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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-09-23 · Heft 38 (23.9.1910) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 38 (23.9.1910)
Date
1910-09-23
Page
Seite 5 (sequence 17)
Language
German
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5 und war in beiden Wissenschaften hervorragend befähigt. Sein edler Charakter und sein liebenswürdiges Auftreten erwarben ihm einen außerordentlich . großen Freundeskreis. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Freudenthal die trefflichen Eigenschaften des Entschlafenen gewürdigt hatte, legten Herr Major Schultheiß namens des Landwehrbezirkskommandos Nürnberg, und Herr Hauptmann Raab namens des 14. Infanterie-Regiments Kränze am Grabe nieder. Gesterretch-Mnsam. n. Aus Kroatien, 16. September. Es ist in verschiedenen jüdischen 'Zeitschriften in Oesterreich-Ungarn die Frage erörtert worden, ob es in Kroatien einen Antisemitismus gebe. Man kann aber mit aller Wahrscheinlichkeit die These ausstellen, daß die Südslaven im allgemeinen nicht antisemitisch gesinnt seien. An der abgelausenen Legislaturperiode (1906 bis 1910) war der kroatische Landtag zwar judenrein, allein diese Tatsache ist auf alles andere eher zurückzuführen, denn auf die antisemitische Gesinnung der kroatischen Bevölkerung, die mit ihren jüdischen Mitbürgern in der schönsten und wünschenswertesten Eintracht lebt. Einzelne Erscheinungen der letzten Zeit mahnen zwar unsere Glaubensgenossen hierzulande auch in dieser Beziehung auf der Hut zu sein, da ein bereits seit zwei Jahren erscheinendes antisemitisches Blatt „Putnik" ziemlich viel Anhang unter der Bevölkerung findet, allein mit Rücksicht auf die natürliche Anlage der kroatischen Bevölkerung, die im allgemeinen friedliebend ist, droht von dieser Seite den Juden Kroatiens keinerlei Gefahr wirtschaftlicher Bedrückung. Gewöhnlich pflegten fast alle oppositionellen Blätter des Landes zu Wahlzeiten gegen die Juden heftige Ausfälle zu machen, um sie davon abzuschrecken, für die Regierungskandidaien zu stimmen. Diesmal haben wir aber auch in dieser Hinsicht einen Fortschritt zum Besseren zu verzeichnen, denn trotzdem, daß zwei angesehene Juden in Darwan und Belovar auf Grund des Regierungsprogramms als Abgeordnete für den kroatischen Landtag kandidieren, verhält sich dennoch die ganze Presse des Landes den Juden gegenüber objektiv, indem sie die gegenwärtige politische Lage von einer höheren Warte aus als von der antisemitischen bebeurteilt. Die christlich - soziale Partei, welche unter Leitung des bekannten Politikers und Staatsmannes Dr. Josef Frank zustande kam, hat keinen einzigen antisemitischen Punkt in ihr Programm ausgenommen. Trotzdem besaß Dr. Frank, der jüdischer Abstammung ist, das feine Taktgefühl, nach dem Zustandekommen der Partei, von der Leitung derselben zurückzutreten, sich allerdings seinen Einfluß auf die weitere Parteibeschlüsse vorbehaltend. Man spricht sogar davon, daß im neuen Landtag dafür gearbeitet werden wird, daß eine Revision der interkonfessionellen Gesetze vorgenommen werde, damit jenes Gesetz, nach dessen Bestimmungen der Uebertritt vom Christentums zum Judentums verboten ist, außer Kraft trete. Aber nicht nur in politischer Hinsicht stehen bei uns die Dinge sehr günstig, sondern auch in jüdischkultureller Hinsicht wird seit jüngster Zeit von den Juden Kroatiens eine regsame Tätigkeit entwickelt. Denn dem Beispiele Deutschlands folgend sind auch in mehreren jüdischen Gemeinden Kroatiens und Slavoniens jüdische Literaturvereine gegründet worden, so z. B. in Agram, Vinkovee, Pozega, Virovitica und Brod an der Save. In Djakovar in Slavonien haben sogar die erwachsenen Mädchen einen Mädchenverein „Morija“ zur Pflege jüdischer Literatur und Wissenschaft gegründet, in dem öfters jüdisch-literarische Vorträge gehalten werden. So hat denn das moderne jüdische Leben auch an der Schwelle, des Balkans zu blühen begonnen. Türkei. 2. Konstantinopel, 15. September. Der Chachambaschi hat in Erfahrung gebracht, daß hier sowie in einigen anderen ottomanischen Hafenstädten Individuen existieren, die junge russische und galizische jüdische Mädchen veranlassen, nach der Türkei zu kommen, unter dem Vorwände, ihnen hier Beschäftigung als Erzieherinnen und Lehrerinnen zu verschaffen, in Wirklichkeit aber, um sie zu schändlichen Zwecken zu verwenden. Der Oberrabbiner hat nun einen detaillierten Bericht an den Minister des Innern ergehen lassen, ihm die Namen der betreffenden Personen angegeben und die Städte, wo sie ihr verabscheuungswürdiges Gewerbe ausüben. Der Minister hat, den Bericht, in welchem der Oberrabbiner strengste Bestrafung der Gross-Dampf- „ROLAND" Telephon Amt IV, 644. Kochfrau Frau Kaplan, Berlin W., Pragerftratze 34, hält sich bestens empfohlen. Feinste Referenzen für Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit. 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