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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-09-16 · Heft 37 (16.9.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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eröffnet. In den Archiven der Alliance lägen die Beweiset» Fülle, wie er selbst für die Aermsten der Armen seinen ganzen persönlichen Einfluß einsetzte. Er war ein. Mann von ganz Hervorragenden Geistesgaben, und wenn seine Schärfe auch manchmal verletzte, so bekunden doch die letzten von ihm verfaßten Jahresberichte der „Alliance", daß er immer milder, ausgleichender, versöhnlicher wurde. — Unter den ergreifenden Tönen des Mendelssohnschen Liedes: „Es ist bestimmt in Gottes Rat" bewegte sich sodann der Zug der Leidtragenden zu der Grabstätte, wo man nach einem kurzen Gebet des Rabbiners Dr. Eschelbacher den Entschlafenen zur ewigen Ruhe bettete. Zahllose Hände sandten ihm die üblichen drei Handvoll Sand ins Grab, und viele warteten trotz des strömenden Regens, bis sich der Hügel über dem Grabe wölbte, um ihn mit Blumen und Blüten zu schmücken. *** Berlin, 13. September. Geheimer Rat Professor Dr. Friedrich Delitzsch. der ausgezeichnete Assyriologe-der Berliner Universität, vollendete am 3. September das sechzigste Lebensjahr. Durch seine Vorträge über Babel und Bibel hat Delitzsch die staunenswerten Ergebnisse der assyriologischen Wissenschaft in weite Kreise getragen und mit seiner packenden Darstellung, der lebendigen Vergegenwärtigung jener ersten Blüten mesopotamischer Kultur ein lebhaftes Interesse zu fesseln gewußt. Seine Ausführungen sind nicht einwandsfrei, und es hat auch an Angriffen gegen das neuassyriologische Dogma nicht gefehlt. Aber ist auch Delitzsch hier und da mit seinen Folgerungen zu weit gegangen, die Grundlagen, die cr durch seine assyrischen Studien für die Kenntnis Alt-Babyloniens gelegt hat, sind von bleibendem Wert. Friedrich Delitzsch ist ein Sohn des bekannten Leipziger Theologen und Hebraisten Franz Delitzsch,.. .Cr wurde in Erlangen geboren und schon mit 27 Jahren Professor der semitischen Sprachen und der Assyriologie an. der Leipziger Universität. 1893 wurde er als Ordinarius nach Breslau bc. rufen, und sechs Jahre darauf folgte er einem Ruf in gleicher Eigenschaft nach Berlin. Bereits die ersten Studien Delitzschs hatten der indogermanisch - semitischen Wurzelverwandtschaft gegolten. Der assyrischen Philologie wandte er sich dann weiterhin mit seinen assyrischen Lesestücken, den assyrischen Studien, dem assyrischen Wörterbuch zur gesamten bisher veröffentlichten Keilschriftliteratur und mit seiner Arbeit über „Entstehung der ältesten Schriftsysteme oder Ursprung der Keilschriftzeichen" zu. Die Zusammenhänge mit der Ueberlieferüng des Alten Testaments betonte Delitzsch bereits in seiner Arbeit von 1881: Wo lag das Paradies, und dann in seinem Werk über das Buch Hiob. Von seinen übrigen Arbeiten nennen wir nur seine Prolegomena zu einem neuen hebräisch-aramäischen Wörterbuch, seine Entzifferung der kapadokischen Keilschrifttafeln. Die wichtigsten Ergebnisse seiner Studien hat Delitzsch in seiner Geschichte Babyloniens und Assyriens und in seiner Schrift über das babylonische Weltschöpfungsepos. zusammengefaßt. Wie er in seinen öffentlichen Vorträgen ein größeres Publikum für jene weitabliegenden Probleme, leidenschaftlich zu fesseln wußte, so gehört er in seinen überaus anregenden Universitätsvorlesungen zu den beliebtesten Hochschullehrern. Auch um die Entwicklung der Berliner Museen hat sich Friedrich Delitzsch als Direktor der vorderasiatischen Abteilung, die mit ihren ganz hervorragenden Werken erst in dem Messelschen Heim zu voller Geltung kommen wird, die wichtigsten Verdienste erworben. Berlin, 13. September. Vor drei Jahren stifteten die Erben des am 17. Februar 1907 verstorbenen Bankiers Julius Bleichröder 200 000 Mark, um bedürftigen gesunden, mindestens zwölf Jahre alten Berliner Gemeindeschulkindern mehrtägige Ferien- Wanderungen zu ermöglichen. Zu diesem Zweck könnten nicht nur die Zinsen, sondern auch das Kapital ' selbst verwandt werden. Danach würde in etwa 20 Jahren das Kapital verbraucht sein. Nun beabsichtigen die Erben, dieser ausgezeichneten Stiftung ein weiteres Kapital von 160 000 Mark zu übereignen, jedoch mit der Auflage, daß von dieser Summe einige Renten an namhaft gemachte berechtigte Personen bis zu. deren Tode ausgezählt werden. Magistrat und Stadtverordnete werden diese Bedingung gern erfüllen. ----- Berlin, 13. September./ Der Verein für Arbeitsnachweis (Monbijouplatz 10, Telephon Amt III, 2589) schreibt uns: Das Einsetzen der Herbstfaison bringt erfahrungsgemäß im Handelsgewerbe' eine Erhöhung: der Arbeitsgelegenheiten mit sich, eine Tatsache, die in der Zahl der im Berichtsmonat August gemeldeten Vakanzen ihren Ausdrück gefunden hat. .Es kamen zur Kenntnis des Vereins insgesamt 394 offene Stellen,., in welche durch die für alle Teile unentgeltliche Vermittlung der verschiedenen Abteilungen 273 stellungslose Bewerber placiert wurden. - Die Zahl der gemeldeten Bewerber betrug in Summa 379 Personen, von denen im einzelnen 67 Kaüfleuten, 103 Handlungsgehilfinnen, und 103 gewerblichen Arbeitern die geeigneten Positionen vermittelt wurden. Der Verein Arbeitsnachweis könnte der Allgemeinheit noch weit größere Dienste leisten, wenn ihm von seiten der Herrn Chefs durch Anmeldung der in dem Geschäft vorkommenden Vakanzen eine größere Unterstützung zuteil werden würde. J. Danzig, 11. September. Bei der jüngsten Anwesenheit der kaiserlichen Familie in unserer Stadt besuchte Prinz A dalberi unter anderem auch das Kunst, und Antiquitätengeschäft unseres Glaubensgenossen Louis Berghold, besichtigte mit großem Interesse die reichen Kunstschätze desselben und kaufte auch einen geschnitzten, Alt-Danziger Armsessel. Ebenso ließ die Kronprinzessin für sich einen kostbaren Bronzeleuchter aus dem Jahre 1696 erwerben. 1. Bromberg, 12. September. Ter Landtagsabgeordnete Kommerzienrat Aronsohn hat anläßlich seines bevorstehenden 60. Geburtstages der Stadt Bromberg das Origiualwerk des Bildhauers Lepcke „Die Bogenspannerin" zum Geschenk gemacht. Eine Nachbildung dieses Kunstwerkes ist bekanntlich erst kürzlich, vom Kaiser angekauft und auf seine Veranlassuog in den gärtnerischen Anlagen der Museumsinsel in Berlin aufgestellt worden. In der letzten Stadtverordnetenversammlung in Bromberg wurde das hochherzige Geschenk Aronsohns unter dem Ausdruck herzlichsten Dankes angenommen und bestimmt, daß das Kunstwerk in den blümengeschmückten Anlagen neben dem Stadttheater Aufstellung finden soll. IV. Posen, 11. September. In der am 4. d. M. stattgesundenen Delegiertenversammlung wurde die Gründung einer Provinzialkasse beschlossen und die Satzungen für dieselbe festgestellt. Als Sitz der Kasse wurde Posen bestimmt. In den Ausschuß wurden gewählt: aus Posen die Herren Stadtrat Schleyer, Bankdirektor Goldschmidt, S. Bergel. Moritz Aschheim, S. Viktor, Rechtsanlvalt Peltesohn, Jacob Jacobstamm. Hermann Wollheim. Ferner Stadtrat Neum ark-Krotoschin, Stadtrat Krauskopf-Ostrowo, S. Goldschmidt-Lissa, Apotheker Salinger-Schildberg, Rabbiner Dr. Cohn-Rawitsch, Rabbiner Dr. Königsberger-Pleschen,' Rabbiner Dr. Dünner-Rogasen, Rabbiner Dr. Wreschner-Samter, Rabbiner Dr. Lewin-Wreschen. Der Vorstand besteht aus den Herren Stadtrat Schle.Yer als Vorsitzender, Bergel als stellvertretender Vorsitzender, Viktor, Schriftführer, Rechtsanwalt Peltesohn, Schatzmeister, Wollheim und Jacobstamm stellvertretende Schatzmeister b;w. Schriftführer. Es wäre dringend zu wünschen, wenn die bis jetzt der Organisation noch fernstehenden Gemeinden der Provinz schleunigst ihren Beitritt zur Kasse erklärten, damit auch hier wie in anderen Provinzen eine einheitliche Regelung der Wandersürsorge ermöglicht wird. — Durch den Tod des Herrn David Baruth hat die hiesige Synagogengemeinde ein bewährtes Mitglied verloren. Der Verstorbene, der nur das Älter von 46 Jahren erreichte, war Vorstandsmitglied vieler gemeinnütziger Vereine und hat durch sein bescheidenes, friedliches Wesen die Liebe und Zuneigung aller gewonnen. — In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde Herr Elkeles einstimmig zum Stadtrat gewählt. M. Hamburg, 7. September. In der gestern abend stattgefundenen gemeinsamen Sitzung des Vorstandes, der Delegierten und der Wahlkommission des Synagogenvorstandes wurde Herr Dr. Samuel Spitzer, Oberrabbiner in Miscolcz, zum Ober-' rabbiner in Hamburg als Nachfolger des unvergeßlichen Oberrabbiners M. Hirsch gewählt. Der neugewählte Oberrabbiner hat bereits telephonisch mitgeteilt, daß er die Wahl annimmt. Dr. Sam uel Spitzer wurde im Jahre 1872 in einem kleinen Orte in Ungarn geboren, er besuchte die jüdische Hochschule in Preßburg mit großem Erfolg, begab sich) dann nach Deutschland, wo er die Universitäten in Würzburg und Heidelberg besuchte und sich der Philosophie und Geschichte widmete, zugleich setzte er auch sein tal» mudisches Studium in Frankfurt und Würzburg fort. Im Jahre 1897

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