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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-09-16 · Heft 37 (16.9.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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erlangte er in. Würzburg die Doktorwürde. S^it 1899 bekleidet er in Ungarn das Amt eines Rabbiners, 1908 wurde er nach Miscolcz, der zweitgrößten jüdischen Gemeinde -Ungarns, zum Oberrabbiner gewählt. In seiner ungarischen Heimat genießt der noch verhältnismäßig junge Rabbiner, namentlich bei der gesetzestreuen Judenheit außerordentliche Wertschätzung, er gilt als eine maßgebende Autorität, dessen Entscheidungen in Religionsfragen häufig eingeholt werden. Die Wahl wird allgemein freudig begrüßt, denn die Hamburger Gemeinde gewinnt mit ihrem neuen Oberrabbiner nicht allein einen hervorragenden Kanzelredner, sondern auch einen bedeutenden Talmudlehrer. Die so viel umstrittene Oberrabbinersrage hat somiteine glückliche Lösung gefunden. — Die Bestattung des H errn Emil Magnus, Mitinhaber der Bankfirma Magnus & Friedmann, fand unter großer Beteiligung weiter Kreise statt Unter den Anwesenden bemerkten wir u. a. viele hervorragende Vertreter unserer Handels- und Finanzwelt, Deputationen auswärtiger industrieller Gesellschaften und Vereinigungen, in deren Verwaltungen Emil Magnus tätig war. Von der deutsch-israelitischen Gemeinde waren außer den Gemeindevorstehern der Vorstand und das Repräsentantenkollegium des Tempelverbandes, Delegierte der Steinthal-Loge, der Gabriel Rießer- Vereinigung, des Kinderhospizes in Duhnen, der Theresien-Stiftung, der Vereinigung für das Liberale Judentum und anderer gemeinnütziger Institutionen vertreten. In der Mitte des Parterresaales war der mit Kränzen und Blumen vollständig bedeckte Sarg aufgebcihrt. Nachdem die Gattin und die Söhne ihre Plätze vor dem Sarge eingenommen, hielt Herr Prediger Dr. Leindörfer eine tief empfundene Trauerrede. Er gab ein getreues Lebensbild des Dahingeschiedenen. der trotz seiner ausgebreiteten geschäftlichen Tätigkeit stets bereit war, seine schätzbare Kraft, in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Er war ein Wohltäter der Armen, ein Förderer aller geistigen Interessen. Mit ergreifenden Trostesworten an die Witwe und die Kinder. schloß die wirkungsvolle Rede. Herr Prediger Dr. Sonderling. dankte dem Verblichenen für seine segensreiche Wirksamkeit im Repräsentantenkollegium des Tempelverbandes, in der Steinthal-Loge und in der Vereinigung für das liberale Judentum. In allen diesen Institutionen werde das Andenken des treuen Mitarbeiters, des edlen Menschenfreundes, in hohen Ehren gehalten-werden. Nachdem Herr Dr. Wolfes-Hannover im Namen der Familie noch ein herzliches Abschiedswort gesprochen, wurde der Sarg' aus den .Leichenwagen gehoben. Der imposante Leichenkondukt, der aus zahlreichen Equipagen und vielen Fußgängern bestand, bewegte sich nach dem Friedhof in Ohlsdorf, woselbst die Beisetzung stattfand. — Seesen a. H., 12. September. Am 9. und 10. September fand an der hiesigen Jacobson-Schule (berechtigte Realschule und Realprogymnasium mit Erziehungsanstalt) die Schlußprüfung unter dem Vorsitz des Herzoglichen Kommissars, Herrn Geheimen Hofrat Professor Dr. Fr icke aus Braunschweig statt. Zwölf Prüflinge der Realschule und fünf des Realprogymnasiums haben dieselbe mit Erfolg bestanden und sich damit die Berechtigung zum einjährigfreiwilligen Militärdienst erworben. -- Frankfurt a. M., 11. September. Der 12. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hielt Sonntag in Frankfurt a M. seine Beratungen. Einen Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Verlegung der Leitung von Köln nach Berlin. Das Aktionskomitee der zionistischen Bewegung verfügt nach dem Geschäftsbericht über ein Gesamtvermögen von iy2 Millionen Mark und über eine Jahreseinnahme von etwa 600 000 Mark. Professor Marburg-Berlin sprach über Palästina als jüdisches Arbeitsgebiet. Schriftsteller Dr. Franz Uppen. heimer-Berttn gab einen Bericht über die zur. Gründung einer jüdischen- Genossenschaftssiedlungin Palästinaunternommenen Schritte. Er hat das Land im Anfang des Jahres bereist und für die Siedlung ein sehr günstig gelegenes Terrain erworben, so daß die Siedlungsgenossenschaft noch im Laufe dieses Jahres begründet werden kann. S; L Bamberg, 12. September. Am Samstag abend nach dem- Gottesdienste fand die Abschiedsfeier von der alten Synagoge statt. Der Rabbiner Herr Dr. ,Eckstein