Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1910)
- Date
- 1910-10-07
- Page
- Seite 479 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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keineswegs der Fall; es werden zwar die Bell-Lancastersche Unterrichtsmethode mehreren,al, die Hamiltonsche Methode auch einmal erwähnt, sonst aber enthält der Vortrag in bunter Folge, ohne recht erkennbare Anordnung^ Zitate und Tatsachenmaterial über Unterrichtsmethoden, Unterrichtsgegenstände. Lehrerpersonal, Pädagogische Fragen usw. Auch ist nicht recht ersichtlich, welchen Zeitraum der Verfasser behandeln will; der Titel weist auf die gesamte talmudische Epoche hin, und diese ist auch in der Tat der hauptsächliche Gegenstand der Darlegungen, dann weiß man aber nicht recht, was das lange Zitat aus Schleidens Werk „Die Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter" in diesem Zusammenhang soll oder die Erwähnung der. Reiseberichte des Petachja aus Regensburg. Im einzelnen begegnen wir vielen, was teils schief dargeftellt oder überhaupt falsch ist. Der Verfasser bringt S. 4 ff. ein langes Zitat aus denr enzyklopädischen Handbuch der Pädagogik Man traut seinen Augen nicht, wenn der Autor hierbei kritiklos den Sah übernimmt: nach dem Worte, daß das Sinnen des Menschenherzens böse von Jugend an ist," muß jene (die Zucht) zugleich die innere Umbildung des Menschen zu ihrer Aufgabe machen, der „in Missetat geboren und in Sünde empfangen" (Ps. 51, 7), nicht bleiben darf, was er von Natur ist. — S. 7 zitiert der Verfasser den Dekalog: Liebe deinen Vater und Mutter. — Daß nicht Josua ben Gamala, wie der Verfasser S. 11 auf Grund der Quellen annimmt, sondern der zur Zeit des Johann Hyrkan lebende Josua ben Perachja den allgemeinen Jugendunterricht eingeführt hat. hat W. Bacher in seinem Vortrage über „das altjüdische Schulwesen", Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, Bd. 6 (1903), S. 48 ff., mit guten Gründen zu erweisen gesucht. — S. 12 heißt es: Die Gewissenhaftigkeit, mit der die Durchführung dieser Vorschrift (der Gründung und Erhaltung von Schulen) überwacht wurden, bezeugen mehrere Aussprüche und Erzählungen; so. wenn der bekannte Simon ben Jochai mit Bezug auf den verwüsteten Zustand Palästinas den Ausspruch tat: „Wenn Du im Lande Israels Städte siehst, die von Grund aus zerstört sind, so wisse, das ist die Strafe dafür, daß sie keine Lehrer besoldeten, die die Jugend in Bibel und Tradition unterrichtet hatten." Dieser Ausspruch des Simon ben Jochai beweist also das gerade Gegenteil, dessen, was der Verfasser annimmt. — Eine ähnliche Verkennung der Tatsachen finden wir S. 21, wo es heißt: Allein die griechische Sprache war die bevorzugte und Lieblingssprache. Als Beweis dafür zitiert der Verfasser: „Die Tora darf nur in der griechischen Sprache übersetzt werden, weil nur diese sie vollständig wiedergeben kann." Nun wissen wir aus Joel, Blicke in die Neligionsgeschichte, daß diesem der griechischen Sprache gespendeten Lobe die griechische Bibelübersetzung des Akhlas zugrunde liegt, deren Vorzüge vor der Septuaginta der ehedem verpönten griechischen Sprache wieder zur Beliebtheit verhalfen > der Verfasser hat also hier Ursache und Wirkung verwechselt, was um so merkwürdiger erscheint, als ihm die eben erwähnte Joelsche Schrift vermutlich bekannt sein dürste. — S. 31 erörtert der Verfasser die Gründe, weshalb man den Bibelunterricht mit dem dritten Buche Mosis begann. Er stimmt hier' mit D. Hoffmann, das Buch Leviticus I. S. 10, überein; das richtige hat aber vermutlich Bacher in dem schon erwähnten Vortrage (S. 67) getroffen: Wahrscheinlich stammt der Brauch aus den jerusalemischen Schulen, in denen die Kinder der Priesterlichen Familien unterrichtet und zuerst in die Kenntnis der für sie besonders wichtigen Satzungen von den Opfern und vom Heiligtum eingeführt wurden. — Auch die apologetischen Ausführungen (S. 31) über das Gebot der Nächstenliebe sind verfehlt, wollte der Verfasser darauf eingehen, so hatte er anführen mögen, was Hermann Cohen im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, Bd. III (1900), S. 87 dargelegt hat. — In den Literaturangaben auf S. IV fehlen der bereits oben genannte Bachersche Aufsatz und die Dissertation von Jos. Wiesen, Geschichte und Methode des Schulwesens im talmudischen Altertum, 1892. — In den Ausführungen selbst vermißt man ungern die Quellennachweise, dadurch