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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-09-23 · Heft 38 (23.9.1910) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 38 (23.9.1910)
Date
1910-09-23
Page
Seite 456 (sequence 12)
Language
German
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456 am schärfsten. Die große Mehrzahl überstedelte nach Wien; die vielen kleinen Leute, welche sich als Hausierer in Niederösterreich ernährten, zogen nach den ihnen nun eröffneten Dörfern aus Provinzialstädten, und neueröffnete mährische Städte, besonders Znaim und Brünn, von wo wohl die Vorfahren mancher Nikolsburger durch Capistranos Agitation im Jahre 1454 „für ewige Zeiten" ausgewiesen worden waren, (Graetz, VIH, 199. 3. Auflage) absorbierten einen anderen Teil. Litrrsrilchr Mitteilungen. Der Mifchna-Traktat von der Prügelstrafe mit dem Kommentar des Obadja von Bertinoro, erläutert von W. Windsuhr. Leipzig 1910. IX und 27 Seiten. 1.80 Mark. Der Ausgabe geht eine Einleitung voran, welche der Reihe nach enthält 1. eine Inhaltsangabe des Traktates Makkoth, 2. eine kurze Charakteristik des Kommentators Obadja, 3. eine Aufzählung der im Traktate Makkoth erwähnten Tannaim mit Angabe der Stellen, an denen sie Vorkommen, 4. eine Uebersicht der alttestamentlichen Zitate im Traktate Makkoth. — Die Ausgabe selbst enthält auf dem ersten Teile der Seiten in zwei Spalten, wie in den üblichen Mischna- Ausgaben, den Text der Mischna und des Kommentars, in dem die Schlagworte durch besonderen Druck sich leicht vom Kommentar selbst abheben, auf dem zweiten Teile die Erklärungen des Herausgebers getrennt für den Text der Mischna und den des Kommentators. — Es muß anerkannt werden, daß die Anordnung des Ganzen und auch die äußere Ausstattung der kleinen aus der Drugulinschen Offizin hervorgegangenen Schrift den besten, man kann sagen, einen vertrauenerweckenden Eindruck macht, obwohl auch hier schon der Preis von 1.80 Mark reichlich hoch erscheint. Ob aber die Ausgabe das hält, war der Herausgeber von ihr erwartet, scheint mir aus einem ganz anderen Blatte zu stehen. „Das vorliegende Heft," sagt Windfuhr, „will denen dienen, die sich einen Einblick in die Literatur der rabbinischen Kommentatoren verschaffen möchten," und er erwartet von ihm, „daß es ihnen mehr Förderung bringen werde, als manche aus jüdischer Feder stammende Arbeiten auf ähnlichen Gebieten es bisher getan haben." Nun mag es ja sein, daß die Benutzer der Windfuhrschen Ausgabe auf Grund des punktierten Mischna-Textes und unter Benutzung eines Wörterbuches und der erklärenden Noten des Herausgebers denMischna-Text bewältigen, dem Kommentar gegenüber aber werden .sie um so hilfloser dastehen, es sei denn, daß auch dieser in einer späteren Auflage punktiert würde. Und gerade auf den Kommentar kommt es Windfuhr doch nach seinen eigenen Worten an. — Ferner: Windfuhr hat, und darin muß man ihm Recht geben, auf Textkritik verzichtet (was er freilich hierbei zur Begründung anführt, der Ertrag dieser schwierigen Arbeit stehe kaum im Verhältnis zu der dabei aufgewandten Mühe, ist durchaus nicht der Fall, wie auch aus dem folgenden hervorgehen dürfte), aber er hätte dann doch mit einigen wenigen Worten wenigstens auf die zahlreichen Varianten Hinweisen sollen, welche die Schlagworte imiObadjaschen Kommentar dem Mischna-Text gegenüber aufweisen; denn gerade der Anfänger wird nicht wissen, was er mit diesen Varianten anfangen soll — man vergleiche z. B. 1,2 Text fYOft und Kommentar Die erklärenden Noten des Herausgebers treffen im großen Ganzen das Nichtige und sind knapp und verständlich gehalten; daß man einzelnes anders gewünscht, an manchen Stellen gern eine Erläuterung gesehen hätte, wo sie fehlt, ist selbstverständlich. Dr. R. M. Nathan. * „Aus großer Zeit". Erlebnisse eines Kriegsfreiwilligen von 1870/1871. Für jung und alt erzählt von N. H. Rosenthal. Mit zwei Karten. 