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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-10-07 · Heft 40 (7.10.1910) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 40 (7.10.1910)
Date
1910-10-07
Page
Seite 480 (sequence 12)
Language
German
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kleinen Stadt:, die biederen Vorsteher; der Chasen, ..der / ein Streit- - Hammel ist, deswegen abgesetzt wird, und in seinen Bemühungen, einen Separatgottesdienst - zu veranstalten, scheitert; der Schammes. .der daneben Mazzebäcker ist, und mit seiner Frau einmal in eine Großstadt reist, um das für Pesach Nötige.einzukaufen und allerlei Kommissionen für die Gemeindemitglieder zu besorgen hat, werden ganz lustig geschildert. Der. letztere,..der immer ein vergnügtes Gesicht hat (grient), hat den Spitznamen: Tannenbaum, weil er zur Sommers- und Winterszeit grünt. Die Theaterabenteuer, die er mit seiner Frau zu bestehen hat,.sind ganz amüsant. Erschütternd komisch wirkt die Schilderung des Brautstandes des Fräulein Amalie Bambus: ein Heiratsschwindler Nathan Schöps, ein ehemaliger Barbier, ein durchtriebener Bursche, betrügt das liebe Mädchen und ihre Familie, indem er sich als Bernfteinfabrikant. als steinreicher Mann» als Günstling des Sultans aufspielt. Die Szene, wie er in der Synagoge für Wobltätigkeitszwecke 1500 Mark stiftet, von denen er natürlich keinen Pfennig zahlt und bezahlen kann, und wie sein künftiger Schwiegervater einem mit derselben Postkutsche ankommenden christlichen Geschäftsreisenden, den er für seinen Schwiegersohn hält, *ein Gepäck trägt, sind von drastischem Humor.. Literarisch ist das Buch nicht viel, wert, es ist ziemlich verwahrlost geschrieben, und der Schluß ist etwas hastig hinzugefügt; höchst gelungen ist im Schlußkapitel nur, wie eine Dame zum erstenmal die Eisenbahn benutzt, in demselben Ort, von dem sie abgereist, an einer anderen, sehr entlegenen Haltestelle absteigt und sehr verwundert ist, alle ihre Heimatsgenossen an ihrem vermeintlichen Reiseziel zu treffen. Aber wer Freude an Schnurren und harmlosem Spott hat, wird bei der leichten Lektüre auf seine Kosten kommen. L G. ' * ‘ 8U>r. Geigers gesammelte Abhandlungen in hebräischer-Sprache^ zu dessen 100. Geburtstage herausgegeben und bearbeitet von Dr. S. Poznanski. Verlag ^Pusc-tlffa"/Warschau 1910. In Wort und Schrift, auf Kanzeln, in Vorträgen und verschiedenen Zeitschriften wurde des großen Meisters der jüdischen Wissenschaft. Abr. Geigers Leben und Wirken anläßlich seines HO. Geburtstages verherrlicht. Nicht bloß über, sondern auch aus Geiger den Anhängern der hebräischen Literatur aus besagtem Anlasse etwas darzubieten, war eine glückliche Idee des gelehrten Herausgebers. Meinte doch auch Lazarus: Es sollte weniger über die Dichter, dafür aber desto mehr aus ihnen dem Publikum dargeboten werden. Mit gewohnter Gründlichkeit und Gelehrtenfleiß hat der emsige Sucher und Sammler die in der Zeitschriften-Literatur zerstreuten Perlen Geigerschen Geistes, die mitunter in den Muscheln von Michtowim ruhten, gesucht, gesammelt und mit fachkundiger Hand nach ihrem stofflichen Inhalt derart aneinandergereiht, daß die Kbuzath mamprim wie eine Perlenschnur sich repräsentiert. Durch die dankenswerte Amplifikation, die geschickte Gruppierung des Zusammengehörigen und die beigegebenen kurzen Anmerkungen, welche die Kirchheimsche Sammlung der hebräischen Abhandlungen Geigers vermissen läßt, empfiehlt sich die Leistung des Herausgebers von selbst. Sie bedarf nicht erst der Reklame; denn der Name Poznanski bürgt dafür sebeeno mozi mittaebatti z'oüau ... Dr. Feuerstein. . Der Tempelverlag in Leipzig setzt seine höchst gediegenen Ausgaben deutscher Klassiker fort. Von Goethes Werken sind Band 4, S, 7: Dramen aus der Jugendzeit, klassische Dramen, erzählende Schriften 1. Band veröffentlicht; die Kleist-Ausgabe ist mit Band 5 zu Ende gelangt; von Heine ist Band 5 erschienen. Unseren Lesern, die zu den gebildeten Kreisen zählen, wird der Hinweis auf diese gediegene Ausgabe, die sich von jedem gelehrten Beiwerk frei hält, willkommen sein. Auf einzelnes, dem speziellen Interesse unserer Freunde Naheliegende sei besonders hingewiesen. In der Kleist-Biographie von Ä. Eloesser, die den letzten Band der Kleist-Ausgabe einnimmt, einer Biographie, die übrigens keineswegs die Erwartungen erfüllt, die man an eine solche 'Darstellung 3»; machen berechtigt ist, wird gelegentlich auf Kleists Umang in jüdischen Kreisen