ihr Fehlen die Nachprüfung der Darlegungen sehr erschwert wird. . Dr. N. M. Nathan. ■ ----- Auch für unsere Leser dürste folgende kleine Studie von Interesse sein, die die „Frankfurter Zeitung" unter der Aufschrift „Wann entstand das Deuteronomium?" veröffentlicht. Ein fachmännisches Urteil über diese Studie vermag ich nicht zu geben, würde mich aber freuen, wenn einer unserer Bibelforscher zu dieser Angelegenheit das Wort ergreifen würde. Der Artikel lautet folgendermaßen: „Zu der vielumstrittenen Frage nach der Entstehungszeit des fünften Buches Mosis, das unter dem König Josia (623 vor Christo) entdeckt wurde, ist jetzt, wie das „Athenaeum" mitteilt, eine neue und vorsichtig begründete Hypothese hinzugekommen. Sie wird von Eduard Naville aufgestellt und von dem Gelehrten in den letzten „Mmoirss de l’Academie des inscriptions“ auseinandergesetzt. Es ist natürlich, daß die kritische Betrachtung die Absafsungszeit des Gesetzes an die Zeit der Bekanntwerdung heranrückt, wobei ebensowohl die Entstehung des Deuteronomiums das Ergebnis eines weit hinter diese Zeit zurückreichenden, lange dauernden, geschichtlichen Prozesses gewesen sein kann, wie auch spätere Zusätze und Veränderungen in Betracht gezogen werden können. Die Stelle im II. Buch der Könige, 22, 8 ff. erzählt, wie der Priester Hillia im zwölften Jahre des Königs Josia dasjenige Buch, welches wir jetzt als Deuteronomium ansehen, im Tempel gefunden hat. Naville ist nun der Ansicht, daß das heilige Buch wirklich gefunden würde, und daß es ein Fundamentierungsdeposit war, gerade so. wie wir heutzutage noch bei dem Bau öffentlicher Gebäude in den Grundstein wichtige Dokumente der Gegenwart oder der Vergangenheit zu Nutz und Frommen einer späteren Zeit deponieren. Viele Beispiele aus dem ägyptischen Totenbuch werden von Naville als Analogien sür derartige Deposita bei „Fundamentierungszeremonien" beigebracht; ferner haben die Ausgrabungen de Morgans in Daschur ähnliche Deposita aufgedeckt, die in einem Kästchen in oder. unter den Mauern des Gebäudes oder unter der Basis eines Götterbildes aufbewahrt wurden. Die wahrscheinliche Natur des unter Josia gefundenen Dokuments diskutierend, kommt Naville zu dem Schluß, daß es ein Auszug aus dem mosaischen Gesetz war, wobei wiederum ähnliche Kapitel aus dem ägyptischen Totenbuch Analogien abgeben. Diesen Auszug aus dem Mosaischen Gesetz setzt Naville in der Zeit gleich mit der Tempelgründung unter Salomo. Demnach würde das Deuteronomium viel älter sein, als die.moderne Kritik annimmt, die es teils in die Zeit des Manasse, teils in die des Hiskia, teils wieder in die des Josia selbst setzt und es dann als eine ad hoc gemachte Fälschung aus der Umgebung des letztgenannten Königs ansieht. — Naville ist des weiteren der Ansicht, daß das Dokument in Keilschrift niedergeschrieben gewesen sein müsse, und daß man für die übrigen mosaischen Bücher das gleiche annehmen dürfe, da Moses als in Aegypten erzogen, vollständig dazu befähigt gewesen sein müsse, die Keilschrift zu schreiben, die unter der 18. Dynastie die Diplomatenschrift und die Schrift der besseren gebildeten Kreise durch das ganze westliche Asien war (siehe die Tellel-Amarna-Taseln). Daß das mosaische Gesetz in Keilschrift eingekratzt gewesen, würde dennoch den.Gebrauch der hebräischen Sprache nicht ausschließen. Dabei beschäftigt sich Naville auch mit dem Namen Moses, dessen biblische Etymologie er zurückweist; er identifiziert den Namen mit dem ägyptischen „Mesu" — Kind, geradeso wie das biblische „Succoth" mit dem ägyptischen „Thukut" oder „Thukot" identisch ist. Derartige polyglotte Wortspiele, gemäß denen die biblische Etymologie den ersten dieser Namen mit „aus dem Wasser gezogen" und den zweiten mit „Zelte" übersetzt, waren eine Eigentümlichkeit jüdischer Schreiber, wie schon Plutarch bemerkt hat. Navilles Hypothese ist sehr sorgfältig ausgearbeitet, und er hat die Arbeiten aller seiner Vorgänger herangezogen.* $ Die Killeberger. Nach der Natur ausgenommen von Onkel Siegfried (Siegfried Mühsam). 3. Aufl. 5. und 6. Tausend. Leipzig 1910. M. W. Kaufmann. Das Büchlein, das kaum einer Empfehlung bedarf, da es bereits sehr stark verbreitet ist, wird namentlich den Mitgliedern kleiner Gemeinden, und solchen, die sich in enge Verhältnisse zurückversetzen wollen, von denen der Großstädter kaum eine Ahnung hat, eine erheiternde Lektüre gewähren. Es sind Skizzen aus ein?r Östlichen