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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-09-16 · Heft 37 (16.9.1910) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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-d'ern Landesschulrate in Böhmen an, und als ehemaliger Stadtverordneter von Prag gehörte er' auch früher dem deutschen Bezirksschulrat an. Dr. Bendiener wurde am 4. September 1840 in' Prag geboren. Seit dem Jahre 1869 ist er daselbst als Advokat tätig. Die Prager Advokatenkammer wählte ihn zu ihrem Anwalt, welche Ehrenstelle er noch heute bekleidet. Im Dezember 1871 wurde er in das Stadtverordnetenkollegium gewählt und war bis zum Jahre 1882 der Wortführer der deutschen Vertreter in dieser Körperschaft, Der erste Wahlkörper der Prager Altstadt sandte im Jahre 1887 Verdiener in die Stadtvertretung, die . seither nur Tschechen in ihre Mitte wählte Dr. Bendiener, welcher an allen Bestrebungen teilnimmt, die dem Schutze und der Förderung des Deutschtums in der böhmischen Hauptstadt gelten, war der letzte deutsche Vertreter in der Prager Gemeindeverwaltung. Dr. Bendiener ist Obmannsstellvertreter des Deutschen Vereins und Ausschußmitglied einer Reihe anderer nationaler und humanitärer. Vereine. Vor zwei Jahren verlieh ihm' der österreichische Kaiser den Franz Josef-Orden. Dr. Bendiener^ weilte in diesen Tagen, wo' die Repräsentanz der Prager Kultusgemeinde sich rüstet, ihm ihre Gratulation darzubringen, weit von der Heimat. Er folgte hierin dem Beispiele des Präsidenten~der Prager Kultusgemeinde Dr. Arno 1 d Rosenbacher, der ebenfalls vor einigen Monaten den 70. Geburtstag beging und sich allen Ovationen durch seine Abreise entzog. Doch planen die Verehrer und Freunde Dr. Bendieners, nach seiner Rück, .kehr ihm zu Ehren im israelitischen Rathause eine solenne Feier zu veranstalten. Äuszlsnd. z. Petersburg, 8. September. In einer kürzlich stattgehabtsn außerordentlichen Sitzung des Kultusministeriums wurde der Beschluß gefaßt, die Leiter der Handelsschulen anzuweisen, so weit wie möglich im laufenden Jahre die neuen Schulregülativa durchzuführen. Eine Ausnahme soll nur den gegenwärtig von jüdischen Schülern noch stark frequentierten Schulen gewährt werden; denen soll ein Zeit« raum von drei Jahren zugebilligt werden, um den Prozentsatz eines durchaus unschädlichen und wohlschmeckenden Getränkes können Sie sich aus V* Pfund Kathreiners Malzkaffee bereiten, der sich seit 20 Jahren in der ganzen Welt aufs beste bewährt hat. — 1k Paket Kathreiners Malzkaffee kostet nur 20Tii55Rn lOPfennlQ Aerztliches Institut KSSÄ für Sprachstörungen. S&ÄtaEIÖSSÄ jüdischer ' Schüler herabzumindern. '.— Der Kultusminister hat auch den Beschluß des Petersburger Kurators, der Universität die Wahl des Juden M. Ma gasiner zum Professor zu verbieten, gutgeheißen. Alle Gesuche des Professor Kobalevskh und anderer namhafter Männer zugunsten Magasiners wurden einfach ignoriert. Ebenso hat der Petersburger Kurator dem neuen Kron?Rabbiner Dr. E isenstädt die Inspektion des jüdischen Religionsunterrichts an den Schulen der Hauptstadt untersagt. — Neben diesen entmutigenden Nachrichten kommen solche noch ernsteren Charakters aus den anderen Provinzen. Fast täglich wird über neue willkürliche Ausweisungen berichtet. So hat gelegentlich eines Besuches in Pupalgutzki der Gouverneur' von Jekaterinoslaw gefunden, daß zu viele Juden in Pupalgutzki lebten. Da diese jedoch unbestreitbare Dokumente besaßen, daß sie seit 30 Jahren in diesem Dorfe ansässig seien, befahl der Gouverneur unfern Glaubensgenossen, um das künftige Wohnrecht in ihrem Heimatsdorfe zu lösen, aus welche Weise die Hälfte der jüdischen Einwohner, die unglückliche Nummern gezogen hätten, ausgewiesen wurde. Auch in der Nachbarschaft von Parlograd haben mehrere jüdische Familien den Ausweisungsbefehl erhalten. Ein ähnliches Schicksal wurde einer Anzahl Juden in dem Gouvernement Ezernigvw zuteil. 'Obgleich sie die. Erlaubnis hatten, sich hier aufzuhalten, hat die Polizei doch mehrere von ihnen zeitweise verbannt, und zwar mit der Begründung, daß sie dem zu erwartenden Gouverneur nicht die Duldung zu vieler Juden zeigen dürften — Wenig geneigt zeigt sich auch der Wladiwostoker Präfekt unfern Glaubensgenossen. Hat er doch seinen subordinierten Beamten den Befehl zuergehen lassen, daß er in der Stadt auf keinen Fäll einen Juden anzutreffen wünsche. In Tambow, wo man ebenfalls schon viele Juden ausgewiesen hat, unterzieht man die Pässe der Juden einer noch strengeren Revision als bisher, und selbst in Petersburg hat man es für richtig gefunden, noch 98 jüdische Handwerker mit ihren Familien änszuweisen. Doch nicht nur unter den Auswüchsen fanatischen Judenhasses haben unsere armen Glaubens genossen zu leiden, ein fast ebenso erbitterter Feind ist ihnen in der Gestalt der nicht nach Konfession fragenden Cholera erwachsen. 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