hingewiesen, der um so merkwürdiger ist, als Kleist der -.Deutschen Gesellschaft"/ angehörtedie grundsätzlich Juden ausschloß, ferner eine Aeußerung aus : dem Jahre -1805 mitgeteilt. des Inhalts, daß in? dem Julius-Spital -in Würzburg Kranke aller Bekenntnisse unterschiedslos ausgenommen werden. - In dem Heine-Band, ediert von Rudolf Fürst, finden sich die Memoiren und die Bekenntnisse, - zwei gerade für unsere Leser höchst wichtige Aktenstücke; vor allem die „Gedanken und Einfälle", diesehr vieles über Juden-enthalten. In ihnen steht das oft zitierte.Wort. „Der Taufzettel ist das. Entreebillet zur europäischen Kultur", daneben --stehen einzelne ausgezeichnete. Bemerkungen, die Heines große Sympathie für die Juden bekunden, z. B. „die Juden waren?/ die einzigen, die bei der Christlichwerdung Europas sich ihre Glaubensfreiheit behaupteten," ferner „Judentum-Aristokratie: ein Gott hat die Welt erschaffen, und regiert sie; alle Menschen sindseine Kinder, aber die Juden sind seine Lieblinge. und , ihr. Land'? ist sein auserwähltes Dominium. Er ist ein Monarch, die Juden sind der Adel und Palästina ist-das Exarchat Gottes." <„Die Juden, wenn sie gut, sind sie bester,.wenn sie schlecht, sind sie schlimmer als die Christen." „Für das Porzellan, das die Juden einst in Preußen kaufen mußten, bekommen die, welche es behielten, jetzt den hundertfachen Wert wieder — am Ende wird Israel, für seine Opfer entschädigt, durch die Anerkennung der Welt,-durch Ruhm und Größe." Es lohnt sich wohl auf solche Sprüche hinzuweisen, sie können dazu dienen, das Vorurteil, das in manchen jüdischen Kreisen gegen Heine herrscht, zu beseitigen- Die ganze Ausgabe mag. unseren Lesern wiederholt empfohlen sein. - L. G. —A. Kober. Die rechtliche Lage der Juden im Rheinland während des 14. Jahrhunderts im Hinblick auf das kirchliche Zinsverbot. Sonderaddruck aus der „Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst", Hest 2—3, 1909. 27 S. 8«. Die rechtliche Lage der Juden gegenüber dem kirchlichen Zinsverbot ist grundsätzlich, stets und überall die gleiche gewesen. Päpste und Konzilien batten den festen, in Prozenten zu berechnenden Darlehenszins als sündhaft untersagt. .Das Verbot galt für jedermann; seine Beobachtung/von seiten der Juden konnte jedoch die Kirche nicht unmittelbar durch die ihr zu Gebote stehenden geistlichen Macht» mittel erzwingen,, sondern nur auf einem Umwege, der nicht immer gangbar war, weil die weltliche Obrigkeit häufig den Juden erlaubte, Zinsen zu nehmen, so daß Kompetenzkonflikte entstanden. In Deutsch-, land fand während des Mittelalters, so viel ersichtlich, das Kreditwesen überhaupt keine reichsgesetzliche Reglung; nurj Städte und.- Landesherrn erließen einschlägige Verordnungen. Wenn die Juden es mit Schuldnern höheren Ranges zu tun hatten, Fürsten, Grafen, Freiherrn, Rittern oder geistlichen Körperschaften, mußten sie mannigfache Kautelen. anwenden, um Kapital und Zins sicher zu stellen. Ein Aktenstück vom Jahre 1324, das Kober in vorliegender Abhandlung mitteilt und unter umfassender Heranziehung von Literatur und Quellen erläutert, zeigt nun, wie selbst die bündigsten Verpflichtungen umgangen werden konnten. Der Freiherr Johann von Saffenberg hat beim Papst Klage auf „wucherische Erpressung" gegen den in Köln wohnhaften Juden Salman von Basel erhoben, dem er gemäß eidlichem Versprechen hatte Zinsen entrichten müssen. Daraufhin verurteilte nach längerem Prozeß ein vom. Papst delegierter Richter den Beklagten zur Rückerstattung der Zinsen, Herausgabe eines Pfandes und in die Kosten des Verfahrens. Das ordentliche geistliche Gericht (des Bischofs) hätte zwar den Anspruch auf Zinsen nicht anerkannt, aber auch schwerlich sich über den Eid hinwegzusetzen vermocht. Kober weist aus der gleichen Zeit noch einen anderen Fall nach, in dem das Einschreiten des Papstes den Schuldner von dem eidlichen Versprechen, gezahlte Zinsen nicht zurückfordern zu wollen, entbinden sollte, und auch später ist. ähnliches vorgekommen. lieber Salman von Basel hat Kober einiges nähere ermittelt, so vor allem das in den Kölner Schreinsbüchern enthaltene Testament des offenbar sehr reichen Mannes. Es ergibt sich daraus, daß ihm unter anderem ein Haus gehörte, „das durch die Reichhaltigkeit seiner Ausstattung auffällt und durchaus an die Herrenhäuser der Geschlechter im Mittelalter erinnert". G. G. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berli«

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