kräftig ein. Anschließend an. die Feier fand ein Festessen statt, an dem 90 Personen, die Behörden als Ehrengäste, teilnah men. Die Leitung dieses Teils der Feier lag in den Händen des Herrn Zahnarztes Born stein, Mitglied des Vorstandes. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden der Gemeinde und einem Toaste des zweiten Vorstehers Herrn Dr. Manasse auf die Behörden, ergriff der -erste