Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1910)
- Date
- 1910-09-23
- Page
- Seite 6 (sequence 18)
- Language
- German
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Mädchenhändler fordert, .an,den Direktor „der. öffentlichen Sicherheit des Reiches" mit dem Befehs gesandt, die Schuldigen festzunehmen und unverzüglich die Angelegenheit mit äußerster Gesetzesstrenge zu verfolgen. . Der Oberrabbiner beabsichtigt,.'hier eine Vereinigung zum Schutze'jüdischer Frauen zu bilden, als eine Zweigvereinigung derjenigen in London.. Der Gesandte der Vereinigten Staaten, Oskar 'Strauß, Hat, als er. davon erfuhr, dem Oberrabbiner in einem Schreiben seine Anerkennung ausgesprochen und ihm zu diesem Unternehmen die. Summe von/ 2500 Francs zur.Verfügung gestellt. — Von Nessibin (eistcm schon im Talmud erwähnten Orte) in der Nähe vdn Dmrbekio und aus Bassoräh erhielt der Oberrabbiner Briese mit der Nachricht,' daß man dort Juden auf die Anklage Hin, die mohammedanische Religion gelästert zu haben, verhaftet hätte. Solche Beschuldigungen sind in diesem Ländergebiete nichts Seltenes. Die Kurden, ein Milder, fast nur von Raub lebender Volksstamm, treten mit dieser Anklage gegen die Juden, gewöhnlich auf,.,wenn diese sich weigern, ihre unberechtigten Geldsorderüngen zu erfüllen oder sich nicht ihrer'sonstigen Habe berauben lassen wollen. Auf die Fürsprache des Oberrabbiners hat der Minister des Innern denBehörden der erwähnten Distrikte Instruktionen erteilt, keine Notiz von diesen verleumderischen Anschuldigungen zu nehmen. Auch der Justizminister hat dem Oberrabbiner das Versprechen gegeben, sofortige Schritte zu veranlassen, um däs den Juden zugefügte Unrecht wieder gut zu machen. — Die jreueste Idee der modernen Bewegung im heiligen Lande ist, Kaufhäuser nach amerikanischem Muster in Palästina zu errichten. Herr Abraham Shomüs, einer der bedeutendsten palästinensischen Kaufleüte, will zu diesem Zwecke New York .besuchen, um sich an Ort und Stelle mit dem modernen Warenhaussystem bekanntzumachen, und seine gewonnenen Erfahrungen durch die Errichtung einer Anzahl moderner Kaufhäuser in Palästina in die Praxis umzusetzen. — Diese Nachricht ist vorläufig mit großer Vorsicht aufzünehmen. — Wie der türkische Oberrabbiner in einem Interview Mit eihem Vertreter des ' aJewfsh Chronicle“ sich äußerte, gedeihen zwar die jüdischen Kolonien im heiligen Lande aUfs beste, reichen aber bei weitem nicht aus, um den Kolonisten genügenden Ertrag zu verschaffen, zumal die Familien sich ständig mehren, der Grundbesitz aber infolge des neuen.Verbotes, Land anzukaufen, stets derselbe bleibt. „Ich habe'zu meinem Erstaunen," erzählte der Oberrabbiner^ '„aus, meiner Reise durch die Kolonien fast nur Mädchen, Frauen' und alte Leute getroffen. Auf meine Frage nach der Bewandtnis' dieser Eigenheit, erhielt ich die : Antwort, daß die jungen Kolonisten zum größten Teil das Land verlassen hätten, um auswärts, teils in Amerika, Arbeit zu suchen, da die strengen Maßregeln der Regierung in bezug auf oen Land.- erwerb namentlich den kleinen Kolonien einen harten Schlag versetzt haben." Leider, bemerkte der Oberrabbiner, könne er in dieser Angelegenheit nichts tun, da er nur düs Recht habe, bis zu einem gewissen Grade die Interessen der ottoma nischen Juden wahrzunehmen. Von Sah und Mn. Die Immatrikulationen bei der Universität für das Wintersemester 1910/11 beginnen am 29. b; M. und schließen rttit dem 5. November. — Der studentische Ausschuß für das Berliner Universitäts jubiläum teilt mit, daß die Ausgabe der Karten zu den Festlichkeiten für das Universitätsjubiläum erst vom 1. Oktober ab erfolgen künn, da infolge des großen Andranges neue Verhandlungen wegen des Kommerssaales angeknüpft werden müssen. — Professor Dr. Julius Lazarus, dem langjährigen Leiter der inneren Abteilung des Berliner jüdischen Krankenhauses, wurde anläßlich seiner Amtsniederlegung von seinen früheren Schülern eine Ehrung in Form eines Festessens bereitet, bei dem ihm eine künstlerisch ausgeführte Dankadresse und ein gedrucktes Verzeichnis seiner: eigenen und der von ihm angeregten wissenschaftlichen Arbeiten überreicht wurde. An der - Feier beteiligten sich etwa sechzig Personen, darunter eine Anzahl namhafter Berliner Kapazitäten. — Dem Geheimen Legationsrat Wilhelm Cahn, der zur Disposition des Auswärtigen Amtes steht, hat die Universität Gießen anläßlich seines 50jährigen Doktorjubiläums ihre Glückwünsche gesandt und das Diplom erneuert. — Justizrat Dr. Arthur Gerson in Berlin ist nach langem schweren Leiden gestorben. 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