190 Seiten, geb. 2.60 Mark. Eine große Zeit, groß nach den mannigfachsten Richtungen, wird in den anspruchslos geschriebenen, von leisem Humor durchtränkten Erlebnissen des Senlinarlehrers Rosenthal vor uns lebendig. Bei dem Ausbruch des gewaltigen Völkerringens treibt es den Seminaristen von den Büchern hinweg zum Schutze des bedrohten Vaterlandes, und auch sein. Bruder verläßt, von gleichem Gefühle durchglüht, die Eltern, die in ruhiger Ergebung ihre einzigen Kinder in den Kampf ziehen sehen, Mit Spannung verfolgen wir den jungen Vaterlandskämpfer in der kurzen Zeit seiner Ausbildung, bei feiner wechselvollen Fahrt und Wanderung bis zur Ankunft bei seinem Regiment, bei dem schweren Felddienst, der nun anhebt und erst nach den Kommunekämpfen sein Ende findet. Die starke Anspannung aller Kräfte, welche die Belagerer von Paris monatelang ertragen, die schweren Leiden, die durch ungewöhnliche Kälte und mangelhafte Ernährung hervorgerufen werden, kommen in der klaren Darstellung dem Leser zu vollem Bewußtsein und erfüllen uns für den wackeren Soldaten mit nicht geringerem Interesse, als die Beteiligung des jungen Kriegers an den wiederholten Kämpfen um Le Bourget. Und noch eine andere Seite der Darstellung des Verfassers verdient hervorgehoben zu werden, die zahlreichen, oft charakteristischen Schilderungen aus dem Leben und Treiben der deutschen Kämpfer vor Paris. Wenn z. B. der jüdische Seminarist unter Zustimmung des protestantischen Feldgeistlichen in der katholischen Kirche zu Gonesse das Harmonium zum Gottesdienst spielt, um, wie der Geistliche sagt, dazu beizutragen, den Kameraden in schwerer Zeit Erbauung unb Trost zu bringen, wenn die gemeinschaftlichen Kämpfe und Leiden junge Menschenherzen zu einer Freundschaft einen, die sich in rührender Weise betätigt, so können solche Schilderungen in einer Zeit des Klassen-, Rassen- und Massenhasses nur läuternd und veredelnd wirken. Auch unter diesem Gesichtspunkt mag dem Büchlein die Beachtung und Verbreitung zuteil werden, die es verdient. S. Adler. SprechM. Hochgeehrter Herr Redakteur! u dem Artikel „Fritz Reuter und die Juden" (Nr. 32, S. 378) habe ich zu bemerken, daß der betreffende Arzt nicht Dr. Markus, sondern Dr. Salheim (eigentlich Hei mann) hieß, der auch in Anklam gestorben ist. — Die Mitteilung des richtigen Namens verdanke ich einem sehr zuverlässigen, auch schriftstellerisch tätig gewesenen Mitgliede unserer Gemeinde, dem inzwischen verstorbenen Herrn Siegmund Aron. Ein Irrtum oder eine Verwechslung der Namen ist bei Siegmund Aron gänzlich ausgeschlossen. Er lebte in Anklam und kannte Dr. Salheim persönlich. Meine Notiz hierüber stammt aus dem Jahre 1897. Königsberg i. Pr., 16. September 1910. Eduard Birnbaum. * Geehrte Redaktion! "^rnt Anschluß an die in der Nummer 36 Ihrer geschätzten Zeitschrift enthaltenen Zurückweisung der antisemitischen Angriffe auf das jüdische Lehrerseminar in Jerusalem erlaube ich mir. Ihnen einen Passus aus einem Zeugnis des Kaiserlichen Deutschen Konsuls zu Jerusalem mitzuteilen, in welchem dieser gerade den Leistungen des Lehrerseminars vollste Anerkennung zollt. In einer amtlichen Beglaubigung eines von diesem Seminar ausgestellten Lehrerzeugnis heißt es unter anderem: „Die Leistungen der Schule und des Seminars sind mir als durchaus anerkennenswert bekannt, und abgesehen vielleicht von den hier vorhandenen Priesterseminarien der verschiedenen Konfessionen, die aber für den E. Y. als Israeliten nicht in Betracht kommen, gibt es meines Wissens hier in Jerusalem keine öffentliche Schule, die ein höheres Lehrziel erstrebt und erreicht, als das in Rede stehende Lehrerseminar." Diese Worte des Kaiserlichen Deutschen Konsuls Dr. Schmidt zu Jerusalem werden hoffentlich, auch die Antisemiten eines Besseren belehren, wenn sie überhaupt eines Besseren belehrbar sind. In jedem Falle stellen sie dem großen Kulturwerk des Hilfsvereins der Deutschen.Juden ein glänzendes Zeugnis aus. Darmstadt. 14. September 1910. E. Y. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin, verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin

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