hielt eine ergreifende .Anfprache, nach welcher die Thorarollen aus dem Gotteshause — das durch Auslöschen des ewigen Lichts, aufgehört hat, ein solches zu sein — hinweggetragen wurden. Die eigentliche Einweihungsfeier dep. neuen Synagoge begann mit dem Vortrage des Liedes „Gott. Du Allmächtiger. Gott, Du Allgütiger". Hierauf begrüßte Herr Justizrat Dr. Werner alle Anwesenden. Es hatten sich alle Spitzen der.Behörden des Kreises und der Stadt versammelt sowie Mitglieder der umliegenden Gemeinden. Nachdem Herr Dr. Werner den Bau dem Schutze der Stadt übergeben hatte, erwiderte Herr Oberbürgermeister Lutz in trefflicher Rede, wobei er ausführte, daß der religiöse Friede, wie bisher, für alle Zukunft erhalten bleiben möge. Nach Uebergabe des Schlüssels durch den Erbauer, Herrn Diplomarchitekten Krön fuß. fand der Einzug in die neue Synagoge statt. Nach einem Rundgang mit den Thorarollen zündete Herr Rabbiner Dr. Neubürger aus Fürth das ewige Licht an. Nach einem Gesänge des verstärkten Shnagogenchors hielt Herr Dr. Eckstein eine nach Form und Inhalt gleich vollendete Festpredigt, der er die Worte der heiligen Schrift: „Vollkommen sollst Du sein mit dem Ewigen, Deinem Gotte," zugrunde legte. . Nach einem weiteren Chorlied sprach Herr Dr. Freudenthal, Nürnberg das Gebet für König und Vaterland. Ein Schlußgesang, und beendet war eine Feier, die jedem Teilnehmer unvergeßlich sein wird. (Geradezu auffallend war, daß die orthodoxen Rabbiner weder erschienen noch irgendwie vertreten waren.) — Kisfirrgerr, 11. September. Eine für die israelitischen Hultusgemeinden des Königreiches Bayern wichtige Entscheidung hat' aus Anlaß einer Beschwerde des hiesigen Distriktsrabbiners Dr. Bamberg er der Königliche Verwaltungsgerichtshof in München getroffen. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde hatte in ihrem neuen Statut durch einstimmigen -Gemeindebeschluß bestimmt, daß Beamten und Bediensteten der Kultusgemeinde weder aktives noch passives Wahlrecht zustehe. Dagegen hat der Rabbiner Stellung genommen und auch obsiegt. Der Senat II des Königlichen Versiialtungsgerichtshofes stellte sich auf den Standpunkt, daß allen selbständigen ansässigen Israeliten unbestrittenermaßen Wahl- und Stimmrecht zustehe, infolgedessen in diesem Falle dem Rabbiner das volle Wahl- und Stimmrecht zugestanden werden müsse. Gestrrrrich-Angarn. K. Prag, 9. September. Der langjährige Vizepräsident der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde und verdienstvolle Direktor des in ganz Oesterreich rühmlichst bekannten „Israelitischen Nächstenliebevereins", eines der ältesten und größten Humanitätsvereine der Prager Kultusgemeinde, Herr Dr. Ludwig Bendiener, vollendete am 4. d. M. sein 70. Lebensjahr. Dr. Bendiener ist eine der markantesten und populärsten Persönlichkeiten in jüdischen und deutschen Kreisen in Prag und ganz Böhmen. Ursprünglich für den Rabbinerberuf bestimmt, genoß der Jubilar eine sorgfältige, streng religiöse Erziehung und erwarb sich frühzeitig bedeutende Kenntnisse auf allen Gebieten deS jüdischen und, rabbinischen Schrifttums, die er auch später, als er sich für die juristische Laufbahn entschied, mit Liebe und Interesse pflegte. Dadurch war Dr. Bendiener allezeit in der Lage, an allen Fragen, die die .Prager Kultusgemeinde berührten, mit richtigem Verständnis teilzunehmen und an deren Lösung mitzuarbeiten; seiner Vertrautheit mit dem jüdischen Schrifttum verdankt er es auch, daß er zum Anwalt und Vertreter vieler Gemeinden und — man könnte fast sagen — des Judentums in Böhmen wurde. Eine ganz besonders segensreiche Tätigkeit entfaltete Dr. Bendiener in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als das neue Musterstatut herauskam und es sich darum handelte, neue Gemeinden zu kreieren und alte, nicht mehr lebensfähige, aufzulösen. Da schwebte der Name Dr. Bendieners auf aller Lippen, und von weit und breit kamen zu ihm Gemeindevertreter, Rabbiner und Lehrer, um seinen Rat und seine Intervention anzurufen. Und er beseitigte alle Hindernisse, schlichtete die bestehenden Differenzen und stellte so den Frieden in vielen Gemeinden wieder her. Es dürfte überhaupt kaum eine Aktion geben, die in den letzten Jahrzehnten zum Wohle des Judentums in Böhmen oder in Oesterreich unternommen wurde, an dem Dr. Bendiener nicht hervorragend^ beteiligt wäre, Seit Jahren gehört , der Jubilar , als Vertreter der; mosaischen Konfession.

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